Hera Klit
Mitglied
Ein Arzt des Vertrauens
„... man antwortet ihnen mit einer Untersuchung, die mehr einer stillschweigenden Übereinkunft als einer Heilung gleicht.“ [Anton Tschechow, Krankenzimmer Nr. 6]
Dr. Wombat kommt gerade ungewohnt heftig und erstaunlich früh in Andreas Mund, die keinen Tropfen seiner Zuneigung für sie verschwendet. Zu schön, zu rassig war der Anblick dieser magischen Frau für ihn gewesen, während sie ihn gekonnt verwöhnte, mit ihrem Mund, den kein Mann anschauen kann, ohne begierige Wünsche zu entwickeln.
Langsam verzieht sich der Nebel der Lust in Dr. Wombats Kopf, während er die Hauptursache seiner Unvernunft in seiner Hose verstaut. Seine Pflichten seiner Patientin und vor allem deren Mutter gegenüber werden wieder lauter in seinem Kopf, der endlich das Kommando zurückerhält. Momentan fühlt sich Dr. Wombat allerdings der Tochter des Hauses entschieden mehr verbunden.
Vera sitzt unten im weitläufigen Wohnzimmer auf glühenden Kohlen. Eigentlich muss sie dringend weg zu einem wichtigen Verlagsmeeting. Es geht um die Auswahl der Illustrationen, die in dem neuen Buch mit den Essays von Heiner Goldschmidt platziert werden sollen.
Ein junger Lektor hatte Zeichnungen von Alfred Hrdlicka vorgeschlagen, und zwar die sexuellsten und martialischsten, die dieser nahezu animalische Künstler hervorgebracht hat.
Vera war zunächst hundertprozentig gegen diese abstrusen Machwerke, aber als diese sie plötzlich im Traum zu verfolgen begannen, spürte sie die tiefe künstlerische Macht jener Werke und glaubte nun fast schon, man müsse sie bringen, weil nichts besser geeignet sei, die tieferotischen und hochgeistigen Betrachtungen zur Geschichte der O, zur Marquise von O. und zu den Metamorphosen von Ovid ihres leider verstorbenen Starautors Heiner Goldschmidt zu illustrieren.
War die O nicht eine extrem submissive Frau, deren Hingabefantasien die Grenze der Todessehnsucht mindestens streiften? Und diese Todessehnsucht sah Vera nun auch eindeutig in Hrdlickas Zeichnungen, die von einer martialischen Schonungslosigkeit gekennzeichnet waren. Im Grunde war Alfred Hrdlicka ein Metzger der Geschlechtlichkeit, während Heiner Goldschmidt ein mit feinstem Skalpell arbeitender Chirurg der Erotik war.
Durch den Zusammenprall dieser Gegensätze entstand laut Veras neuer Einsicht eine Reibung, die einen Flächenbrand in den Seelen der Leserinnen und Leser zu entfachen geeignet war.
Vera muss weg, will aber noch kurz mit Dr. Wombat reden, der aber nicht von seinem Besuch bei Andrea oben in deren Zimmer herunterkommt. Was hält ihn dort so lange?
Gut, sie hatte ihn schon eindringlich gebeten, die Transition von Andrea noch einmal infrage zu stellen, weil ihr nichts mehr fehlt als ihr Sohn Andreas, den sie gerne um alles in der Welt zurückhätte, der auch männliches Kalkül in die Leitung des Verlages zurückbringen könnte, das seit dem Tod des Vaters fehlt. Noch könnte man die Brüste wieder entfernen und alle durch die Hormonersatztherapie entstandenen Rundungen verschwinden lassen. Sie hatte dies mit dem Schönheitsarzt telefonisch bereits besprochen; er hatte ihr zugesichert, in der Lage zu sein, Andreas wie den Phönix aus der Asche wieder auferstehen lassen zu können. Die Folgen der Hormonersatztherapie sind natürlich nicht so schnell zu beseitigen.
Das braucht Zeit, aber es ist noch möglich, zum gegebenen Zeitpunkt.
Ihr Vater, der Verleger Rudolf Bachmann – der auch inzwischen verstorben ist –, hatte bei der Geburt von Andreas im Krankenhaus ausgerufen, der wird mal den Verlag führen, das spüre er genau.
„Was treibt der da oben?“, fragt jetzt Terenz, der auf dem Sofa fläzt und bereits den dritten Whiskey trinkt, ungeduldig.
„Das weiß ich doch nicht“, gibt Vera ungehalten zurück. „Wolltest du nicht zum Tennis?“
Mittlerweile ist es ihr am liebsten, wenn Terenz beim Tennis ist, auch wenn sie weiß, dass dort kaum eine Frau unter dreißig vor ihm sicher ist. Zwecklos, sich deswegen zu grämen.
Solange er zurückkommt, werden diese Amouren nicht so wichtig für ihn sein, und wenn er nicht zurückkäme, schnitte er sich ins eigene Fleisch und müsste sich eventuell einen Job suchen, was ganz und gar nicht seine Sache ist, so viel weiß Vera genau.
Jetzt hält es Vera nicht mehr aus, sie steuert auf die Treppe zu und nimmt hastig die ersten Schritte nach oben, um der Ungewissheit ein Ende zu setzen.
Hat Dr. Wombat zu deutlich in Richtung einer Detransition argumentiert, womöglich noch mit dem Hinweis, dass Vera diese sehr recht wäre? Das wäre fatal. Sie ist die Mutter, die natürlich alles tut und unterstützt, was ihre Tochter sich wünscht. Dieses Bild darf nicht zerstört werden, das hatte sie Dr. Wombat ausdrücklich erklärt, und sie kennt ihn als umsichtigen, äußerst diplomatischen Mann und Arzt.
Vera nimmt die ersten Stufen mit hastigen Schritten, doch da öffnet sich oben Andreas Tür und Dr. Wombat tritt heraus und schon kommt er Vera auf der Treppe entgegen.
Ihre Blicke begegnen sich.
„Sie scheinen mir ungewöhnlich aufgewühlt, werte Vera, ist Ihnen nicht gut?“, fragt der Arzt sichtlich besorgt, dessen Meinung hier im Haus, aber hauptsächlich bei Vera, sehr schwer wiegt.
In dem Moment glaubt auch Vera, dass sie sich eigentlich gar nicht gut fühlt. Dr. Wombat hat den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen.
„Ach, Herr Doktor, ich habe gleich ein extrem aufreibendes Meeting und müsste schon weg sein, machte mir aber Sorgen, dass mit Andrea etwas nicht stimmen könnte, weil Sie so lange bei ihr waren“, entfährt es Vera, die sichtlich außer Atem zu sein scheint.
Schützend nimmt Dr. Wombat seine Patientin in die Arme. Sofort scheint Beruhigung einzutreten, dann geleitet Dr. Wombat die Herrin des Hauses die Treppe hinunter und erklärt dabei mit tröstend geduldiger Stimme:
„Aber nein, Ihrer Tochter geht es ausgezeichnet, sie ist vollkommen die Herrin ihrer Möglichkeiten, da brauchen Sie sich sicher nicht zu sorgen, aber ich sorge mich jetzt doch um Sie. Ich habe Ihnen schon mehrfach gesagt, dass Sie sich mit Ihrem neuen Buchprojekt überfordern. Es scheint mir nicht nur die konkrete Arbeit zu sein, die Sie damit haben, sondern ehrlich gesagt fürchte ich, dass die Thematik des Buches vor Ihrer eigenen Seele nicht bestehen kann. Sie sind nicht die Frau, die derartige Männerfantasien fördern und unterstützen will. Sie kommen da in einen seelischen Zwiespalt, der sich nicht auflösen lässt. Der Sie hemmt und lähmt und Ihre Nerven über die Maßen strapaziert.
Treiben Sie es nicht zu weit, liebe Vera, auch Sie sind nicht unverwundbar. Sie haben mir gesagt, dass Ihr Herr Vater, dem moralische Integrität die wichtigste Errungenschaft der Menschheit war, dieses Buch nicht mit der Kneifzange angefasst hätte. Und dies zu wissen und zu fühlen und sich dann darüber hinwegzusetzen, kann einen Menschen zerstören.
Und, mit Verlaub, mit diesem abscheulichen Hrdlicka setzen Sie noch eins obendrauf.“
Vera macht sich los und entfernt sich einige Schritte von Dr. Wombat und dreht sich dann schnell konfrontativ zu ihm um und sagt fast etwas zu barsch:
„Mein lieber, äußerst wertgeschätzter Herr Dr. Wombat, lassen Sie bitte meine Entscheidungen, das neue Buch und überhaupt den Verlag betreffend, außen vor; Sie sind mein Arzt, nicht mein beruflicher Berater, das sollten wir sauber trennen.“
Dr. Wombat, der befürchtet, zu weit gegangen zu sein, lässt die Schultern etwas sacken, wie ein Kämpfer, der an Kapitulation denkt und dies seinem Widersacher signalisieren will, um nicht zu vernichtend geschlagen zu werden, zaubert sich ein demutsvolles Lächeln auf sein Gesicht und tritt zwei Schritte zurück.
„Freilich geht es mir nur um Ihre Gesundheit, liebste Vera; verzeihen Sie mir, wenn ich mir Sorgen mache. Ich kann Ihnen gegenüber nicht der kühle Arzt sein, der ich natürlich sein müsste von Rechts wegen, aber Ihr Wohlergehen liegt mir einfach viel zu sehr am Herzen“, erklärt er jetzt geradezu demutsvoll.
Dies vertreibt Veras Angriffslust in Sekundenbruchteilen und sie fühlt wieder, wie wichtig Dr. Wombat für sie ist.
Die beiden aufeinander Fixierten bemerken gar nicht, dass Terenz sich hinter ihnen heimlich die Treppe hochschleicht und sich Zutritt zu Andreas Zimmer verschafft.
Er will wissen, wie es um Andrea steht, denn er befürchtet, sie könnte benutzt und beschmutzt sein, weil er an alles glaubt, nur nicht an die priesterliche Neutralität dieses sauberen Heuchlers Dr. Wombat. Warum gehen Frauen immer ihren Ärzten auf den Leim? Weil sie Frauen sind und die Ärzte Männer. So einfach ist das, denkt Terenz, und er sucht Andrea, die nicht in ihrem Zimmer ist. Er hört die Dusche im Bad und auch dort tritt er ein, denn Scham einer Tochter, wenn auch nur einer Stieftochter gegenüber, kennt er freilich nicht.
Er kann den Druck, den deren weibliche Anziehungskraft auf ihn ausübt, einfach nicht mehr aushalten. So ein Wesen ständig um sich zu haben in diesem unseligen Haus und es nicht erobern und besitzen zu dürfen, ist zu viel verlangt von einem Mann, dem die Liebe leichtfällt, zumal die körperliche.
Gerade öffnet Andrea die Duschkabine und entsteigt der noch dampfenden, wie Hermaphrodite dem Quell nach ihrer Verschmelzung mit Salmakis. Sie hebt den Kopf leicht an und bläht etwas ihre schönen Nüstern, wie eine Araberstute, die in gestrecktem Galopp kehrt macht, um dem sie verflogenden Hengst die Stirn zu bieten. Dann streicht sie mit geübter Hand die feuchte, wallende Mähne in einer Art zurück, die ein Mann nicht mehr aus seinem Kopf zu bringen vermag, und fragt:
„Was ist? Was willst du hier?“
„Was ich will? Dich und nichts als Dich und zwar jetzt und hier. „Mir ist egal, was danach passiert, und wenn mein Leben dann in den Abgrund steuert. Wenn ich dich hatte, hat sich mein Lebenszweck erfüllt“, entgegnet der Anwärter atemlos.
Andrea, die vielleicht geneigt wäre, dem Drängenden endlich nachzugeben, weiß aber die Mutter zu nahe. Gefährlich nahe. Deswegen faucht sie den Bittsteller an:
„Sag mal, bist du verrückt? Mutter ist drei Schritte entfernt, jeden Moment wird sie hereinschneien und nachfragen, was Dr. Wombat gesagt hat.
„Die quatscht mit Wombat, das kann dauern.“ vernünftelt Terenz jetzt, der sich fast gezwungen sieht, Gewalt anzuwenden. Zurück in die Pornoindustrie könnte er dann allerdings nicht mehr, wenn Vera ihn aus dem Haus wirft. Dazu ist er dann doch zu alt. Obwohl es ja heute oft Pornofilme mit dem Thema „Stiefvater trifft Stieftochter“ gibt, damit könnte er eine Zeitlang Erfolg haben, denkt er jetzt überflüssigerweise, was ihn Zeit kostet, die Andrea nutzt, um sich in einen flauschigen Bademantel zu hüllen.
„Aber einen Kuss bekomme ich doch, oder? „Bitte?“, fleht der jetzt nah herangekommene.
Der scheue Augenaufschlag der lange bewimperten Katzenaugen der Stieftochter signalisiert die Möglichkeit eines Kusses oder vielleicht sogar mehr, wenn erste Lust danach aufzukeimen beginnen würde.
Terenz weiß das. Er sieht sowas. Er hat oft gesehen, wenn Dämme zu brechen beginnen. Man sieht das in den Augen zuerst, die die Spiegel der Seele sind. Er weiß, dass die Unberührte sich nichts mehr ersehnt, als endlich richtig berührt zu werden, denn erst dann kann sie sich wirklich Frau nennen. Terenz weiß auch, dass die Tochter noch ein bisschen Sohn ist und gerade das macht ihn besonders verrückt. Keiner, der ihn heute kennt, weiß, dass er am Ende seiner Filmkarriere Shemalepornos am Fließband drehte. Er hatte jeden einzelnen genossen, obwohl keine seiner Drehpartnerinnen von damals, Andrea das Wasser reichen konnte. Trotzdem war sein Penis stahlhart gewesen, so spornte ihn die Herausforderung an. Da musste kein Regisseur fragen: Brauchst du etwas Zeit?“ Nein, er war auf der Stelle startklar gewesen und er hatte es allen besorgt zur vollsten Zufriedenheit.
Jetzt will seine Angebetete zur Tür enteilen. Sicher, um sich ihm zu entziehen.
Der völlig Entflammte packt noch den Arm der Flüchtenden und reißt sie herum, so heftig, dass ihr locker gebundener Bademantel sich unter dem Ansturm vorne öffnet und die prallen, wippenden Brüste mit den maximal erigierten Nippeln freigibt, die sich nach einem saugenden Mund zu sehnen scheinen.
„Machs mir wenigstens mal mit der Hand“, fleht Terenz jetzt fast, in der Hoffnung, nicht ganz erfolglos bleiben zu müssen.
Fortsetzung folgt:
„... man antwortet ihnen mit einer Untersuchung, die mehr einer stillschweigenden Übereinkunft als einer Heilung gleicht.“ [Anton Tschechow, Krankenzimmer Nr. 6]
Dr. Wombat kommt gerade ungewohnt heftig und erstaunlich früh in Andreas Mund, die keinen Tropfen seiner Zuneigung für sie verschwendet. Zu schön, zu rassig war der Anblick dieser magischen Frau für ihn gewesen, während sie ihn gekonnt verwöhnte, mit ihrem Mund, den kein Mann anschauen kann, ohne begierige Wünsche zu entwickeln.
Langsam verzieht sich der Nebel der Lust in Dr. Wombats Kopf, während er die Hauptursache seiner Unvernunft in seiner Hose verstaut. Seine Pflichten seiner Patientin und vor allem deren Mutter gegenüber werden wieder lauter in seinem Kopf, der endlich das Kommando zurückerhält. Momentan fühlt sich Dr. Wombat allerdings der Tochter des Hauses entschieden mehr verbunden.
Vera sitzt unten im weitläufigen Wohnzimmer auf glühenden Kohlen. Eigentlich muss sie dringend weg zu einem wichtigen Verlagsmeeting. Es geht um die Auswahl der Illustrationen, die in dem neuen Buch mit den Essays von Heiner Goldschmidt platziert werden sollen.
Ein junger Lektor hatte Zeichnungen von Alfred Hrdlicka vorgeschlagen, und zwar die sexuellsten und martialischsten, die dieser nahezu animalische Künstler hervorgebracht hat.
Vera war zunächst hundertprozentig gegen diese abstrusen Machwerke, aber als diese sie plötzlich im Traum zu verfolgen begannen, spürte sie die tiefe künstlerische Macht jener Werke und glaubte nun fast schon, man müsse sie bringen, weil nichts besser geeignet sei, die tieferotischen und hochgeistigen Betrachtungen zur Geschichte der O, zur Marquise von O. und zu den Metamorphosen von Ovid ihres leider verstorbenen Starautors Heiner Goldschmidt zu illustrieren.
War die O nicht eine extrem submissive Frau, deren Hingabefantasien die Grenze der Todessehnsucht mindestens streiften? Und diese Todessehnsucht sah Vera nun auch eindeutig in Hrdlickas Zeichnungen, die von einer martialischen Schonungslosigkeit gekennzeichnet waren. Im Grunde war Alfred Hrdlicka ein Metzger der Geschlechtlichkeit, während Heiner Goldschmidt ein mit feinstem Skalpell arbeitender Chirurg der Erotik war.
Durch den Zusammenprall dieser Gegensätze entstand laut Veras neuer Einsicht eine Reibung, die einen Flächenbrand in den Seelen der Leserinnen und Leser zu entfachen geeignet war.
Vera muss weg, will aber noch kurz mit Dr. Wombat reden, der aber nicht von seinem Besuch bei Andrea oben in deren Zimmer herunterkommt. Was hält ihn dort so lange?
Gut, sie hatte ihn schon eindringlich gebeten, die Transition von Andrea noch einmal infrage zu stellen, weil ihr nichts mehr fehlt als ihr Sohn Andreas, den sie gerne um alles in der Welt zurückhätte, der auch männliches Kalkül in die Leitung des Verlages zurückbringen könnte, das seit dem Tod des Vaters fehlt. Noch könnte man die Brüste wieder entfernen und alle durch die Hormonersatztherapie entstandenen Rundungen verschwinden lassen. Sie hatte dies mit dem Schönheitsarzt telefonisch bereits besprochen; er hatte ihr zugesichert, in der Lage zu sein, Andreas wie den Phönix aus der Asche wieder auferstehen lassen zu können. Die Folgen der Hormonersatztherapie sind natürlich nicht so schnell zu beseitigen.
Das braucht Zeit, aber es ist noch möglich, zum gegebenen Zeitpunkt.
Ihr Vater, der Verleger Rudolf Bachmann – der auch inzwischen verstorben ist –, hatte bei der Geburt von Andreas im Krankenhaus ausgerufen, der wird mal den Verlag führen, das spüre er genau.
„Was treibt der da oben?“, fragt jetzt Terenz, der auf dem Sofa fläzt und bereits den dritten Whiskey trinkt, ungeduldig.
„Das weiß ich doch nicht“, gibt Vera ungehalten zurück. „Wolltest du nicht zum Tennis?“
Mittlerweile ist es ihr am liebsten, wenn Terenz beim Tennis ist, auch wenn sie weiß, dass dort kaum eine Frau unter dreißig vor ihm sicher ist. Zwecklos, sich deswegen zu grämen.
Solange er zurückkommt, werden diese Amouren nicht so wichtig für ihn sein, und wenn er nicht zurückkäme, schnitte er sich ins eigene Fleisch und müsste sich eventuell einen Job suchen, was ganz und gar nicht seine Sache ist, so viel weiß Vera genau.
Jetzt hält es Vera nicht mehr aus, sie steuert auf die Treppe zu und nimmt hastig die ersten Schritte nach oben, um der Ungewissheit ein Ende zu setzen.
Hat Dr. Wombat zu deutlich in Richtung einer Detransition argumentiert, womöglich noch mit dem Hinweis, dass Vera diese sehr recht wäre? Das wäre fatal. Sie ist die Mutter, die natürlich alles tut und unterstützt, was ihre Tochter sich wünscht. Dieses Bild darf nicht zerstört werden, das hatte sie Dr. Wombat ausdrücklich erklärt, und sie kennt ihn als umsichtigen, äußerst diplomatischen Mann und Arzt.
Vera nimmt die ersten Stufen mit hastigen Schritten, doch da öffnet sich oben Andreas Tür und Dr. Wombat tritt heraus und schon kommt er Vera auf der Treppe entgegen.
Ihre Blicke begegnen sich.
„Sie scheinen mir ungewöhnlich aufgewühlt, werte Vera, ist Ihnen nicht gut?“, fragt der Arzt sichtlich besorgt, dessen Meinung hier im Haus, aber hauptsächlich bei Vera, sehr schwer wiegt.
In dem Moment glaubt auch Vera, dass sie sich eigentlich gar nicht gut fühlt. Dr. Wombat hat den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen.
„Ach, Herr Doktor, ich habe gleich ein extrem aufreibendes Meeting und müsste schon weg sein, machte mir aber Sorgen, dass mit Andrea etwas nicht stimmen könnte, weil Sie so lange bei ihr waren“, entfährt es Vera, die sichtlich außer Atem zu sein scheint.
Schützend nimmt Dr. Wombat seine Patientin in die Arme. Sofort scheint Beruhigung einzutreten, dann geleitet Dr. Wombat die Herrin des Hauses die Treppe hinunter und erklärt dabei mit tröstend geduldiger Stimme:
„Aber nein, Ihrer Tochter geht es ausgezeichnet, sie ist vollkommen die Herrin ihrer Möglichkeiten, da brauchen Sie sich sicher nicht zu sorgen, aber ich sorge mich jetzt doch um Sie. Ich habe Ihnen schon mehrfach gesagt, dass Sie sich mit Ihrem neuen Buchprojekt überfordern. Es scheint mir nicht nur die konkrete Arbeit zu sein, die Sie damit haben, sondern ehrlich gesagt fürchte ich, dass die Thematik des Buches vor Ihrer eigenen Seele nicht bestehen kann. Sie sind nicht die Frau, die derartige Männerfantasien fördern und unterstützen will. Sie kommen da in einen seelischen Zwiespalt, der sich nicht auflösen lässt. Der Sie hemmt und lähmt und Ihre Nerven über die Maßen strapaziert.
Treiben Sie es nicht zu weit, liebe Vera, auch Sie sind nicht unverwundbar. Sie haben mir gesagt, dass Ihr Herr Vater, dem moralische Integrität die wichtigste Errungenschaft der Menschheit war, dieses Buch nicht mit der Kneifzange angefasst hätte. Und dies zu wissen und zu fühlen und sich dann darüber hinwegzusetzen, kann einen Menschen zerstören.
Und, mit Verlaub, mit diesem abscheulichen Hrdlicka setzen Sie noch eins obendrauf.“
Vera macht sich los und entfernt sich einige Schritte von Dr. Wombat und dreht sich dann schnell konfrontativ zu ihm um und sagt fast etwas zu barsch:
„Mein lieber, äußerst wertgeschätzter Herr Dr. Wombat, lassen Sie bitte meine Entscheidungen, das neue Buch und überhaupt den Verlag betreffend, außen vor; Sie sind mein Arzt, nicht mein beruflicher Berater, das sollten wir sauber trennen.“
Dr. Wombat, der befürchtet, zu weit gegangen zu sein, lässt die Schultern etwas sacken, wie ein Kämpfer, der an Kapitulation denkt und dies seinem Widersacher signalisieren will, um nicht zu vernichtend geschlagen zu werden, zaubert sich ein demutsvolles Lächeln auf sein Gesicht und tritt zwei Schritte zurück.
„Freilich geht es mir nur um Ihre Gesundheit, liebste Vera; verzeihen Sie mir, wenn ich mir Sorgen mache. Ich kann Ihnen gegenüber nicht der kühle Arzt sein, der ich natürlich sein müsste von Rechts wegen, aber Ihr Wohlergehen liegt mir einfach viel zu sehr am Herzen“, erklärt er jetzt geradezu demutsvoll.
Dies vertreibt Veras Angriffslust in Sekundenbruchteilen und sie fühlt wieder, wie wichtig Dr. Wombat für sie ist.
Die beiden aufeinander Fixierten bemerken gar nicht, dass Terenz sich hinter ihnen heimlich die Treppe hochschleicht und sich Zutritt zu Andreas Zimmer verschafft.
Er will wissen, wie es um Andrea steht, denn er befürchtet, sie könnte benutzt und beschmutzt sein, weil er an alles glaubt, nur nicht an die priesterliche Neutralität dieses sauberen Heuchlers Dr. Wombat. Warum gehen Frauen immer ihren Ärzten auf den Leim? Weil sie Frauen sind und die Ärzte Männer. So einfach ist das, denkt Terenz, und er sucht Andrea, die nicht in ihrem Zimmer ist. Er hört die Dusche im Bad und auch dort tritt er ein, denn Scham einer Tochter, wenn auch nur einer Stieftochter gegenüber, kennt er freilich nicht.
Er kann den Druck, den deren weibliche Anziehungskraft auf ihn ausübt, einfach nicht mehr aushalten. So ein Wesen ständig um sich zu haben in diesem unseligen Haus und es nicht erobern und besitzen zu dürfen, ist zu viel verlangt von einem Mann, dem die Liebe leichtfällt, zumal die körperliche.
Gerade öffnet Andrea die Duschkabine und entsteigt der noch dampfenden, wie Hermaphrodite dem Quell nach ihrer Verschmelzung mit Salmakis. Sie hebt den Kopf leicht an und bläht etwas ihre schönen Nüstern, wie eine Araberstute, die in gestrecktem Galopp kehrt macht, um dem sie verflogenden Hengst die Stirn zu bieten. Dann streicht sie mit geübter Hand die feuchte, wallende Mähne in einer Art zurück, die ein Mann nicht mehr aus seinem Kopf zu bringen vermag, und fragt:
„Was ist? Was willst du hier?“
„Was ich will? Dich und nichts als Dich und zwar jetzt und hier. „Mir ist egal, was danach passiert, und wenn mein Leben dann in den Abgrund steuert. Wenn ich dich hatte, hat sich mein Lebenszweck erfüllt“, entgegnet der Anwärter atemlos.
Andrea, die vielleicht geneigt wäre, dem Drängenden endlich nachzugeben, weiß aber die Mutter zu nahe. Gefährlich nahe. Deswegen faucht sie den Bittsteller an:
„Sag mal, bist du verrückt? Mutter ist drei Schritte entfernt, jeden Moment wird sie hereinschneien und nachfragen, was Dr. Wombat gesagt hat.
„Die quatscht mit Wombat, das kann dauern.“ vernünftelt Terenz jetzt, der sich fast gezwungen sieht, Gewalt anzuwenden. Zurück in die Pornoindustrie könnte er dann allerdings nicht mehr, wenn Vera ihn aus dem Haus wirft. Dazu ist er dann doch zu alt. Obwohl es ja heute oft Pornofilme mit dem Thema „Stiefvater trifft Stieftochter“ gibt, damit könnte er eine Zeitlang Erfolg haben, denkt er jetzt überflüssigerweise, was ihn Zeit kostet, die Andrea nutzt, um sich in einen flauschigen Bademantel zu hüllen.
„Aber einen Kuss bekomme ich doch, oder? „Bitte?“, fleht der jetzt nah herangekommene.
Der scheue Augenaufschlag der lange bewimperten Katzenaugen der Stieftochter signalisiert die Möglichkeit eines Kusses oder vielleicht sogar mehr, wenn erste Lust danach aufzukeimen beginnen würde.
Terenz weiß das. Er sieht sowas. Er hat oft gesehen, wenn Dämme zu brechen beginnen. Man sieht das in den Augen zuerst, die die Spiegel der Seele sind. Er weiß, dass die Unberührte sich nichts mehr ersehnt, als endlich richtig berührt zu werden, denn erst dann kann sie sich wirklich Frau nennen. Terenz weiß auch, dass die Tochter noch ein bisschen Sohn ist und gerade das macht ihn besonders verrückt. Keiner, der ihn heute kennt, weiß, dass er am Ende seiner Filmkarriere Shemalepornos am Fließband drehte. Er hatte jeden einzelnen genossen, obwohl keine seiner Drehpartnerinnen von damals, Andrea das Wasser reichen konnte. Trotzdem war sein Penis stahlhart gewesen, so spornte ihn die Herausforderung an. Da musste kein Regisseur fragen: Brauchst du etwas Zeit?“ Nein, er war auf der Stelle startklar gewesen und er hatte es allen besorgt zur vollsten Zufriedenheit.
Jetzt will seine Angebetete zur Tür enteilen. Sicher, um sich ihm zu entziehen.
Der völlig Entflammte packt noch den Arm der Flüchtenden und reißt sie herum, so heftig, dass ihr locker gebundener Bademantel sich unter dem Ansturm vorne öffnet und die prallen, wippenden Brüste mit den maximal erigierten Nippeln freigibt, die sich nach einem saugenden Mund zu sehnen scheinen.
„Machs mir wenigstens mal mit der Hand“, fleht Terenz jetzt fast, in der Hoffnung, nicht ganz erfolglos bleiben zu müssen.
Fortsetzung folgt: