Glück im Unglück

Glück im Unglück

Ich verließ gerade die Haltestellenbucht. Nach wenigen Metern konnte ich bereits rechts in die Seitenstraße blicken. Dort sah ich eine Radfahrerin. Sie war noch gut 50 Meter von der Kreuzung entfernt, war jedoch recht flott unterwegs.
Da ich mich in einer 30er-Zone bewegte, hatte ich kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit erreicht. Ich verlor die Radfahrerin aus dem Blickfeld, schaute routinemäßig in den rechten Außenspiegel, wo sie plötzlich wieder auftauchte. Das Unerklärliche geschah. Sie fuhr mit kaum reduzierter Geschwindigkeit in Höhe der zweiten Tür in meinen Bus.
Natürlich stoppte ich sofort, zog die Feststellbremse, schaltete die Warnblinkanlage ein und stieg aus.
"Alles gut!", rief die junge Dame mir sofort zu. Sie wirkte allerdings durchaus etwas benommen.
Es standen zufällig ein paar Leute, die das Mädchen offenbar kannten, an der Ecke und kümmerten sich um sie.
Natürlich muss ich in einem solchen Fall die Leitstelle informieren, damit zumindest die Aufsicht kommt, um den Unfall aufzunehmen.

Nach einer halben Stunde war nicht nur der Vater des Mädchens informiert und zum Unfallort gekommen, sondern auch der Kollege der Aufsicht vor Ort.
Es war nichts weiter passiert. Ein paar Kratzer am Bus, ein lädiertes Vorderrad am Fahrrad. Aber der Fahrerin ging es den Umständen entsprechend erstaunlich gut.
Das hätte böse enden können, dachte ich, denn wäre ich ein oder zwei Sekunden später losgefahren, wäre sie womöglich genau vor mir in die Kreuzung gefahren. Wäre ich jedoch deutlich schneller gewesen, wäre sie unmittelbar hinter mir gefahren. Ich erinnerte mich, dass aus der Gegenrichtung gerade ein PKW recht flott herangefahren kam. Der hätte sie dann möglicherweise erwischt. In beiden Fällen wäre es gewiss nicht so glimpflich abgelaufen.

Ein paar Tage später erhielt ich einen Brief einer mir unbekannten Person. Er kam von diesem 14jährigen Mädchen. Sie entschuldigte sich bei mir für den Schrecken, den sie mir eingejagt hatte. Sie hatte Kopfhörer auf, war gut gelaunt und hatte den Bus schlicht und ergreifend nicht bemerkt, schrieb sie.
Aus dem Unfallbericht hatte sie meine Adresse.
Das fand ich total süß.
 
@Rainer Zufall: Hallo Rainer Zufall! Hat sie auch versprochen, in der Zukunft aufzupassen? Kopfhörer sind schädlich für alle Verkehrsteilnehmer... inklusive Fußgänger. Die Wahrnehmung der Geräusche ist sehr wichtig!
LG Liselotte
 

onivido

Mitglied
Rainer Zufall, war auch , dass dem Maedchen nichts weiter passiert ist.
Ich wuensche dir einen schoenen Tag///Onivido
 

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