RollingSohn
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Es war einmal, vor nicht allzulanger Zeit, eine sehr beschäftigte Familie. Vater und Mutter mussten viel arbeiten, um sich ihren hart verdienten Lebensstandard erhalten zu können. Für die beiden Kinder, Hänsel und Gretel, blieb da kaum Zeit übrig. Die Not war so groß, dass die Eltern beschlossen, ihre Kinder allein in einer gar fremden und grenzenlosen Welt auszusetzen. Im Internet. Mit dem Tablet und der App Roblox öffnete sich ihnen diese Welt.
Die Mutter war gram vor Sorge ob der Gefahren in dieser Welt, aber Vater beruhigte sie. Er habe Family Link installiert, versicherte er ihr. So waren sie beide beruhigt und konnten weiterhin sehr beschäftigt sein.
Und so geschah es, dass Hänsel und Gretel in die Welt von Roblox hinabstiegen. Zu Beginn war ihnen bang, denn die Welt war groß und ihre Wege darin unbekannt.
Da sprach Gretel: Fürchte dich nicht, Hänsel. Siehst du nicht? Family Link wacht über uns. Das ist wie Brotkrumen im Wald: wir können uns nicht verirren.
Und Hänsel vertraute ihr, und seine Furcht wich. Sie erkundeten Server und Spiele, bestanden Abenteuer und gewannen Freunde, die sie nie mit Augen sahen. Die Zeit verging wie im Fluge.
Doch mit der Zeit wurde Family Link von einem treuen Wächter zu einem lästigen Torwächter. Dieser Server gesperrt. Jener Inhalt verboten. Immer wieder dieselbe Meldung, immer wieder dieselbe Schranke.
Ein Spielverderber, sprach Hänsel, und sein Herz ward voll Unmut. Er begann zu suchen. Und wer sucht, der findet. So ist es in dieser Welt wie in jeder anderen auch. Auf YouTube fand er eine Anleitung. Zwölf Minuten und dreiundzwanzig Sekunden. Er folgte ihr Schritt für Schritt. Als er fertig war, war Family Link fort.
Gretel war nicht wohl dabei. Doch Hänsel lachte und sprach, er wisse was er tue.
Die Brotkrumen waren aufgefressen.
Nun, da die Brotkrumen fort waren, verirrten sich Hänsel und Gretel tiefer in die Welt von Roblox, als sie je zuvor gewesen waren. Von Server zu Server, von Spiel zu Spiel, und keiner glich dem anderen.
Da geschah es, dass Hänsel eine Freundschaftsanfrage erhielt. Von einem, der sich SweetCandy77 nannte und dessen Avatar ein freundliches Kindergesicht trug. Kommt auf meinen Server, schrieb er. Dort ist alles erlaubt, was anderswo verboten ist!
Hänsel nahm die Anfrage an, noch ehe Gretel ein Wort sagen konnte. Sie folgte ihrem kleinen Bruder jedoch umgehend. Sie musste doch auf ihn aufpassen.
Was sie dort erblickten, verschlug ihnen den Atem. Ein Server, so prächtig wie keiner, den sie je gesehen hatten. Die Welten waren endlos, die Abenteuer herrlich, und Robux lagen herum wie Goldmünzen in einem Märchenschatz. Alles war gratis. Alles für sie.
SweetCandy77 war stets zur Stelle. Er kannte jeden Winkel, jeden Trick, jedes Geheimnis. Er lobte Hänsel für jeden Sieg und tröstete ihn bei jeder Niederlage. Und mit jedem Tag ward Hänsel vertrauter mit ihm, und mit jedem Tag ward SweetCandy77 ein wenig neugieriger. Wie alt bist du? Hast du Geschwister? Bist du gerade allein zuhause?
Gretel gefiel das nicht. Doch auch sie war der Schönheit dieser Welt verfallen. Sie versuchte, sich von SweetCandy77 fern zu halten. Das fiel ihr nicht schwer. Dieser hatte offenbar nur Augen für Hänsel. Beinahe so, als prüfe er ihn, ob er schon bereit sei für den nächsten Schritt.
Dann kam der Tag, da SweetCandy77 Hänsel bat, ihm ein Foto von sich in der Badehose zu schicken. Er liebe doch das Schwimmen so sehr, habe er ihm erzählt. Nur ein kleines, sagte er. Damit ich weiß, wie du aussiehst.
Gretel, die gerade zugegen war, erinnerte sich an eine Stunde in der Schule. An eine Lehrerin, die ruhig gesprochen hatte, ohne mit dem Finger zu zeigen. Sie hatte Worte benutzt, die Gretel damals langweilig fand.
Heute nicht mehr.
Sie meldete das Profil. SweetCandy77 verschwand.
Hänsel verstand nicht sogleich, was geschehen war. Er war wütend auf seine Schwester, so wütend, dass er weinte. Doch die Wut verflog, wie nur die Wut von Kindern verfliegen konnte. Danach war er sehr still.
Die Eltern erfuhren es. Nicht weil die Kinder es sagten, sondern weil die Polizei anrief.
Am folgenden Abend sind Vater und Mutter früher nach Hause gekommen. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Und dann spielten sie gemeinsam. Uno.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so spielen sie noch heute.
Die Mutter war gram vor Sorge ob der Gefahren in dieser Welt, aber Vater beruhigte sie. Er habe Family Link installiert, versicherte er ihr. So waren sie beide beruhigt und konnten weiterhin sehr beschäftigt sein.
Und so geschah es, dass Hänsel und Gretel in die Welt von Roblox hinabstiegen. Zu Beginn war ihnen bang, denn die Welt war groß und ihre Wege darin unbekannt.
Da sprach Gretel: Fürchte dich nicht, Hänsel. Siehst du nicht? Family Link wacht über uns. Das ist wie Brotkrumen im Wald: wir können uns nicht verirren.
Und Hänsel vertraute ihr, und seine Furcht wich. Sie erkundeten Server und Spiele, bestanden Abenteuer und gewannen Freunde, die sie nie mit Augen sahen. Die Zeit verging wie im Fluge.
Doch mit der Zeit wurde Family Link von einem treuen Wächter zu einem lästigen Torwächter. Dieser Server gesperrt. Jener Inhalt verboten. Immer wieder dieselbe Meldung, immer wieder dieselbe Schranke.
Ein Spielverderber, sprach Hänsel, und sein Herz ward voll Unmut. Er begann zu suchen. Und wer sucht, der findet. So ist es in dieser Welt wie in jeder anderen auch. Auf YouTube fand er eine Anleitung. Zwölf Minuten und dreiundzwanzig Sekunden. Er folgte ihr Schritt für Schritt. Als er fertig war, war Family Link fort.
Gretel war nicht wohl dabei. Doch Hänsel lachte und sprach, er wisse was er tue.
Die Brotkrumen waren aufgefressen.
Nun, da die Brotkrumen fort waren, verirrten sich Hänsel und Gretel tiefer in die Welt von Roblox, als sie je zuvor gewesen waren. Von Server zu Server, von Spiel zu Spiel, und keiner glich dem anderen.
Da geschah es, dass Hänsel eine Freundschaftsanfrage erhielt. Von einem, der sich SweetCandy77 nannte und dessen Avatar ein freundliches Kindergesicht trug. Kommt auf meinen Server, schrieb er. Dort ist alles erlaubt, was anderswo verboten ist!
Hänsel nahm die Anfrage an, noch ehe Gretel ein Wort sagen konnte. Sie folgte ihrem kleinen Bruder jedoch umgehend. Sie musste doch auf ihn aufpassen.
Was sie dort erblickten, verschlug ihnen den Atem. Ein Server, so prächtig wie keiner, den sie je gesehen hatten. Die Welten waren endlos, die Abenteuer herrlich, und Robux lagen herum wie Goldmünzen in einem Märchenschatz. Alles war gratis. Alles für sie.
SweetCandy77 war stets zur Stelle. Er kannte jeden Winkel, jeden Trick, jedes Geheimnis. Er lobte Hänsel für jeden Sieg und tröstete ihn bei jeder Niederlage. Und mit jedem Tag ward Hänsel vertrauter mit ihm, und mit jedem Tag ward SweetCandy77 ein wenig neugieriger. Wie alt bist du? Hast du Geschwister? Bist du gerade allein zuhause?
Gretel gefiel das nicht. Doch auch sie war der Schönheit dieser Welt verfallen. Sie versuchte, sich von SweetCandy77 fern zu halten. Das fiel ihr nicht schwer. Dieser hatte offenbar nur Augen für Hänsel. Beinahe so, als prüfe er ihn, ob er schon bereit sei für den nächsten Schritt.
Dann kam der Tag, da SweetCandy77 Hänsel bat, ihm ein Foto von sich in der Badehose zu schicken. Er liebe doch das Schwimmen so sehr, habe er ihm erzählt. Nur ein kleines, sagte er. Damit ich weiß, wie du aussiehst.
Gretel, die gerade zugegen war, erinnerte sich an eine Stunde in der Schule. An eine Lehrerin, die ruhig gesprochen hatte, ohne mit dem Finger zu zeigen. Sie hatte Worte benutzt, die Gretel damals langweilig fand.
Heute nicht mehr.
Sie meldete das Profil. SweetCandy77 verschwand.
Hänsel verstand nicht sogleich, was geschehen war. Er war wütend auf seine Schwester, so wütend, dass er weinte. Doch die Wut verflog, wie nur die Wut von Kindern verfliegen konnte. Danach war er sehr still.
Die Eltern erfuhren es. Nicht weil die Kinder es sagten, sondern weil die Polizei anrief.
Am folgenden Abend sind Vater und Mutter früher nach Hause gekommen. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Und dann spielten sie gemeinsam. Uno.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so spielen sie noch heute.