Max Neumann
Mitglied
Ich weiß nicht, woher diese Verlustangst und diese Verletzlichkeit kommen. Ich weiß nicht, wann sie entstanden ist und warum.
Was ich weiß, ist: Ich leide darunter.
Ich sehe dort an der Wand ein Foto, auf dem mein Junge sich an mich drückt. Diese Verbundenheit zwischen uns ist etwas, das ich mit meinem Vater niemals hatte und niemals haben werde.
Und das ist okay.
Damit habe ich schon lange meinen Frieden gemacht.
Und jetzt kommt die nächste Challenge: die Angst, meinen Sohn zu verlieren.
Denn wenn diese Angst kommt, mache ich mir vieles kaputt, was eigentlich wunderschön ist. Dann vertraue ich auf nichts mehr. Ich zweifle an allem. Ich verliere den Blick für das, was gerade da ist.
Aber das Leben ist kein Parfum. Es verfliegt nicht einfach so.
Alles hat seinen Sinn.
Alles hat seinen Grund.
Alles hängt zusammen.
39 Jahre lang bin ich mit einem Brett vor dem Kopf durch die Wüste gelaufen und habe mir dabei die Stirn blutig geschlagen.
39 Jahre lang.
Nicht ohne Grund.
Doch heute habe ich etwas ganz anderes verdient:
für immer in der Oase zu sein.
Jeden Morgen dort aufs Neue aufzuwachen. Umgeben von den Menschen, die mich lieben und die ich liebe. Umgeben vom Spiel der Sonne, von Wärme, von Frieden und von Wohlstand – nicht nur im materiellen Sinne, sondern von dem Reichtum, der entsteht, wenn man endlich angekommen ist.
Meine Stirn ist verheilt.
Die Erinnerungen sind es noch nicht.
Aber auch sie sind auf dem Weg dorthin.
Die Statue dieser drei Menschen, die ich sehe, wenn ich den Kopf nach rechts wende, beruhigt mich.
Die Zeichen beruhigen mich.
Die Zahlen.
Und vor allem die Klänge.
Ich atme durch.
Ich brauche keine Angst zu haben.
Denn Angst ist kleinlich. Heimtückisch. Billig. Verlogen. Falsch.
Angst hindert mich an dem, was gut ist.
Ich kann Angst mit sinnloser Gewalt gleichsetzen: mit einer Hand, die lieber blutig zuschlägt und sich selbst die Finger bricht, anstatt mit derselben Hand zu schreiben, zu bauen, zu erschaffen und weiterzugehen.
Deshalb ist dieser Text ein Blatt Papier.
Auf diesem Blatt steht nur ein einziges Wort:
ANGST.
Und dieses Blatt zerknülle ich jetzt.
Ich verbrenne es.
Und ich puste die Asche in den Wind.
In den Wind der Zukunft.
Auf dass sie niemals wiederkommt.
Auf dass sie sich für immer im Kosmos verliert, in winzigsten Partikeln, weit weg von mir, weit weg von meinem Bewusstsein, weit weg von meiner Liebe, meinem Licht und meinem Glück.
Ich atme.
Ich vertraue.
Ich gehe weiter.
In Liebe.
Dein Sohn
Max
Amen
Was ich weiß, ist: Ich leide darunter.
Ich sehe dort an der Wand ein Foto, auf dem mein Junge sich an mich drückt. Diese Verbundenheit zwischen uns ist etwas, das ich mit meinem Vater niemals hatte und niemals haben werde.
Und das ist okay.
Damit habe ich schon lange meinen Frieden gemacht.
Und jetzt kommt die nächste Challenge: die Angst, meinen Sohn zu verlieren.
Denn wenn diese Angst kommt, mache ich mir vieles kaputt, was eigentlich wunderschön ist. Dann vertraue ich auf nichts mehr. Ich zweifle an allem. Ich verliere den Blick für das, was gerade da ist.
Aber das Leben ist kein Parfum. Es verfliegt nicht einfach so.
Alles hat seinen Sinn.
Alles hat seinen Grund.
Alles hängt zusammen.
39 Jahre lang bin ich mit einem Brett vor dem Kopf durch die Wüste gelaufen und habe mir dabei die Stirn blutig geschlagen.
39 Jahre lang.
Nicht ohne Grund.
Doch heute habe ich etwas ganz anderes verdient:
für immer in der Oase zu sein.
Jeden Morgen dort aufs Neue aufzuwachen. Umgeben von den Menschen, die mich lieben und die ich liebe. Umgeben vom Spiel der Sonne, von Wärme, von Frieden und von Wohlstand – nicht nur im materiellen Sinne, sondern von dem Reichtum, der entsteht, wenn man endlich angekommen ist.
Meine Stirn ist verheilt.
Die Erinnerungen sind es noch nicht.
Aber auch sie sind auf dem Weg dorthin.
Die Statue dieser drei Menschen, die ich sehe, wenn ich den Kopf nach rechts wende, beruhigt mich.
Die Zeichen beruhigen mich.
Die Zahlen.
Und vor allem die Klänge.
Ich atme durch.
Ich brauche keine Angst zu haben.
Denn Angst ist kleinlich. Heimtückisch. Billig. Verlogen. Falsch.
Angst hindert mich an dem, was gut ist.
Ich kann Angst mit sinnloser Gewalt gleichsetzen: mit einer Hand, die lieber blutig zuschlägt und sich selbst die Finger bricht, anstatt mit derselben Hand zu schreiben, zu bauen, zu erschaffen und weiterzugehen.
Deshalb ist dieser Text ein Blatt Papier.
Auf diesem Blatt steht nur ein einziges Wort:
ANGST.
Und dieses Blatt zerknülle ich jetzt.
Ich verbrenne es.
Und ich puste die Asche in den Wind.
In den Wind der Zukunft.
Auf dass sie niemals wiederkommt.
Auf dass sie sich für immer im Kosmos verliert, in winzigsten Partikeln, weit weg von mir, weit weg von meinem Bewusstsein, weit weg von meiner Liebe, meinem Licht und meinem Glück.
Ich atme.
Ich vertraue.
Ich gehe weiter.
In Liebe.
Dein Sohn
Max
Amen