Friedrichshainerin
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Jedes Jahr, wenn sich dieser Tag nähert, überkommt mich der Wunsch, eine Riesenfeier zu veranstalten. Wobei sich mit den Jahren die Schar der potentiellen Gäste ganz schön ausgedünnt hat. Auf gut Deutsch: „Man hat sich zerstritten.“
Außerdem trage ich ein Trauma mit mir herum, Geburtstage betreffend.
Zwölfter Geburtstag. Ich habe drei Freundinnen aus meiner Klasse eingeladen. Als Gastgeberin wachse ich über mich hinaus, lege Platten auf, organisiere Spiele. Sogar das, wo man mit verbundenen Augen und Messer und Gabel eine Tafel Schokolade isst. Eigentlich sind wir dafür schon etwas zu alt. Macht trotzdem Spaß.
Alles klappt super. Die Torte schmeckt. Wir sind ein Herz und eine Seele. Abends bringe ich zwei davon, die in einem anderen Dorf wohnen, noch zum Bus. Ich halte mich für beliebt.
Da wusste ich noch nichts davon, dass der Höhepunkt einer zwischenmenschlichen Beziehung oft gleichzeitig ihr Ende darstellt. Jedenfalls erwähnten die Beiden meine Geburtstagsfeier nie wieder und behandelten mich, als ob sie mich kaum kannten und hielten auch nicht zu mir, wenn Andere in der Klasse, wo ich in der Rangordnung die unterste Stufe einnahm, mich drangsalierten. Die Freundschaft hatte wohl nur in meiner Phantasie existiert. Die dritte Teilnehmerin der Feier wohnte bei mir nebenan, und wir als Klassenkameradinnen waren sowieso jeden Tag nach der Schule zusammen.
Zehn Jahre später. Berlin. Ich habe mal wieder Geburtstag. Ich frage Moni, eine Freundin aus meiner Seminargruppe, ob wir in ihrer Wohnung im Prenzlauer Berg feiern können. Sie hat zusammen mit einem langhaarigen Hippiemädel aus Wasungen in Thüringen, die aus einer einer anderen Seminargruppe ist, eine Studentenwohnung von der Uni abtrotzen können. Im Prenzlauer Berg. Nur ein Zimmer, aber immerhin was Separates aber mit Ofenheizung und Toilette eine Treppe. Da lobe ich mir unser warmes Wohnheim und die Dusche.
Moni ist einverstanden. So ziehen wir am Abend zu viert, mit Gitarre bewaffnet – dabei, außer meiner besten Freundin Doreen, zwei aus meinem Zimmer, die aber eine andere Fachrichtung studierten, und mit denen ich mich super verstand: die Eine, ein schwer katholisches Mädchen aus dem Eichsfeld, die Andere aus Weimar, sehr in der dortigen Bluesszene involviert –, ich trage einen großen Korb mit Fressalien und Weinflaschen, in den Prenzlauer Berg.
Der Abend verläuft sehr harmonisch. Wir Sechs sind ein Herz und eine Seele. Die beiden Gitarristinnen, Doreen und die Weimaranerin, unter uns brauchen nicht lange überredet zu werden. Zum Schluss singen wir alle Bob Dylan Songs zur Gitarre.
Aber auch hier fiel der Höhepunkt einer zwischenmenschlichen Beziehung mit ihrem Ende zusammen. Nach meiner Exmatrikulation ein paar Monate später - auch Moni hatte nicht die Hand gehoben, als unsere FDJ-Sekretärin, die das angeleiert hatte, die Seminargruppe fragte, ob jemand Einwände gegen meinen Rausschmiss machen wollte -, löste sich alles in Luft auf.
Treu geblieben ist mir meine Freundin Doreen, die auch in Berlin wohnt. Wir blieben noch eine Weile nach dem Rauswurf locker in Verbindung und sahen uns danach noch ab und zu auf der Straße.
Doreen erzählte mir auch, dass die Beiden, mit denen ich im Wohnheim ein Zimmer teilte im zehnten Stock in der Storkower Straße, und die auch beim Geburtstag dabei waren, sich nie erkundigt hätten, wie es mir geht. Ich hab wohl ihre freundschaftlichen Gefühle für mich überschätzt.
Das Hippiemädel aus Thüringen, das mit Moni zusammen in der Studentenwohnung im Prenzlauer Berg wohnte, sah ich ein paar Jahre später mal mit Mann und Kind im Bus. Sie hatte immer noch lange Haare und trug wie früher einen Shell-Parka.
Sie erwiderte zwar meinen Gruß, aber das war es dann auch. Keine Fragen in der Art: "Was machst du? Wo arbeitest du?" Kein Interesse, was ich seit dem Rauswurf so erlebt habe. Und früher hatte sie immer so auf interessant gemacht.
Ich war enttäuscht von ihr. Von meiner Geburtstagsfeier ist nichts übriggeblieben. Alle zwischenmenschlichen Beziehungen haben wohl wieder mal nur in der Phantasie existiert.
Wie ging es denn Truman Capote? Er hatte eine große Sause für seine Freunde organisiert – weiß jetzt nicht, ob es sein Geburtstag war – und sehr viel Geld und Mühe investiert. Die Feier war grandios und Stadtgespräch. Alles sind eine Liebe und ein Sonnenschein. Danach war alles aus. Er wurde von der Gesellschaft geschnitten, nachdem er in einem Buch wohl zu viel über seine Bekannten preisgegeben hatte. Er wurde zur Persona non Grata. Das traf ihn tief.
Ich denke: „Was musste er auch den Reichen immer so hinten rein kriechen? Er hat wohl die Freundschaft, die die High-Society-Ladys für ihn fühlten, überschätzt. War nur ihr Hofnarr."
Solche Festlichkeiten haben es in sich. Sind trügerisch. Vielleicht im Grunde schon Abschiedsfeiern.
Außerdem trage ich ein Trauma mit mir herum, Geburtstage betreffend.
Zwölfter Geburtstag. Ich habe drei Freundinnen aus meiner Klasse eingeladen. Als Gastgeberin wachse ich über mich hinaus, lege Platten auf, organisiere Spiele. Sogar das, wo man mit verbundenen Augen und Messer und Gabel eine Tafel Schokolade isst. Eigentlich sind wir dafür schon etwas zu alt. Macht trotzdem Spaß.
Alles klappt super. Die Torte schmeckt. Wir sind ein Herz und eine Seele. Abends bringe ich zwei davon, die in einem anderen Dorf wohnen, noch zum Bus. Ich halte mich für beliebt.
Da wusste ich noch nichts davon, dass der Höhepunkt einer zwischenmenschlichen Beziehung oft gleichzeitig ihr Ende darstellt. Jedenfalls erwähnten die Beiden meine Geburtstagsfeier nie wieder und behandelten mich, als ob sie mich kaum kannten und hielten auch nicht zu mir, wenn Andere in der Klasse, wo ich in der Rangordnung die unterste Stufe einnahm, mich drangsalierten. Die Freundschaft hatte wohl nur in meiner Phantasie existiert. Die dritte Teilnehmerin der Feier wohnte bei mir nebenan, und wir als Klassenkameradinnen waren sowieso jeden Tag nach der Schule zusammen.
Zehn Jahre später. Berlin. Ich habe mal wieder Geburtstag. Ich frage Moni, eine Freundin aus meiner Seminargruppe, ob wir in ihrer Wohnung im Prenzlauer Berg feiern können. Sie hat zusammen mit einem langhaarigen Hippiemädel aus Wasungen in Thüringen, die aus einer einer anderen Seminargruppe ist, eine Studentenwohnung von der Uni abtrotzen können. Im Prenzlauer Berg. Nur ein Zimmer, aber immerhin was Separates aber mit Ofenheizung und Toilette eine Treppe. Da lobe ich mir unser warmes Wohnheim und die Dusche.
Moni ist einverstanden. So ziehen wir am Abend zu viert, mit Gitarre bewaffnet – dabei, außer meiner besten Freundin Doreen, zwei aus meinem Zimmer, die aber eine andere Fachrichtung studierten, und mit denen ich mich super verstand: die Eine, ein schwer katholisches Mädchen aus dem Eichsfeld, die Andere aus Weimar, sehr in der dortigen Bluesszene involviert –, ich trage einen großen Korb mit Fressalien und Weinflaschen, in den Prenzlauer Berg.
Der Abend verläuft sehr harmonisch. Wir Sechs sind ein Herz und eine Seele. Die beiden Gitarristinnen, Doreen und die Weimaranerin, unter uns brauchen nicht lange überredet zu werden. Zum Schluss singen wir alle Bob Dylan Songs zur Gitarre.
Aber auch hier fiel der Höhepunkt einer zwischenmenschlichen Beziehung mit ihrem Ende zusammen. Nach meiner Exmatrikulation ein paar Monate später - auch Moni hatte nicht die Hand gehoben, als unsere FDJ-Sekretärin, die das angeleiert hatte, die Seminargruppe fragte, ob jemand Einwände gegen meinen Rausschmiss machen wollte -, löste sich alles in Luft auf.
Treu geblieben ist mir meine Freundin Doreen, die auch in Berlin wohnt. Wir blieben noch eine Weile nach dem Rauswurf locker in Verbindung und sahen uns danach noch ab und zu auf der Straße.
Doreen erzählte mir auch, dass die Beiden, mit denen ich im Wohnheim ein Zimmer teilte im zehnten Stock in der Storkower Straße, und die auch beim Geburtstag dabei waren, sich nie erkundigt hätten, wie es mir geht. Ich hab wohl ihre freundschaftlichen Gefühle für mich überschätzt.
Das Hippiemädel aus Thüringen, das mit Moni zusammen in der Studentenwohnung im Prenzlauer Berg wohnte, sah ich ein paar Jahre später mal mit Mann und Kind im Bus. Sie hatte immer noch lange Haare und trug wie früher einen Shell-Parka.
Sie erwiderte zwar meinen Gruß, aber das war es dann auch. Keine Fragen in der Art: "Was machst du? Wo arbeitest du?" Kein Interesse, was ich seit dem Rauswurf so erlebt habe. Und früher hatte sie immer so auf interessant gemacht.
Ich war enttäuscht von ihr. Von meiner Geburtstagsfeier ist nichts übriggeblieben. Alle zwischenmenschlichen Beziehungen haben wohl wieder mal nur in der Phantasie existiert.
Wie ging es denn Truman Capote? Er hatte eine große Sause für seine Freunde organisiert – weiß jetzt nicht, ob es sein Geburtstag war – und sehr viel Geld und Mühe investiert. Die Feier war grandios und Stadtgespräch. Alles sind eine Liebe und ein Sonnenschein. Danach war alles aus. Er wurde von der Gesellschaft geschnitten, nachdem er in einem Buch wohl zu viel über seine Bekannten preisgegeben hatte. Er wurde zur Persona non Grata. Das traf ihn tief.
Ich denke: „Was musste er auch den Reichen immer so hinten rein kriechen? Er hat wohl die Freundschaft, die die High-Society-Ladys für ihn fühlten, überschätzt. War nur ihr Hofnarr."
Solche Festlichkeiten haben es in sich. Sind trügerisch. Vielleicht im Grunde schon Abschiedsfeiern.
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