gesänge ohne herbstmond

4,70 Stern(e) 3 Bewertungen

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Patrick,

vorab und völlig nebenbei: Du hast zwei Elemente aus Schneewittchen in Deinem Text, den unbarmherzigen Spiegel und die Zahl 7 ( 7 Zwerge).

Du machst es Deinem Leser nicht leicht. Ich wusste zuerst nicht, wie ich an irgendeinen Inhalt herankommen könnte

Ich schreibe Dir jetzt, was ich herauslese:

Es geht um einen Abschied, der sehr schmerzhaft ist. Da es der Herzspiegel ist, der die unbarmherzige Wahrheit eröffnet, vermute ich, dass eine menschliche Person dem Lyri adieu gesagt hat.

Den Siebenstern lasse ich mal als Pflanze eher beiseite, weil ich denke, dass Du ihn bemüht hast um von dort aus zum veränderten Vergissmeinnicht zu gelangen.

Der Siebenstern im Lateinischen ist die Sieben = Septimus und könnte in Deinem Text eine Anspielung auf den Herbstmonat September sein.

Zu dem Zeitpunkt beschließt das Lyri, die Bitternis zu verdrängen. Aus dem Vergissmeinnicht wird das Vergissmeinlicht.

Die Linie sagt mir, dass es eine lange Zeit so ging.

Dann hat das Lyri eine Erkenntnis: Warum soll ich ständig an den schmerzhaften Schluss denken. Ich will zurückgehen in die Zeit, als diese Beziehung mich glücklich gemacht hat.

Der Herbst wird wieder zum Frühling.

Mehr kann ich nicht entdecken.

Deinen Text kann ich leider nicht bewerten, weil mir diese Art zu schreiben zur Zeit noch zu fremd ist. Ich hoffe, Du verübelst mir das nicht.

Ganz liebe Grüße
Vera-Lena
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

das Gedicht ist ohne Weiteres nicht verständlich, d.h. Du benutzt eigentlich Chiffren. Aus diesen mag man vieles deuten, dem Leser steht es frei, seine eigenen Gefühle dabei zu entdecken.

Ich lese: eine Wende nach einem Abschied, also "vergessen", Nase nach vorn und weiter durchs Leben stolpern

Dem herzspiegel verhängt
der abschied seinen siebenstern,


finde ich gut; der siebenstern, der ist weiss, die Farbe des Vergessens (nicht nur der Hochzeit und Unbeflecktheit); im herzspiegel kann man ich selbst sehen, selten den anderen; das könnte den Abschied (der anderen) rechtfertigen

vertropft
silb um silbe ins vergissmeinlicht.


finde ich weniger gut; es wird nicht klar, was hier vertropft; vielleicht das Herz im Spiegel, aber dann die Silben... für mich keine gute Chiffre; vergissmeinlicht ist als Wortspiel durchaus interessant, aber im Zusammenhang mit dem ersten Vers entdecke oder "erfühle" ich hier wirklich keinen Sinn

----------------------
(vergiss sie jetzt)
vergiss.

greif ein in das entnarbte lied


Finde ich wieder gut, oder fast gut, denn "vernarbt" finde ich besser; es bleibt immer etwas von den Wunden, du kannst das Lied des Lebens, der Liebe usw. niemals "entnarben"; dennoch ein glaubwürdiger Aufruf, sich wieder aufzuraffen

heb es hinauf. blühe
deinen langverkannten frühling leer.


Finde ich auch gut, verbindet sich gut mit dem Vers davor, beim "leerblühen" denke ich auch an eher klassische Metaphern, z.B. aus dem Glas des Lebens in vollen Zügen zu trinken usw.

Wende.


Vollgerichtig, vielleicht aber auch schon ein Wort zu viel im Gedicht

So nun warte ich wie Vera auf eine genaue Erläuterung ;)

LG
Tula
 
Hallo Vera Lena
Hi Tula

Ich antworte euch mal zusammen ;)

Ja, es geht hier um Abschied, wie schon richtig erwähnt wurde.
Der Herzspiegel ist das was unser Wesen unser "Herz" nach außen spiegelt. Diesem wurde durch den Abschied das schöne, die Unschuld, der Neuanfang verhangen.

Drastich greifbar sollte es dann werden das selbst die Worte nicht mehr das innere widerspiegeln. Eben kein Vergiss-mein-nicht, sondern gegenteilig Vergiss-mein-licht.

Das licht spielt ja aber schon das positive an,
die chance die darin steckt, mit einem Menschen, mit sich, auch durch Abschiede (sie müssen ja nicht endgültig sein) neu zu beginnen.
Daher das ent-narbte Lied.

Bis letztlich zu den Punkt an dem man das, den Frühling, deb man lange in sich getragen hat, leben und ver-leben kann.

Hoffe es ist a bissl verständlicher geworden ;)

Habe mich jedenfalls sehr über eure Gedanken gefreut!

L.G
Patrick
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Patrick,
danke für Deine Erläuterungen! Was ich gar nicht mitgekriegt hatte war, dass auch die Worte nicht mehr das Innere wiedergeben können. Jetzt wird mir Dein Gedankengang verständlicher.

Liebe Grüße
bis zum nächsten Mal....

Vera-Lena
 

Mondnein

Mitglied
Ich muß ein wenig schmunzeln, weil "Siebenstern" der zusammenfassende Name meiner ersten sieben Gedichtzyklen war, für drei Jahrzehnte (etwa 70 Gedichte); dann kam 2012 der "Achtstern" hinzu (40 Lieder), 2014 der Neunstern (erstes "Hunderliederbuch"), Zehnstern (zweites), Elfenstern (drittes), und vor zwei Wochen der "Zwölfenstern" als viertes Hundertliederbuch. Alle auf http://12koerbe.de/hansz/dicht.htm

Das nur nebenbei. Ich vermute, das war Dir noch nicht bekannt. Schau mal rein.
 
Tja, da muss ich wohl zugeben das ich den Zyklus schon kannte.
;)
Beim schreiben habe ich allerdings nicht daran gedacht.

P.S. daran will ich mich auch garnicht messen.
Das kannst du wesentlich besser als ich.
(Nein kein geschleim):D
L.G
Patrick
 

revilo

Mitglied
moin.....ich habe "Siebenstein" gelesen und war verblüfft......Siebenstein ist eine Kinderserie, die ich vor etwa 10 Jahren regelmässig geschaut habe......aber ich habe meinen Irrtum schnell gemerkt......seltsamer Kommentar, ich weiß....
schönen ersten Advent wünscht revilo....
 

Oben Unten