Hera Klit
Mitglied
„Magst du auch kämpfen, Unverschämter, du wirst mir dennoch nicht entkommen.“ [Ovid]
Es ist ein idealer Sommersonntag, wie er schöner nicht sein könnte, und deshalb nimmt es nicht wunder, dass alle drei Villenbewohner an, beziehungsweise in, dem weitläufigen Pool zu finden sind.
Die Augen des Stiefvaters und neuen Partners, Terenz Wiegand, der neben der Herrin des Hauses, seiner Gemahlin, der erfolgreichen Verlegerin Vera Bachmann, auf einem Liegestuhl am Pool liegt, weichen nicht von der Tochter des Hauses, Andrea, die soeben aus dem Pool steigt.
Mit jeder Stufe der Leiter, die sie erklimmt, wird mehr von ihrem makellosen schlanken Körper sichtbar, was unbemerkt von der Mutter, die ein Skript vor der Nase hat, das sie durcharbeiten muss, den zur Ruchlosigkeit neigenden Stiefvater in Verzückung versetzt.
Besonders reizen ihn, neben ihrem wohlgeratenen Gesicht, die blanken, schönen Brüste der Schönheit, und ihre ideal geschwungenen Hüften sowie ihre nicht enden wollenden Beine. Selbst die kleine Ausbuchtung in ihrem Slip, die auch Fremden, die hierher allerdings selten gelangen, verraten würde, dass hier kein ganz fertiges Mädchen dem himmelblauen Pool entsteigt, kann das Begehren des begierig Schauenden nicht dämpfen.
Ein Mann wie er, der selbst früher, als er das Geld noch brauchte, in billigen Hardcore-Produktionen mitwirkte, was weder Mutter noch Tochter noch deren gesamter Bekannten- und Freundeskreis ahnen, kann einiges vertragen und zu seinem Nutzen verwerten.
Da ihm die Schlechtigkeit nicht ins Gesicht geschrieben ist, ist er wohlgelitten bei seiner vierundvierzigjährigen Partnerin und der sich soeben mit einem blau-weiß gestreiften Badetuch trockenreibenden dreiundzwanzigjährigen Tochter Andrea, früher Andreas.
„Habe ich dich nicht schon mehrfach gebeten, ein Bikinioberteil zu tragen?“, ruft jetzt die Mutter herüber, die gerade einmal von ihrem Manuskript kurz aufschaut.
Die Tochter macht sich gar nicht erst die Mühe zu antworten, weil sie weiß, ihre Mutter wird sich gleich wieder ihrer Arbeit zuwenden und alles andere um sich herum vergessen.
Die erfolgsverwöhnte Verlegerin ist ja praktisch immer am Arbeiten, aber gerade jetzt, wo die Herausgabe des Essaybandes ihres kürzlich verstorbenen Starautors Heiner Goldschmidt kurz bevorsteht, ist ihr Stress natürlich am größten.
Ein aufwendiger teurer Schmuckband soll es werden, das ist auch für ihren Verlag eine riskante Angelegenheit. Heikel ist, dass sich die Essays um Werke der erotischen Belletristik drehen, die bei ihren Erstausgaben allesamt auf dem Index landeten. Ein Wagnis, so etwas zu bringen. Die Witwe von Goldschmidt, Sandra Goldschmidt, ist rundweg gegen die Herausgabe. Sie findet, ihr Mann hätte nie beabsichtigt, diese, ihrer Meinung nach höchst anrüchigen Texte, zu veröffentlichen. Es sei nur eine Fingerübung gewesen, so etwas zu schreiben. Da Vera Bachmann, die einst engste Vertraute von Heiner Goldschmidt, sämtliche Rechte für alle unveröffentlichten Manuskripte des Autors vor vielen Jahren schon übertragen bekam, ist die Witwe auf verlorenem Posten.
Vera Bachmann wird diese Texte herausbringen, weil sie glaubt, ihren Autor, besser zu kennen, als dessen viel zu junge Ehefrau, die er vermutlich nicht aus literaturwissenschaftlichen Erwägungen heraus geheiratet hat, sondern sicher nur wegen ihrer, leider zahlreichen, optischen Vorzüge. Die Meinung einer solchen Gespielin, zählt auf dem Literaturmarkt gar nichts. Nein, Vera kannte die Einstellung und Auffassung von Heiner Goldschmidt sehr genau. Genauer als alle anderen. Wie viele Nächte hatten sie durchdiskutiert, um sich gegenseitig ins Bild zu setzten, was man dachte, fühlte und meinte, über das Leben im Allgemeinen und über die Menschen und deren Verstrickungen und Erquickungen. Das schweißte natürlich zusammen. Aber alles blieb auf einer professionellen Ebene, da war kein Anklang von Liebelei, das war alles zum Wohle der Literatur, des Autors und natürlich des Verlages. Hier konnte sowohl Vera, als auch Heiner sauber trennen.
Eine Verlegerin die ihren Autor liebt, kann nicht mehr sein Werk ernsthaft beurteilen.
Das Bündnis zwischen einem Autor des eigenen Verlages und der Verlegerin ist tiefer und fester und unverbrüchlicher und ehrlicher als eine banale Ehe, bei der oft vieles verschwiegen werden muss, um die Gunst des Partners oder der Partnerin zu behalten.
Im Verlagswesen muss die Wahrheit heraus auf den Tisch. Geheimniskrämereien können da geschäftsschädigend werden.
Andrea geht jetzt unter den, sie verfolgenden Blicken ihres Stiefvaters, den sie übrigens in dieser Rolle nie anerkannt hat, obwohl es ihre Mutter praktisch von ihr verlangte, hinüber zum Haus.
„Du Schatz, machst du mir mal einen Limoncello-Spritz, bitte?“ fragt Vera ihren Mann nicht ohne einen neckischen Augenaufschlag, was den sich sofort erheben lässt, aber freilich mit dem Hintergedanken Andrea eventuell alleine in der Küche erwischen zu können, bevor sie in ihr Zimmer verschwinden kann.
Vera ist begeistert, wie schnell ihr Mann ihrer Bitte nachkommt und deutet dies als ein Zeichen seiner Liebe zu ihr.
Schon ist der listige Fuchs in der Küche und findet Andrea am Kühlschrank stehend vor, was ihn veranlasst, sich in extrem penetranter Weise hinter die junge Schöne zu stellen, um sie, seine Zuneigung direkt durch den Druck seines bereits anschwillenden Geschlechtsteils durch seine dünne Badehose, an ihrem Po spüren zu lassen.
Andrea, die solcherlei Angriffe schon gewohnt ist und die nichts weniger beabsichtigt, als ihre Mutter zu beunruhigen, tut so, als habe sie gar nichts bemerkt und entnimmt dem Kühlschrank eine Flasche stilles Wasser.
„Wie lange muss ich noch warten, bis du endlich bereit bist?“ fragt nun dieser Schuft, als hätte er ein angestammtes Recht auf das was er schändlicherweise zu verlangen sich erdreistet.
Ein Mann, der das leichte Leben liebt, wie dieser Ehemann, und der praktisch keine Aufgaben zu bewältigen hat, außer vielleicht auf Pferde zu wetten, während seine Frau sich abmüht, den Wohlstand der Familie zu mehren, hat natürlich eine Menge Energie übrig, die sich – wie soll es bei der Verdorbenheit anders sein – freilich auf der sexuellen Ebene austoben will.
Und dann muss es natürlich etwas Junges und Frisches sein, das noch über wenig oder gar keine Erfahrung verfügt.
Andrea kann hier natürlich nicht nachgeben, obwohl ihr Verlangen nach einem tatkräftigen Mann bereits recht stark ausgeprägt ist mittlerweile, aber ein Verrat an der Mutter kommt für sie nicht infrage. Das ginge entschieden zu weit. Jetzt werden ihre Brüste ergriffen, worauf sie sich versucht, aus der Umklammerung herauszuwinden. Zudem spürt sie an ihrem Po ein drängendes, forderndes Auf‑ und Auswachsen der Männlichkeit dieses Bedrängers. Schon glaubt sie, den Widerstand nicht aufrechterhalten zu können, weil der Ansturm gar zu forsch vorgetragen wird; da hört sie die Mutter mit lauten Schritten auf dem Kies der angrenzenden Terrasse herannahen.
Nun ist Andrea wieder frei, und der Ehemann schickt sich an, endlich einen Limoncello‑Spritz zu mixen.
„Na, fehlen Zutaten oder was?“ fragt die Mutter, die in die Küche hereinkommt.
Ihr Partner kehrt ihr den Rücken zu und hantiert am Kühlschrank in der Hoffnung, das Zeichen seiner Schande möge schneller abschwellen als er braucht, um alles Notwendige für den Limoncello-Spritz herauszunehmen.
Die Tochter selbst ist da schon auf der Treppe, um den Rest des Tages alleine in ihrem Zimmer zu verbringen, ihrem bisher noch einzig verbliebenen Rückzugsort in diesem großen luxuriösen Haus.
Sie sieht noch, wie die Mutter den Stiefvater von hinten in die Arme nimmt und sie hört sie zu ihm sagen: „Du bist wirklich der beste Schatz, den ich je hatte.“
Darauf küsst man sich. Andrea mag nicht hinschauen und wirft ihre Tür heftiger zu, als es angebracht ist.
Dies veranlasst freilich die besorgte Mutter die Treppe hinaufzueilen, um ihre Tochter, die lange ihr einziger Sohn war, nach ihrem Befinden zu fragen. Kein Mensch wirft so eine Tür zu, wenn er nicht von bestimmten Dingen gequält wird, da war sich Vera sicher.
„Was hast du denn?“ ist dann konsequenterweise ihre erste Frage, als sie wieder einmal ohne zu klopfen in das letzte Rückzugsrefugium ihrer Tochter eintritt.
„Gar nichts, mir ist die Tür aus der Hand gerutscht. Was soll denn sein?, fragt die Tochter, ihrer Stimme einen zufriedenen Tonfall zu geben versuchend, obwohl sie selbst äußerst besorgt ist, weil sie spürt, bei weiteren Zugriffen des geschickten Verführers, der jetzt unten in der Küche lauscht, weil er befürchtet, enttarnt zu werden, nicht mehr standhalten zu können.
Sein Begehren droht nun doch langsam auf sie überzugehen; das fühlt sie an den Reaktionen ihres Körpers und ihrer Seele wie eine unkontrollierbare, alles vernichten wollende Feuersbrunst, die vom Wald auf eine Steppe übergreift, sämtliche natürlichen Grenzen missachtend.
Bevor sie eine Frau werden wollte, hatte sie nicht damit gerechnet, wie angreifbar Frauen mitunter sind, gerade, wenn sie schön sind und wenn sie sich zudem hübsch zurechtmachen, für den einen, der dann ewig nicht kommt. Stattdessen kommen andere, unerwünschte, die sich einfach nehmen wollen, was ihnen nicht zusteht.
Aber vielleicht kommt ja der Richtige gar nicht, denkt sie dann, und man muss nehmen, was sich einem bietet, um nicht ohne den Genuß der Gaben der Natur irgendwann in ferner Zukunft zu verwelken? Eine Mutter, die nichts weiß, kann einem doch auch nicht böse sein, ist dann einer ihrer folgerichtigen Gedanken.
„Wie steht's eigentlich mit deiner Hausarbeit über die Geschichte der O.?“, fragt jetzt die Mutter leicht besorgt und lenkt damit Andreas' Aufmerksamkeit weg von den schwülen Niederungen der Liebe hin zu den Pflichten der Studentin, die immerhin bereits im fünften Semester ist.
„Ach, der Dozent meinte, die Geschichte der O, sei kein geeigneter Text, zu anrüchig für die Lehranstalt, und er hat mir stattdessen aufgetragen, über die Marquise von O, von Kleist zu schreiben. Das interessiert mich nun gar nicht. Eine Frau, die ohne, dass sie irgendetwas merkt geschwängert wird, das ist doch gar nicht glaubwürdig“, findet Andrea nun, ihre Mutter fragend dabei anschauend.
„Kleist meint das so, dass die Marquise von O die Schande, in ihrer Ohnmacht vergewaltigt worden zu sein, als so schlimm empfindet, dass sie die Vergewaltigung ganz in ihr Unbewusstes verdrängt hat, sodass ihr Wachbewusstsein sich nicht daran erinnert.“, entgegnete Vera ihrer Tochter, ganz im Modus der kenntnisreichen Verlegerin und Literaturwissenschaftlerin, während sie innere Zweifel plagen, ob die erotischen Essays von Heiner Goldschmidt, in denen es ja auch unter anderem um die Geschichte der O geht, diesen einst vielgescholtenen und als obszön verschrienen Roman der Französin Pauline Réage, wirklich von ihr herausgebracht werden sollten.
Dann, geistig schon wieder ganz bei ihrer Arbeit, verlässt sie das Zimmer, nur noch einen kurzen Gruß für ihre Tochter übrig habend.
Die Tochter, die es gewohnt ist, die Aufmerksamkeit ihrer Mutter nicht allzulange in Anspruch nehmen zu dürfen, begibt sich daraufhin in ihr kleines Bad und duscht und beschließt dann, sich etwas hinzulegen.
Kaum liegt sie in ihrem Bett, nackt unter der leichten Bettdecke und mit dem Rücken zur Tür gewandt, da hört sie, wie diese geöffnet und gleich darauf wieder geschlossen wird, worauf eine unbekannte Person hörbar atmend an ihr Bett herantritt.
Dann vernimmt sie die flüsternde, wohlbekannte Stimme ihres Stiefvaters, die sie fragt:
„Darf ich mich ein bisschen hinter dich legen?“
Welchen Ausweg aus dem unsäglichen Dilemma, das in diesem Haus herrscht, kann es nun noch geben?
Fortsetzung folgt:
Diesen Text als Hörbuch findet man hier: https://youtu.be/-h94Gr8Fqm8
Es ist ein idealer Sommersonntag, wie er schöner nicht sein könnte, und deshalb nimmt es nicht wunder, dass alle drei Villenbewohner an, beziehungsweise in, dem weitläufigen Pool zu finden sind.
Die Augen des Stiefvaters und neuen Partners, Terenz Wiegand, der neben der Herrin des Hauses, seiner Gemahlin, der erfolgreichen Verlegerin Vera Bachmann, auf einem Liegestuhl am Pool liegt, weichen nicht von der Tochter des Hauses, Andrea, die soeben aus dem Pool steigt.
Mit jeder Stufe der Leiter, die sie erklimmt, wird mehr von ihrem makellosen schlanken Körper sichtbar, was unbemerkt von der Mutter, die ein Skript vor der Nase hat, das sie durcharbeiten muss, den zur Ruchlosigkeit neigenden Stiefvater in Verzückung versetzt.
Besonders reizen ihn, neben ihrem wohlgeratenen Gesicht, die blanken, schönen Brüste der Schönheit, und ihre ideal geschwungenen Hüften sowie ihre nicht enden wollenden Beine. Selbst die kleine Ausbuchtung in ihrem Slip, die auch Fremden, die hierher allerdings selten gelangen, verraten würde, dass hier kein ganz fertiges Mädchen dem himmelblauen Pool entsteigt, kann das Begehren des begierig Schauenden nicht dämpfen.
Ein Mann wie er, der selbst früher, als er das Geld noch brauchte, in billigen Hardcore-Produktionen mitwirkte, was weder Mutter noch Tochter noch deren gesamter Bekannten- und Freundeskreis ahnen, kann einiges vertragen und zu seinem Nutzen verwerten.
Da ihm die Schlechtigkeit nicht ins Gesicht geschrieben ist, ist er wohlgelitten bei seiner vierundvierzigjährigen Partnerin und der sich soeben mit einem blau-weiß gestreiften Badetuch trockenreibenden dreiundzwanzigjährigen Tochter Andrea, früher Andreas.
„Habe ich dich nicht schon mehrfach gebeten, ein Bikinioberteil zu tragen?“, ruft jetzt die Mutter herüber, die gerade einmal von ihrem Manuskript kurz aufschaut.
Die Tochter macht sich gar nicht erst die Mühe zu antworten, weil sie weiß, ihre Mutter wird sich gleich wieder ihrer Arbeit zuwenden und alles andere um sich herum vergessen.
Die erfolgsverwöhnte Verlegerin ist ja praktisch immer am Arbeiten, aber gerade jetzt, wo die Herausgabe des Essaybandes ihres kürzlich verstorbenen Starautors Heiner Goldschmidt kurz bevorsteht, ist ihr Stress natürlich am größten.
Ein aufwendiger teurer Schmuckband soll es werden, das ist auch für ihren Verlag eine riskante Angelegenheit. Heikel ist, dass sich die Essays um Werke der erotischen Belletristik drehen, die bei ihren Erstausgaben allesamt auf dem Index landeten. Ein Wagnis, so etwas zu bringen. Die Witwe von Goldschmidt, Sandra Goldschmidt, ist rundweg gegen die Herausgabe. Sie findet, ihr Mann hätte nie beabsichtigt, diese, ihrer Meinung nach höchst anrüchigen Texte, zu veröffentlichen. Es sei nur eine Fingerübung gewesen, so etwas zu schreiben. Da Vera Bachmann, die einst engste Vertraute von Heiner Goldschmidt, sämtliche Rechte für alle unveröffentlichten Manuskripte des Autors vor vielen Jahren schon übertragen bekam, ist die Witwe auf verlorenem Posten.
Vera Bachmann wird diese Texte herausbringen, weil sie glaubt, ihren Autor, besser zu kennen, als dessen viel zu junge Ehefrau, die er vermutlich nicht aus literaturwissenschaftlichen Erwägungen heraus geheiratet hat, sondern sicher nur wegen ihrer, leider zahlreichen, optischen Vorzüge. Die Meinung einer solchen Gespielin, zählt auf dem Literaturmarkt gar nichts. Nein, Vera kannte die Einstellung und Auffassung von Heiner Goldschmidt sehr genau. Genauer als alle anderen. Wie viele Nächte hatten sie durchdiskutiert, um sich gegenseitig ins Bild zu setzten, was man dachte, fühlte und meinte, über das Leben im Allgemeinen und über die Menschen und deren Verstrickungen und Erquickungen. Das schweißte natürlich zusammen. Aber alles blieb auf einer professionellen Ebene, da war kein Anklang von Liebelei, das war alles zum Wohle der Literatur, des Autors und natürlich des Verlages. Hier konnte sowohl Vera, als auch Heiner sauber trennen.
Eine Verlegerin die ihren Autor liebt, kann nicht mehr sein Werk ernsthaft beurteilen.
Das Bündnis zwischen einem Autor des eigenen Verlages und der Verlegerin ist tiefer und fester und unverbrüchlicher und ehrlicher als eine banale Ehe, bei der oft vieles verschwiegen werden muss, um die Gunst des Partners oder der Partnerin zu behalten.
Im Verlagswesen muss die Wahrheit heraus auf den Tisch. Geheimniskrämereien können da geschäftsschädigend werden.
Andrea geht jetzt unter den, sie verfolgenden Blicken ihres Stiefvaters, den sie übrigens in dieser Rolle nie anerkannt hat, obwohl es ihre Mutter praktisch von ihr verlangte, hinüber zum Haus.
„Du Schatz, machst du mir mal einen Limoncello-Spritz, bitte?“ fragt Vera ihren Mann nicht ohne einen neckischen Augenaufschlag, was den sich sofort erheben lässt, aber freilich mit dem Hintergedanken Andrea eventuell alleine in der Küche erwischen zu können, bevor sie in ihr Zimmer verschwinden kann.
Vera ist begeistert, wie schnell ihr Mann ihrer Bitte nachkommt und deutet dies als ein Zeichen seiner Liebe zu ihr.
Schon ist der listige Fuchs in der Küche und findet Andrea am Kühlschrank stehend vor, was ihn veranlasst, sich in extrem penetranter Weise hinter die junge Schöne zu stellen, um sie, seine Zuneigung direkt durch den Druck seines bereits anschwillenden Geschlechtsteils durch seine dünne Badehose, an ihrem Po spüren zu lassen.
Andrea, die solcherlei Angriffe schon gewohnt ist und die nichts weniger beabsichtigt, als ihre Mutter zu beunruhigen, tut so, als habe sie gar nichts bemerkt und entnimmt dem Kühlschrank eine Flasche stilles Wasser.
„Wie lange muss ich noch warten, bis du endlich bereit bist?“ fragt nun dieser Schuft, als hätte er ein angestammtes Recht auf das was er schändlicherweise zu verlangen sich erdreistet.
Ein Mann, der das leichte Leben liebt, wie dieser Ehemann, und der praktisch keine Aufgaben zu bewältigen hat, außer vielleicht auf Pferde zu wetten, während seine Frau sich abmüht, den Wohlstand der Familie zu mehren, hat natürlich eine Menge Energie übrig, die sich – wie soll es bei der Verdorbenheit anders sein – freilich auf der sexuellen Ebene austoben will.
Und dann muss es natürlich etwas Junges und Frisches sein, das noch über wenig oder gar keine Erfahrung verfügt.
Andrea kann hier natürlich nicht nachgeben, obwohl ihr Verlangen nach einem tatkräftigen Mann bereits recht stark ausgeprägt ist mittlerweile, aber ein Verrat an der Mutter kommt für sie nicht infrage. Das ginge entschieden zu weit. Jetzt werden ihre Brüste ergriffen, worauf sie sich versucht, aus der Umklammerung herauszuwinden. Zudem spürt sie an ihrem Po ein drängendes, forderndes Auf‑ und Auswachsen der Männlichkeit dieses Bedrängers. Schon glaubt sie, den Widerstand nicht aufrechterhalten zu können, weil der Ansturm gar zu forsch vorgetragen wird; da hört sie die Mutter mit lauten Schritten auf dem Kies der angrenzenden Terrasse herannahen.
Nun ist Andrea wieder frei, und der Ehemann schickt sich an, endlich einen Limoncello‑Spritz zu mixen.
„Na, fehlen Zutaten oder was?“ fragt die Mutter, die in die Küche hereinkommt.
Ihr Partner kehrt ihr den Rücken zu und hantiert am Kühlschrank in der Hoffnung, das Zeichen seiner Schande möge schneller abschwellen als er braucht, um alles Notwendige für den Limoncello-Spritz herauszunehmen.
Die Tochter selbst ist da schon auf der Treppe, um den Rest des Tages alleine in ihrem Zimmer zu verbringen, ihrem bisher noch einzig verbliebenen Rückzugsort in diesem großen luxuriösen Haus.
Sie sieht noch, wie die Mutter den Stiefvater von hinten in die Arme nimmt und sie hört sie zu ihm sagen: „Du bist wirklich der beste Schatz, den ich je hatte.“
Darauf küsst man sich. Andrea mag nicht hinschauen und wirft ihre Tür heftiger zu, als es angebracht ist.
Dies veranlasst freilich die besorgte Mutter die Treppe hinaufzueilen, um ihre Tochter, die lange ihr einziger Sohn war, nach ihrem Befinden zu fragen. Kein Mensch wirft so eine Tür zu, wenn er nicht von bestimmten Dingen gequält wird, da war sich Vera sicher.
„Was hast du denn?“ ist dann konsequenterweise ihre erste Frage, als sie wieder einmal ohne zu klopfen in das letzte Rückzugsrefugium ihrer Tochter eintritt.
„Gar nichts, mir ist die Tür aus der Hand gerutscht. Was soll denn sein?, fragt die Tochter, ihrer Stimme einen zufriedenen Tonfall zu geben versuchend, obwohl sie selbst äußerst besorgt ist, weil sie spürt, bei weiteren Zugriffen des geschickten Verführers, der jetzt unten in der Küche lauscht, weil er befürchtet, enttarnt zu werden, nicht mehr standhalten zu können.
Sein Begehren droht nun doch langsam auf sie überzugehen; das fühlt sie an den Reaktionen ihres Körpers und ihrer Seele wie eine unkontrollierbare, alles vernichten wollende Feuersbrunst, die vom Wald auf eine Steppe übergreift, sämtliche natürlichen Grenzen missachtend.
Bevor sie eine Frau werden wollte, hatte sie nicht damit gerechnet, wie angreifbar Frauen mitunter sind, gerade, wenn sie schön sind und wenn sie sich zudem hübsch zurechtmachen, für den einen, der dann ewig nicht kommt. Stattdessen kommen andere, unerwünschte, die sich einfach nehmen wollen, was ihnen nicht zusteht.
Aber vielleicht kommt ja der Richtige gar nicht, denkt sie dann, und man muss nehmen, was sich einem bietet, um nicht ohne den Genuß der Gaben der Natur irgendwann in ferner Zukunft zu verwelken? Eine Mutter, die nichts weiß, kann einem doch auch nicht böse sein, ist dann einer ihrer folgerichtigen Gedanken.
„Wie steht's eigentlich mit deiner Hausarbeit über die Geschichte der O.?“, fragt jetzt die Mutter leicht besorgt und lenkt damit Andreas' Aufmerksamkeit weg von den schwülen Niederungen der Liebe hin zu den Pflichten der Studentin, die immerhin bereits im fünften Semester ist.
„Ach, der Dozent meinte, die Geschichte der O, sei kein geeigneter Text, zu anrüchig für die Lehranstalt, und er hat mir stattdessen aufgetragen, über die Marquise von O, von Kleist zu schreiben. Das interessiert mich nun gar nicht. Eine Frau, die ohne, dass sie irgendetwas merkt geschwängert wird, das ist doch gar nicht glaubwürdig“, findet Andrea nun, ihre Mutter fragend dabei anschauend.
„Kleist meint das so, dass die Marquise von O die Schande, in ihrer Ohnmacht vergewaltigt worden zu sein, als so schlimm empfindet, dass sie die Vergewaltigung ganz in ihr Unbewusstes verdrängt hat, sodass ihr Wachbewusstsein sich nicht daran erinnert.“, entgegnete Vera ihrer Tochter, ganz im Modus der kenntnisreichen Verlegerin und Literaturwissenschaftlerin, während sie innere Zweifel plagen, ob die erotischen Essays von Heiner Goldschmidt, in denen es ja auch unter anderem um die Geschichte der O geht, diesen einst vielgescholtenen und als obszön verschrienen Roman der Französin Pauline Réage, wirklich von ihr herausgebracht werden sollten.
Dann, geistig schon wieder ganz bei ihrer Arbeit, verlässt sie das Zimmer, nur noch einen kurzen Gruß für ihre Tochter übrig habend.
Die Tochter, die es gewohnt ist, die Aufmerksamkeit ihrer Mutter nicht allzulange in Anspruch nehmen zu dürfen, begibt sich daraufhin in ihr kleines Bad und duscht und beschließt dann, sich etwas hinzulegen.
Kaum liegt sie in ihrem Bett, nackt unter der leichten Bettdecke und mit dem Rücken zur Tür gewandt, da hört sie, wie diese geöffnet und gleich darauf wieder geschlossen wird, worauf eine unbekannte Person hörbar atmend an ihr Bett herantritt.
Dann vernimmt sie die flüsternde, wohlbekannte Stimme ihres Stiefvaters, die sie fragt:
„Darf ich mich ein bisschen hinter dich legen?“
Welchen Ausweg aus dem unsäglichen Dilemma, das in diesem Haus herrscht, kann es nun noch geben?
Fortsetzung folgt:
Diesen Text als Hörbuch findet man hier: https://youtu.be/-h94Gr8Fqm8
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