Frank braucht lang

Heinrich VII

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Franks Kopf war vom Pressen hochrot angelaufen. Hätte er sich im Spiegel betrachten können - was vom Klo aus natürlich nicht ging - hätte er die dick geschwollene Ader gesehen, die sich seitlich an seinem Schädel hervorgewölbt hatte. Unwillkürlich musste er an Leute denken, die auf der Toilette gestorben waren; sogar ein Religionsführer soll darunter gewesen sein.
Sofort lockerte er den Druck, aus panischer Angst, dass ihm dasselbe passieren könnte. Doch ohne Kraftaufwand tat sich erst recht nichts. Sein Stuhl war immer hart, musste mit aller Kraft herausgepresst werden. So stellte er sich eine Geburt vor – schrecklicher Gedanke.

Er presste wieder, diesmal vorsichtiger. Die Ader durfte ihm nicht platzen, so wollte er nicht enden. Mit heruntergelassener Hose vor der Schüssel. Ungekämmt und ohne ein Abschiedswort. Er ging nicht gern auf Toilette, ja, er hasste es. An manchen Tagen aß es sogar weniger, um sich vielleicht einen oder zwei dieser Gänge zu ersparen. Doch einmal täglich ließ es sich, trotz aller Bemühungen, nicht vermeiden. Und wenn es dann endlich vorbei war, kam das Abwischen. Vier- oder fünfmal musste er neues Klopapier nehmen. Am Ende war sein After so wund gescheuert, dass sich das Papier rot färbte.

"FraaaannnK!" gellte die Stimme seiner Schwester von draußen. "Du sitzt schon wieder über eine Viertelstunde."
Frank presste erneut, diesmal etwas stärker, doch das Zeug wollte noch immer nicht heraus.
"So lange braucht doch kein Mensch!"
Frank tastete vorsichtig die linke Seite seines Kopfes ab. Die geschwollene Ader schien noch weiter hervorgetreten zu sein.
Konnte er es riskieren, noch stärker zu drücken? Draußen polterte seine Schwester inzwischen gegen die Tür.
"Jetzt mach endlich auf, du Scheißkerl, ich muss auch!"
 
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