Gedanken eines Außerirdischen

steven_r

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Eine Welt im Gleichgewicht.

Gedanken eines Außerirdischen.



„Ein großer Schritt für mich, aber ist es ein großer Schritt für die Menschheit?”
Rob Carter Astronaut Mars Mission 4, 25.10.2033




“Sind wir bald da?”, fragte Robert Carter während er sich geräuschvoll in den Sitz des Copiloten fallen ließ. “Du bist fast so nervig wie ein Kleinkind auf dem Weg in den Urlaub Rob.”, antwortete seine Kollegin Marsha Wayfare, ohne wirklich genervt zu sein. In dieser Woche war sie für den Dienst als Pilot der Prepare 4 eingeteilt. Der Dienstplan für die Besatzung des Raumschiffs war denkbar einfach. Da Robert und Marsha die einzigen Menschen an Bord waren, stellte sich der Plan von selbst auf. Die Prepare 4 steuerte sich sowieso nahezu von allein. Die zwei Menschen waren nur für den Fall der Fälle an Bord.

“Heute Morgen fragte mich die Psychologin von Mission Control, wie ich mich fühlen würde.”, sagte Rob und lehnte sich im Sitz zurück. “Wieso erzählst du mir das?”, fragte Marsha. “Das macht sie doch immer.” Rob nickte gedankenverloren. “Ja. Nur heute fiel mir keine Lüge mehr ein um meinen Zustand in einem guten Licht zu beschreiben. Also habe ich ihr von meinen Zweifeln erzählt. Das wir mit der Besiedelung des Mars den Virus Mensch nur noch weiter in den Weltraum entkommen lassen. Das die Menschheit andere Probleme zu lösen hat als sechzig Kolonisten in eine Marsstation zu pferchen. Das mir langweilig ist und mir Netflix zum Hals raushängt.” Marsha musste lachen. “Was hat sie dazu gesagt?”

“Ich soll mehr schlafen, mein Trainingsprogramm nicht vernachlässigen weil ich zu dick werde und ich soll nicht so viele Fragen stellen.”, antwortete Rob und schaute Marsha in die Augen. Sie lächelte und schüttelte leicht ihren rundlichen Kopf mit vollen roten Haaren. “Was hast du erwartet? Die Lösung auf alle Fragen der Welt?” Rob starrte in das Schwarz außerhalb des Raumschiffs. “Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall nicht den Hinweis, dass ich zu dick bin.”, sagte er. “Bin ich zu dick?” Marsha schaute Rob von oben bis unten an. “Definitiv. Wenn du so weitermachst passt du nicht mehr in deinen Raumanzug, aber ich habe auch gute Nachrichten.” Sie zeigte mit ihrem Finger auf einen schwach zu sehenden Punkt im Weltall. “Dieser kleine Punkt da vorne, ist der Mars.”

Rob folgte ihrem Hinweis und kniff die Augen zusammen. “Ganz schön klein der Bursche.”, sagte er. “Ich hoffe er wird noch größer. Sonst passt die ganze Ausrüstung in unseren Frachträumen nicht auf die Oberfläche.” Marsha lachte. “Das wird schon. Laut der letzten amtlichen Messung passt alles drauf.”, sagte sie. “Geh lieber in den Wohntrakt und trainiere ein wenig. In fünf Tagen umkreisen wir den Burschen und du landest mit der Fähre auf dem zukünftigen Gebiet der Kolonie. Spätestens dann sollte dein Anzug ordentlich passen.”

Rob setzte sich in Bewegung. “Achtzehn Monate Flug sind für Menschen definitiv zu lang und der Rückflug wird noch länger.”, dachte Rob auf dem Weg in das Habitat über ihre missliche Lage nach. Da diese vierte Mission kurzfristig nötig wurde, mussten sie mit der großen Entfernung zwischen Erde und Mars leben. Die Kolonisten auf der Moonbase Alpha warteten schon auf den Erfolg der Mission 4 und deren eigenes Startfenster rückte unaufhaltsam näher.

Marsha und Rob waren nur unterwegs, weil die dritte Mission in einer Katastrophe endete. Die Prepare 3 war ein Raumschiff völlig ohne Besatzung, gesteuert von einer perfekten künstlichen Intelligenz. So sagten zumindest die Ingenieure. Am 117. Tag nahm das Unmögliche dann seinen Lauf. Die KI verweigerte ihren Dienst und stellte auf einmal die Frage nach dem Sinn des Lebens. Das Kontrollzentrum auf der Erde war nicht in der Lage die Steuerung zu übernehmen, weil ein solches Szenario in keinem Handbuch beschrieben war. An die Möglichkeit, dass eine KI anfängt eigenständig zu denken, hatte schlicht niemand gedacht. Nachdem die Menschen die Fragen der KI nicht überzeugend beantworten konnten, beendete der Computer die Kommunikation, stellte die Roboter an Bord offline, steuerte das Raumschiff in die Tiefen des Weltraums und war seitdem verschwunden. Die Öffentlichkeit wurde über den Vorfall nur vage informiert. "Eine Explosion in einem der Triebwerke zerstörte das Raumschiff vollständig.", hieß es offiziell in den Nachrichten.

Bei der Planung der vierten Mission gingen die Verantwortlichen der Raumfahrtbehörde keine Risiken mehr ein. Rob und Marsha, also echte Menschen, waren an Bord für alles zuständig und niemand sonst. Die Computer sollten sie unterstützen, aber keine Fragen stellen. Überhaupt sollte niemand mehr Fragen stellen, sondern einfach nur den Job erledigen. Die Space Agency machte keine große Sache von der Auswahl der neuen Astronauten für die vierte Mission. Die Anforderungen waren nicht sehr hoch. Ein Studium im Bereich der Wissenschaft oder Technik, ein sehr gutes technisches Verständnis, mentale Fitness, gute Gesundheit, Geduld und ein schönes gelebtes Leben. Die Agency suchte keine ausgebildeten Astronauten sondern Freiwillige in den besten Jahren. Wegen der hohen kosmischen Strahlung während des Fluges, war ein früher Tod höchstwahrscheinlich. Die Tatsache, dass der Rückflug zur Erde über zwei Jahre dauern würde, erhöhte die Chancen noch einmal beträchtlich. Natürlich sollte möglichst keiner der Freiwilligen während der Mission sterben, denn das wäre schlecht für das Geschäft der Agency. Schließlich waren die Planungen für Flüge von reichen Touristen zum Mars, bereits abgeschlossen.

Warum Rob und Marsha am Ende ausgewählt wurden, blieb das Geheimnis der Agency. Rob war achtundfünfzig. Ein Lehrer für Physik und Kunst mit einem Hang zum "Do it yourself". Er baute sogar mal eine kleine Rakete, knapp Mannshoch. Sie flog zwei Meter in die Luft, dann ging ihr langsam der Treibstoff aus und sie landete wieder senkrecht auf der Erde, lange bevor Elon Musk diese Technik im großen Maßstab umsetzte. Er war geschieden und hatte zwei Kinder. Seine drei Enkel besuchten ihn von Zeit zu Zeit in seinem Bungalow in Maryland. Nach drei Stunden Geschrei der kleinen Quälgeister, gab er die Verantwortung gerne wieder an seine Kinder ab. Er liebte seine Enkel sehr, aber aus der Ferne.

Marsha ging es ähnlich. Ihre Frau starb von vier Jahren an Krebs was sie als Grund dafür angab, das Risiko dieser Erkrankung auf der Reise zum Mars einschätzen zu können. Rob vermutete allerdings, dass sie sich schuldig fühlte überlebt zu haben. Marsha arbeitete als Ingenieur in der Flugzeugindustrie. Als sie den Fuß in die Kabine des Raumschiffs setzte, zählte sie vierundfünfzig Jahre ihr eigen. Sie wusste von allem sehr viel, was von ihrem Job kam, den vielen Büchern die sie las und von den Quizshows im Fernsehen, die sie liebte. Wenn mal etwas im Raumschiff den Geist aufgab, reparierte sie es sofort mit Bordmitteln wie sie immer lachend sagte. Die Zwei mochten sich und waren letztlich ideal für die Mission. Beide hofften, dass sie sich für die üppigen 1.000.000 $ Lohn, den Rest ihres Lebens schön machen konnten.

Als sie nach fünf Tagen die Umlaufbahn erreicht hatten, war der Blick aus dem schmalen Fenster der Prepare 4 atemberaubend. Der Mars schwebte untern ihnen im schwarzen Nichts des Weltraumes, wie eine Rettungsinsel auf einem dunklen Meer. Er wirkte durch die rote Färbung so einladend und warm, doch in Wirklichkeit war er nur ein lebensfeindlicher Fels in der Brandung des kosmischen Geschehens.

“Bist du bereit?”, fragte Masha ihren Kollegen über Funk. Rob befand sich auf dem Weg in den hinteren Teil des Raumschiffs, in dem es keine Atmosphäre gab. Seit zwei Tagen umkreisten sie jetzt schon den Mars und warteten auf den richtigen Moment, um die Landung zu beginnen. Auf großen Teilen der Oberfläche tobten heftige Stürme und Mission Control wollte die Lage rund um die Landestelle erst abwarten. Rob und Marsha diskutierten im Vorfeld lange darüber, wer von ihnen die Landung auf dem Planeten durchführen sollte. Da sie zu keinem Ergebnis kamen, warfen sie am Ende eine Münze und entschieden sich für das Gegenteil.

Rob war bereit, obwohl er immer noch nicht genau sagen konnte, was sie zu beweisen versuchten. Die Menschheit kann alles, wenn sie nur will? Wer ist überhaupt die Menschheit? Wurde die Menschheit gefragt ob sie den Mars besiedeln will? Wäre die Menschheit nicht auf der Erde besser aufgehoben als irgendwo im Universum? Rob konnte sich stundenlang mit seinen Gedanken befassen, aber sie würden die Welt nicht verändern.

"Es kann losgehen Marsha. Dafür haben wir im Space Camp wirklich hart trainiert. Ich habe immer noch Alpträume von diesem nervigen Trainer. Wie hieß er noch?”, fragte Rob. “Frederic Hemsworth der Dritte.”, lachte Marsha. “Richtig. Hemmi. Mann, was für ein blöder Sack, aber er hatte Ahnung von dem was er sagte, das musste man ihm lassen.” Er ging in seinem blauen Raumanzug durch die großen Frachträume der Prepare 4, bis er die Landefähre erreichte. Rob und Marsha tauften sie gemeinsam auf den lateinischen Namen "Portum", was einfach "Landung" hieß. Er setzte sich in den Pilotensitz und startete die Systeme. “Öffne die Luke Marsha. Ich will es hinter mich bringen und dann schnell wieder zurück. Der blaue Planet ist mir sympathischer als diese eiskalte Kugel da unten.” Marsha lachte. “Dir fehlt es an Faszination mein Lieber. Du wirst der erste Mensch auf dem Mars sein. Ist das nichts? Andere würden dafür sterben.”, meinte Marsha etwas feierlich. “Ich vielleicht auch.”, sagte Rob, nicht ganz so feierlich.

Mit kurzen Stößen aus den Steuerdüsen schwebte die Portum, zuerst in eine tiefere Umlaufbahn und begann dann den Abstieg zur Oberfläche. Rob hoffte, dass die künstliche Intelligenz in seinem Shuttle keine plötzliche Sinnkrise durchmachte und die richtigen Entscheidungen für die Landung traf. Als die Portum nach wenigen Minuten am Rand des Kraters aufsetzte, bekreuzigte sich Rob obwohl er inzwischen Atheist war. Er wusste auch nicht warum, er wollte einfach jemandem danken. Rob schälte sich stöhnend aus der engen Sitzschale. Die Treppe nach unten war für ihn um acht Stufen länger als damals für Neil Armstrong. Daher waren die ersten Worte des ersten Menschen auf dem Mars keine heroischen, sondern leise Flüche der Anstrengung. Als Rob endlich auf dem Boden des Planeten stand, wurde er sich des historischen Augenblicks doch noch bewusst.

“Ein großer Schritt für mich, aber ist es ein großer Schritt für die Menschheit?”, sagte er trocken in das Mikrophon des Helms und sah förmlich die rollenden Augen von Linda Svensson, der leitenden Controllerin im Kennedy Space Center. Sein breites Grinsen konnte Linda zum Glück nicht sehen. “Na was?”, dachte Rob. Sie waren hier nur eine Vorbereitungsmission. Die wirklich pathetischen Worte konnten in ein paar Monaten die Kolonisten finden. So etwas gehörte nicht zu seinem Job.

“Ok. Ich bin unten.“, funkte er zu Marsha. „Das lief besser als ich dachte. Ich hoffe nach oben geht es auch so reibungslos.” Marsha erinnerte ihn daran, dass er ab jetzt einen Zeitplan zu erfüllen hatte. Zwei Tage konnte er auf dem Mars überleben, maximal drei. “Dann lass mal die Pakete an deinem Haar herunter Dornröschen.”, sagte er. Sie tat wie ihr befohlen wurde. Als erstes kam der Rover bei ihm an. Zuerst war er in Sorge von dem Kasten mit dem Fahrzeug erschlagen zu werden, dann musste er fast vier Kilometer laufen um den Rover zu erreichen. Die Sache mit den Raketenfallschirmen war schon auf der Erde nicht so einfach, hier auf dem Mars waren die Winde nicht sehr stark, dafür aber unberechenbar. Mit dem stabilen Elektrofahrzeug war es wesentlich einfacher die anderen Materialien für die Kolonisten einzusammeln, die aus den Frachträumen der Prepare 4 nach und nach von Marsha zur Oberfläche des Mars abgeworfen wurden. Der Kran an dem Rover war Gold wert. Rob lagerte das Material für die Raumstation rund um den dafür vorgesehenen Platz am Krater ab und überprüfte ob die Behälter keine Beschädigungen aufwiesen. Nach ein paar Stunden wurde es dunkel und immer kälter. Die Temperatur lag über den Tag bei plus 16°C, in der Nacht würde das Thermometer schnell auf bis zu minus 85°C fallen. “Ich gehe in die Kapsel zurück.”, sagte Rob todmüde zu Marsha.

“Sehr gut mein lieber Kollege. Frier dir nichts ab. Dein Anzug braucht auch eine Pause und Sauerstoff. Du liegst gut im Plan. Was machen eigentlich die Erzeuger für den Treibstoff?” Rob konnte die Anlage von weitem sehen. Sie war von der zweiten unbemannten Mission auf dem Gelände postiert worden. Die Maschinen stellten aus der dünnen Mars Atmosphäre Methan her, der für die Kolonisten als Treibstoff dienen sollte. “Da fahre ich morgen mal hin, das hat Zeit. Laut Mission Control läuft die Produktion sehr gut.”, sagte Rob. Er war fertig für heute und kuschelte sich in seinen Schalensitz. Er fiel in einen traumlosen Schlaf. Wahrscheinlich wäre er nie wieder aufgewacht, aber Marsha brüllte auf einmal wie eine Wahnsinnige in seinem Helm herum.

“Robert, wach auf. Das Schiff wurde von einem Meteoriten getroffen und ist schwer beschädigt. Wir verlieren massiv an Sauerstoff. Ich gehe raus und versuche die Stelle zu finden. Ich bin schon im Raumanzug und melde mich wieder so schnell es geht. Hörst du?” Rob stand senkrecht in der Kapsel und donnerte mit dem Helm an die Decke. “Was? Hat sich Mission Control schon gemeldet?”, rief er. Eine dumme Frage. Es dauerte zwanzig Minuten bis die Leitstelle die Meldung von Marsha überhaupt empfing. So nervös wie Marsha klang war die Situation mehr als ernst. “Soll ich abbrechen und zum Schiff zurückkommen?”, rief er wieder. Eine ebenso dumme Frage. Marsha hatte gerade anderes zu tun als ihm beim Rückflug zu helfen. Ein Abbruch kam auch nicht Frage, da sonst die Hauptmission um mindestens vier Jahre zurück geworfen würde. Rob konnte also nur warten und hoffen.

Die Sonne erwärmte inzwischen wieder den Staub rund um die Landefähre. Er konnte sich kaum vorstellen, wie und warum hier Menschen leben sollten. Die Oberfläche war trostlos. Keine Bäume, nicht einmal versteinerte. Wasser? Ja, es gab Wasser als Eis unter der Erde, aber vermutlich nicht trinkbar. Alles konnte nur mit viel Technik am Leben erhalten werden. Technik, die versagen konnte. Er wartete sehnsüchtig auf die Rückmeldung von Marsha. So langsam machte er sich Sorgen. Was war wenn Sie verletzt war oder sogar tot? Dann war auch er tot. Ohne Hilfe vom Mutterschiff brauchte er den Rückweg nicht antreten.

“Nun mach schon Marsha. Die Bordmittel sind dir doch nicht ausgegangen oder?”, dachte er. Die Sekunden wurden für Rob zu Minuten in denen er fast wahnsinnig wurde. “Rob?”, hörte er leise eine Stimme in seinem Helm. “Marsha. Du hast mir echt Angst gemacht. Wie sieht es aus?” Rob hörte an den Störungen, dass sie sich noch im Raumanzug befand. Das war nicht gut. “Ich habe das Leck gefunden, Rob. Das Abdichten dauerte leider sehr lange, weil es ein großes Leck war. Der Meteorit war bestimmt fünf oder sechs Zentimeter groß. Um genau zu sein, waren es sogar zwei Löcher im Rumpf. Er ist einfach durch das Schiff hindurch geflogen. Zack, zack….!” Marsha rauschte immer noch. “Nicht gut.”, dachte Rob.

“Ist der Druck stabil?”, fragte er vorsichtig. “Es sieht so aus. Genau kann ich es dir aber erst sagen, wenn ich wieder im Schiff bin. Also noch etwas Geduld bitte.” Rob sah auf seinen eigenen Druck im Raumanzug. Er war wieder auf dem Weg zum Rover. In der engen Kammer hatte er es nicht mehr ausgehalten. Der Anzug zeigte keine Probleme an und er hatte noch zwei reguläre und eine Notfallflasche Sauerstoff zur Verfügung. Das war genug.

Rob wartete auf die Rückmeldung von Marsha. Da er nicht an seinen Fingernägeln kauen konnte, musste er sich irgendwie anders beschäftigen. Er nahm den Rover und fuhr zur Treibstoff Station. Die Anlage lief nun schon zwei Jahre im Dauerbetrieb. Wasser wurde durch tiefe Bohrungen unter den Tanks aus dem Eis gewonnen und dann in einem chemischen Prozess mit Sauerstoff und dem CO² der Atmosphäre zu Methan umgewandelt. Nicht kompliziert, aber langwierig. Von Marsha war noch nichts zu hören, darum checkte er die Anzeigen der Tanks. Alles war innerhalb der Parameter. Die ersten drei Tanks waren zu 25 Prozent gefüllt, aber der vierte Tank nur zu zehn Prozent. Rob schaffte es aber nicht mehr darüber nachzudenken.

“Rob? Hörst du mich?” Rob hörte, aber wollte er hören was sie zu sagen hatte? “Ich bin hier Marsha.” Es folgte eine Pause. Die Zeit blieb stehen und selbst der ständig wirbelnde Staub des Planeten wartete auf die Worte aus dem Orbit. “Wir haben ein Problem.”, sagte sie. Rob konnte sich vorstellen wie Marsha in der Pilotenkabine saß und jeden Satz abwog, bevor sie ihn äußerte. “Für Probleme habe ich doch dich.”, versuchte Rob einen Scherz. “Ja, und es tut mir auch unendlich leid dich enttäuschen zu müssen, Rob.” Er wusste was kommen würde. “Es ist nicht mehr genug Sauerstoff vorhanden, oder?”, sagte er. Marsha rang mit der Stimme. “Wir kommen nicht mehr zurück, Rob. Die Vorräte und die Notreserve sind unter 40 Prozent gefallen und der Flicken auf dem Loch hält eventuell auch nicht die lange Reise durch.”

Rob überlegte. Vierzig Prozent. Das war doch genug. Warum war Marsha so verzweifelt? “Marsha. Alles ist gut.“, sagte Rob. "Du. Du kommst doch nach Hause. Der Sauerstoff reicht für eine Person auf jeden Fall aus.” Rob war erleichtert. Um ihn war es nicht schade. Für seine Familie war gesorgt. Er hatte gelebt und den Mars besucht. Das war doch was. Er würde jetzt tatsächlich dafür sterben. “Was sagst du da?”, rief Marsha. “Natürlich kommst du zurück auf das Schiff und wir sterben gemeinsam. Ich lasse dich nicht zurück. Niemals.”

Sie schwiegen lange gemeinsam. Weit voneinander entfernt und doch so nah. “Wirf die restlichen Container ab, Marsha. Wir haben noch einen Job zu erledigen.”, durchbrach Rob die Stille. “Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?”, fragte Marsha mit einem Anflug von Sarkasmus. “Natürlich. Es wäre doch sehr ärgerlich diese lange Reise gemacht zu haben, ohne sich einen Erfolg auf die Fahne schreiben zu können. Obwohl…..wenn ich recht überlege. Ich habe gerade keine zur Hand.”

Den Rest des Tages verbrachte Rob mit der Bergung der Materialien. Dummerweise waren die Container mit den Vorräten an Sauerstoff die Ersten gewesen, die auf dem Mars gelandet waren. Leider waren sie viel zu schwer, um sie wieder auf ihr Schiff zurück zu bringen. “Das nennt man wohl Schicksal.“, dachte Rob bitter.

“Jetzt starte schon das Shuttle und komm hoch zu mir, Robert. Das ist doch lächerlich.”, sagte Marsha und zwanzig Minuten später hörte er auch von Linda etwas Ähnliches von der Erde.” Rob lachte. “Haha. Jetzt möchten mich plötzlich zwei Frauen zurück haben. Jetzt. Wo ich mich doch entschieden habe, allem Weltlichen abzuschwören.”, sagte Rob. Doch beide Frauen schwiegen über seinen schlechten Scherz.

Er dachte nicht daran die Raketen seines Shuttles zu starten, und die Automatik zur Fernzündung hatte er abgeschaltet. Die Vorräte an Sauerstoff waren für die Kolonisten da und nicht für ihn. Seine Entscheidung stand fest. Nichts würde ihn umstimmen. Marsha gab irgendwann auf und verabschiedete sich unter vielen Tränen einige Stunden später von ihm. Sie versprach seiner Familie alles zu erzählen was vorgefallen war und, dass er glücklich gestorben war. Rob lauschte noch dem Funkverkehr zwischen Mission Control und Marsha, die den Abflug der Prepare 4 aus dem Orbit erledigten. Alles war soweit geregelt. Marsha würde es schon zurück schaffen, da war sich Rob absolut sicher. Er schaltete die Kommunikation ab. Er schaltete alles ab. Sich gleich mit. “Glücklich sterben.”, sagte er laut und lachte in seine Tränen. “Was für ein Idiot bin ich eigentlich?”

Rob lag im Pilotensitz der Portum und dachte über den Tod nach. Nach mehreren Stunden war der restliche Sauerstoff aus den regulären Flaschen verbraucht. Er pumpte den Inhalt der Notreserve in den Tank des Anzugs und sah nach draußen. Die Nacht war hereingebrochen und draußen war es so klar wie nie. Sein Anzug konnte die Kälte vertragen, darum fasste Rob einen Entschluss. Er schnappte sich den Rover und fuhr am Rand des Kraters vorbei auf einen Hügel. Rob stieg ab und atmete tief die letzten Moleküle seines Lebens ein. Er ging um das Fahrzeug herum und ließ den Blick über den Mars schweifen.

“Das ist wunderschön.”, sinnierte Rob und setzte sich auf ein Rad des Rovers. Der gewaltige Krater fiel tief hinab in die Caldera. Am anderen Ende war kein Horizont zu erkennen, sondern nur der wild gezackte Rand des ehemaligen Vulkans. Dahinter der Weltraum. Klar, viel schwärzer als er es jemals auf der Erde gesehen hatte. Die Sterne leuchteten wie seit Milliarden von Jahren und würden dies auch ohne ihn noch weiter tun. Robert war allein, mit sich und dem Planeten.

“Mhh. Eine schöne Aussicht, oder?”, sagte eine Stimme direkt in seinem Kopf. Rob starb fast vor Schreck. Er rutschte vom Rad des Rovers ab und fiel mit dem Bauch auf den steinigen Boden. Als er in der Lage war sich in dem steifen Raumanzug etwas nach oben zu stemmen, starrte er auf zwei Schuhe in Pink. “Alles gut? Sie sind aber schreckhaft. Kommen sie, ich helfe ihnen auf die Beine.”, sprach die unbekannte Stimme immer noch in seinem Kopf. Immerhin wusste Rob jetzt, dass es pinkfarbene Schuhe auf dem Mars gab, nur wem gehörten sie? “Wer zum Teufel sind Sie und wie kommen Sie in meinen Kopf?”, brachte er gerade so hervor. “Mhh. Das ist einfach. Warten Sie mal noch gute fünfhundert Jahre, dann können sie das auch.”, dröhnte die Stimme weiter.

Das Nächste was Rob fühlte war ein Seil um seinen Oberkörper und das Surren des Krans auf dem Rover. “Tschuldigung.”, lachten die pinken Schuhe. “Die Anzüge mit Inhalt sind immer so schwer und das Ding da auf ihrem Auto hatte mich schon gestern fasziniert.” Rob wurde nach oben gehoben und baumelte mit seinen Füßen nun knapp zwanzig Zentimeter über dem Boden. Er war von der Situation so überwältigt, dass er keinen klaren Gedanken fassen konnte. Allerdings war ihm schon klar, dass die pinken Schuhe mit “Inhalt” ihn gemeint hatten.

Anstatt ihn nun wieder auf dem Mars abzusetzen, fand der Fremde Gefallen daran den Inhalt mit dem Kran hin und her zu schwenken. So wehte er wie eine Fahne im Wind, obwohl totale Windstille herrschte. “Es ist der Knopf mit dem Pfeil nach unten.”, sagte Rob und versuchte nicht in den Anzug zu kotzen. “Ich weiß.”, flöteten die pinken Schuhe, “aber die Anderen finde ich viel lustiger.” Rob konnte sich täuschen, aber er meinte ein leises, diabolisches Kichern zu hören. Vielleicht war es aber auch der Kran, dem langsam ohne die Sonne der Solarstrom ausging.

“Gut.”, sagten die Schuhe auf einmal. “Spaß gehabt, nun wollen wir uns mal um sie kümmern.” Rob lachte. “Wer ist wir?” Der Typ hörte sich an wie ein Chefarzt auf Visite. “Na wir. Ich und meine Erfahrung mit den Menschen.”, sagte er ganz selbstverständlich. “Was?”, entfuhr es Rob. “Woher wollen sie denn Menschen kennen und außerdem, wer sind sie überhaupt.”, schrie er. Die pinken Schuhe drückten den Pfeil nach unten. Als Rob sicher stand kamen die Schuhe näher, bis sie vor ihm standen. Rob traute seinen Augen nicht. Er war es. Er steckte wie Rob in einem Raumanzug, aber er war es. Die Brille hinter dem Visier und das Grinsen waren eindeutig. Vor ihm stand, Elton John.

“Ich.....”, begann Rob dem die Worte im Hals stecken blieben. “Ich bin….”, machte Elton für ihn weiter und betonte jetzt jedes weitere Wort. “Sie müssen in ganzen Sätzen sprechen.” Elton wedelte mit der Hand um Rob zum sprechen anzuregen. “Ich bin ein Mensch.”, sagte Rob. “Angenehm. Ich bin ein Außerirdischer.”, sagte Elton und grinste wieder. “Haben Sie Angst vor mir?”, fragte das Alien. Soweit sich Rob erinnern konnte, war Elton John noch in keinem seiner Alpträume aufgetaucht und auch sonst fand er ihn eher, lustig. “Sollte ich?”, meinte Rob. “Ich meine, Angst vor ihnen haben.” Elton atmete plötzlich schwer. “Nein Luke. Ich bin dein Vater nicht.” Er bekam einen Lachanfall und schlug sich auf die Oberschenkel. “Mhh. Star Wars. Hi...Hi, gut gemacht, aber Nonsens. Ich habe nie verstanden warum ihr dafür ins Kino gerannt seid.“

“Sie waren auf der Erde?”, fragte Rob fassungslos. “Sind Sie auf dem Mars?”, fragte Elton und äffte ihn nach. “Natürlich war ich auf der Erde. Der Mars ist der letzte Dreck. Was wollt ihr eigentlich hier?” Rob überlegte. “Wir sorgen dafür, dass die Menschheit den Weltraum besiedeln kann.”, sagte er und fühlte sich sofort unglaublich dumm nach seinen Worten. “Ha”, rief Elton. "Ihr seid gerade mal einen Planeten weiter gehüpft und träumt von der Eroberung der Galaxis? Ha, Ha, Ha. Da habt ihr aber noch einen weiten Weg.” Rob wurde der Typ immer sympathischer.

„Haben Außerirdische auch einen Namen?", fragte Rob. “Na klar. Nenn mich Blurpp”, sagte Elton, der in diesem Augenblick etwas an Charisma verlor. Da Rob wie ein Auto aussah, setzte Blurpp schnell hinzu. “Mhh. Na gut, eigentlich sagen alle Bee LaUrr zu mir, aber für dich einfach nur Blurpp.” Rob schüttelte seinen behelmten Kopf. “Blurpp? Echt jetzt? Was ist denn das für ein Name?” Blurpp zuckte mit den Schultern. "Mhh. Dazu kommen wir später. Wie heißt du denn?" Rob dachte noch über diesen bescheuerten Namen nach und stammelte nur, "Ähhh." Das Alien zog eine nicht vorhandene Augenbraue hoch und meinte trocken. "Mhh. Der ist aber auch nicht so toll.", und grinste wieder wie Elton. "Ähhh, Robert. Ich heiße Robert. Aber du kannst mich Rob nennen.", setzte Rob schnell nach. "Dann wäre das ja geklärt, ÄhhhRob.", sagte das Alien in seinem blütenweißen Raumanzug und kicherte wieder.

Sein Helm war nicht so klobig wir Robert's und der größte Teil bestand aus so etwas wie Glas. Sonst konnte Rob keinen Unterschied zu sich selbst entdecken, außer dass dieses Alien eine echt merkwürdige Stimme besaß. Blurpp trat von einem Bein aufs andere. “Mann. Mir ist echt kalt. Die Heizung in dem Ding fällt öfter mal aus. Lass uns in meine Bude gehen. Da können wir uns dann über alles unterhalten. Fährt dieses Wunderding noch?” Er zeigte auf den Rover. Rob sah auf die Batterieanzeige. Zehn Prozent. “Wie weit ist es denn?”, fragte er. Blurpp zeigte auf die Treibstoffanlage. “So drei Kilometer weiter rechts.” Rob stieg in den Rover ein. “Schmeiß dich hinten drauf, Blurpp. Es geht los.”

Der Rover schaffte es gerade so bis zum Ziel. Rob ließ ihn mitten auf einer freien Fläche stehen, damit die Sonne ihre Arbeit leisten konnte. Rob sah auf seine Sauerstoffanzeige. Zwanzig Prozent waren nicht mehr sehr viel. Blurpp winkte Rob zu ihm zu folgen. Erst jetzt fiel Rob auf, dass Blurpp nur einen kleinen Rucksack mit Technik auf seinem Rücken mit sich herum schleppte. Es sah auch nicht so aus als würde er überhaupt atmen. Rob fiel es zunehmend schwerer über den Mars zu laufen, wogegen der frierende Außerirdische die Schwerkraft anscheinend außer Kraft setzte. Seine Bude war eine Höhle, die versteckt in einem Seitental am Rand eines großen Canyons lag. Ein Vorsprung über dem Eingang verdeckte diesen gegen die Scanner der Forschungssatelliten im Orbit rund um den Mars. “Achtung! Helm einziehen. Am Anfang ist die Höhle recht niedrig.”, meinte Blurpp und verschwand im Dunkel. Rob fingerte an seinem Anzug herum, bis seine eingebaute Lampe anfing die Höhle auszuleuchten.

“Was ist denn das?”, rief Rob. In der Höhle gab es unzählige Gegenstände und so wie es aussah, waren sie nicht alle von der Erde. Die Sachen standen ordentlich geordnet in Regalen. “Ach das.”, meinte Blurpp. “Das sind meine Handelswaren." Rob staunte und war zunehmend irritiert von diesem Alien. "Du bist ein fliegender Händler? Kein Späher einer fremden Intelligenz, die uns überfallen und versklaven will?" Blurpp sah Rob an, der ihm mit seiner Lampe mitten ins Gesicht leuchtete. "Mhh. Würde sich das denn lohnen? So wie ich das sehe seid ihr ein ziemlich jämmerlicher Haufen von Sauerstoffatmern. Es wäre eher eine Qual als eine Freude für eine fremde Intelligenz sich mit euch zu belasten, es sei denn sie würde es nicht bemerken. Nur dann wäre sie ja keine Intelligenz sondern dumm und wir sind nicht dumm." Wieder war da dieses diabolische Kichern im Vakuum.

"Du bist ein sehr ordentlicher Händler wie ich sehe.", wechselte Rob das Thema. "Alles ist mit Zeichen versehen und nach Themen sortiert. Gibt es auch eine Inventarliste?" Blurpp nickte. "Mhh, ja. Hab ich mir abgeschaut. Ich war sehr oft in Deutschland." Jetzt wurde Rob einiges klar. Er sah sich um und sein Blick fiel auf eine Platte der Beatles. Rob nahm sie aus dem Regal und betrachtete das Cover. "Das ist eine Erstausgabe.", sagte Blurpp stolz. "Es war zwar dunkel in dem Geschäft als ich sie mir beschafft habe, aber sie war extra in einer Vitrine ausgestellt worden." Jetzt wurde Rob noch mehr klar. Blurpp war ein fliegender Dieb. "Das ist keine Erstausgabe.", meinte Rob. "Das ist eine Fälschung." Blurpp kam näher. "Warum?" Es sind doch die Beatles drauf oder?" Rob bejahte. "Stimmt. Nur gehen sie im Original nicht von rechts nach links über die Abbey Road." Blurpp drehte die Platte auf den Kopf. "Ist das wichtig?", fragte er. Rob zuckte mit den Schultern. "Naja, vielleicht ist es ja auch ein Fehldruck.", meinte Rob. "Aber dann wäre es ja doch eine Erstausgabe, oder?", meinte Blurpp. Darauf hatte Rob keine Antwort in seinem Inventar und stellte die Platte zurück. Als er sich noch einen weiteren Gegenstand greifen wollte, hielt Blurpp ihn auf.

“Mhh. Das kannst du dir später noch anschauen. Die Heizung ruft. Meine Fingerkuppen sind schon wieder taub.” Am Eingang zur Höhle schloss sich zischend eine Tür, die Rob beim reingehen wohl übersehen hatte. Ein Aggregat begann in einer Nische zu klappern und die Messgeräte an seinem Anzug sagten ihm, dass in der Kammer Druck aufgebaut wurde. “Kannst du hier ohne Raumanzug leben Blurpp?”, fragte Rob. “Ja, das geht.”, sagte Blurpp, “aber du leider nicht.” Das war Rob schon vorher klar gewesen. “Hier drin werden gleich nur knapp vierzig Prozent von dem Druck herrschen wie auf der Erde und weißt du warum?”, fragte Blurpp.

“Weil dein Planet weniger atmosphärischen Druck hat als die Erde?”, antwortete Rob. “Mhh.”, sagte das Alien. “Du bist schlau. Das ist gut, aber nein. Wenn ich den Laden hier zu sehr aufpumpe, fliegt er uns um die Ohren wie eine Katze in der Mikrowelle.” Er lachte lange über den schlechten Witz. Rob konnte das nicht. Seine Enkel steckten mal ein nass gewordenes Meerschweinchen in so ein Gerät. Zum trocknen.

Blurpp winkte Rob zu sich heran. “Komm hier rüber. Das da ist meine Karre. Nicht sehr groß, aber sie kommt voran.” Rob kam, sah und klappte den Kiefer herunter. Da war sie. Die perfekte Untertasse wie sie in tausenden Erzählungen aus der ganzen Welt beschrieben wurde. Nicht sehr groß war auch etwas untertrieben. Rob schätzte das Raumschiff auf gute zwanzig Meter im Durchmesser. Oben war es leicht gewölbt mit der typischen Ausbuchtung, die immer wie ein Cockpit aussah. Darunter sah Rob eine Fensterreihe, die mit Lücken dazwischen einmal um das Schiff herumlief. Der Schiffskörper setzte sich nach unten fort und endete in einer starken Wölbung. Das Ding war etwa acht Meter hoch. Außer ein paar Öffnungen an den Seiten, konnte Rob keine Triebwerke erkennen. Es glänzte silbrig, obwohl es von einer dünnen Schicht rotem Staub überzogen war. Es stand auf drei kompliziert wirkenden Landegestellen und sah einfach nur fantastisch aus.

“Hat deine Putzfrau heute frei?”, sagte Rob in einem Anfall von Wahnsinn, der ihn hier langsam überfiel. Vielleicht lag es auch an dem wenigem Sauerstoff, der noch in seinem Anzug war. “Haha….du bist ja doch witzig.”, lachte Blurpp. “In der Tat könnte das Ding mal wieder auf Reisen gehen. Mein letzter Trip zur Erde ist schon wieder fünfzehn Jahre her. Aber inzwischen habt ihr ja einiges dazugelernt. Alles was ich wissen muss kommt hier oben an, ohne mich bewegen zu müssen. Das macht allerdings etwas träge.” Er streckte sich und gähnte hinter seinem Visier. Etwas machte “ping”, als ob das Essen jetzt fertig wäre. Rob musste bei dem Geräusch wieder an das Meerschweinchen denken.

“So. Raus aus dem Ding.”, sagte Blurpp und drehte den Helm vom Anzug. Zum Vorschein kam ein Typ, der von der Brille mal abgesehen, Elton John so ähnlich sah wie ein Elefant einem Nilpferd. Blurpp war völlig haarlos am Kopf und weiß wie ein Weizenbrot. Nachdem er den Anzug vollständig ausgezogen hatte, wurde es noch skurriler. Seine Beine steckten in einer ausgebeulten blauen Jeanshose, die noch von seinem letzten Trip stammen musste. Ein derber Rollkragenpullover verdeckte seinen schmächtigen Oberkörper. Der Pullover leuchtete in dem hässlichsten Grün der Galaxis, oder mindestens des Planeten.

“Warum trägst du diese Brille?”, fragte Rob, nachdem er sich an den Anblick so halb gewöhnt hatte. “Ich dachte ich spinne als Elton John am Krater vor mir stand.”, sagte Rob. “Woher hast du das Ding?” Elton nahm die Brille ab und fing sofort an zu blinzeln. “Ach die. Wegen den roten Gläsern. Meine Augen sind empfindlich gegen bestimmte Wellen im Licht und damit ist es besser. Ich hab sie von einem Konzert in London. Dieser Elton ist der weltbeste Typ den ich auf deiner Erde gesehen habe. Eigentlich sogar der einzige Mensch mit Verstand.” Rob fiel erst jetzt auf, dass Blurpp seinen Mund beim sprechen nicht bewegte. “Du warst bei einem Konzert von Elton John? Hast du die Brille im Fanshop gekauft? Womit hast du bezahlt, mit Marsstaub?” Rob fand langsam seine Schlagfertigkeit wieder.

“Also direkt war ich nicht da, oder eigentlich doch. Ich war auf dem Dach und hab durch eine Luke zugeschaut. Das war cool. Nicht so voll da oben.”, sagte Blurpp. “Und die Brille? Hat Elton die durch die Luke geworfen?”, fragte Rob. Blurpp grinste. “Nein, aber ein paar Fans, denen ich auf dem Weg nach Hause den Schreck ihres Lebens versetzt habe. Mein Raumanzug für chemische Unfälle ist komplett grün und sieht mit der Maske aus wie aus einem Horrorfilm. Naja. Da kann schon mal eine Brille als Lohn für die Arbeit auf der Straße liegen bleiben.” Blurpp lief kreischend ohne Mundbewegungen durch die Höhle und rund um sein Raumschiff. Dabei fuchtelte er mit den Armen und ahmte die Erschreckten nach. “Ihr seid wirklich schreckhaft ihr Menschen.”, meinte er fünf Minuten später, nach denen er keine Anzeichen von Erschöpfung zeigte.

“Du atmest nie, mein außerirdischer Freund. Warum nicht?”, fragte Rob, weil er sehr bald das Atmen einstellen würde. “Mhh. Ich atme, aber nur jede Stunde einmal. Das liegt an dem hohen Anteil von CO² in der Luft auf dem Mars. Auf meinem Planeten ist die Menge nicht so hoch aber immer noch sehr viel höher als bei Euch.”, sagte Blurpp. Rob nickte. “Auf der Erde sind es nur 0,04 Prozent, das ist fast nichts im Vergleich zum Stickstoff und Sauerstoff.”, ergänzte Rob. “Ja.”, sagte Blurpp. “Der hohe Anteil an Sauerstoff macht euch auch so wirr im Kopf. Viel zu viele Reaktionen. Darum haben wir euren Planeten auch als toxisch eingestuft. Hast du schon mal eine der alten Glühbirnen beobachtet, wenn Sauerstoff an den Leuchtfaden kommt?” Rob kannte die alten Glaslampen noch.

“Ja. Das Thema habe ich mit meinen Schülern im Unterricht behandelt.” Blurpp sah ihn mit großen Augen an. “Bist du ein Jedi Meister? Obi Wan’s Schüler wäre fast der dunklen Seite der Macht verfallen, ich hoffe deine Familie weiß, auf welcher Seite sie zu kämpfen hat.“, er machte eine Pause, dann lachte er. “Hi hi, Star Wars. Gut gemacht, aber Nonsens.”

Rob konnte Blurpp’s Abneigung gegen die Saga nicht teilen. Allerdings hatte sein Enkel Lukas mit Rob’s altem Lichtschwert aus Plastik letztlich noch seine Schwester Anna-Lea verprügelt. “Mhh.”, dachte Rob. “Dabei war es recht dunkel im Zimmer.” Blurpp beobachtete Rob. “Bist du wieder in diesem Universum?”, fragte er. Rob nickte leicht. “Wie ist es also mit dem Glühfaden?” Rob suchte nach den passenden Worten. “Er glüht kurz sehr hell auf und dann nie wieder.”, sagte er wahrheitsgemäß. “Mhh.”, machte Blurpp. “So würde es mir ergehen, wenn ich auf der Erde einmal richtig Luft holen würde. Ein recht kurzes Vergnügen.” Rob stellte sich kurz den dampfende Haufen Materie mit Elton’s Brille on top vor, verbannte das Bild aber schnell wieder aus seinem Langzeitgedächtnis.

“Und was atmest du?”, wollte Rob wissen. “Mhh. Es ist so. Auf unserem Planeten ist die vulkanische Aktivität noch sehr viel stärker als auf der Erde. Die Atmosphäre besteht aus viel CO², sehr viel Stickstoff und recht wenig Sauerstoff. Dazu kommt noch etwas gasförmiger Kleinkram. Aber das Leben funktioniert natürlich nicht ohne Sauerstoff, also musste sich die Evolution etwas einfallen lassen. Alle Lebensformen bei uns können aus dem CO² den Sauerstoff abspalten. Dieser wird dann vom Blut aufgenommen und verarbeitet, genau wie bei euch. Uns genügt also auch ein geringer Wert an Sauerstoff in der Atmosphäre um leben zu können.” Rob war beeindruckt. “Wenn ich es richtig verstanden habe, dann seid ihr doch auch Sauerstoffatmer.”, sagte er. “Mhh. Nein.”, sagte Blurpp. “Wir spalten, ihr atmet. Das ist ein großer Unterschied.”, insistierte er. Rob atmete zwar weiter, aber es kam gerade zu einer Spaltung in seiner Denkfabrik.

“Hat euer Planet einen Namen?”, fragte er stattdessen. “Wie ihr Erdlinge ihn nennen werdet kann ich dir nicht sagen, denn ihr habt ihn noch nicht entdeckt. In unserer Sprache heißt er Bar-Kan. Er ist etwas kleiner als die Erde und ist in eurer Maßeinheit circa 14 Lichtjahre entfernt. Ihr könntet ihn nicht sehen, selbst wenn ihr mal eure Augen aufmachen würdet. Eine Supernova versperrt euch den Blick für noch etwa 6 Millionen Jahre.”, erklärte Blurpp und suchte in seiner Tasche nach etwas.

“Mhh. Warte mal Erdling. Ich muss Luft holen.” Blurpp öffnete den Mund und steckte sich ein Röhrchen zwischen die Lippen. Dann begann an dem goldenen Ding zu ziehen. Rob kam es so vor als wäre es ein uralter Zigarettenhalter, aber das wäre ja albern. Blurpp zog immer noch. Nach zwanzig Sekunden setzte er ab und stöhnte laut. “Ahhhh. Geil. Besser als jeder Joint. Der Kohlenstoff knallt voll in die Lunge. Willst du auch mal?” Rob zeigte auf seinen Helm und winkte dankend ab. “Mhh. Jede Stunde ein echter Genuss. Das wird mir auf dem Rückflug fehlen.”, meinte er knapp. Er begann zu kichern und wirr zu tanzen, als wäre er auf Drogen. Oder war er auf Drogen? Rob war ratlos.

Fünf Minuten später war Blurpp wieder fast nüchtern, was aber in der Stimme noch nicht zu erkennen war. “Rob, mein liebster und einziger Mensch auf dem Mars. Du siehst unglücklich aus. Bedrückt dich etwas?”, lallte er. Rob ging es gut. Zusammen mit einem wahnsinnigen Außerirdischen auf dem Mars gefangen zu sein und dabei kurz vor dem Erstickungstod zu stehen, besser konnte es doch nicht laufen. Immerhin hatte einer seinen Spaß, aber der hieß nicht Rob. “Mhh.”, meinte Blurpp und zeigte auf Rob’s Arm. “Was blinkt denn da an deinem Anzug so auffällig rot. Ruft deine Mutter an?” Wieder war es Blurpp der alleine lachte.

“Ein bisschen Luft wäre nicht schlecht, Blurpp. Hast du da was im Angebot? Die Marsatmosphäre ist für mich nicht so G E I L.”, meinte Rob ohne eine Antwort zu erwarten. “Na klar.", meinte Blurpp sofort. "Komm mit. Warum sagst du denn nichts Mann. Ich bin doch dein einziger Kumpel.” Blurpp ging vor und sie betraten sein Raumschiff durch einen Zugang von unten. Innen war das Raumschiff spartanisch eingerichtet. Rund um die Außenhaut waren Kammern mit stabilen Türen und Beschriftungen in einer fremden Sprache. In der Mitte gab es einen Wohnbereich oder so ähnlich. Bildschirme und eine Art Cockpit schlossen sich daran an. Rob konnte nichts entdecken, was auf eine Küche hinwies.

"Gleich geht's dir besser.", sagte Blurpp und öffnete eine der Türen. Sie schob sich nach oben unter die Decke und machten die Sicht auf eine Druckkammer frei. "Schmeiß dich da rein. Ich mache es dir etwas gemütlicher." Er deutete auf die Kammer und Rob zögerte. "Keine Sorge.”, meinte das Alien. “Du bist nicht mein Mittagessen. Ich mag keine Menschen." Er grinste wieder wie Elton und als Verstärkung setzte Blurpp die Brille wieder auf. Nachdem Rob in dem Raum Platz genommen hatte, verschloss ein flirrendes Energiefeld die Kammer. Blurpp schleppte eine große Gasflasche heran und steckte einen dünnen Schlauch an einen Anschluss. Die Druckanzeige in der Kammer bewegte sich. Als sie einen erdähnlichen Wert erreichte, zeigte Blurpp auf Rob’s Helm. Er nahm ihn gerade noch rechtzeitig ab. Sein Sauerstoff war auf null Komma null.

Rob sog den ersten Atemzug wie ein Ertrinkender in sich ein und fing sofort an zu husten. Diese Luft roch fürchterlich. Erst nach fünf Minuten hörten seine Augen auf zu tränen und die Lungenbläschen begannen den wenigen Sauerstoff aus dem Dreck zu filtern. “Bäh. Woher stammt denn das Zeug, direkt aus der Hölle?”, keuchte Rob. “Mhh.”, meinte Blurpp. “Nach meiner Erfahrung gibt es weder das Eine, noch das Andere, aber ich schaue gerne nach welchen Jahrgang ich dir kredenzt habe.” Er drehte die Flasche um und las laut das Gekritzel auf dem Etikett vor. “Hamburg Altona. Königstraße, 22.07.1976.” Er sah schelmisch zu Rob in die Kammer.

"Das heißt ich atme gerade 57 Jahre alte Luft aus Deutschland?" Rob hustete mehrmals, als wolle er seine Feststellung bekräftigen. Blurpp nickte. "Mhh. Ja. Damals gab es noch keinen Katalysator. Da war die Luft noch würzig und voller Schadstoffe." Rob konnte sich keinen Reim auf die Sache machen. "Was willst du denn mit dem Zeug? Gehört die Flasche auch zu deiner Schatzkammer?" Das Alien nickte wieder. "Mhh. Genau. Diese Luft ist bei auf meinem Planeten Gold wert." Blurpp rieb den Daumen als würde er Geld zählen. "Ok. Blurpp, das musst du mir näher erklären aber ich hab da noch eine Frage. Dürfte ich dich Beela nennen? Blurpp ist schon recht merkwürdig und Beela würde gut zu deinem richtigen Namen passen.

"Beela? Mhh. Wenn dir das lieber ist, von mir aus gerne.", sagte Beela, alias Blurpp oder auch Elton genannt. "Danke Beela.", meinte Rob erleichtert. "Wie ist das nun mit der Flasche?" Beela tätschelte den Körper aus Metall. "Das Ding ist mindestens 10000 Fanturas Wert.”, sagte er und umarmte die Flasche leidenschaftlich. "Dann verkaufst du die Flasche auf einem Markt auf Bar-Kan, oder so?”, meinte Rob. Beela nickte. “Mhh. Einen Markt haben wir allerdings schon lange nicht mehr. Geht heute alles online auf Analania 22. Die Luft wird in Flakons gefüllt und mit einer Trägerflüssigkeit vermischt. Fertig ist das Eau de Terre für die Frau von jetzt. Vier Fanturas pro Flasche wären ein guter Preis gewesen.”, sagte Beela. "Das heißt.", meinte Rob, “ich veratme gerade deine Fanturas?" Beela zuckte mit den Schultern. "Mhh. Ja. Aber du bist mein neuer Kumpel, mach dir also keinen Kopf. Alles gut. Ich habe schon genug Fanturas verdient und bin versorgt.”

“Was sind diese Fanturas, ist das Geld?”, fragte Rob. “Mhh. Nein. Das Geld haben wir wieder abgeschafft. Es verdirbt den Charakter. Fanturas sind Gutscheine mit denen man Waren kaufen oder eintauschen kann. Man darf sie weder zu riesigen Mengen anhäufen noch mit ihnen selbst Geschäfte machen. Ihre Anzahl ist von der Zentralregierung streng limitiert. So etwas wie euer Aktienhandel ist bei uns nicht möglich. War es aber noch nie." Rob dachte an seine Million Dollar, die jetzt wohl seine Kinder erben werden.

“Warum Analania 22?”, wollte er wissen. “Mhh. Bar-Kan dreht sich schneller als die Erde, weil unsere zwei Monde nur recht große Felsbrocken sind und nicht so hübsch rund wie euer Trabant.”, erklärte Beela. "Dazu musst du wissen, dass unser Planet nicht unähnlich der Erde ist. Leider wirkt er mehr wie der Mars, da unsere Atmosphäre nicht so klar ist wie eure. Als ich zum ersten Mal die Erde auf einer Reise zu sehen bekam, war ich ehrlich beeindruckt von ihrem satten Blau inmitten der Dunkelheit des Raums. Ihr seid privilegiert. Nicht viele Planeten sehen so schön aus und bieten so gute Lebensbedingungen wie die Erde. Auf Bar-Kan ist es sehr warm und kaum eine der Pflanzen bildet mal eine Blüte aus. Darum war ich sehr bestürzt zu sehen, wie ihr euren Planeten zerstört. Wir machten allerdings leider dieselben dummen Fehler wie ihr und ignorierten lange die offensichtlichen Zeichen des Wandels. Viel zu viele Menschen lebten auf Bar-Kan, vor allem für den wenigen Platz der zur Verfügung stand.

Wir betrieben wie ihr auch viel zu viel Industrie, die bereits bei 18.0 angelangt war und alles Leben war in Großstädten konzentriert. Unsere Nahrung bestand nur noch aus Zucker und Fett in die einige lebenserhaltende Zusatzstoffe gemischt wurden. Die Landwirtschaft war eine Stadtwirtschaft geworden, weil niemand mehr auf dem Land leben konnte. Der CO² Anteil war vorher schon hoch wegen der vulkanischen Aktivität, aber durch den hemmungslosen industriellen Ausstoß von Gasen änderte sich unser Klima noch viel stärker als wir angenommen hatten. Die Wärme war kaum noch auszuhalten und unsere sowieso schon reduzierte Flora und Fauna starb fast völlig aus. Unsere Wasserentsalzungsanlagen liefen Tag und Nacht, weil wegen der spärlichen Regenfälle kaum noch Süßwasser zur Verfügung stand. Das ehemalige Salzwasser schmeckte leider absolut fürchterlich. Erst als die Wissenschaftler es mit Zokka mischten wurde es genießbar, aber eigentlich nicht besser."

Rob hörte aufmerksam zu. Beela setzte sich auf einen Plastikhocker im Bauhausstil, den er quietschend vor die Kammer gezogen hatte. "Irgendwann waren auch die letzten Idioten davon überzeugt, dass wir so nicht überleben konnten. Wir verkleinerten unsere Population über viele hunderte Jahre hinweg langsam auf ein erträgliches Maß. Da wir für die Rettung unseres Planeten Hilfe von außen benötigten, begannen wir die Galaxie zu durchstreifen. Unsere Wissenschaftler konnten aus den gesammelten Gensequenzen von anderen Planeten, alle unsere Pflanzen und Lebewesen rekonstruieren und im Labor nachzüchten. Die Renaturierung wurde jetzt wieder der Evolution überlassen, die das sehr viel besser konnte als wir. Ein Eingriff der Wissenschaft wurde verboten. Die Industrie produzierte nur noch die Mengen an Waren, die wir wirklich brauchten. Langsam aber sicher verbesserte sich die Lage auf Bar-Kan und die Kanaaer konnte wieder angenehmer Leben. Der weit überwiegende Anteil der Bevölkerung unterstützte die Regierung und die neue Art des Zusammenlebens, aber gibt immer noch die Anderen, die den alten Verhältnissen nachtrauern.”

“Was sind das für Leute?”, fragte Rob. Er war so fasziniert von dem was Beela erzählte, das auch er fast nur jede Stunde atmete. "Mhh. Sie bezeichnen sich als "Bewahrer der Geschichte." Sie leben in der Vergangenheit und verhalten sich auch so. Sie wenden sich gegen das Prinzip der Vielfalt und möchten das Rad der Geschichte wieder zurück drehen. Meine Reisen und die Nähe zu anderen Spezies werden von ihnen abgelehnt." Beela machte eine Pause. "Naja.”, sagte Rob. “Es sind also Konservative. Dagegen ist doch erst mal nichts einzuwenden, davon gibt es viele.", warf Rob ein. "Mhh.", sagte Beela. "Die sind schlimmer. Hattest du schon mal einen Hund?" Ron war von der Frage überrascht. "Ähh. Ja. Eine Hündin." Beela nickte. "Welche Rasse?" Rob überlegte. “Keine. Sie war ein großer Mischlingshund." "Mhh.", sagte Beela. "Was geschah wenn du anderen Hunden begegnet bist?" Rob machte eine kurze Zeitreise im Kopf. "Mal so, mal so. Es kam ein wenig auf den Hund und den Besitzer an." "Richtig.", sagte Beela. "Wann lief es nicht so gut?" Rob verstand die Fragen nicht. "Meistens wenn es ein Hund mit Stammbaum war, die waren oft unausgeglichen und bissig, obwohl die Besitzer meistens ganz nett waren.", sagte er. "Was hat dein Hund bei der nächsten Begegnung gemacht?", fragte Beela. "Sie machte einen großen Bogen und ignorierte den Hund.", antwortete Rob. "Mhh.", sagte Beela. "Ein guter Hund, und so klug." Er gab Rob etwas Zeit über den Satz nachzudenken. Nach fünf Minuten schweigen fragte Beela. "Hast du noch genug Sauerstoff?" Rob sah auf die Anzeige. "Ja. Danke der Nachfrage. Ich komme klar." Beela lachte. "Mhh. Dann ist es ja gut. Ich befürchtete schon, deine Gehirnzellen hätten Atemstillstand." Rob starrte Beela an.

"Mhh. In Ordnung. Anderes Beispiel.", sagte Beela. "Wie viele Hochkulturen gab es auf der Erde?" "Puhhh.", sagte Rob. "Ich weiß nicht. So zehn, fünfzehn vielleicht?" "Mhh.", machte Beela. "Kommt nicht so drauf an. Wir wollen deine Synapsen auch nicht überlasten." Er kicherte leise. "Diese Kulturen lebten meistens isoliert. Ihre Führer verfolgten Ideologien die oft von Aberglauben und Selbstüberschätzung geprägt waren. Sie handelten vielfach genial und ihre Völker und sie selbst wurden stark und mächtig. Sie trieben Handel und erweiterten ihre Reiche durch Kriege. Sie unterjochten Völker, vertrieben und töteten sie, nur zu dem einen Zweck, um sich selbst als Gottgleich und Einzigartig darzustellen.

Um diese Macht nicht teilen zu müssen blieben diese Völker unter sich. Niemand sollte sich unter sie mischen." Rob konnte folgen, was er mit einem leichten nicken kundtat. "Wie viele dieser Kulturen gibt es heute noch?", fragte Beela. "Nur noch was von ihnen übrig ist. Also eigentlich keine mehr.", sagte Rob. "Richtig.”, kam es von Beela. “Was hat zu ihrem Verschwinden geführt?” Rob fühlte sich ein bisschen wie bei der Abschlussprüfung in Geschichte. Er holte tief Luft bevor Beela wieder über seinen Zustand spekulierte. “Sie wurden von seefahrenden Völkern entdeckt, dann betrogen und ausgebeutet. Wenn sie sich wehrten, wurden sie zumeist mit der überlegenen Waffentechnik der Eroberer geschlagen und manchmal sogar ausgerottet.”, sagte Rob.

“Sehr gut mein junger Padawan.”, sagte Beela. “Wie.”, meinte Rob. “War das mal kein Nonsens?” Beela lächelte. “Mhh. Es war nicht alles dumm in diesen Filmen. Deinen Ausführungen fehlt aber noch ein entscheidender Aspekt.”, sagte er. “Die Waffen allein hätten die Kulturen nicht vernichtet. Es war eine Kombination aus Unwissen und Anfälligkeit. Unwissen, weil sie nichts über die Fremden wussten und in ihnen Götter sahen. Anfälligkeit für die eingeschleppten Krankheiten, gegen die ihre reinen Körper wegen fehlender Immunität keine Antwort fanden. Hätten sie, wie die Konquistadoren ihren Blick weiter nach außen gerichtet, dann wären sie auf vieles vorbereitet gewesen. Behutsame, aber stetige gesellschaftliche und sexuelle Kontakte mit Menschen anderer Völker aus fremden Ländern hätten Ihnen viele Vorteile gebracht. Ihre sterile Bevölkerung wäre durch die Gewöhnung an die neuen Bakterien und Viren gegen die tödlichen Krankheiten der Eroberer besser geschützt gewesen.”, sagte Beela und fügte hinzu. “Reinheit ist kein Zeichen von Stärke, sondern sie führt zu Verfall. Glaub mir, wir wissen wovon wir sprechen.", sagte Beela.

"Mhh. Es ist allerdings auch ganz gut, dass so manches Reich untergegangen ist. Ihre Riten, Bräuche und Ideen waren größtenteils Menschenverachtend und grausam. Vor allem das Reich der Herren dessen Luft du gerade atmest ist hier zu nennen. Ihr solltet sehr gut darauf achten, dass solche Individuen nie wieder Macht erlangen." Rob nickte eifrig.

"Vielleicht sind wir als Erdlinge zu sehr im nationalen Denken gefangen. Es ist aber auch nicht so einfach immer die ganze Welt im Blick zu haben.", meinte Rob. "Das stimmt.”, sagte Beela. “Es ging uns auf Bar-Kan auch nicht anders bis wir entdeckt haben, dass wir einfach nur mehr miteinander sprechen müssen. Lernt man den Gegenüber auf einer persönlichen Ebene erst mal kennen, lösen sich Konflikte oft von allein. Lebensweisen und Bräuche zeichnen Nationen aus, aber sie müssen auch bereit sein anderes zu akzeptieren. Schafft auf der Erde einfach ein gutes Verhältnis von Tradition zu Moderne, von Mann zu Frau und umgekehrt, von den Menschen zu den Tieren. Mit diesem Gleichgewicht, viel Respekt und Anerkennung, geht alles so viel leichter", sagte Beela.

“Der Schritt in den Weltraum könnte also für die Menschheit ein Gewinn sein.", schlussfolgerte Rob. "Mhh.", sagte Beela. "Das ist eure Entscheidung. Nur wäre es von Vorteil, wenn man seine eigene Welt zuerst vollständig kennen lernt. Habt ihr denn alle Zusammenhänge in der Natur schon verstanden? Wir haben gute 50000 Jahre Vorsprung und würden dies nicht behaupten.", sagte Beela.

“Warum hängst du eigentlich auf dem Mars herum, wenn du doch nach dem Verkauf deiner Schätze in Fanturas schwimmen könntest?”, fragte Rob. Beela schwieg lange. “Um ehrlich zu sein.”, sagte er kleinlaut, “ich kam ich hier nicht mehr weg.” Er sah zum Boden. "Aha.", sagte Rob. "Was ist passiert? Hat deine Karre keinen TÜV mehr?", scherzte Rob. "Doch.", meinte Beela. "Bis 04/2085.", das war es nicht. "Bist du zu oft zur Erde und zurück geflogen und jetzt hast du keinen Treibstoff mehr?" Das konnte Rob sich gut vorstellen, warum sollte er sonst hier gestrandet sein? "Mhh. Nein, das war es auch nicht.", flüsterte Beela. "Nun sag schon Kumpel. Ich lache auch nicht.", meinte Rob, der auf die Sauerstoffanzeige der Kammer sah. Die Luft wurde weniger. Wenn er weiter jeden Satz einzeln aus Beela herausziehen musste, könnte es mit der Zeit knapp werden.

"Ich war eingeschlafen.", meinte Beela. "Was? Warum sollte das deinen Treibstoff vernichten?" Rob wurde aus diesem Alien immer noch nicht schlau. "Mhh. Na, ja. Ich hatte eigentlich alles zusammen was ich mir von der Erde ausleihen wollte.", sagte Beela. "Das nennt man stehlen!", verbesserte Rob. "Mhh. Wie auch immer du es bezeichnen willst. Ich wollte jedenfalls noch eine weitere Sammlung bei euch durchführen und legte mich für zehn Jahre schlafen. Dann wollte ich nachsehen was ihr alles an neuen Dingen erfunden habt. Da mir ja ständig kalt ist, läuft die Heizung immer auf volle Pulle. Ich habe einfach vergessen das Heizprogramm auf "Alien geht pennen" zu stellen, bevor ich mich ins Bett gekuschelt habe. Das war's."

Rob musste jetzt doch lachen. "Du hast also zehn Jahre lang den Mars geheizt und jetzt sind deine Tanks leer? Was bist du den für ein Alien?" Beela überlegte. "Mhh. Ein vergessliches?", sagte er viel zu fröhlich. "Mach dir keine Sorgen. Ich habe ja eine Lösung gefunden und die Idee kam von euch Erdlingen." Rob kratzte sich am Kopf. Er konnte sich nicht vorstellen, welche bahnbrechende Erfindung die Menschen einem Alien voraus haben sollten. "Was war es?", fragte er schließlich. "Biogas.", sagte Beela und Rob schlug sich mit der Hand vor den Kopf. "Du kackst dir selbst deinen Treibstoff zusammen?", platzte es aus ihm heraus. "Ganz genau.", freute sich das erfinderische Alien. "Ich hab eine Doku bei Netflix über die Energiewende bei euch gesehen….", sagte Beela. “Moment.", fiel ihm Rob ins Wort. "Du kannst hier auf dem Mars Netflix empfangen?"

Beela ging zu einem der Bildschirme herüber und schaltete ihn ein. Die übliche Oberfläche des Dienstes erschien. Die drei Icons der Benutzer "Mamma", "Danny" und "Alex" erschienen, aber Beela klickte auf einen Icon etwas abseits unten rechts über dem "Alien" stand. "Mhh. Haben die seit fünf Jahren nicht bemerkt, dass ich ihren Account benutze." Beela grinste zu Rob hinüber der sich wieder vor den Kopf schlug."

"Wie schaffst du es auf dem Mars so einen guten Empfang zu haben?", fragte Rob. "Mhh. Ich habe eine gute Sendeantenne, die mir schon seit meinem ersten Besuch in den 1940er Jahren gute Dienste leistet. Als eure Ingenieure immer besser wurden, habe ich das Teil mal mit neuer Technik bestücken lassen. Bis ich aber die Genehmigung für die zusätzliche Ausrüstung erhalten hatte, war es ein harter Kampf. Ich habe einige Mittelsmänner manipuliert die für die Anträge gesorgt haben. Der Papierkram war fürchterlich. Wenn alles bei Euch so langsam geht, nur weil übereifrige Beamte dumme Gesetze penibel befolgen, dann mal gute Nacht. Aber was rede ich. Dieses Treiben ist auch auf Bar-Kan noch nicht völlig ausgerottet. Wir haben sogar ein Gesetz, das die Farbe der Schuhe regelt." Rob sah zu Beela's Raumanzug hinüber. Das Rosa war schon etwas eklig. "Daher die pinken Schuhe?", fragte Rob. "Nein. Auf Bar-Kan würde ich dafür verhaftet. Ich habe sie hier auf dem Mars angemalt, denn im Herzen bin ich ein Rebell." Rob hob seine vorhandene Augenbraue. "Mal gut, dass du so weit von deinem Planeten entfernt bist.", murmelte Rob. "Was hast du gesagt?", fragte Beela. "Ich finde es gut, dass du das auch nicht wieder entfernen wirst.", sagte Rob lauter. "Genau. Sowas machen Rebellen nicht.", sagte Beela aufmüpfig.

"Wenn du schon seit den 1940ern hier bist, hätte ich zwei Fragen dazu.“, sagte Rob. „Wie alt bist du eigentlich und wo ist dieser verdammte Mast?" Beela wand seinen Körper. "Mhh. Da ist was in Bewegung. Ich muss mal dringend aufs Klo. Bis gleich Erdling.“ Beela rannte los und Sekunden später hörte Rob eine Tür knallen. Er überlegte sich in der Zwischenzeit schon mal, wo diese Antenne stehen könnte. Nach gut zehn Minuten kam ein sichtlich entspanntes Alien wieder zurück. "Mhh. Sehr gut. Das gibt nochmal ordentlich Schub für die Triebwerke.", sagte er und setzte sich wieder auf den Plastikstuhl. "Wo waren wir? Ach richtig. Die Antenne. Mhh. Kleines Ratespiel. Wo auf der Erde steht ein Sender, der aber nicht als solcher zu erkennen ist? Na? Sie haben zehn Sekunden Zeit Erdling bis zum öffnen der Schleuse. Ab jetzt." Rob’s Augen wurden kleiner und sahen Beela scharf an. “Mhh.”, sagte Beela. “War ein Scherz. Also, was könnte es sein?"

"Das Empire State Building?", sagte Rob eher fragend als wissend. "Mhh. Älter.", sagte Beela. Rob fühlte sich leer im Kopf und hatte keine Idee. "Kommt nix mehr?", fragte Beela nach einigen Sekunden. "Hier ein kleiner Hinweis für Dummies. Ist nachts beleuchtet und besteht aus Eisen. Jetzt aber, Herr Lehrer." Rob schloss die Augen und musste lachen. "Das Nationalheiligtum der Franzosen als Antenne für Netflix. Da muss man erst mal drauf kommen.", sagte Rob mit einem grinsen. “Mhh. Tja. Auch Aliens müssen sehen wo sie bleiben.”, meinte Beela.

“Aber jetzt zu deinen anderen Fragen. Unsere Spezies kann länger leben als viele Andere im Universum. Ihr Erdlinge befindet euch im Mittelfeld mit euren 80-110 Jahren. Ich bin stand heute 123 Jahre alt und wenn ich nicht von einem unzufriedenen Kunden umgebracht werde, sollte ich mit etwa 220 Jahren den Löffel abgeben. Wie lange ich schon hier bin? Ich war bisher immer nur kurz auf dem Mars und der Erde. Zum ersten Mal 1947 nach eurer Zeitrechnung. Da war an meiner Karre noch kein Tarnschirm installiert. So wie ich gesehen habe, gab es da wohl ein paar nette Zeitungsberichte und Filmchen.", Beela war sichtlich amüsiert. "Mhh. Aber mit diesem merkwürdigen Alien mit den riesigen Augen, welches da auf einigen Bildern zu sehen war, habe ich nicht zu tun. Das waren Fake News. So ein Wesen gibt es nicht in dem Universum, das ich kenne."

Rob erinnerte sich an die Roswell Sache und kam aus dem lachen gar nicht wieder heraus. "Wie viele bewohnte Planeten gibt es?", fragte Rob. "Mhh. So genau weiß niemand was da draußen in der Unendlichkeit so alles existiert.", sinnierte Beela. "Unsere Spezies kann seit etwa achttausend Jahren durch die Galaxien reisen. Albert Einstein sei alle Ehre, aber mit ein bisschen mehr Lebenserfahrung und ein paar Tricks, sind interstellare Reisen kein Problem. Die Zeit ist dabei, wie er richtig erkannt hatte, relativ. Warum sollte man nicht schneller als das Licht reisen können, es gab ja auch mal eine Schallmauer die ihr durchbrochen habt.

Falls du genaueres darüber wissen möchtest, dann musst du meinen Freund Quotty auf dem Planeten Kaazuum fragen. Er hat dort eine Ufo Werkstatt wie ihr sagen würdet. Quotty kann dir alles über direktionale Quantenphysik, interstellare Zeitkonten, hochenergetische Turbo Impuls Drall Triebwerke und mysophobische Algorithmen erklären. Ich muss als Händler nur wissen wo ich hin möchte, nicht wie das funktioniert."

"Was sind mysophobische Algorithmen?", fragte Rob. Beela sah ihn an. "Mhh. Das sind Computerprogramme die ständig Angst davor haben sich zu infizieren. Darüber werden sie irgendwie verrückt, fangen an die Welt zu hinterfragen oder versagen völlig. Kennst du das?" Rob lachte und sagte nur. "Oh ja."

"Gibt es wirklich so viel Leben im Universum?", fragte Rob. "Mhh. "Ihr Menschen habt so lange geglaubt ihr seid allein, nur weil der Glaube euch daran hinderte die Augen zu öffnen.", sagte Beela. “Falls es tatsächlich einen Gott gibt, warum sollte er seine Energie dann nur für euch eingesetzt haben und was ist Gott überhaupt? Wahrscheinlich ist es eher ein "Es" als ein "Er", würde ich behaupten, obwohl auch wir nicht wirklich wissen ob es je einen Schöpfer gegeben hat oder noch gibt. Vielleicht ist das Leben unser aller Gott? Dann sollten wir es über alles lieben und schützen. Wir haben schließlich die Suche nach einer Antwort auf diese Frage eingestellt. Die verschiedenen Ideologien rund um dieses Thema führten am Ende nur zu Streit und Rechthaberei. Wir haben letztlich das Leben so angenommen wie es uns gegeben wurde. Dabei war es uns unwichtig warum und von wem. Das Leben ist einzigartig. Macht etwas daraus." Beela zog sich wieder einen Mars Joint rein. "Mann. Dir die Welt zu erklären ist anstrengender als ich gedacht habe. Soviel Sauerstoff habe ich zuletzt beim Sex mit meiner Ex- Frau verbraucht.", sagte Beela und Rob entschied sich, dieses Thema nicht zu thematisieren.

“Das Leben ist kein Zufall.”, machte Beela weiter. “Es liegt alles in den Genen. Ihr habt gerade mal ein paar Prozent der DNA verstanden, was schon ziemlich gut ist. Meint ihr etwa, der Rest hätte keine Bedeutung? Darin ist alles enthalten. Es ist der Bauplan für alles Leben im Universum. Nur weil einige Sequenzen der DNA für euch keinen Sinn ergeben, tun sie dies auf anderen Planeten sehr wohl. Eure Genetiker bezeichnen große Teile der DNA als Abfall." Beela grinste wieder. "Mhh. Guten Tag Erdling. Mein Name ist Müll. Wenn ihr also keine wirkliche Ahnung von den Zusammenhängen habt, dann lasst die Finger davon an den Genen herumzuspielen.”

"Warum hat es dich für deine Geschäfte auf die Erde verschlagen?”, fragte Rob, dem das DNA Thema unheimlich war. Beela kicherte. "Mhh. Reiner Zufall. Ein verblödeter Computer hat mich einfach in die falsche Galaxie geschossen. Als euer Planet vor meinem Fenster auftauchte, habe ich einfach Lust bekommen ihn zu besuchen. Ihr stellt ein interessantes Völkchen dar so alle miteinander, oder sollte ich besser sagen, so alle gegeneinander?” Rob wusste nicht genau, ob es eine rhetorische oder ernst gemeinte Frage war. “Wir sind halt sehr verschieden.”, meinte Rob. Beela hob wieder die nicht vorhandene Augenbraue. “Nein. Ihr seid alle gleich. Selbst eure Hautfarbe macht euch nicht verschieden. Zwei zehntel Millimeter Haut sorgen für Pigmente, nicht für Privilegien.” Da konnte Rob nur zustimmen.

"Mhh. Wenn ihr euch besser verständigen könntet, dann wäre vieles leichter und ich meine nicht nur die Sprache. Auf Bal-Kan leben alle Bewohner auf einem Planeten, nicht in verschiedenen Ländern. Wir haben auch Grenzen, aber die sind nur für die Organisation wichtig, nicht als Abschirmung gegen andere Länder. Jeder hat Dienste in der Gemeinschaft zu verrichten, aber auch das Recht auf individuelle Freiheiten. Der Staat koordiniert, aber er gängelt nicht. Das war allerdings nicht immer so. Wir mussten lange dafür kämpfen und leben heute in einer geteilten Demokratie. Eine Zentralregierung schlägt die Richtung der Maßnahmen vor und die Gesetze. Das Volk beschließt sie durch demokratische Mitbestimmung und die Gerichte zusammen mit einer unabhängigen Ordnungsmacht setzen sie durch.”

“Das hört sich ziemlich gerecht an.”, sagte Rob. “Mhh. Nicht immer, aber es ist viel besser als zu anderen Zeiten. Am Anfang wurden Gesetze mit der einfachen Mehrheit durch das Volk beschlossen. Dadurch fühlte sich aber oft ein großer Teil der Menschen abgehängt, was zu heftigen Protesten führte. Heutzutage müssen mindestens siebzig Prozent der Menschen zustimmen. Das macht die Sache nicht leichter, aber wir versuchen auch so wenig wie möglich zu regeln. Hier und da wiehert allerdings noch der Amtsschimmel, wie meine Schuhe beweisen, aber wir sind auf dem richtigen Weg.”, schloss Beela. Rob stand auf und zog sich seinen Raumanzug aus. Darunter trug er nur noch seinen dünneren Overall.

"Warum machst du so oft dieses "Mhh". Ist das eine Macke von dir?" Beela war amüsiert. "Mhh. Ich habe viele Macken, aber das ist keine. Wie du richtig bemerkt hast, bewege ich für die Kommunikation nicht die Lippen. Woran könnte das liegen?”, fragte er Rob. Der überlegte. “Bei deinem “Mhh” presst du die Lippen so fest aufeinander, dass du danach den Mund nicht mehr öffnen kannst?” “Mhh.”, machte Beela und jetzt war es an ihm, Rob scharf anzusehen. “Gut.”, sagte Rob. “War ein Scherz. Du atmest wenig und hast dadurch keine Luft um zu sprechen.” Beela grinste. “Das ist nur die halbe Wahrheit.”, sagte er mal ohne Mhh. “Der andere Teil ist Datenschutz.”

“Nicht dein Ernst.”, meinte Rob. “Welche Daten verarbeitest du denn?” “Mhh. Meine eigenen natürlich. Die zu schützen ist für mich wichtig. Vielleicht sogar lebenswichtig.” Beela sah Rob intensiv in die Augen. “Was tust du, Beela?”, fragte Rob. “Ich versuche zu erkennen was in deinem Kopf vor sich geht Erdling. Denk doch mal was.” Rob verstand nicht. “Ich denke doch ständig.”, sagte er. “Ja.”, meinte Beela. “Aber nichts vernünftiges.”, Beela lachte. “Mhh. Was ist 1 plus 1?”, fragte er. “Ein Taschenrechner Test?”, sagte Rob. “Mhh. Nein. Den würde ich etwas intelligenteres fragen.”, meinte Beela. “Du bist sehr hochnäsig.”, sagte Rob gekränkt. “Mhh. Komm du erst mal in mein Alter.”, bekam er zur Antwort. “Also. Was kommt raus?” Rob schwieg beleidigt. “Zwei. Völlig richtig.”, sagte Beela. “Liest du etwa meine Gedanken?”, fragte Rob. “Nur Zahlen.”, meinte Beela und fuhr fort. “In welcher Sprache unterhalten wir uns?”, fragte er. “Englisch würde ich sagen.”, kam es von Rob. “Falsch.”, sagte Beela. “Du sprichst Englisch. Ich spreche Elektro.”, lachte er. “Deine Gedanken waren am Anfang nur ein elektrisches Feuerwerk in deinem Kopf, welche dann im Grunde sehr umständlich von deinem Körper erst in mechanische Aktivität und dann in Schallwellen umgewandelt wurden. Daraus erfolgt eine Sprache. Das ist nicht sehr effektiv. Wir haben über die Jahrtausende gelernt anders zu kommunizieren.”

“Das geht so einfach? Habt ihr einen 8. Sinn?”, fragte Rob. “Mhh. Nein. Das steckt nicht in unseren Genen. Wir nutzen Technik dafür. Hier. Dieser Kristall stellt die Verbindung her.” Rob sah sich den Stein an, der an einer Kette aus Silber um Beela’s Hals hing. Der Stein sah aus wie ein gewöhnlicher Bergkristall, aber irgendwas war im Inneren eingebaut. “Ist das so eine Art Hörgerät für alte Leute?”, fragte er. Beela sah ihn mitleidig an. “Du weißt gar nichts, Rob Snow.”, meinte er dann. “Der Kristall kann nur mit einem anderen Kristall kommunizieren. Die Technik muss auf den Träger eingestellt werden, da jedes Individuum etwas anders denkt. Darum gibt es auch so viele Andersdenkende.”, lachte Beela. “Also doch ein Hörgerät.”, sagte Rob. “Mhh. Wie du meinst Bastard.”, grinste er. „Aber ich trage keinen Kristall.“, sagte Rob. „Wie geht das dann bei mir?“ „Mhh. Ein schwacher Geist wird von der Technik einfach übertönt.“, meinte Beela. „Mach dir nichts draus, Rob. Du bist nicht der Einzige im Universum, dem das so geht.“

“Wozu nun das “Mhh?”, fragte Rob. “Hier kommen wir zum Datenschutz.”, antwortete Beela. “Das “Mhh” lässt nur die Gedanken durch, die für die Kommunikation nötig sind. Alles andere bleibt hinter der Gedanken Wall verborgen.” Rob lächelte. “Warum machst du es dann bei mir? Ich kann keine Gedanken lesen.” Beela zögerte. “Mhh. Sicher ist sicher.”, meinte er. “Ich hatte einmal eine unschöne Begegnung mit einem Bewohner von Artis. Er war etwas unausgeglichen als ich vergaß meine Gedanken zu verschießen und er bemerkte, dass ich ihn bei einem Geschäft über den Tisch zog.” Rob lachte. “Lach nicht.”, meinte Beela. “Was fällt dir an meinen Ohren auf?” Rob bemerkte Beela’s unterschiedlich großen Ohren schon früh, machte sie aber nicht zum Thema.

“Etwas verschieden die Muscheln. Warum hast du überhaupt Ohren?” “Mhh. Es gibt zu viele Sauerstoffatmer in der Galaxis. Eine echte Plage.” Beela stand vom Stuhl auf und steckte sich. “Na jedenfalls drehte dieser Typ durch und biss mir die Ohren ab. Zum Glück war mein Kumpel Quotty bei mir und er brachte mich in sein Raumschiff. Wir verschwanden sofort von dem Planeten weil diese Artisianer sich schnell zu großen Gruppen zusammenrotten und dann noch mehr Stress machen. Dafür nutzen sie diese verdammte „RottzApp.“

Auf dem Flug versuchte mein Kumpel dann, mir die Ohren wieder an meinen Kopf zu kleben. Dafür musste er die Reste erst zurechtschneiden und sie wurden kleiner. Als ich aus der Narkose aufwachte, hatte mir dieser Scherzkeks ein Ohr auch noch schief angeklebt. Das hätte was, fand er. Nach Protesten von mir und zwei weiteren Versuchen war es dann gerade, aber noch kleiner. Ich musste Quotty allerdings zugutehalten, dass sein Werkzeug in seinem Service Schiff etwas grob war.” Rob schlug sich wieder mal vor den Kopf.

“Könntest du nicht einfach deinen Finger heben und nach Hause telefonieren?”, fragte Rob. “Mhh.”, sagte Beela. “Hi Hi. Noch so ein Nonsens.”, er kicherte wieder. “Ich dachte nur.”, meinte Rob. “Vielleicht gibt es ja so etwas wie einen galaktischen ADAC.” Beela schlug sich vor den Kopf. “Mann. Das hatte ich ja ganz vergessen. Den gibt es tatsächlich.”, sagte er. “Warum hast du nicht früher was gesagt Rob.” Beela rannte hektisch herum und Rob wusste wieder mal nicht wie ihm geschah. “Der Verein nennt sich ITSR oder auch Interstellar. Die sind aber schlecht zu erreichen. Man muss zum richtigen Zeitpunkt durch ein Bücherregal mit dem Service kommunizieren. Das klappt nur selten. Außerdem tauschen die Jungs immer nur die Batterie aus und daran liegt es nicht.” Rob hob den Finger. “Bücherregal?”, fragte er. “Mhh.”, machte Beela. “Du weißt wirklich nichts Rob Snow.” Er schüttelte den Kopf.

“Woher kommen die ganzen, Schätze? Ich meine, außer das sie nur ausgeliehen sind.”, fragte Rob. Beela grinste wieder mal. “Wieso? Ich zahle doch Leihgebühr.”, sagte er. “Wie bitte? In welcher Währung?”, wollte Rob wissen. “Entertainment, oder hattet ihr keinen Spaß bei jedem UFO das von Euch gesichtet wurde. Beela stand auf und wurde zum Fernsehmoderator. “Die neuesten Nachrichten. “Eine fliegende Untertasse wurde über dem Hinterwald gesichtet. Werden uns die Aliens angreifen? Warten sie den Bericht der Augenzeugen ab, die sich vor zwei Wochen mit dem Hund des Schäfers unterhalten haben. Das Herrchen hatte die Ufo Begegnung verschlafen, aber der Collie war hellwach. Warten wir ab, was uns Barney zu erzählen hat. Zuerst aber etwas Werbung.” Piep “Kennen Sie das. Sie liegen im Bett und können nicht einschlafen? Eine Mücke umkreist sie und droht sie zu stechen. Da hilft nur noch eins. Der neue Anti Mücken Duft des Terminators. „Arnold.“ Er ist schnell, hart und gnadenlos. Sichern Sie sich die auf zehn Millionen Stück limitierte zehn Liter Packung noch heute zum Vorzugspreis. Aber beeilen sie sich, wir haben stand jetzt, nur noch 221 Flaschen am Lager. Kaufen Sie „Arnold“. Damit auch Sie sagen können, “Hasta la vista mosquito.” Beela zeigte auf die imaginäre Dose und lächelte wie ein Moderator im Teleshopping.

“Du schaust zu viel Fernsehen.”, sagte Rob. “Das macht das Gehirn weich.” Beela sah sich schnell zu Rob um. “Mhh. Wirklich? Das wäre blöd. Wo ich doch die letzten acht Jahre fast nichts anderes gemacht habe.” “Und kacken.”, sagte Rob. “Und kacken.”, meinte Beela. Nach ein paar Sekunden in die Augen schauen, lachten sich beide ein bisschen tot. Aber nur ein bisschen.

Was isst ein Alien eigentlich so?”, fragte Rob. “Ravioli.”, meinte Beela. “Entschuldige.”, sagte Rob lachend. “Ich habe gerade Ravioli verstanden.” Beela lachte nicht. “Vollkommen richtig. Mit meinem Raumfahrer Fraß aus gepressten Essensresten mit Vitaminen und Spurenelementen versetzt, hätte ich es nie so oft aufs Klo geschafft und schon gar nicht irgendein Gas produziert. Zum Glück konnte ich mir auf meiner letzten Tour bei euch zehn Paletten Ravioli in Dosen ausleihen. Inzwischen ist der Rest abgelaufen, aber die schmecken noch. Willst du was?”

Rob überlegte. Warum nicht? Mit leerem Magen wollte er auch nicht von dieser Welt gehen und in netter Gesellschaft mit einem Außerirdischen auf dem Mars ein paar Portionen Ravioli verputzen, warum nicht? “Mach warm.”, sagte Rob. “Hast du ne Mikrowelle?” Beela winkte ab. “Viel besser.”, grinste er. “Ich habe Fusion.” Die fusionierten Nudeln waren am Ende auch nicht besser als die kurzgewellten, aber sie schmeckten erstaunlich gut. “Hast du auch was zu trinken?”, fragte Rob, der kurz vor dem platzen war. “Mhh. Das Wasser aus dem Mars Eis ist geschmacklich eine Katastrophe.”, sagte Beela. “Schmeckt wie eingekochte Lava. Sehr salzig und nach Schwefel, aber wir haben ja…….Zokka.”, sagte Beela fröhlich. Er holte eine Flasche mit einer schwarzen, zähen Brühe, die nicht sehr gesund aussah. Dann kippte er etwas davon in einen Shaker und begann das Wasser mit dem Zeug zu mischen.

Nach einer halben Minute schütteln, goss Beela die Mixtur in zwei Becher. Durch eine Schleuse an der Druckkammer bediente er Rob, wie bereits eben mit dem Essen. “Auf das Leben in unser beider Heimat. Lass es besser werden als jetzt.”, sprach Beela. Sie hoben die Becher und tranken die Brühe in einem Zug. Rob setzte ab und überlegte. “Wann warst du zum ersten Mal auf der Erde? 1947?”, fragte er. “Jo. Das war so.”, antwortete Beela. “Nicht etwa schon 1892?”, sagte Rob. “Das Zeug schmeckt wie Cola.”

Beela überlegte. “Wirklich? Ich habe eure Cola nie getrunken, war ja immer im Druckanzug auf der Erde. Hmm…...vielleicht, war einer meiner Kollegen aus früherer Zeit schon mal bei euch. Ausschließen kann ich das nicht.” Rob zuckte mit den Schultern. “Ist ja auch egal. Hast du noch was von der Brühe?” Sie tranken noch vier volle und drei ganze halbe Becher. Dann geschah es. Ein, “Bluurrrpppp”, von Rob der ihn fast vor die Rückwand der Druckkammer fegte und ein wahnsinniger, “Bluuuuuurrrrrrrrppppppppp”, von Beela, der die Höhle erzittern ließ. “Jaaaa…”, sagte Beela, “Das war mal ein amtlicher Blurpp der Kategorie sieben. Jetzt weißt du woher mein Spitzname kommt, nicht wahr? Ich war Bal-Kan Meister im Mega Blurrp der Jahre 120452/53. Auch genannt, “The Big Belch” Das ist eine hohe Auszeichnung für einen einfachen Händler wie mich. Wenn ich wieder zurück bin gehe ich sofort ins Trainingslager um mir den Titel wieder zurück zu holen.

Rob nickte anerkennend. “Starke Leistung Beela. Hat der Meister des Blurpp auch noch ein bisschen Sauerstoff für den Lehrling? Ich fühle mich gerade wie im Himalaya ohne Atemgerät.” Beela ging wortlos nach hinten und kam mit einer anderen Flasche zurück. Er schaute etwas mitleidig. “Mhh. Neu Delhi. 1980. Tut mir echt leid Kumpel.” Der Geruch der Luft nach faulen Eiern aus der Kanalisation, in Verbindung mit dem Gestank der Zweitaktmotoren aus den Straßen der indischen Großstadt war zu verschmerzen. Immerhin war der Gehalt an Sauerstoff ausreichend.

“Wie lange musst du noch hier bleiben bis dein Gas Experiment erfolgreich wird?“, fragte Rob. Beela antwortete nicht gleich, als würde ihm die Antwort nicht gefallen. “Ich bin eigentlich schon weg Kumpel.”, sagte er schließlich. “Ich habe nur noch auf dich gewartet.” Rob trat näher an das Kraftfeld der Kammer heran. “Was heißt, du hast auf mich gewartet?” Beela zeigte auf sein Raumschiff. “Die Karre hat wieder genug Treibstoff um sich selbst und mich von diesem Planeten in eine Umlaufbahn zu bringen. Im Grunde verdanke ich es euch, denn mein Biogas hätte niemals gereicht. Ich musste mir nochmal was ausleihen.“ Rob ahnte es schon. “Ich nehme mal an, die Tanks unserer Methananlage sind inzwischen leer?”, sagte er. Beela schaute schuldbewusst. “Bis die Kolonisten kommen, vergehen doch noch Monate und ich lasse ja meinen ganzen Kram auf dem Mars. Da sind einige Dinge dabei, die euren Wissenschaftlern Freude machen werden, denn die sind nicht nur außerirdisch, sondern intergalaktisch.” Rob sah Beela skeptisch an. “Keine Sorge.”, sagte Beela. “Es ist nichts dabei mit dem ihr euch umbringen könntet.” Rob war etwas beruhigt.

“Es gibt da noch ein Problem.”, sagte Beela traurig. “Ich schaffe es gerade so von diesem Felsen in den Weltraum. Deshalb kann ich nur ein paar leichte Kleinigkeiten aus der Höhle mitnehmen. Also leider auch nicht einen Erdling und genügend Sauerstoff für den Flug, obwohl es dir auf Bar-Kan bestimmt gefallen würde. Mein Turboimpulsdralltriebwerk braucht eine Menge an Energie aus den Fusionskammern, aber die haben kaum noch schweres Wasser als Treibstoff. Das reicht nur für einen sehr kurzen Schub in Richtung Heimat. Deshalb wird mein Flug auch knapp sieben Jahre dauern, davon alleine zwei um wieder langsamer zu werden. Normalerweise geht das deutlich schneller. Ich würde dich wirklich gerne auf der Erde absetzen mein Freund, aber es geht nicht. Tut mir leid, so war es nicht geplant.” Rob hörte die Traurigkeit in den Worten Beela‘s und war sehr ergriffen. “Mach dir keinen Kopf Kumpel.”, sagte Rob. “Ich war doch schon fast gestorben, doch du hast mir auf dem Weg dorthin noch etwas Aufschub gewährt. Dazu bin ich auch noch schlauer geworden. Ich kann damit leben, wenn auch nur noch kurz.”, meinte Rob sehr gefasst. Jetzt war es an Beela, mal nichts sagen zu können.

„Dein ursprünglicher Plan sah wie aus?”, wollte Rob wissen. “Nun.”, begann Beela. “Das eine neue Mission unterwegs zum Mars war, konnte ich mir natürlich im Fernsehen anschauen. Ich war froh als die dritte Mission scheiterte. Endlich würden Menschen die Oberfläche betreten. Hier auf dem Mars wurde es langsam etwas ungemütlich. Die ganzen unbemannten Raumschiffe und die vielen Sonden rund und auf dem Planeten gingen mir auf die Nerven. Als ich meinen Sonnenkollektor nach dem laden von ein paar Batterien draußen vergessen hatte, machte gleich eine von den Spionen da oben ein Bild davon. Seitdem rätselt ihr, was diese Pyramide auf dem Mars zu suchen hat. Ist sie außerirdisch? Ja, verdammt. Nahezu alles was auf dem Mars herumsteht ist außerirdisch, außer ihr habt es selbst angeschleppt. Natürlich konnte ich den Kollektor nicht wieder reinholen, sonst wärt ihr ja noch völlig durchgedreht.” Rob begann zu lachen. “So sind wir unwissenden Erdlinge nun mal.”, meinte er. Beela nickte.

“Mhh. Ich habe allerdings schon vor Jahrzehnten etwas auf der Erde hinterlassen, was euch die Augen öffnen sollte. Leider habt ihr wie erwartet euren Geist vor dem Offensichtlichen verschlossen.”, sagte Beela und hielt dabei eine Art Kreditkarte in der Hand. “Was ist das?”, fragte Rob. Beela gab ihm die Karte. Sie war unglaublich leicht und dünn, aber sehr stabil. Die Schriftzeichen darauf konnte er nicht lesen. “Ist das ein Fanturas?”, sagte Rob. “Sehr gut mein Freund. In der Tat. Du hältst zwanzig Fanturas in der Hand, was dir allerdings nicht viel nützt.”, sagte Beela. “Aber es ist auch nicht für dich gedacht, sondern für euch Erdlinge und die werden hoffentlich etwas davon haben.” Rob sah sich die Rückseite an. “Sind das Koordinaten?”, fragte er. “Du entwickelst dich noch zu einem Genie, Rob.” Beela lachte.

Rob fühlte sich nicht geschmeichelt. “Auf was zeigen denn diese Daten, oh allwissendes Alien?”, sagte er und kniff dabei ein Auge zu. “Dort stehen große Tafeln aus Granit mit all den Dingen in den Stein gemeißelt, die ich dir in den letzten Stunden erzählt habe.”, sagte Beela. Rob hob den Kopf an. “Auch das mit dem Kacken?” Beela rollte mit den Augen. “Nun gut. Natürlich nicht alles, aber sinngemäß. Eingepackt in viele Sprachen und Worte, die ihr verstehen solltet. So schwer sind die Dinge nicht die dort geschrieben stehen. Man muss sie nur beachten und in Tat umsetzen.”, sagte Beela. “Hat mich eine Menge Diamanten und viel Kommunikation mit einer Gruppe von Menschen gekostet, die sich meine Gedanken zu Eigen gemacht haben. Sie haben am Ende dafür gesorgt, dass die Steine dort aufgestellt wurden.” Beela kicherte wieder. “Na ja. Es gibt einen kleinen Schönheitsfehler.“, sagte er. Rob war gespannt. “Welchen?”, fragte er. “Der Handwerker hat eine Null und einen Punkt vergessen. War aber nicht so schlimm. Die Richtung der Angabe stimmte trotzdem, nur wirkte die genannte Reduzierung der Population vielleicht ein bisschen zu ambitioniert. Doch du kennst mich nun ein wenig. Bei der Bezahlung seiner Rechnung habe ich dann als kleine Gegenleistung auch eine Null vergessen.” Beela grinste wieder.

Rob war wie immer verwirrt und verstand außer der Null nicht so viel. “Wie hast Du mit diesen Leuten gesprochen? Wie jetzt mit mir?” Beela schüttelte den Kopf. “Nein. Nur über Briefe. Zu der damaligen Zeit war das noch üblich. Was ich mit dir mache ist im Grunde eine technische Entwicklung um sich mit Maschinen zu unterhalten. Der Erfinder, eigentlich ein Roboter, konnte über Piepslaute mit anderen Maschinen kommunizierten. Später machte er daraus eine universelle Gedanken Sprache, die auch von biologischen Einheiten genutzt werden konnte. Heute wird sie von gut zweitausend anderer Spezies im ganzen Universum verwendet wird. Er gründete die Firma Imperial und verkauft jetzt mit seinem glänzenden Kumpel zusammen diese Kristalle. Ihr seid also spät dran mit eurem Sprachengewirr. Darum habt keine Angst falls mal Aliens bei euch landen. Ich kenne keine Spezies die nicht menschlich aussieht und auch keine, die euch vernichten würde.”

Rob kamen einige Dinge sehr merkwürdig vor, die Beela ihm erzählte. Nur da stand er vor ihm, ein echtes Alien. Wie konnte er zweifeln? “Deine Steine sind also schon bekannt?”, fragte Rob. Beela nickte. “Ja. Eingeweiht wurden sie am 22. März 1980 im Elbert County in Georgia. Nur leider hat sie auch schon damals niemand so richtig ernst genommen. Es ist mehr eine mäßig bekannte Touristenattraktion als eine Pilgerstätte für Menschen die etwas ändern wollen. Ihr nennt es auch das “Amerikanische Stonehenge”. Traurig. Dafür haben sich diese Gruppe und ich nicht die Mühe gemacht.” Beela wirkte nachdenklich. “Aber jetzt kommst du ins Spiel. Leider nicht so wie ich es mir gewünscht hatte. Du solltest nicht dabei drauf gehen, aber vielleicht ist es ein Wink des Schicksals. Wer diesen Meteoriten auch geschickt hat, in diesem Moment hat sich vielleicht eure Zukunft verändert.”

Bob wurde etwas flau im Magen. “Ist das dein Ernst? Soll ich auf meine letzten Stunden noch gläubig werden? Damit war ich eigentlich schon durch als Wissenschaftler.”, sagte Rob, der sich nicht als Bote irgendeines Gottes fühlte. “Sieh es doch so.”, meinte Beela. “Du bist ein Teil des Ganzen, denn wir bestehen wirklich alle aus denselben Elementen der Materie. Wenn wir es schaffen daraus etwas für unser Zusammenleben zu lernen, ist es nicht wichtig woran du glaubst. Sogar wenn du nur an dich selbst glaubst, glaubst du gleichzeitig an uns alle. Tradition, Leidenschaft und Glauben sind wichtige Eckpfeiler der Moral, wenn sie in vernünftiger Weise gelebt werden. Bleibt immer bei der Wahrheit. Bewahrt die Schönheit des Lebens und der Natur. Liebt und Achtet alles was lebt. Schafft Harmonie mit dem was euch umgibt, denn es ist nicht so unendlich wie das Universum.”

Rob stand langsam auf. “Da sprichst du die Wahrheit mein Freund, und ich meine wirklich, dass du mein Freund bist. Ehrlich. Wenn ich dazu beitragen kann, diese eigentlich selbstverständlichen Dinge in den Köpfen der Menschen zu verankern, bin ich bereit.” Rob hob die Hand und berührte das Kraftfeld. Rund um seine Hand entstanden Kreise, wie Wellen auf einem ruhigen See. Beela berührte die Wellen. Sie kräuselten sich um seine Hand und vereinigten sich zu zwei großen Kreisen, die wie eine Einheit das ganze Kraftfeld ausfüllten. “Ich danke dir Rob, mein Freund.” Beela holte eine futuristische Kamera aus dem Cockpit und hielt sie hoch. “Selfie”, rief er fröhlich.



Beela’s Abreise war nicht so einfach wie gedacht. Rob pumpte die restliche Luft aus Neu Delhi in die Flaschen seines Raumanzuges und holte den Rover. Sie zerrten das Ufo damit aus einem Seitengang der Höhle ins Freie. Beela machte einige Checks an den Triebwerken und war am Ende zufrieden mit seiner Karre. “Ich hab hier noch was für Dich.”, sagte er und gab Rob die Schallplatte der Beatles. “Wenn das wirklich ein Fehldruck ist, könnte er einige irdische Fanturas wert sein.”, meinte er. “Vielen Dank.”, sagte Rob. “Leider habe ich grad nichts für dich zur Hand.”, sagte er. “Mach dir keinen Kopf Kumpel. Dich kennenzulernen war Geschenk genug.”, sagte Beela. “Na dann, du Alien. Alles Gute und viel Erfolg bei allem was du tust.”, sagte Rob und klopfte Beela auf die Schultern. Beela nahm ihn in den Arm, was bei den klobigen Raumanzügen sehr komisch wirkte.

Rob vergoss eine Träne oder zwei, und Beela sicher auch. “Volle Energie auf den Warp Antrieb Mr. Chekov.”, sagte Rob und winkte Beela zu, der schon auf dem Weg zum UFO war. Er drehte sich um und sagte, “Mhh. Hi Hi. Star Trek. Gut gemacht und so nah an der Realität.” Er hob den rechten Arm und spreizte seine Finger. “Lebe lang und in Frieden mein Freund.” Dann verschwand er in seinem Raumschiff.

Als Rob mit dem Rover in Sicherheit gefahren war, zündete Beela den Antrieb. Das Ufo schoss hunderte Meter in die Höhe, als das Triebwerk etwas zu husten begann. “Mhh.”, dachte Rob. “Jetzt ist wohl das Biogas an der Reihe.”, und war froh, dass sein Anzug dicht war. Das Letzte was er von Beela’s Raumschiff sah, war ein heller Schein am Himmel über dem Krater. Dann war er wieder allein. Nur der schwarze Weltraum über ihm. Die Sterne funkelten wie immer, allerdings sah Rob sie jetzt mit anderen Augen.

Als er in der Kapsel seines kleinen Raumschiffs saß, dachte er kurz darüber nach, sich einfach in eine Umlaufbahn um den Mars zu schießen. Es wäre verlockend für die nächsten tausend Jahre als künstlicher Mond den Planeten zu umrunden. Er entschied sich aber dagegen. Eine Bergung aus der Umlaufbahn wäre für die Kolonisten unnötig schwierig. Also blieb er in der Kapsel. Er entschied sich auch dagegen eine Nachricht an Mission Control zu senden. Sie hielten ihn sicher bereits für tot. Wenn er sich jetzt meldete und von einem Alien auf dem Mars erzählte, würden seine Worte wahrscheinlich als Halluzinationen eines Sterbenden eingestuft und als verrückt verworfen.

Er wollte lieber einige Worte aufschreiben. “So ein Mist.”, sagte Rob. “Wo schreibe ich die denn hin?” Rob könnte die Nachricht in die Datenbank des Computers schreiben, nur würde in ein paar Monaten kein Strom mehr da sein, damit sie jemand lesen konnte. Ein Stück Papier war auch nicht zu finden. Einzig ein Druckbleistift steckte in seinem Anzug. Rob dachte an die Bordmittel und an Marsha. Er nahm die Schallplatte der Beatles aus der Hülle und schrieb seine Worte auf das weiße Papier der Innenhülle. “Ein Glück, dass Beela sich keinen Download ausgeliehen hat.”, dachte Rob und steckte die Platte mit seinem Text wieder in das Cover.

Rob kannte die Steine aus Granit und ihre Inschriften nicht. Er war Wissenschaftler und das fiel eher in den Bereich Esoterik. Allerdings war alles was Beela ihm gesagt hatte absolut nachvollziehbar. Wenn die Menschen nur einen Teil davon in die Tat umsetzten, könnte sich die Erde nicht in ein Paradies verwandeln, aber wir wären schon mal auf dem Weg dorthin. Rob gefiel der Gedanke. Er brachte den Fanturas so an seinen Anzug an, dass er auf keinen Fall verloren gehen konnte und bestens sichtbar war. Die Platte nahm er in den Arm und schrieb mit dem Bleistift in den blauen Himmel über den Beatles. “Für Marsha. Lebe lang und in Frieden.”

Sein Sauerstoff ging zu Ende. Gleich würde ihm sein Gehirn Streiche spielen und sein Körper langsam rebellieren. Bevor das geschah, schied er lieber schnell aus dem Leben. Er öffnete die Luke ein wenig und ließ die frische Luft des Mars in die Kabine. Als er die Luke wieder schloss, war alles bereit. Wenn es stimmte was Beela sagte, würde er vielleicht der Auslöser für viele Veränderungen auf der Erde sein. Damit konnte er seinen Frieden machen. Rob dachte an Marsha und an das, was sie gesagt hatte. “Am Ende war es doch nicht so falsch.”, dachte er. “Ich sterbe glücklich.” Robert Carter öffnete seinen Helm. Er sog die Luft in sich ein wie Beela es getan hatte. “Mann. Du hattest Recht Beela.”, dachte Rob noch kurz. “Das Zeug zieht voll rein.”

Ein Jahr später bargen die Kolonisten Robert Carter aus der Kanzel seines Shuttles. Er wurde am Rand des Kraters in einer weltweit übertragenen Feierstunde begraben. Beela‘s Fanturas und Rob’s Aufzeichnungen auf der Hülle wurden gescannt und zur Erde übertragen. Die Kolonisten fanden die Höhle und von diesem Zeitpunkt an, waren die Menschen nicht mehr allein im Universum. Durch die weltweite Berichterstattung erlangten die Steine in Georgia viel Aufsehen. Ein Jahr später wurden sie in ein extra dafür gebautes Gebäude gebracht und dort für die Menschheit verewigt. In der “Hall for extraterrestrial Monuments”, besuchen jetzt jährlich hunderttausende Menschen aus aller Herren Länder die Steintafeln und betrachteten staunend die teils fremden Schriftzeichen. Eine kleine Pyramide steht inzwischen ebenfalls dort und erzeugt den Strom für die Beleuchtung des Polaroidfotos mit Rob und Beela. Die Worte Robert’s auf der Innenhülle der Platte, enthielten so ziemlich alles was Beela zu ihm gesagt hatte. Sie wurden zusammengefasst und gingen als Ergänzungen in viele Verfassungen der Staatengemeinschaft ein. Die Menschen nannten sie einfach die “Abbey Road Writings”. Der Fehldruck stellte sich als Fälschung heraus, aber trotzdem, oder gerade deswegen, steht das Album heute in einer gläsernen Vitrine gleich im Eingang des Museums.

Einem Hinweis auf einem der Seitensteine folgend, dass unter dem Monument eine Zeitkapsel deponiert worden sei, suchten Wissenschaftler das Erdreich ab. Tatsächlich wurden sie fündig. Nach der erfolgreichen Bergung brachten sie die Kapsel in ein Hochsicherheitslabor, welches sich unter dem Museum befand. Da die Kapsel aussah wie das Ei eines Drachens beschlossen sie, vor dem öffnen einige zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Zu dem Termin wurden hohe Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft, Marsha, die Feuerwehr und Emilia Clarke eingeladen.

Das Labor war durch massive Scheiben gut gesichert. Mehrere Wissenschaftler und Marsha standen in Schutzanzügen in der Kammer und hantierten mit der Kapsel herum. Die Zuschauer saßen auf einer Tribüne in sicherer Entfernung davor und konnten über Monitore die Details verfolgen. Nach der Öffnung der Kapsel lag eine etwas vergilbte Polaroid Kamera aus den achtziger Jahren vor den Menschen in der Kammer. “Das ist nicht das, was wir erwartet hatten.”, sagte einer der Wissenschaftler. “Warum nicht?”, sagte ein anderer. “Schließlich waren die Dinger ziemlich beliebt als die Steine aufgestellt wurden.” Eine Wissenschaftlerin sah sich die Kamera genauer an. “Da ist sogar ein Film drin.”, stellte sie verwundert fest. “Vielleicht finden wir noch etwas mehr über die anderen Mitglieder der Gruppe heraus.”, hoffte sie.

“Sollen wir auf den Auslöser drücken?”, fragte der erste Wissenschaftler wieder. Der Mann sah sich um und suchte Blickkontakt zu seiner Vorgesetzten, die außerhalb des Labors mit den anderen Zuschauern auf der Tribüne saß. Sie nickte. “Dann mal los.” Er drückte auf den Auslöser. Es surrte. Der übliche Rahmen aus Kunststoff kam zum Vorschein und sie legten ihn auf den Tisch. Sonst geschah nichts. Auch nach mehreren Minuten nicht. “Ist Sauerstoff in der Kammer?”, fragte Marsha. Die Anderen verneinten. Es wäre alles mit Stickstoff geflutet worden, damit nichts reagieren konnte. “Ohne Sauerstoff kein Leben.”, meinte Marsha und sah ebenfalls die Vorgesetzte an. Sie nickte wieder. Atemluft strömte in die Kammer. Jetzt geschah etwas. Langsam aber sicher entwickelte sich das Foto. Zuerst erschien Robert Carter lächelnd hinter einem Kraftfeld und dann grinsend vor ihm, Elton John.



Anmerkung:

Auch heute noch können die Kolonisten auf dem Mars über den Eiffelturm kostenlos Netflix empfangen. Sie müssen nur den Icon benutzen, über dem “Alien” steht.



ENDE


Mitwirkende in der Reihenfolge des Erscheinens:

Robert Carter (als er selbst)

Marsha Wayfare (als sie selbst)

Linda Svensson (als sie selbst)

Elton John (als Beela/Blurpp)

Die Beatles (als Cover)

Quotty (als Dr. Frankenstein)

Die Gruppe (als die Gruppe)

Emilia Clarke (als Daenerys Targaryen, nur im Notfall)

Wissenschaftler (als er selbst)

anderer Wissenschaftler (als er selbst)

andere Wissenschaftlerin (als sie selbst)

Vorgesetzte (als Ja Sagerin)

Sauerstoff (als Entwickler)


Technische Hinweise:


direktionale Quantenphysik:

Bitte fragen Sie Herrn Einstein. Nutzen Sie dafür ihren sechsten Sinn. Immer!!


interstellare Zeitkonten:

Werden bei einem Raumflug mit Überlichtgeschwindigkeit bei der WARP Bank eingerichtet. Die Bank öffnet ein Fenster in ein Paralleluniversum in dem die Zeit umgekehrt verläuft. Am Ende der Reise heben sich die Zeiten als Nullsumme auf.


Turboimpulsdralltriebwerke:

Wie schon erwähnt. Quotty fragen.


mysophobische Algorithmen:

siehe Text. Bei Nebenwirkungen befragen sie bitte die IT.


Georgia Guidestones

siehe nach bei der Google oder im Wiki

34° 13′ 55,2″ N , 82° 53′ 40,2″ W
 


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