Hänsel und Gretel

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Karn Hardt

Mitglied
Ich wollte immer zwei Kinder haben, einen Sohn und eine Tochter. Hänsel und Gretel sollten sie heißen wie die Helden aus meinem Lieblingsmärchen. Da war ich Vierzehn und alle haben mich ausgelacht:
»Träumerin«, haben sie gefeixt, »die Namen gibt’s doch nur im Märchen.«

Ich war nicht schön, doch plötzlich war Krieg, alles wurde knapp.
Die Russen kamen, dann die Amis ...

In einem Luftschutzbunker gebar ich Zwillinge, Hänsel und Gretel nannte ich sie. Brotkrumen gab es nicht.

Ich hatte einst zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Hänsel und Gretel hießen sie. Seitdem glaube ich nicht mehr an Märchen.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Karn Hardt!

Schön, dass du zu uns in die Leselupe gefunden hast.
Wir freuen uns auf einen konstruktiven Austausch und weitere Texte von dir.

Zum Text:
Das ist ein sehr trauriger Text und durch die Verwendung von "Hänsel und Gretel" wird es noch eindringlicher, da dieses Märchen jeder kennt und auf ein gutes Ende hofft. Dann zieht einem der letzte Absatz die Beine unter dem Boden weg. Sehr gelungen!!

Liebe Grüße
Manfred
 

Oscarchen

Mitglied
Moin Karn Hardt,

dein Beitrag hat mich sehr still und nachdenklich werden lassen.
Danke.

Mit lieben Grüßen

Oscarchen
 

Ji Rina

Mitglied
Hallo Karn Hardt,
Das ist ein trauriger Text - toll umgesetzt!

Bist du nicht ein alter Lupianer?:)
Diese Kurzprosa jedenfalls kenne ich noch sehr gut.
Mit lieben Grüßen,
Ji
 

Ciconia

Mitglied
Ein effektheischender Text, der hier vor Jahren schon mindestens einmal sehr lange diskutiert wurde. Deshalb sollte das Ergebnis jetzt wenigstens fehlerfrei und stilistisch einwandfrei sein.

Da war ich Vierzehn vierzehn
Leider funktioniert längeres Zitieren momentan auch nicht. Deshalb nur der Hinweis: Die Anzahl der Hilfsverben "war" und "haben" sowie zweimal "doch" kurz hintereinander sind stilistisch nicht besonders anspruchsvoll.
 

Ciconia

Mitglied
Nett von Dir, dass Du hier jemanden verteidigen möchtest, JiRina, aber ich glaube, da zielst Du mit der Spitze auf mich etwas daneben.

Bei der Kürze dieses Textes fallen die Wiederholungen viel deutlicher auf. Außerdem passt der eher schlicht gehaltene Text mit vielen Hilfsverben, die wohl die Ton einer einfachen Frau darstellen sollen, nicht zu dieser auffälligen Stelle:
In einem Luftschutzbunker gebar ich Zwillinge
Oder hast Du eine einfache alte Frau schon mal so reden hören?
 

Karn Hardt

Mitglied
Hallo Franke, Rainer, Oscarchen, Ji Rina und Ciconia,

vielen lieben Dank für die Beschäftigung mit diesem kleinen Text - und natürlich für die Bewertungen hierzu.
Mit diesem Text hatte ich mich ca. 2016 aus der Leselupe aus Zeitgründen verabschiedet und ich halte es für legitim, deshalb mit ebendiesem Textlein wieder auf der "Lupen"-fläche zu erscheinen, zumal die "Besprechungen" hierzu damals nicht abgeschlossen waren :)
@Ciconia: Das Erlebnis wird durch die Prot. erzählt und die kann unter den (Kriegs)-Umständen und auch später nicht keine perfekte Schreiberin sein. Über "gebar" kann man natürlich streiten, aber ich unterstelle der Prot. nun einmal diese Formulierung. Vielleicht hat sie das so woanders mal gehört, wer weiß ...
Ich werde in Zukunft keine "Alt"-Texte von mir in der leselupe posten.

Euch allen einen schönen Abend!
 

Ji Rina

Mitglied
Nett von Dir, dass Du hier jemanden verteidigen möchtest, JiRina, aber ich glaube, da zielst Du mit der Spitze auf mich etwas daneben.
Wie kommst du darauf, mir zu sagen, es sei "nett", dass ich hier jemanden verteidigen wolle? Ich habe lediglich die Antwort gepostet, die du mir gegeben hast, als ich dich auf zwei Wiederholungen aufmerksam machte.
 

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