Häutung

Lieber Scal,
es freut mich sehr, dass das Bild des Gedichtes: Häutung dir eine eigene Tür öffnet. Ich experimentiere gerade mit dem Thema: Memento mori. Schon die Wendung:"Eines Tages" bezeichnet den Tod als unausweichliches , nicht gewaltsames, sondern eher lautloses Geschehen. Körper und ich lösen sich voneinander , als würde der Leib zu einer Hülle, die nicht länger getragen werden kann. Das Bild der Häutung weckt zunächst die Erwartung von Verwandlung und Erneuerung, doch unter der abgestreiften Haut wartet kein neuer Körper, kein verwandeltes Selbst. Das Ich geht in etwas Gestaltloses über (Wasser:ursprünglicher Zustand, Dunkelheit: das große Unbekannte) Das Ufer bildet die Schwelle zwischen dem gelebten Leben und dem unbekannten Danach. Als leibliches Gedächtnis eines einmaligen Daseins bleibt die Haut zurück. Dass sie "noch warm"ist, macht die Nähe des vergangenen Lebens schmerzlich spürbar. In den Schlussworten"Von der Mühe,/ich zu sein" verdichtet sich die existenzielle Aussage des Gedichts. Das Memento mori liegt hier nicht in einer Drohung, sondern in einer leisen Erinnerung: eines Tages werden wir die Gestalt, die wir so mühsam gewesen sind, zurücklassen müssen. Gerade dadurch erhält das gelebte Ich seine Kostbarkeit.
Damit werde ich meine kleine Memento Mori -Reihe schließen und zu freudvolleren Themen aufbrechen. Dein Musiktipp. den ich sehr genossen habe, hat mich ein bisschen in diese Richtung geführt.:)
Beste Grüße
Chandrika
 



 
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