Forentext

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Vorwort zum Forentext „Tagebuch“

Das Tagebuch ist wie eine liebgewonne Kneipe, abseits des Trubels, in einer Nebengasse, die meist nur von Stammgästen besucht wird.
Hin und wieder verirrt sich ein Menschenkind darin. Es lauscht den Gedanken und Gesprächen, fühlt entweder eine Nähe zu sich selbst
oder verlässt den Raum kopfschüttelnd. Merkwürdig, sind hier doch alle willkommen, die einen Raum suchen, an dem sie ihre täglichen
Gedanken niederlegen können. Hier ist dieser Ort. By the way…die Drinks gehen natürlich aufs Haus!
Meine Vorgängerin im Amt des Tagebuchredakteurs Elke Nachtigall hat mir erlaubt, ihre Gedanken bezüglich des Forums „Tagebuch“
zu übernehmen. Dies tue ich von Herzen gerne, sind sie doch fundiert und aussagekräftig.

In diesem Sinne…wir lesen uns!

Otto Lenk


Forentext „Tagebuch“

Willkommen, liebe Freunde des literarischen Tagebuchs.

Der erste Impuls, diese zunächst geheim gehaltenen Aufzeichnungen zu beginnen, ist nicht selten gleichzeitig der erste zarte Schritt Richtung selbst motivierten Schreibens jenseits von Briefen und Schulaufsätzen. Oft handelt es sich thematisch um Begebenheiten, die uns neu sind, für die wir noch keinen Ansprechpartner haben. Das versieht sie mit einer gewissen Brisanz und verleiht ihnen Geständnischarakter – zumindest in der eigenen Wahrnehmung.

Prädestinierter Leser des Tagebuchs ist also zunächst die eigene Person. Diese zugrunde liegende Spaltung unserer selbst in Schreiber und Leser ist vielleicht das wichtigste Merkmal dieser Form der Aufzeichnung, die ich vorsichtig als eine gesunde Form von Egozentrik bezeichnen möchte. Darüber hinaus wage ich, zu behaupten, dass bereits in jedem ersten dieser vermeintlich zum Selbstzweck aufgezeichneten Worte der Wunsch steckt, das Licht der großen weiten Welt zu erblicken. Sonst könnte das Ganze auch als Selbstgespräch abgehandelt werden. Und genau hier sehe ich die „Literarische Schnittstelle“. Den Abzweig vom persönlichen Tagebuch zum literarischen markiert die Frage: „Wen, außer mich selbst (und eventuell im Text erwähnte Personen), könnte dieses Stille-Kämmerchen-Geschreibsel sonst noch interessieren?“ - und natürlich der Wunsch nach unbändig motivierenden Antwortrufen: „Mich!“ „Mich!“ „Mich auch!“


Legen wir uns also ausgezeichnet schreibend ins Zeug!

Ø Entwickeln wir einen unverwechselbar guten Stil.
Ø Verpacken wir ein Thema so geschickt, dass es den persönlichen Rahmen sprengt.
Ø Schreiben wir ein beliebiges fiktives Tagebuch derer, die wir schon immer mal sein wollten.
Ø Bringen wir eine Alltäglichkeit aus völlig ungewohntem Blickwinkel.
Ø Starten wir die Olympiade der skurrilsten gewagten Gedankensprünge.
Ø Machen wir unsere Schubladenhüter zu Lesefieber-Kurvenpushern!


Bei der Kritik und Beurteilung der in diesem Forum vorgestellten Beiträge wünsche ich mir das Feingefühl seitens der Leser, ausschließlich die literarischen Qualitäten und Schwächen eines Textes unter die Lupe zu nehmen. Naturgemäß stimmen im Tagebuch lyrisches Ich und Verfasser häufig überein (mit Ausnahme fiktiver Tagebuchtexte). Verhaltensweisen und Charaktermerkmale, geschweige denn die Gesamtheit der Persönlichkeit Einzelner, stehen daher (und nicht nur hier) nicht zur Debatte.

Es ist ein entscheidender erlaubter Unterschied, festzustellen, ein Text sei langweilig. Einen Tagebuchschreiber als langweilig zu titulieren, verstößt gegen die Netiquette.

Lyrische Tagebuchtexte sind genauso willkommen wie prosaische. Außerdem möchte ich noch folgende Vertreter der Gattung erwähnen:


Ø Traumtagebuch
Ø Krisentagebuch
Ø Reisetagebuch
ØSammelsurium
 
Zuletzt bearbeitet:

Otto Lenk

Foren-Redakteur
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