Fragment – Das Leben des Stopfpilzes (Fungus farciens) --- (gekürzt / Arbeitstitel)

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Fragment – Das Leben des Stopfpilzes (gekürzt / Arbeitstitel)

Wer da Nadel, Faden, Strumpf und Loch führt,
findet Fruchtkörper im Dada-Rhythmus
und verknüpft Linien mit Schleifen


Im Anfang ist die Lücke,
und die Lücke spricht: Stopf mich!
Da wächst der Stopfpilz,
zwischen Zahlen, Pausen, Fäden,
Ordnung trifft Chaos.

Wer stopft,
nimmt Stopfpilz, Nadel, Faden, Strumpf, Loch,
verwebt Zeilen, atmet Lücken.

Er kriecht durch Buchstaben,
hopft über Zeilen,
stolpert in π-Werten,
zählt 1 – 2 – 3 – fünf – sieben – elf
und lacht über Null.

Hut aus Latein,
Stiel aus Russisch und Englisch,
unter ihm wuchern Myzelstränge
wie verschlungene Gedanken.

Er isst keine Wörter,
verschlingt Pausen,
singt Zahlen,
tanzt auf Fingerschnipsen und Trommeln,
und wenn der Hopfpilz kommt,
springen die Zahlen wie Blätter im Wind.

Die Nadel sticht, der Faden zieht,
der Strumpf schließt, das Loch atmet –
Stopfen, wachsen, leben, zählen.

Er stirbt nicht:
jede Null ein neues Leben,
jede Zahl ein Funken,
der ihn weiterwachsen lässt
zwischen Zeilen, im myzelialen Chor.

So lehrt der Stopfpilz:
Wer da stopft, wächst.
Wer da zählt, lebt.
Wer da Nadel, Faden, Strumpf und Loch führt,
findet Fruchtkörper im Dada-Rhythmus
und verknüpft Linien mit Schleifen.

(Quellenangabe
Z
usammengestopft aus: Das Gedicht als Spiel und Verschwörung,
B. Hutschinowski,
Dada publishers,
January anno 2332,
mit Zeitmaschine übertragen in Deutsch, Englisch, Russisch und Toki Pona)
 
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