Medias Argento
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Ich kann mich nicht erinnern, worüber ich geträumt habe. Ich öffnete die Augen und ich war im Dunkeln und draußen auf der Straße drückte jemand an der Ampel aufs Gas und dann war wieder die Stille der Nacht. Meine Frau wälzte sich im Bett herum. Ich legte den Kopf wieder ab. Sie seufzte. Ich seufzte auch.
Mir war nicht kalt und dann begann ich wieder zu träumen und dabei leckte ich meine Pfoten ab und die Haare an den Gliedmaßen waren schwer mit Speichel getränkt und das Betttuch darunter nass. Mir wurde warm. Meine Zunge kribbelte wohlig. Ich schmatzte und dachte daran, wie nahrhaft Grießbrei und Butter sind und ein Zittern bemächtigte sich meiner und dann war ich wieder wach und sah, dass das Licht das Zimmer ausfüllte. Die Wände waren weiß und irgendwo hinter mir gähnte das Fenster und weit dahinter brannte die Sonne. Ich spürte ihre schwachen Strahlen auf der Haut.
Ich roch am Leinentuch über dem Körper meiner Frau und dann sah ich auf meinen eigenen Körper herab und ich jaulte auf. Unter der Decke sprang ein grauer Köter hervor, er blickte mich mit weit aufgerissenen Augen an und seine Krallen kratzten das Parkett. Er bellte und ich spürte nur noch ein Kribbeln am ganzen Körper, denn ich bellte auch.
Der Hund war dürr und der Unterbauch war hell und trocken und wir bellten frenetisch um die Wette. Die großen, flachen Zitzen tanzten an seinem Körper. Ich hörte auch als Erster auf, denn mir wurde klar, das Bellen gehört nicht zu mir, es ist nicht meine Stimme. Ich stürzte kopfüber Richtung Badezimmer, rammte mit dem Schädel die Schlafzimmertür und im Bad kroch ich unter die emaillierte Wanne. Die Luft dort war feucht und es roch modrig nach sich zersetzendem Haar und Schimmel. Meine linke Pfote war wund und immer noch nass.
Es dauerte eine Weile, bis meine Frau an der Tür auftauchte. Ich hörte das Klacken der Krallen im Flur, sie kam näher und näher und ich hielt dabei die Luft an. Ich hörte sie schnüffeln, bevor ich sie sah. Und dann ließ ich die Luft raus und ich schnüffelte auch.
Ich roch Dinge, für die ich keinen Namen hatte. Ich roch es an ihrem Körper und diese Dinge erzählten mir Geschichten. Ein Projektor schaltete sich in meinem Kopf ein, ich sah Bilder. Ich sah sie angeleint in irgendeinem Café in der Mittagshitze. Ich roch die Straße an ihr und wunderte mich, dass ich die Gegend überhaupt kenne. Ich sah sie joggend hinter einem Fahrrad und der Schweiß davon hing an ihr wie eine Trophäe aus einer unerbittlichen Treibjagd. Sie hielt den Kopf gesenkt, als sie mich sah.
Sie kam vorsichtig an mich heran, die Augen auf die Dunkelheit unter der Wanne gerichtet. Sie atmete flach und in das einfallende Tageslicht glänzte ihre Schnauze matt. Die Stille war erdrückend. Ich begann zu knurren. Sie hielt mitten im Weg inne, die Vorderpfote in der Luft. Ihre Haare am Rücken richteten sich auf. Ich sprang auf sie zu und biss ihr in den Hinterlauf.
Sie biss auch nach mir und ich hörte ihr Gebiss trocken zuschnappen. Ich hielt aber nicht an, stürmte weiter, erreichte die Küche und rutschte auf dem glänzenden Linoleum aus. Dann richtete ich mich auf allen Vieren auf, stand mitten im Zimmer und streckte meine Gliedmaßen aus. Ich sog tief die Luft in meine Lungen ein und ich begann zu bellen. Sehr schnell wurde ich heiser, doch ich hörte nicht auf. Das Blut drückte in meinem Schädel. Ich spürte die Laute am ganzen Körper. Da war etwas Wohltuendes dabei.
Ich bellte weiter und doch hörte ich sie im Flur innehalten, dem Bellen zuhören. Die Wände in der Küche waren dick und hallten. Sie ging ins Wohnzimmer und ich hörte, wie sie dort auf das Sofa aufsprang und sich mit einem lauten Seufzer niederließ. Ich zitterte am ganzen Körper. Ich bellte. Ich lief im Kreis.
Es muss der späte Nachmittag gewesen sein, denn wir hörten Frau Knack schwer und langsam die Treppen hinaufsteigen. Frau Knack trug viele Einkäufe mit sich. Die Plastiktüten raschelten an unserer Tür. Ich roch das Schweinefleisch darin, und meine Frau bestimmt auch. Wir hörten die schwere Wohnungstür zufallen. Die Schritte auf dem Parkett. Die Toilettenspülung. Das Aufsetzen der blechernen Töpfe.
Bald roch es bei uns auch nach Eisbein. Ich sah das zarte Zittern des geleeartigen Fleisches vor mir. Ich leckte mir die Lippen und meinte, Spuren von Fett darin zu erkennen. Frau Knack setzte das Sauerkraut auf.
Ich verließ die Küche. Unter der Badewanne verrichtete ich meine Notdurft. Der Urin floss in den Abfluss. Ich schnüffelte lange daran. Meine Frau hatte die Stelle ebenfalls benutzt.
Ich traf sie in der Küche vor dem Kühlschrank. Sie hechelte. Ich näherte mich von der Seite. Sie ließ mich nah an sich herankommen und ich roch an ihren Pfoten, an ihren Hüften, an ihrem Hinterteil. Sie hechelte nur, und leichte Fäden tropften aus ihrem Maul auf den Boden herab.
Wir begannen mit den oberen Hängeschränken. Unten waren nur Töpfe und Besteck, und meine Frau ging ihrer Nase nach. Sie sprang auf die Arbeitsfläche und richtete sich auf ihre Hinterläufe auf. Mit den Zähnen öffnete sie den Schrank. Mit der Pfote warf sie das Glas herab.
Die Erdnussbutter platzte auf den Boden. Ich leckte schnell zwischen den Splittern. Meine Frau leckte auch. Ich war ziemlich satt und die Kehle klebte mir am Gaumen. Ich hustete auch. Meine Frau machte sich an der Tiefkühltruhe zu schaffen.
Ich schnüffelte erst an ihr, dann am Boden. Ich suchte die tiefen Ecken in der Küche auf. Der Staub drang mir in die Nase, ich befeuchtete sie aber immer wieder mit der Zunge. Ich rannte in den Flur und dort schnüffelte ich auch. Ich schnüffelte an meinen Schuhen, an ihrer Regenjacke, an dem Autoschlüssel. Im Wohnzimmer machte ich einfach weiter. Im Schlafzimmer stieß ich den Wäschekorb um und ich wälzte mich auf schweißgetränkte Sportsocken und Unterwäsche, die seit mehreren Tagen in den Behälter lagen. Im anderen Zimmer war die Tür zu.
Ich fand sie immer noch vor dem Kühlschrank und der Kühlschrank hatte weiße Kratzer bekommen. Ich sah, dass ihre Pfote blutete. Sie leckte gedehnt daran und ihr Blick war leer.
Ich biss an der Gummiverkleidung der Tür, versuchte, das Gerät zu öffnen. Ich spürte bereits die Kühle des Inhalts in meiner Schnauze und ich begann zu knurren. Ich zog und kratzte an der Tür. Meine Frau auch. Als sie aufging, wurden wir noch wilder.
Wir rissen die großen Plastikbehälter aus dem Tiefkühlfach. Gefrorene Bohnen, Pizzen und Steaks kullerten auf den Boden. Der Reif auf der Plastikverpackung der Steaks war wie feines Puder. Die Verpackung selbst war glatt und schmeckte fad und kalt.
Wir lagen bäuchlings in der Küche und warteten darauf, dass das Fleisch auftaute. Ich leckte an einer Hühnerfrikassee-Packung und war mit der kartonierten Verpackung allmählich durch, als der erste Knaller losging. Es war bereits dunkel und meine Frau sprang bellend auf. Ich bellte auch und wir rannten zwischen den Scherben und dem auftauenden Fressen wild durcheinander, als es dann wieder knallte. Und wieder. Wir stürzten jaulend ins Wohnzimmer. Meine Frau biss mir dabei ins Ohr.
Die Raketen stiegen vor unseren Fenstern auf und sie explodierten in der Nacht. Licht brach sich in der Wohnung. Frau Knack hämmerte mit einem schweren Gegenstand gegen ihre Holzdielen. Wir bellten und bellten. Draußen roch es nach Schwefel. Unsere Wohnung roch nach Angst.
Kurz vor Mitternacht hörten wir die Männer im Treppenhaus. Wir pressten unsere Schnauzen an den Türspalt. Wir rochen den Alkohol an ihnen, den feuchten, kalten Dunst der Straße. Einer hatte schmutzige Hände und hatte an diesem Abend Hundekot angefasst.
Es waren vier oder fünf und sie stiegen die Treppen hinauf. Wir verhielten uns weiterhin still, auch als Frau Knacks Wohnungstür aufging. Der Eisbeingeruch flutete das Treppenhaus. Er blieb schwer in der Luft hängen und dort oben bekamen die Männer gutes Essen vorgesetzt. Die Kartoffeln waren in geschmolzener Butter getaucht. Das Sauerkraut roch beißend und scharf. Meine Frau und ich kratzten an der schweren Wohnungstür. Wir wimmerten leise auf unsere Vorderpfoten vor der Türschwelle und meine Schnauze war dabei feucht.
Der letzte Tag des Jahres endete still. Wir warfen unsere Körper gegen die Haustür. Wieder und wieder. Das Licht tanzte in der Wohnung, es flackerte auf, erlosch. Flackerte wieder auf. Das Donnern draußen mischte sich mit unserem Jaulen. Manchmal waren es schnelle, trockene Schüsse. Dann tiefes Brummen, das die Dielen und Fenster vibrieren ließ. Meine Frau war aufs Sofa gestiegen und bellte gegen die Decke. Ich hielt mich nach wie vor im Flur auf.
Bei all dem Getöse hörten wir den Schuss über uns deutlich. Wir hörten, wie Frau Knacks schwerer Körper den Boden erzittern ließ und wir erkannten im Fallen ihre Stimme. Wir waren wieder an der Wohnungstür und diesmal heulten wir lange auf.
Die Männer waren jung und klobig und sie gingen ganz vorsichtig die Treppen nach unten. Unser Gebell war plötzlich und schrill. Auch durch die Tür hörten sie uns deutlich. Sie purzelten die Treppen hinab.
Darunter erkannte ich Frau Knacks Neffen. Ich roch ihn, und diesmal trug er Straßenkleidung und nicht mehr der weiße Overall seines Backbetriebes. Ich roch auch, dass er vor nicht zu langer Zeit mit anderen Jungs seines Alters in der Schule saß. Er hatte sich seit einigen Tagen nicht mehr gewaschen. Nun hatte er an den Händen, am Rücken, Brust und Wange Frau Knacks Geruch. Wir trafen ihn zusammen mit seiner Großmutter beim Edeka am Savignyplatz: ein blonder, fülliger Bursche. Die Augen wahrscheinlich immer noch tiefblau.
Meine Frau war immer schwerer als ich. Jetzt drückte sie ihren Körper gegen die Türklinke und ich schob meine Pfote in den sich vergrößernden Türspalt. Sie sprang wieder gegen die Tür und ich jaulte auf, aber die Tür blieb offen. Ich streckte meine Schnauze nach draußen und weitete die Nüstern. Das Licht ging aus.
Wir schnüffelten lange im dunkeln Treppenhaus, unsere Köpfe gingen in die Höhe, dann wieder nach unten. Wir duckten uns immer wieder und standen gleich darauf wieder auf. Hinter uns gähnte die finstere, vertraute Wohnung. Draußen der Lärm der Silvesternacht.
Mir war nicht kalt und dann begann ich wieder zu träumen und dabei leckte ich meine Pfoten ab und die Haare an den Gliedmaßen waren schwer mit Speichel getränkt und das Betttuch darunter nass. Mir wurde warm. Meine Zunge kribbelte wohlig. Ich schmatzte und dachte daran, wie nahrhaft Grießbrei und Butter sind und ein Zittern bemächtigte sich meiner und dann war ich wieder wach und sah, dass das Licht das Zimmer ausfüllte. Die Wände waren weiß und irgendwo hinter mir gähnte das Fenster und weit dahinter brannte die Sonne. Ich spürte ihre schwachen Strahlen auf der Haut.
Ich roch am Leinentuch über dem Körper meiner Frau und dann sah ich auf meinen eigenen Körper herab und ich jaulte auf. Unter der Decke sprang ein grauer Köter hervor, er blickte mich mit weit aufgerissenen Augen an und seine Krallen kratzten das Parkett. Er bellte und ich spürte nur noch ein Kribbeln am ganzen Körper, denn ich bellte auch.
Der Hund war dürr und der Unterbauch war hell und trocken und wir bellten frenetisch um die Wette. Die großen, flachen Zitzen tanzten an seinem Körper. Ich hörte auch als Erster auf, denn mir wurde klar, das Bellen gehört nicht zu mir, es ist nicht meine Stimme. Ich stürzte kopfüber Richtung Badezimmer, rammte mit dem Schädel die Schlafzimmertür und im Bad kroch ich unter die emaillierte Wanne. Die Luft dort war feucht und es roch modrig nach sich zersetzendem Haar und Schimmel. Meine linke Pfote war wund und immer noch nass.
Es dauerte eine Weile, bis meine Frau an der Tür auftauchte. Ich hörte das Klacken der Krallen im Flur, sie kam näher und näher und ich hielt dabei die Luft an. Ich hörte sie schnüffeln, bevor ich sie sah. Und dann ließ ich die Luft raus und ich schnüffelte auch.
Ich roch Dinge, für die ich keinen Namen hatte. Ich roch es an ihrem Körper und diese Dinge erzählten mir Geschichten. Ein Projektor schaltete sich in meinem Kopf ein, ich sah Bilder. Ich sah sie angeleint in irgendeinem Café in der Mittagshitze. Ich roch die Straße an ihr und wunderte mich, dass ich die Gegend überhaupt kenne. Ich sah sie joggend hinter einem Fahrrad und der Schweiß davon hing an ihr wie eine Trophäe aus einer unerbittlichen Treibjagd. Sie hielt den Kopf gesenkt, als sie mich sah.
Sie kam vorsichtig an mich heran, die Augen auf die Dunkelheit unter der Wanne gerichtet. Sie atmete flach und in das einfallende Tageslicht glänzte ihre Schnauze matt. Die Stille war erdrückend. Ich begann zu knurren. Sie hielt mitten im Weg inne, die Vorderpfote in der Luft. Ihre Haare am Rücken richteten sich auf. Ich sprang auf sie zu und biss ihr in den Hinterlauf.
Sie biss auch nach mir und ich hörte ihr Gebiss trocken zuschnappen. Ich hielt aber nicht an, stürmte weiter, erreichte die Küche und rutschte auf dem glänzenden Linoleum aus. Dann richtete ich mich auf allen Vieren auf, stand mitten im Zimmer und streckte meine Gliedmaßen aus. Ich sog tief die Luft in meine Lungen ein und ich begann zu bellen. Sehr schnell wurde ich heiser, doch ich hörte nicht auf. Das Blut drückte in meinem Schädel. Ich spürte die Laute am ganzen Körper. Da war etwas Wohltuendes dabei.
Ich bellte weiter und doch hörte ich sie im Flur innehalten, dem Bellen zuhören. Die Wände in der Küche waren dick und hallten. Sie ging ins Wohnzimmer und ich hörte, wie sie dort auf das Sofa aufsprang und sich mit einem lauten Seufzer niederließ. Ich zitterte am ganzen Körper. Ich bellte. Ich lief im Kreis.
Es muss der späte Nachmittag gewesen sein, denn wir hörten Frau Knack schwer und langsam die Treppen hinaufsteigen. Frau Knack trug viele Einkäufe mit sich. Die Plastiktüten raschelten an unserer Tür. Ich roch das Schweinefleisch darin, und meine Frau bestimmt auch. Wir hörten die schwere Wohnungstür zufallen. Die Schritte auf dem Parkett. Die Toilettenspülung. Das Aufsetzen der blechernen Töpfe.
Bald roch es bei uns auch nach Eisbein. Ich sah das zarte Zittern des geleeartigen Fleisches vor mir. Ich leckte mir die Lippen und meinte, Spuren von Fett darin zu erkennen. Frau Knack setzte das Sauerkraut auf.
Ich verließ die Küche. Unter der Badewanne verrichtete ich meine Notdurft. Der Urin floss in den Abfluss. Ich schnüffelte lange daran. Meine Frau hatte die Stelle ebenfalls benutzt.
Ich traf sie in der Küche vor dem Kühlschrank. Sie hechelte. Ich näherte mich von der Seite. Sie ließ mich nah an sich herankommen und ich roch an ihren Pfoten, an ihren Hüften, an ihrem Hinterteil. Sie hechelte nur, und leichte Fäden tropften aus ihrem Maul auf den Boden herab.
Wir begannen mit den oberen Hängeschränken. Unten waren nur Töpfe und Besteck, und meine Frau ging ihrer Nase nach. Sie sprang auf die Arbeitsfläche und richtete sich auf ihre Hinterläufe auf. Mit den Zähnen öffnete sie den Schrank. Mit der Pfote warf sie das Glas herab.
Die Erdnussbutter platzte auf den Boden. Ich leckte schnell zwischen den Splittern. Meine Frau leckte auch. Ich war ziemlich satt und die Kehle klebte mir am Gaumen. Ich hustete auch. Meine Frau machte sich an der Tiefkühltruhe zu schaffen.
Ich schnüffelte erst an ihr, dann am Boden. Ich suchte die tiefen Ecken in der Küche auf. Der Staub drang mir in die Nase, ich befeuchtete sie aber immer wieder mit der Zunge. Ich rannte in den Flur und dort schnüffelte ich auch. Ich schnüffelte an meinen Schuhen, an ihrer Regenjacke, an dem Autoschlüssel. Im Wohnzimmer machte ich einfach weiter. Im Schlafzimmer stieß ich den Wäschekorb um und ich wälzte mich auf schweißgetränkte Sportsocken und Unterwäsche, die seit mehreren Tagen in den Behälter lagen. Im anderen Zimmer war die Tür zu.
Ich fand sie immer noch vor dem Kühlschrank und der Kühlschrank hatte weiße Kratzer bekommen. Ich sah, dass ihre Pfote blutete. Sie leckte gedehnt daran und ihr Blick war leer.
Ich biss an der Gummiverkleidung der Tür, versuchte, das Gerät zu öffnen. Ich spürte bereits die Kühle des Inhalts in meiner Schnauze und ich begann zu knurren. Ich zog und kratzte an der Tür. Meine Frau auch. Als sie aufging, wurden wir noch wilder.
Wir rissen die großen Plastikbehälter aus dem Tiefkühlfach. Gefrorene Bohnen, Pizzen und Steaks kullerten auf den Boden. Der Reif auf der Plastikverpackung der Steaks war wie feines Puder. Die Verpackung selbst war glatt und schmeckte fad und kalt.
Wir lagen bäuchlings in der Küche und warteten darauf, dass das Fleisch auftaute. Ich leckte an einer Hühnerfrikassee-Packung und war mit der kartonierten Verpackung allmählich durch, als der erste Knaller losging. Es war bereits dunkel und meine Frau sprang bellend auf. Ich bellte auch und wir rannten zwischen den Scherben und dem auftauenden Fressen wild durcheinander, als es dann wieder knallte. Und wieder. Wir stürzten jaulend ins Wohnzimmer. Meine Frau biss mir dabei ins Ohr.
Die Raketen stiegen vor unseren Fenstern auf und sie explodierten in der Nacht. Licht brach sich in der Wohnung. Frau Knack hämmerte mit einem schweren Gegenstand gegen ihre Holzdielen. Wir bellten und bellten. Draußen roch es nach Schwefel. Unsere Wohnung roch nach Angst.
Kurz vor Mitternacht hörten wir die Männer im Treppenhaus. Wir pressten unsere Schnauzen an den Türspalt. Wir rochen den Alkohol an ihnen, den feuchten, kalten Dunst der Straße. Einer hatte schmutzige Hände und hatte an diesem Abend Hundekot angefasst.
Es waren vier oder fünf und sie stiegen die Treppen hinauf. Wir verhielten uns weiterhin still, auch als Frau Knacks Wohnungstür aufging. Der Eisbeingeruch flutete das Treppenhaus. Er blieb schwer in der Luft hängen und dort oben bekamen die Männer gutes Essen vorgesetzt. Die Kartoffeln waren in geschmolzener Butter getaucht. Das Sauerkraut roch beißend und scharf. Meine Frau und ich kratzten an der schweren Wohnungstür. Wir wimmerten leise auf unsere Vorderpfoten vor der Türschwelle und meine Schnauze war dabei feucht.
Der letzte Tag des Jahres endete still. Wir warfen unsere Körper gegen die Haustür. Wieder und wieder. Das Licht tanzte in der Wohnung, es flackerte auf, erlosch. Flackerte wieder auf. Das Donnern draußen mischte sich mit unserem Jaulen. Manchmal waren es schnelle, trockene Schüsse. Dann tiefes Brummen, das die Dielen und Fenster vibrieren ließ. Meine Frau war aufs Sofa gestiegen und bellte gegen die Decke. Ich hielt mich nach wie vor im Flur auf.
Bei all dem Getöse hörten wir den Schuss über uns deutlich. Wir hörten, wie Frau Knacks schwerer Körper den Boden erzittern ließ und wir erkannten im Fallen ihre Stimme. Wir waren wieder an der Wohnungstür und diesmal heulten wir lange auf.
Die Männer waren jung und klobig und sie gingen ganz vorsichtig die Treppen nach unten. Unser Gebell war plötzlich und schrill. Auch durch die Tür hörten sie uns deutlich. Sie purzelten die Treppen hinab.
Darunter erkannte ich Frau Knacks Neffen. Ich roch ihn, und diesmal trug er Straßenkleidung und nicht mehr der weiße Overall seines Backbetriebes. Ich roch auch, dass er vor nicht zu langer Zeit mit anderen Jungs seines Alters in der Schule saß. Er hatte sich seit einigen Tagen nicht mehr gewaschen. Nun hatte er an den Händen, am Rücken, Brust und Wange Frau Knacks Geruch. Wir trafen ihn zusammen mit seiner Großmutter beim Edeka am Savignyplatz: ein blonder, fülliger Bursche. Die Augen wahrscheinlich immer noch tiefblau.
Meine Frau war immer schwerer als ich. Jetzt drückte sie ihren Körper gegen die Türklinke und ich schob meine Pfote in den sich vergrößernden Türspalt. Sie sprang wieder gegen die Tür und ich jaulte auf, aber die Tür blieb offen. Ich streckte meine Schnauze nach draußen und weitete die Nüstern. Das Licht ging aus.
Wir schnüffelten lange im dunkeln Treppenhaus, unsere Köpfe gingen in die Höhe, dann wieder nach unten. Wir duckten uns immer wieder und standen gleich darauf wieder auf. Hinter uns gähnte die finstere, vertraute Wohnung. Draußen der Lärm der Silvesternacht.
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