Friedensfest

Höchste Zeit, hat man befunden -
und man kündigt Oma an,
daß man eine Fete plan`
ihr zu Ehren und zum Runden.

Sämtliche Familienglieder,
die verstreut und bunt-verschieden,
sähe man versammelt wieder,
froh - und, so Gott will, in Frieden.

Onkel Jupp wird sich um ganz
ausgesuchten Takt bemühn,
grade gegen Vetter Franz,
dem er nicht besonders grün.

Tante Bella wird verschweigen,
daß von Lagerfeld ihr Kleid,
denn die Schwägerinnen neigen
stark zu Gelbsucht, vulgo: Neid.

Liz erklärt nicht, wie man klug
jegliches versilbern kann -
Gretchen gibt im Gegenzug
nicht mit ihrem Goldkind an.

Vetter Jobst wird nicht andauernd
prophezei`n, was nächstens droht -
wenn er, wie ein Geier kauernd,
schwarzsieht, sehen alle rot.

Kläuschen kommt in lila Spitze,
niemals in dezentem Greige -
doch er sagt nicht, Opa Fritze
sei auch geistig dunkelbeige.

Die sensible Base Rosa
denkt nur leise, Bodos Frau
sei die inkarnierte Prosa
(zeigt ja schon die Aura: grau!).

Schwager Horst wird auch verständigt,
weil er halt dabei sein muß -
wenn ihn Gattin Hilda bändigt,
wird er blau sein erst am Schluß.

Die das Leben weit verwehte,
winden sich bei Spiel und Tanz
dir zum farbenreichen Kranz :
Freu` dich, Oma, auf die Fete!

Oma öffnet ihren Mund
zu entschlossner Widerrede:
Zum Geburtstag eine Fehde?
Na, das wär` mir doch zu bunt!

Damit ist der Fall erledigt.
Nur - wer sieht in Oma rein?
Ist sie einfach hörgeschädigt -
oder kann das Weisheit sein?
 

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