frau am fenster

liebe Mimi,
hab zuerst den titel gelesen und dann mit erleichterung, dass du es geschrieben hast.
gefällt mir sehr gut.
die rohrsänger und das verweben - da stolpere ich. auch, wenn sie flausen sind.
da erwarte ich etwas anderes.
liebe grüße
charlotte
 

Mimi

Mitglied
Hallo Charlotte,
hab zuerst den titel gelesen und dann mit erleichterung, dass du es geschrieben hast.
Huch, was hattest Du denn erwartet?
Wenn ich raten müsste, würde ich mal vermuten Du meinst die momentane "Überrepräsentation" der dichtenden Altherrenriege :p...

Zum Gedicht:
Die "flatternden Rohrsänger" (oder auch Rohrspatzen genannt), finde ich bildlich schon recht passend.
Sie stehen im Gedicht bildsprachlich für die kindlichen "Flausen", die sich im Kopf festsetzen, also verweben.
Da ich Deinen Einwand durchaus nachvollziehen kann und für berechtigt halte, habe ich die dritte Zeile der zweiten Strophe nochmals etwas überarbeitet.
Vielleicht klingt der Vers jetzt nicht mehr so "stolprig"...

Dankeschön für Deine Anregungen, liebe Charlotte!

Gruß
Mimi
 
:cool: ja, die richtung. und dann etwas mit sperma, kacke und runterholen.:eek:

also, der gedanke war mir so klar. nur bin ich gestolpert. jetzt stolpere ich vielleicht zu wenig. die strophe so ist klasse, aber ich habe das gefühl, im kontext war die erste version treffender. da bin ich gerade etwas unsicher.
sorry, das ist bauchgefühl.
und das, obwohl mir das gedicht wirklich richtig gut gefällt.

liebe grüße
charlotte
 

Mimi

Mitglied
Aron, querido amigo, wenn ich jetzt noch wüsste wie man als "Goethin" schreibt....(oder eben nicht schreibt).

Du darfst gerne konkretisieren, was Du nun "langweilig" findest.
 

Mimi

Mitglied
Das muss die Leserschaft entscheiden
Nur hatte ich die Frage nicht an die Leserschaft gestellt, sondern an Dich, denn der "Einwand" kam schließlich von Dir...

Vielleicht hätte mir Deine Antwort aufzeigen können, ob nun das gänzliche Fehlen der oben genannten Worte, mein Gedicht Deiner Meinung nach "langweilig" und "Goethin"-artig wirken lässt.

Mich ärgert hier nur Aron Manfeld.
Nicht doch, Aron, diese Aufgabe werde ich Dir weiterhin überlassen...
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
GrüßDich, Mimi!

ihre gedanken
oszillieren zwischen
implikation und imagination
ja, das regt zum Nachdenken an: alliteriert, als wären die beiden Abstrakta wurzelverwandt. Und wie verhalten sich diese beiden -ationen? Wenn Gedanken zwischen ihnen "oszillieren", könnten sie Gegensätze sein, oder bezeichnende Verschiedenheiten enger Nachbarn. Aber "Implikation" ist schon verdammt abstrakt. Was alles einem Sachverhalt implizit sein mag, tief eingefaltet, versteckt, was nur durch philosophische Analysen richtig herauskommt. Das Nest der Bedingungen.
Imagination ist schon ein Gegensatz zu den impliziten Mitgedanken, wie Bilder einen Gegensatz zu durchdachten Regel-Ordnungen bilden.

als kind waren ihre flausen
flatternde rohrsänger
die nester in ihren kopf verwebten
Jetzt haben wir eine Sie, das Subjekt einer Erzählung.
Und die wundervolle Metapher, die mich übers erste Lesen hinausgetragen hat, weil ichs noch mal lesen wollte: das verwebte Rohrsängernest. Ich weiß nun nicht so ohne nachzusehen, welche Form die Nester von Rohrspatzen haben, aber bei "verwebten" kamen mir die kugeligen Beutel von - ich glaube sie heißen "Webervögel" - also von solchen pulloverstrickenden Finken oder Webern oder was auch immer in den Sinn.

heute sind die gläser milchig
und die vier wände ihrer vorstellungskraft scherzen
über die dünnhäutigkeit ihres geistes
springt ein bißchen in ein anderes Zimmer des Erzählungsraumwechsels. Die abstrakte "Vorstellungskraft" stört das Persönliche, Imaginative, Narrative der Rundführung durchs Haus. Wie wärs mit
und die vier puppenhauswände scherzen
über die dünnhäutigkeit ihrer tapeten
?

grusz, hansz
 

Mimi

Mitglied
Danke, Hansz, für Deine Ausführungen, die mir beim nochmaligen Lesen eine mögliche Problematik bei der Bestimmung der Abstrakta im Gedicht aufzeigen.

Offensichtlich fällt gleich die erste Strophe mit der Tür ins Haus...
Das Abstraktum einer Begrifflichkeit oszilliert zwischen den Abstrakta zweier Begrifflichkeiten samt ihren jeweiligen Ensembles, die hier unweigerlich "mitschwingen".


Ich finde, dass der Begriff "Gedanken" in seiner Abstraktheit, den beiden anderen Begriffen in nichts nachsteht.
Denn, was sind eigentlich Gedanken?
Nüchtern formuliert sind Gedanken elektrische Impulse, unzählige chemische und hochkomplexe Interaktionen, die im Gehirn stattfinden.
Demzufolge sind Gedanken ein Produkt des menschlichen Gehirns, das in ständiger Wechselwirkung mit der inneren und äußeren "Umgebung" interagiert.

Wenn Gedanken zwischen ihnen "oszillieren", könnten sie Gegensätze sein, oder bezeichnende Verschiedenheiten enger Nachbarn.

Ja, das sehe ich ähnlich.
Implikation steht hier als Gegenstück zur Imagination.
Erste ist in ihrer Definition ein Sammelbegriff für formale oder rationale Schlussfolgerungen als Auswirkung logischer Zusammenhänge zuordenbar.
Unter dem Begriff Imagination verstehe ich den aktiven oder passiven Prozess des menschlichen Bewusstseins der Vorstellungsbildung.
Oder anders ausgedrückt, die Imagination ist eine Art Schnittstelle zwischen Wahrnehmung und Denken.
Wobei aus psychologischer Sicht nicht abschließend geklärt ist, wie sich, zum Beispiel beim Betrachten eines Bildes, Denkprozesse bilden.

Die abstrakte "Vorstellungskraft" stört das Persönliche, Imaginative, Narrative der Rundführung durchs Haus. Wie wärs mit ?

und die vier puppenhauswände scherzen
über die dünnhäutigkeit ihrer tapeten
?

Nun, Dein Vorschlag wäre eine Möglichkeit.
Gleichwohl ich finde, dass der Begriff Geist faszinierender wirkt auch wenn dadurch die Eigenschaft des Objekts fehlt, sinnlich wahrnehmbar zu sein.
"die dünnhäutigkeit des geistes" kann hier auch positiv im Sinne einer erhöhten Sensibilität und Empfänglichkeit für exogene oder endogene Reize verstanden werden.

Es ist doch die Macht der Vorstellungskraft, welche die persönliche Realität erschaffen kann...
...warum also nicht in ihren vier Wänden ?


Gruß
Mimi
 
Hallo Mimi,

in den ersten drei Versen gleich drei Fremdwörter – nicht gerade ein niedrigschwelliger Einstieg fürs Publikum, aber wie dem auch sei, die darauffolgenden sprachlichen Bilder sind dafür umso anschaulicher und evokativer. Mich interessiert noch, wie es zur Entstehung deines Gedichts gekommen ist: Der Titel verweist ja auch auf ein bekanntes Motiv aus der Malerei, wie es bei Dalis luftig-leichtem Frühwerk „Mädchen am Fenster stehend“ (oder auch bei Caspar David Friedrichs kantiger zentralperspektivischer Version) zu sehen ist.

Grundsätzlich finde ich die Symbiose von Bild und Gedicht spannend – vielleicht ist dies auch hier der Fall, die Bildbetrachtung als Ausgangspunkt eines lyrischen Pfades in eine weitere Richtung (die Kontrastierung der Gedankenwelt einer jungen/gealterten Person). Einiges spricht dafür …

Gruß,

Artbeck
 

Mimi

Mitglied
Hallo Artbeck,
Danke für Deine Eindrücke ...
Das mit den "Fremdwörtern" ist so eine Sache, wobei ich denke, dass dem "Publikum" nicht die "Fremdwörter" als solche den Einstieg ins Gedicht "erschweren", sondern eher ihre Abstraktheit.
Aber ich glaube, es wäre ein völlig anderes Gedicht geworden, hätte ich nicht genau diese Worte gewählt.

Der Titel verweist ja auch auf ein bekanntes Motiv aus der Malerei, wie es bei Dalis luftig-leichtem Frühwerk „Mädchen am Fenster stehend“ (oder auch bei Caspar David Friedrichs kantiger zentralperspektivischer Version) zu sehen ist.
Deine Vermutung liegt nahe, bewusst habe ich allerdings nicht an beide Werke beim Schreiben gedacht.
Dalís als auch Friedrichs Werk thematisieren die Innen- und Außenwelt, ähnlich wie im Gedicht.


vielleicht ist dies auch hier der Fall, die Bildbetrachtung als Ausgangspunkt eines lyrischen Pfades in eine weitere Richtung (die Kontrastierung der Gedankenwelt einer jungen/gealterten Person). Einiges spricht dafür …
Diese Leseart empfinde ich als äußerst interessant, lieber Artbeck.
Ja, die "Kontrastierung der Gedankenwelt" finde ich sehr treffend formuliert.

Gruß
Mimi
 

AbrakadabrA

Mitglied
Ihre Gedanken
Wirkten manchmal
Echt

Manchmal fremd

Wie der Gesang
Des Wellensittichs

Der abends

Abgedeckt

Sich selbst in Schlaf

Trauerte​
 


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