Hat Andi ein Problem?

anemone

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Seine Gedanken kreisten nicht dort, wo Herr Brosius, der Mathelehrer es von ihm erwartete. Weit weg waren sie.
Sie waren schon vorausgeeilt, hatten schon die Pausenklingel vernommen. Die Frage, die er ihm gestellt hatte war ihm vollständig entgangen und erst als dieser sich ihm näherte, um in seine Augen zu blicken, wusste Andi, dass er gemeint war und ihm fiel wieder ein, wo er sich befand. Unsicher sah er seinen Nachbarn an: „So hilf mir doch!", stand in seinem Blick, während die durchdringenden Augen des Herrn Brosius ihn schier durchbohren wollten.
„Was ist los mit dir?", fragte Herr Brosius nur und „Komm nach dem Pausenklingeln doch mal zu mir!". „Jjjjaaa, geht in Ordnung!", stammelte Andreas und war erleichtert, da er die Frage des Herrn Brosius nicht verstanden hatte, dass dieser nicht auf seine Antwort beharrte. Sein Tischnachbar antwortete für ihn und somit brach Andreas seine Gedankengänge ab und folgte so gut es ging wieder dem Unterricht. <Das konnte die Lösung seines Problems sein> fuhr es ihm nach dem Pausenklingeln durch den Kopf, wobei er den Weg zum Lehrerpult
nahm. „Was ist los mit dir, Andreas! Was ist der Grund für deine häufige geistige Abwesenheit?" „Och, nichts!", Andreas konnte es ihm wirklich nicht an die Nase hängen. Das ging einem Lehrer nichts an. Sollte er doch besser
nachsehen, was in der Pause los war, als hier herumzusitzen und ihn zum Verhör zu bestellen!
Herr Brosius bat Andi sich zu setzen. Vom Pausenhof sah der Junge abwechselnd zwei Köpfe am Fenster hochspringen. Sie warteten schon auf ihn, wussten also, wo er steckte. Herr Brosius war ein geduldiger Mensch.
„Andreas, du hast doch Probleme. Willst du nicht mit mir darüber reden?" Hinter seinem Rücken hinter dem Fenster hob Sascha die Faust hoch. Andi konnte es so gerade noch erkennen. Nur nichts verraten. Nur nichts gestehen! Es könnte ihm dreckig gehen. „Ich fühle mich nicht so gut!", redete Andi sich heraus. „Bauchschmerzen!", fügte er erklärend hinzu. <Das haben sie immer!> mochte Herr Brosius denken und er erkundigte sich: „Hast du das häufig? Sollte ich mit deiner Mutter reden?". <Nur das nicht! Das hat mir gerade noch gefehlt!>. „Nein, das ist wirklich nicht nötig. Sie würde sich nur unnötig Sorgen machen!". <Dabei stimmte das wirklich, er hatte noch nicht einmal gelogen!>
Nach dem Gespräch mit Herrn Brosius, welches Andreas durch Zeitverzögerung einigermaßen heil überstanden hatte, ohne konkret seine Geheimnisse preisgeben zu müssen, drückte sich dieser die Flurwand entlang, um von Sascha und Victor unbemerkt, sobald Herr Brosius den Raum verlassen hatte, in seinen Klassenraum zurück zu gelangen. Doch daraus wurde nichts. Sie lungerten bereits darauf, ihm zu begegnen und war sich Andi nach dem Verschließen der Klassenraumtüre anfangs recht sicher gewesen, ihnen nicht zu begegnen; sobald der blonde Schopf Saschas in Fensterhöhe ab und zu auftauchte, war seine Hoffnung ihnen zu entkommen dahin.
Da, die Klassenraumtüre öffnete sich und Herr Brosius wollte den Raum in Richtung Lehrerzimmer verlassen. Schnell huschte Andi näher: „Entschuldigung, aber ich habe mein Pausenbrot vergessen! Ich werde es heute in der Klasse essen ."
„Tut mir leid, das geht nicht. Ich bin dazu verpflichtet, den Raum abzuschließen." Herr Brosius blickte etwas verwirrt auf den Jungen, den er längst auf den Schulhof vermutete. „Dann hole noch schnell dein Brot!", sagte er und wartete geduldig. „Sie können mich ruhig hier einschließen!", „nein, nein,ausgeschlossen!"
Andi schob etwas in seine Hosentasche und machte flugs, dass er auf den Flur kam, damit sein Lehrer endlich die Klassentüre verschließen konnte. Das Lehrerzimmer lag am anderen Ende des Flures und während Andi umständlich seine Jacke anzog, während sein Magen laut knurrte, dachte er an das Geld in seiner Hosentasche.
Der Hausmeister kam ihm gerade entgegen. „Oh, da bin ich wohl zu spät!", sagte Andi, der lange Zeit sein bester Kunde war. „Na meinetwegen, komm schnell! Was willst du haben? Für dich öffne ich noch kurz den Kiosk."
„Irgendwas, egal!", überschlug Andi sich fast in seiner Sprache und hielt Herrn Specht seine zwei Euro hin.
Der Hausmeister gab ihm ein doppeltes belegtes Mohnbrötchen und sagte: „Das nächste mal stellst du dich aber wieder ordentlich vor dem Kiosk an. Von dieser Seite ist das nicht erlaubt!" „Jaja, stammelte Andreas essenderweise und er wusste, dass das so schnell nicht wieder vorkommen würde.
 

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