gedächtnisscherben

3,80 Stern(e) 4 Bewertungen
Wolken erzählen den regen.

landschaften fließen sich aus.

die stille verglast
hastig
wird sie in handgroße splitter zerplappert.

worte rollen die zähne entlang.

die stadt ist voll trauriger schritte.

am rande steht manchmal ein sterbliches
und findet seine füße nicht.

ein zweites geht.

ein drittes klagt leise im heimwehkristall.

wir lachen.

blumen blühen den sommer tot.

krähen werden von den bäumen gefädelt.

sie fliegen die mittage dunkler.

wir zeichnen ein lächeln in aufgepappte gesichter.

du sprichst mit den augen.

Der kokon unsrer liebe hängt am seidenen faden.

entpuppt sich als lüge.

bald kommt die nacht. still.

jemand geht. nichts bleibt zu sagen.
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Patrick,

das gefällt mir sehr - vielleicht nicht alles - ich weiß noch nicht, sehr offene Gestaltung.

Ich werde ein paar Tage mit deinen Worten über die Felder gehen.
bis dahin
Ralf
 
Wolken erzählen den regen.

landschaften fließen sich aus.

die stille verglast
hastig
wird sie in handgroße splitter zerplappert.

worte rollen die zähne entlang.

die stadt ist voll trauriger schritte.

am rande steht manchmal ein sterbliches
und findet seine füße nicht.

ein zweites geht.

ein drittes klagt leise im heimwehkristall.

wir lachen.

blumen blühen den sommer tot.

krähen werden von den bäumen gefädelt.

sie fliegen die mittage dunkler.

wir zeichnen ein lächeln in aufgepappte gesichter.

du sprichst mit den augen.

wir gehen. wir lachen.

die stadt ist voll trauriger schritte.
 
Hallo Ralf
Das Ende hat mir persönlich überhaupt nicht gefallen.
Ich denke so ist es etwas runder, in sich abgeschlossener.

Danke für das zu Wort melden.
Lass dir ruhig Zeit.

L.G
Patrick
 
Wolken erzählen den regen.

landschaften fließen sich aus.

die stille verglast
hastig
wird sie in handgroße splitter zerplappert.

worte rollen die zähne entlang.

die stadt ist voll trauriger schritte.

am rande steht manchmal ein sterbliches
und findet seine füße nicht.

ein zweites geht.

ein drittes klagt leise im heimwehkristall.

wir lachen.

blumen blühen den sommer tot.

krähen werden von den bäumen gefädelt.

sie fliegen die mittage dunkler.

wir zeichnen ein lächeln in aufgepappte gesichter.

du sprichst mit den augen.

wir lachen.

die stadt ist voll trauriger schritte.
 

revilo

Mitglied
die stille verglast


die stadt ist voll trauriger schritte.
ein zweites geht.
wir lachen.

blumen blühen den sommer tot.

krähen werden von den bäumen gefädelt.

sie fliegen die mittage dunkler.

die stadt ist voll trauriger schritte.

......aus diesem Gerüst kannst du ein wunderbares Gedicht machen.....der Rest ist Lyriklametta......

LG revilo.....
 

Ralf Langer

Mitglied
Scherbengericht

Hallo Patrick,

Es ist ein Scherbenhaufen, Splitter, an den Rändern kann man sich schneiden. Es ist nichts Ganzes, vielleicht weil es das Ganze nie gab.
Wortbrüche vom Rand der Wahrnehmung finde ich hier. Ein Gedicht aus Gedächtnislücken. Denn lückenhaft ist es, und ich unterstelle dir Absicht.

Vielleicht ein Spätnachmittag im Leben eines Liebespaars am Rande ihrer gemeinsamen Zeit.

Du zeigst Innenbilder und paarst sie mit Aussenwahrnehmungen:

Die Krähen assozieren bei mir den Herbst, so auch die Wolken.

Ein paar Zeilen reden nicht mit mir:

„am rande steht manchmal ein sterbliches
und findet seine füße nicht.
ein zweites geht.
ein drittes klagt leise im heimwehkristall.“

Das scheint mir zu gewollt, aber ich weiß nicht was dieser „Abschnitt“ will

Vielleicht liesse ich das Gedicht ohne diese Zeilen:

Gedächtnisscherben

wolken erzählen den regen.
landschaften fließen sich aus.
die stille verglast
hastig
wird sie in handgroße splitter zerplappert.
worte rollen die zähne entlang.

die stadt ist voll trauriger schritte.
wir lachen.

blumen blühen den sommer tot.
krähen werden von den bäumen gefädelt.
sie fliegen die mittage dunkler.
wir zeichnen ein lächeln in aufgepappte gesichter.
du sprichst mit den augen.

wir lachen.
die stadt ist voll trauriger schritte.

(Meine Formatierung)

Das scheint mir runder. Zweimal "lachen" und zweimal "die Stadt ist voll trauriger Schritte" gefält mir sehr. Macht auf mich nicht den Eindruck von Redundanz. Wirkt so finde ich sehr stimmig.

Wie immer bei dir einige starke Formulierungen:

„Wolken erzählen den Regen“ oder „Blumen blühen den Sommer tot“.
Das sind kräftige Bilder, sie sind für mich neu ohne gezwungen zu wirken, ganz im Gegenteil, sie sind so als wären sie immer schon gewesen.

Ein schönes Stück , vielleicht Melancholie, "wir lachen, aber jedes lachen hat seine zeit…"

gerne gelesen

Ralf
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

ich habe es mehrmals gelesen, auch die Kommentare. Nach dem letzten wurde mir klar, was mich hier seit dem ersten Lesen etwas verwirrt.
Ralf schrieb:

Es ist nichts Ganzes, vielleicht weil es das Ganze nie gab.


Diese Interpretation gefällt mir am besten, weil meine erste, so wie der Titel, sich ebenfalls auf Gedächtnislücken (als Alterserscheinung) stützte. Die gezeichneten Bilder lassen aber eher auf emotionale Desorientierung deuten (und weniger auf bruchstückhafte Erinnerungen), widersprüchlich, zum Teil depressive Gedanken gemischt mit 'aufgezwungener Fröhlichkeit' (wir lachen), für die es eigentlich gar kein Grund mehr gibt.

Für mich daher einfach nur 'Scherben', eines Lebens, ein Haufen, aus dem sich nichts Neues zusammenfügen lässt. Insofern würde ich den Titel auch einfach nur 'Scherben' nennen. Vielleicht ist das Werk auch etwas zu lang; es sind sehr viele Bilder auf einmal, auch wenn dies in der Absicht des Scherbenhaufens liegt.

Wie dem auch sei, ein sehr interessantes und inspirierendes Gedicht.

LG
Tula
 
Hallo Ralf, hallo Tula
Entschuldigt das ich bisher nicht geantwortet habe.
Hab die letzten Tage viel Stress gehabt.
Aber ich antworte euch noch ausführlicher.

L.G und vielen Dank
Patrick
 

Oben Unten