Gedichte (Ghasele)

4,00 Stern(e) 1 Stimme

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
In Gedichten suche ich den Sinn schon seit Jahren,
denn ich möchte wissen, wer ich bin, schon seit Jahren.
Deshalb schreibe ich ja sehr viele Verse,
schreibe viele Verse hin schon seit Jahren.
Manchmal wird das, was ich schrieb, auch gelesen,
immerhin steckt Inhalt drin schon seit Jahren,
überall erklingt ein lautloses Lachen,
und es bietet mir Gewinn schon seit Jahren.
Doch am Ende geht doch alles verloren,
dabei sind Gedichte in schon seit Jahren.
Denn ich lese und ich schreibe vergebens,
so entschwindet mir der Sinn schon seit Jahren.
 
Hallo Bernd,
ein zugleich kunstvolles und bedrückendes Résumé hat Dein lyrisches Ich da gezogen. Kunstvoll vor allem durch die zunächst gar nicht auffallenden Binnenreime auf Sinn (bin, hin, drin, Gewinn, in). Sie kompensieren ein wenig die Monotonie des immer wiederholten "schon seit Jahren". Dass wir weniger für Leser als für die eigene Selbsterkenntnis schreiben, ist ein schöner Gedanke, den sich mancher, der allzu sehr um Lesergunst buhlt, zu Herzen nehmen kann (aber nicht zu Herzen nehmen wird). Wie man die Selbsterforschung zugleich lesbar und kommunikativ gestaltet, das ist wohl das Geheimnis der ganzen Schreiberei. Das "lautlose Lachen" geht in Richtung Alptraum - fühlt Dein lyrisches Ich sich verlacht oder hat es dieses Lachen durch Schreibwitz herbeiführen wollen? Beides ist möglich. Dass alles verloren geht, gilt vor allem fürs Netz - aber auch das Gedruckte geht verloren, nur langsamer. Aber dass der Sinn dem lyrischen Ich entschwindet, das betrübt mich. Sinn ist eben etwas nicht Fixierbares - er blitzt auf für einen Moment - und ist wieder futsch. Ja, das stimmt.
Ich fände es lesbarer, wenn die Zweizeiler jeweils von einander abgesetzt würden!
Mit Gruß
E. L.
 
A

aligaga

Gast
Wenn man nichts zu sagen hat, hilft es nicht, viele Worte zu machen, o @Bernd - eine schlichte Binsenweisheit, die nicht vieler Worte bedarf.

Wer am Ende feststellen muss, dass er umsonst "gewerkelt" hat, sollte sich fragen, woran das wohl gelegen haben könnte. Denn es geht ja nicht allen so. Es gibt Leute, die haben goldene Vliese transportiert, sind Torschütze des Jahres geworden oder haben eine Sinfonie komponiert, die immer wieder neu aufgeführt wird. Manche werden auch "nur" von ihren Kindern geliebt, andere haben einen Druckknopf erfunden, ein Telefon oder den Reißverchluss.

Wer über seinen Tod hinausleben möchte, schafft das nicht mit ein paar Sprücherln allein. Von nix kommt nix. Leider kann man die Welt auch mit schlimmen Sachen verändern - wenn man Verkehrsflugzeuge in Bürotürme pfeffert, Städte mit Atombomben vernichtet oder sein Kind schlägt.

Jede nennenswerte Tat hinterlässt Spuren. Wer's kann, macht's. Wer's nicht kann, redet darüber. Abgerechnet wird ganz am Schluss, und das Schöne ist: die Rechnung geht immer auf. Die Naturwissenschaftler nennen das "Entropie".

Heiter immer weiter

aligaga
 

Tula

Mitglied
Hallo aligaga

da Du anderen gern das Wort im Munde verdrehst, will ich es spasseshalber auch mal tun:

und das Schöne ist: die Rechnung geht immer auf. Die Naturwissenschaftler nennen das "Entropie".


ich hoffe, Du verstehst dennoch etwas von diesen Dingen und gehst nicht allzu leichtfertig mit gewissen Begriffen um.

Ich vermute, zur Entropie in der Lyrik würde ein anderer Vergleich passen: der Lyrich glaubt nicht mehr an seine Lyrik (Stadium der Traurigkeit), doch da meldet sich ein Leser, dem es tatsächlich gefallen hat. Der eine wird weniger traurig, der andere etwas fröhlicher...

Und wenn alle gleichermassen zufrieden sind, dann herrscht Entropie... d.h. eine sehr geringe, denn sie ist ja gesunken

LG
Tula
 
A

aligaga

Gast
Was dein Gebrabbel mit @Bernds umständlichem Klagelied oder gar mit der von @ali skizzierten Wirklichkeit Analogiens zu tun haben sollte, darf ganz dein Geheimnis bleiben, o @Tula.

Ob's dir gefällt oder nicht, kümmert keinen: An der Funktion eines Dreisatzes und an der Gültigkeit des Fallgesetzes änderst du durch Maulfechterei allein nichts. Die werden auch dann noch Gültigkeit haben, wenn's uns alle schon lang nicht mehr gibt. Wer zu Lebzeiten damit umgehen konnte und fleißig war, hinterließ Spuren.

Wer immer zu spät kam und nur Maulaffen feilbot, den bestrafte das Leben. Nach dem kräht kein Hahn, auch wenn er die Radieschen noch so angestrengt von unten betrachtet.

TTip: Nutze den Tag!

Quietschvergnügt

aligaga
 

Oben Unten