gestern wars

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HerbertH

Mitglied
gestern wars

der neumond stand schwarz ganz schwarz
kein irdisches restlicht wollt ihn erleuchten
hoch am himmel über dem dicken brocken mitten im harz
und keiner kam um sich mit ihm die trockene kehle zu feuchten

und da dacht er sich die revolution zu ändern
und mühte sich mächtig zum relativen stop
denn ohne meint er (oder sie) es wär nur ein schlendern
und stoppte und fiel hin zur erde - ein flop

denn er wollt doch endlich statt a und zett
das zett und a und ganz anders herum um die erde laufen
stattdessen rast er nur stracks zu terra ins bett
und keiner sah ihn die haare sich raufen

und er blieb beim fall auf den harz
nur schwarz, ach soo schwarz
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Wunderschön.
Siehst du den Mond über dem Harz, Geliebter?
Ich sehe ihn, Geliebte!
 

HerbertH

Mitglied
gestern wars

der neumond stand schwarz ganz schwarz
kein irdisches restlicht wollt ihn erleuchten
hoch am himmel über dem dicken brocken mitten im harz
und keiner kam um sich mit ihm die trockene kehle zu feuchten

und da dacht er sich die revolution zu ändern
und mühte sich mächtig zum relativen stop
denn ohne meint er (oder sie) es wär nur ein schlendern
und stoppte und fiel hin zur erde - ein flop

denn er wollt doch endlich statt a und zett
das zett und a und ganz anders herum um die erde laufen
stattdessen rast er nur stracks zu terra ins bett
und keiner sah ihn sich die haare raufen

und er blieb beim fall auf den harz
nur schwarz, ach soo schwarz
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Jetzt noch ein paar ernsthaftere Gedanken:

"Der Neumond über Dresden" war mal eine Bildunterschrift in der Sächsischen Zeitung, der "Neumond" strahlte hell wie der Vollmond über den Schlössern und der Frauenkirche.

"Siehst du den Mond über Soho?" - Brecht.

Bauernkriegspanorama Tübke Bad Frankenhausen

Expressionisten,
Dadaisten,
Brecht
 

Label

Mitglied
Lieber Herbert

irgendwie verweigert sich dein Gedicht meinem Sortiermechanismus.

Es hat keinen mir bekannten Versfuß und doch wohnt ihm ein Rhythmus inne

Es ist kein humoriges ob schwarz oder anderweitig, auch kein Nonsensgedicht, dazu sind zu viele intelligente ernste Anspielungen enthalten

Es hat keine für mich erkennbare Analogie für ein "ernsthaftes" oder "stimmungsvolles" Gedicht.

Es ist mir interessant genug um es ergründen zu wollen,
aber es gelingt mir nicht

jetzt weißt du was ich von diesem Gedicht halte ;)

Label
 

HerbertH

Mitglied
liebe label,

gäbe es eine rubrik "humorige und lustige gedichte", hätte ich es dort eingestellt.

Inspiriert haben mich Bernds "Übersetzungen" von Lupius Bernd. Die sind - ohne das genauer erklären zu wollen - ähnlich vom Duktus und Ideenfluss. Auch dort gibt es einige "tiefschürfende Ideen", wobei meine Mond-Revolutions-Änderung sich übrigens auch irgendwie an "dunkel wars, der mond schien helle" orientieren mag.

Vielleicht hilft Dir das beim Einordnen dieses spontan entstandenen Gedichtes.

Liebe Grüße

Herbert
 

Label

Mitglied
ah - das beruhigt mich irgendwie!

ich dachte schon mein Gehirn ist verdampft.

Mit meinen Überlegungen war ich bis zu Nebras Himmelsscheibe gewandert, der ja auch etwas abhanden gekommen ist und da sich Nebra in relativer Nähe zum Harz befindet..... zumindest wurde der Brocken offenbar als Orientierungspunkt genutzt

dein Mond der schwarze Mond der fuhr per Barke zum Brocken, die wurde vergraben und der Mond und die Archäologen haben sie immer noch nicht gefunden, was sie schwarz geärgert hat. :D

Label
 

HerbertH

Mitglied
kein limerick

himmelscheibchen gleiten
in die sphärischen weiten
steht still der mond
der draußen wohnt
ändern sich auch die gezeiten
 
Folgendes, lieber Herbert, fiel mir bei deinem Gedicht ein.

Vor langer, langer Zeit sang es Evelyn Künneke

Der Mond sprach zur Sonne: “Ich lieb’ dich!
Sag’, Sonne, liebst du mich denn auch?
Ich komme mal rüber und küss’ dich
Das ist bei Verliebten so Brauch.”
Die Sonne, jedoch, hatte Angst vor ihm
Sie lief ihm davon, und das ärgert’ ihn
So rennt er schon viel’ tausend Jahre
Der Sonne im Dauerlauf nach
Seit der Zeit, seit der Zeit
Gibt’s bei uns die Nacht und den Tag
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Mary,

das kannte ich nicht. Danke für den Hinweis. Daraus könnte man in der Tat noch weitere Gedichte zaubern. :)

Liebe Grüße

Herbert
 

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