Textphilosophin
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Da sitzt er nun. Klein, bucklig, mit einem Blick, der irgendwo zwischen Müdigkeit und Trübsinn hängen geblieben ist. Manch einer hätte ihn sogar gedankenverloren genannt, vielleicht sogar ein wenig philosophisch. Wir aber bleiben bei trübsinnig. Schließlich hängen auch die Wolken so tief, dass sie fast die Bank berühren, auf der er sitzt.
Während er also dort zwischen den tiefhängenden Wolken sitzt, geht ein Mädchen vorbei. Ein hübsches Mädchen. Die Nase voller Sommersprossen und der Rock so kurz, dass man ihn fast nicht sieht. Ein Stück Stoff - mehr nicht. Ein Blickfang, ohne jeden Zweifel.
"Was starrst du mich an, alter Mann?" Ein wenig keck, ganz sicher aber vorlaut, streckt ihm das Mädchen die Zunge entgegen. Bloß gut, dass sich gerade wieder eine Wolke vor die Sonne, die soeben ein wenig hervorstiebitzt. Sonst hätte es vielleicht einen Sonnenbrand gegeben. In der Ferne klingelt die Straßenbahn, blechern, ähnlich wie der Klang der Milchkannen im Morgengrauen. Das aber berührt ihn nicht. Er sitzt. Er starrt. Er grübelt. Nennen wir ihn doch einfach Herr F.
Herr F. ist ein besonderer Mensch. Nicht zu verwechseln mit bemerkenswert. Eher besonders mit einem Hauch Eigentümlichkeit. Herr F. kann mit offenen Augen schlafen. Seine Frau Hilde schimpft dann mit ihm. „Herr F.“, sagtdann die Hilde, „Wenn du mit offenen Augen schläfst, denken die Leute, dass du sie anstarrst. Das gehört sich nicht. Dein guter Ruf. Denk doch da mal dran.“
Herr F. sieht seine Hilde dann immer mit großen Augen an und fragt sich, was sie wohl wolle. Seinem wachen Blick ist noch nie etwas entgangen.
Jedenfalls sitzt Herr F. auf jener Bank und starrt das Mädchen an. Zugegebenermaßen ein sehr schönes Mädchen, das ganz sicher einen zweiten Blick wert ist. Wir aber wissen, dass Herr F. schläft – mit offenen Augen selig in Morpheus‘ Armen.
Herr F. träumt. Er fliegt über die Häuser, zieht eine enge Runde um den Schornstein der Papierfabrik und hustet. „Pfui Teufel“, ruft er laut, „Was für ein widerlicher Geruch.“
„Haben Sie gerade gesagt, ich stinke?“, empört hebt das Mädchen die Arme, als könne es die Worte in Herrn F. Mund zurückwischen. Herr F. aber schläft und träumt.
Inzwischen hat sich eine Menschentraube um die einsame Bank inmitten der Stadt gesammelt. Jemand kichert, eine Frau hält die Hand vor den Mund, ein Mann beugt sich vor, als wolle er jeden Augenblick losbrüllen „Seht ihn euch an, den alten Lustmolch. Sitzt auf der Bank und starrt jungen Mädchen hinterher. Schämen sollst du dich.“ Immer wütender wird der Mob. Er tobt, während sich drohend schwarze Wolken über die Szenerie türmen. Herr F. aber träumt und fliegt – fort von der wütenden Menge, hin zu seiner Hilde.
„Das geschieht ihm recht, dem Verbrecher“, murmelt die Menge und verstreut sich – nach links, nach rechts, nach vorn, nach hinten. Das Mädchen rückt sich noch einmal den Rock zurecht, unter dem bis eben noch eine Männerhand die junge Haut berührte, wirft einen kurzen Blick auf Herrn F. und geht.
Zurück bleibt Herr F. Und in der Ferne klingelt die Straßenbahn.
Während er also dort zwischen den tiefhängenden Wolken sitzt, geht ein Mädchen vorbei. Ein hübsches Mädchen. Die Nase voller Sommersprossen und der Rock so kurz, dass man ihn fast nicht sieht. Ein Stück Stoff - mehr nicht. Ein Blickfang, ohne jeden Zweifel.
"Was starrst du mich an, alter Mann?" Ein wenig keck, ganz sicher aber vorlaut, streckt ihm das Mädchen die Zunge entgegen. Bloß gut, dass sich gerade wieder eine Wolke vor die Sonne, die soeben ein wenig hervorstiebitzt. Sonst hätte es vielleicht einen Sonnenbrand gegeben. In der Ferne klingelt die Straßenbahn, blechern, ähnlich wie der Klang der Milchkannen im Morgengrauen. Das aber berührt ihn nicht. Er sitzt. Er starrt. Er grübelt. Nennen wir ihn doch einfach Herr F.
Herr F. ist ein besonderer Mensch. Nicht zu verwechseln mit bemerkenswert. Eher besonders mit einem Hauch Eigentümlichkeit. Herr F. kann mit offenen Augen schlafen. Seine Frau Hilde schimpft dann mit ihm. „Herr F.“, sagtdann die Hilde, „Wenn du mit offenen Augen schläfst, denken die Leute, dass du sie anstarrst. Das gehört sich nicht. Dein guter Ruf. Denk doch da mal dran.“
Herr F. sieht seine Hilde dann immer mit großen Augen an und fragt sich, was sie wohl wolle. Seinem wachen Blick ist noch nie etwas entgangen.
Jedenfalls sitzt Herr F. auf jener Bank und starrt das Mädchen an. Zugegebenermaßen ein sehr schönes Mädchen, das ganz sicher einen zweiten Blick wert ist. Wir aber wissen, dass Herr F. schläft – mit offenen Augen selig in Morpheus‘ Armen.
Herr F. träumt. Er fliegt über die Häuser, zieht eine enge Runde um den Schornstein der Papierfabrik und hustet. „Pfui Teufel“, ruft er laut, „Was für ein widerlicher Geruch.“
„Haben Sie gerade gesagt, ich stinke?“, empört hebt das Mädchen die Arme, als könne es die Worte in Herrn F. Mund zurückwischen. Herr F. aber schläft und träumt.
Inzwischen hat sich eine Menschentraube um die einsame Bank inmitten der Stadt gesammelt. Jemand kichert, eine Frau hält die Hand vor den Mund, ein Mann beugt sich vor, als wolle er jeden Augenblick losbrüllen „Seht ihn euch an, den alten Lustmolch. Sitzt auf der Bank und starrt jungen Mädchen hinterher. Schämen sollst du dich.“ Immer wütender wird der Mob. Er tobt, während sich drohend schwarze Wolken über die Szenerie türmen. Herr F. aber träumt und fliegt – fort von der wütenden Menge, hin zu seiner Hilde.
„Das geschieht ihm recht, dem Verbrecher“, murmelt die Menge und verstreut sich – nach links, nach rechts, nach vorn, nach hinten. Das Mädchen rückt sich noch einmal den Rock zurecht, unter dem bis eben noch eine Männerhand die junge Haut berührte, wirft einen kurzen Blick auf Herrn F. und geht.
Zurück bleibt Herr F. Und in der Ferne klingelt die Straßenbahn.