Gedichtete Heimkehr (Sonett)

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wenn sie Gedichte liest
dann beben ihre Lippen
als würden sie im Takt von warmen Küssen wippen
in denen eine tiefe Wahrheit fließt

wenn sie Gedichte liest
dann spürt sie Satz für Satz
in ihrer Brust wie einen kleinen Schatz
der helles Licht in ihre Seele gießt

dann ist in jedem schlichten Wort
plötzlich ein ganz geheimer Ort
und sie durchzuckt ein stiller Stoß

so wird sie über alle wirren Stimmen siegen -
voll Sehnsucht nach dem heimatlichen Schoß...
oh, könnte sie nur fliegen!
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Es ist ein (relativ)modernes Sonett und gefällt mir gut. Modern ist insbesondere die unregelmäßige Versform. Diese macht aber hier das Poetische, den Klang aus.

Viele Grüße von Bernd
 
Hallo Bernd,

Vielen Dank für die wohlwollende Anmerkung!
Ich bin froh, dass die unregelmäßige Versform in diesem Fall den Klang nicht zerstört, ich finde selbst auch, dass Unregelmäßigkeit, solange sie nicht zu harten Brüchen führt, ein Gedicht mit Leben erfüllen kann.
Dass daraus so etwas wie Modernität entsteht, wäre mir selbst gar nicht so aufgefallen, freut mich aber auch.

Viele Grüße,
Morgenlandfahrer
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Klassische Sonette hatten eine sehr strenge Form, nachdem sie erst mal stabilisiert war, das dauerte man so 150 ... 200 Jahre, wenn ich mich richtig an die Quellen erinnere. Dann kamen die Shakespeare-Sonette, die in der Strophenaufteilung abwichen und dann waren lange Zeit Alexandriner modern. Gegen Beginn des 19. Jahrhunderts fielen dann oft die Endreime weg. Im 20. Jahrhundert begannen expressionistische und dadaistische Phasen, die freiere Formen zur Folge hatten.
In Einzelfällen gab es schon vorher solche Arten.

Es gibt heute auch viele Spielformen des Sonetts.

Dein Sonett geht sehr sorgfältig mit Sprache und Rhythmik um.
 

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