Getragene Gedanken - Sonett rasant

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Walther

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Getragene Gedanken


Ich trage mich mit dem Gedanken –
Und der Gedanke will mich tragen,
Zu dir, mein Schatz, er will dir sagen,
Dass ich nicht weiß, wie dir zu danken,

Wie dir zu schenken wär; nicht klagen,
Nein, beten will ich vor den schlanken
Und feinen Fesseln; Wünsche ranken
Hinauf zur Antwort auf die Fragen –,

Und trag so schwer, den Kopf in Händen.
Wie möchte ich mein Schicksal wenden,
Den Nachtschlaf suchend ihn auch finden:

Ach könnte ich die Botschaft senden,
Um dieses Leid rasch zu beenden –
Ach würdest du wie ich empfinden …
 

hermannknehr

Mitglied
Hallo Walther,
ein sehr schönes Gedicht, ganz im Stile Rilkes, sowohl von der Form her, als auch im Wortklang und der Thematik. Ich musste sofort an "Dir zu Feier" denken, der Ovation des jungen Rilke an Lou Andreas Salomé:

"Mir ist, daß wir uns selig fänden
und daß du dann wie ein Geschmeid
mir löstest aus den müden Händen
die niebegehrte Zärtlichkeit"

Ja, wo ist sie hin, die "gute alte Zeit", in der man seine Gefühle noch in solche Worte gegossen hat!
L.G.
Hermann
 

Walther

Mitglied
Lb Hermann,

danke für deine kommentierung. ja, der Rilke!

ich will nicht verhehlen bzw. verbergen, daß ich meine vierhebigen sonette bei ihm abgeschaut habe. allerdings gebietet es mein respekt, mich zwar saumäßig über deinen bezug auf meister rilke zu freuen, aber zugleich darzulegen, daß mein gedicht natürlich weit entfernt von dieser liga des könnens bleibt.

aber die herkunft, auch des enjambements und seiner verwendung, ist vom vorbild Rilke, das will ich nicht leugnen - wir sind eben doch immer auch epigonen! wir können uns anstrengen, wie wir wollen ...

weihnachtsgrüße W.
 

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