Fritz ist auf Salutogenese

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Früher hatten sie ihn immer gehänselt, weil er so einen altmodischen Namen trug. Heute war Fritz das egal. Und jetzt war es ihm erst recht egal.

Der Kunstverein hatte nämlich ein Bild von ihm im Bürgerhaus ausgestellt. Es sah ein bisschen sehr digital aus. Das kam daher, dass Fritz gern am Computer komponierte. Er hatte sich kürzlich ein Grafikprogramm für den PC zugelegt. Und jetzt komponierte er und assemblierte er auf Teufel komm raus. Das Programm war auf Englisch gehalten. Im Menüpunkt hieß der Vorgang dann „composite“. Na gut.
Fritz ließ drei von seinen Lieblingsbildern auf DIN A4 ausdrucken. Das kostete zwar ein paar Euro. Aber er wollte unbedingt an diesem Malwettbewerb für Senioren teilnehmen. Ob Pinsel oder Computergrafik, das war den Veranstaltern egal. Und jetzt hatte er eben diesen Ehrenplatz bekommen.
Ein Besucher hatte ihn während der Ausstellung vor dem Bild angesprochen und etwas von Salutogenese gemurmelt. Fritz hatte freundlich gelächelt, aber nichts verstanden. Zu Hause musste er dann unbedingt im Internet den Begriff nachgeschlagen. Es ging wohl darum, dass ein Mensch auch im Alter gesund bleiben konnte, wenn er sich ein bisschen gescheit einrichtete.

Man muss erstens das Leben so nehmen, wie es ist. Das war zwar Blabla für ihn, aber Fritz hatte den Satz einmal so stehen lassen.
Dann soll sich einer eine machbare Aufgabe aussuchen, egal wie alt er ist. Also nicht zurücklehnen und fallen lassen. Fritz hatte als Kind schon recht gut gemalt. Und das Talent trat jetzt im fortgeschrittenen Alter wieder zu Tage.
Und dann muss das ganze Leben für den Betreffenden irgendwo einen Sinn machen. Fritz konnte den Ausspruch zwar logisch nicht in letzter Konsequenz nachvollziehen, und was dieser für ihn bedeuten sollte. Aber irgendwie war er ganz zufrieden mit seinem Leben.
Und jetzt, nach der Ehrung und dem Spruch mit dieser Salutogenese ging es ihm noch einmal so gut. Gut, dass er sich getraut hatte.
 

 
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