Harry

anemone

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Die Hühner hatten sich alle um den Hahn versammelt. Jede von den Hennen pickte ihm eine Feder heraus. Jede wollte ein Andenken von ihm und nun stand er kahl und nackt inmitten der Hühnerschar. Er fror mächtig, der arme Kerl. Er zitterte am ganzen Leib.

Dabei hatte er doch sein Bestes gegeben. Jede, aber auch jede von ihnen hatte er beglückt. „Die wissen gar nicht, wie anstrengend so etwas ist!“ lallte er noch und dann warf er sich der Länge nach auf den Boden und streckte seine beiden Hähnchenschenkel von sich.

Nun begannen sie alle zu gackern, da der Hahn die Augen schloss. Das sollte er auf gar keinen Fall, denn er wurde noch gebraucht. „Lass ihn etwas Eigelb schlürfen!“ riet die älteste Henne, die gerade ein Ei gelegt hatte. Sie hielten es ihm unter den Schnabel.

Doch Harry, der Hahn war nicht zu bewegen auch nur für einen kurzen Moment die Augen zu öffnen. Zitternd lag er da, sein Schnabel in Eigelb getaucht und er gab keinen Mucks mehr von sich.

„Er wird doch nicht erfroren sein!“ vermutete eine Henne und legte sich schützend und wärmend neben ihn. Die anderen machten es ihr nach und so lag auf dem Boden ein gemütlich warmer Haufen Hennen inmitten der nackte kahle Hahn.

Nun hörte das Zittern und Beben unseres Harry auf und er riskierte ein Auge. Sein Schnabel trank das Eigelb und es wurde ihm warm. Um sich herum sah er dieses Hennenmeer, in dem er drohte zu ersticken. Schnell schloss er wieder die Augen und überlegte, wie er ihnen entkommen konnte.

Da hilft jetzt nur noch eins! – dachte er, schloss die Augen und versuchte zu schlafen. Es war ihm mollig warm und er träumte laut. Immer wenn er ein leises „Kikeriki“ von sich gab, wurde es unruhig in der Menge und die Hühner waren hin und weg. Sie legten ihre Hähnchenfeder neben sich und gackerten ihn in den Schlaf.

Was aus Harry geworden ist? Ich glaube er schläft immer noch. Seine Federn sind inzwischen nachgewachsen.
 

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