Er hat einen Holzvorrat angelegt für den Winter. Die Preise im Baumarkt kamen nicht in Frage, beim Forstamt kostete es nur einen Bruchteil. Fichte und Birke zum Anheizen, gemischt mit Buchen- und Ahorn-Scheiten, säuberlich auf zwei Paletten gestapelt, geschützt unter dem Balkonvorsprung. Hinten beträgt der Abstand zur Mauer zwanzig Zentimeter, die Luftzirkulation ist wichtig. Das vordere Holz wird hier nur drei Stunden von der Sonne beschienen, aber bei der Hitze dieses Jahr sind die Scheite vermutlich schon nach zwei Monaten durchgetrocknet. Ein Umschichten wird nicht nötig sein. Zwei Meter vierzig breit, 80 cm tief und etwa einen Meter hoch, mit einem Netz gesichert. Das dürfte reichen für seinen Kamin.
Am nächsten Abend mäht er den Rasen, beschneidet die wuchernden Ahornbäume und wässert die Hortensien. Den Rasenschnitt und die Zweige bringt er zum Kompost. Auf dem Weg dorthin sieht er es: Das Netz über dem Holzstapel ist aufgeschnitten, in der Mitte fehlen Scheite. Bestimmt zehn, fünfzehn Stück, wenn nicht mehr. Man hat ihn beklaut! Am helllichten Tage! Nein, das kann nicht sein, er war die ganze Zeit da. Es muss in der Nacht passiert sein. Vermutlich ein Mann mit großen Taschen. Wären es zwei gewesen, hätten sie mehr geklaut. Aber jetzt, wo der weiß, wie einfach das ist, kommt der sicher wieder. Und wenn er schon mal da ist, schaut er vielleicht im Haus nach, ob da noch andere Dinge als Brennmaterial sind.
Im Baumarkt hat er zwei Überwachungskameras gekauft. Eine halbe Stunde, hatte der Verkäufer versichert, dann seien sie installiert. Es dauerte drei Stunden. Infrarot-Nachtsicht bis zu zwanzig Meter. Bewegungsmelder ohne Alarmton, er wird auf dem Handy informiert. Vorausgesetzt die App funktioniert, seine Fähigkeiten sind da begrenzt. Er geht auf den Dachboden. Für die Repetierbüchse hat er keine Waffenbesitzkarte. Aber ein Magazin mit fünf Patronen. Nur für den Notfall. So weit wird es ja wohl nicht kommen. Wenn doch, ist er vorbereitet. Das Riegelschloss lässt sich mit ein paar Schrauben an die Tür montieren, aber er ist erschöpft, seine Hände zittern. Das ist manchmal so, kein Grund zur Sorge, den Tee bekommt er noch in die Tasse, haha. Er redet mit sich, seit Hilde nicht mehr da ist. Gibt nun wirklich Schlimmeres.
„An seiner Stelle würde ich nicht kommen“, sagt er.
Das Schloss funktioniert.
In der Nacht schläft er schlecht. Zweimal steht er auf und schaut aus dem Fenster. Beim ersten Mal ist nichts zu sehen. Beim zweiten Mal bemerkt er eine Bewegung zwischen den Bäumen. Er bleibt regungslos hinter dem Vorhang stehen und starrt hinaus. Da ist etwas. Er kann es spüren. „Bist du doch gekommen“, flüstert er und fixiert die Stelle in der Dunkelheit. Das Gewehr lehnt neben ihm an der Wand. Nach einer halben Stunde tränen ihm die Augen, die Beine tun weh. Er geht im Dunkeln zur Toilette, stolpert beinahe über den Schemel. Klappt den Laptop auf. Die Kameras funktionieren. Nichts zu sehen. Auf dem Handy gibt es keine Benachrichtigung. Vielleicht funktioniert die App doch nicht richtig. Da war etwas zwischen den Bäumen, er weiß es. Als der Schlaf ihn übermannt, wird es draußen schon hell.
Am nächsten Morgen ist der Holzstapel unverändert. Kein weiterer Scheit fehlt. Auch die Gartengeräte sind alle an ihrem Platz. Gießkannen, Eimer, Rechen. Die Heckenschere liegt noch auf der Bank. „Was denkst du, Hilde?“, fragt er und nickt dann. „Der Kerl wartet auf einen günstigen Moment!“ Die Dusche vertreibt seine Müdigkeit kaum, obwohl er zum Schluss auf kalt stellt. Heute brüht er sich einen Kaffee. Mit viel Pulver. Zum Frühstück gibt es Eier mit Speck. Das hätte Hilde nicht gefallen. Er trinkt und isst schweigend. Der Kühlschrank ist leer, er wird einkaufen fahren müssen. Drei Kilometer ist der Supermarkt entfernt. „Ich fahr dann mal kurz“, sagt er laut. Verriegelt die Tür. Der Laptop landet auf dem Beifahrersitz, das Gewehr kommt nach hinten. Eine halbe Stunde wird es sicher dauern.
Im Supermarkt beeilt er sich, legt die Einkäufe auf das Band, sein Portemonnaie hält er in der Hand.
„Kein Bier heute?“, fragt die Kassiererin.
Er schüttelt den Kopf: „Schon lange nicht mehr! Verträgt sich nicht mit meinen Tabletten und wenn ich eins trinke, bleibt es nicht dabei.“
Die Frau runzelt die Stirn. „Hast du von Hermann gehört?“
Wieder Kopfschütteln.
„Die Kinder sind weg.“
„Welche Kinder?“
„Na, seine. Sind abgehauen. Seit vorgestern. Die Polizei sucht nach ihnen.“
„Ist nicht wahr!“
„Wenn ich´s dir sage! Der hat die verdroschen, war bestimmt voll wie ein Eimer. Ist ja nicht das erste Mal.“
„Scheiße“, sagt er und packt seine Sachen in die Tüte.
„Hab ich auch gedacht. Macht 14,97“, kommt von ihr.
Vor dem Auto bleibt er stehen, geht nochmal zurück.
„Was vergessen?“, fragt die Kassiererin. Er nickt.
Zuhause ist alles unverändert an seinem Platz. „Fast hättest du auf Kinder geschossen!“, würde Hilde ihm vorwerfen. „Hätte ich natürlich nicht!“, sagt er laut. Außerdem waren sie es vielleicht gar nicht, die das Holz geklaut haben. Es gibt einen Haufen Irrer in der Welt, kann man jeden Tag in der Zeitung lesen. Wie alt die Kinder wohl sein mögen? Hilde wüsste das, aber die kann er nicht fragen.
„Der Ältere wurde vor drei Jahren eingeschult“, sagt sie. Na bitte, jedenfalls zu jung, um im Wald Feuer zu machen; die fackeln dann alles ab bei der Trockenheit. Lange werden sie sowieso nicht aushalten. Hunger und Durst wird sie nach Hause treiben, egal wie groß die Angst vor ihrem Vater sein mag.
„Sie müssen irgendwo in der Nähe sein“, kommt es von Hilde. „Vielleicht unten am Fluss. Lass Licht brennen!“
Gegen Abend schließt er den Geräteschuppen auf und lässt die Tür weit offen. Die kümmerliche Glühbirne spendet nicht viel Licht, wird aber im Dunkeln zu sehen sein. Er stellt einen Korb mit Äpfeln in den Eingang, eine Flasche Wasser auch. Dasselbe macht er auf dem Holzhaufen. Legt die Schokolade aus dem Supermarkt dazu. Und eine Taschenlampe. Seine Beine schmerzen, die Hände zittern, als er den Abwasch macht. Aber den Tee kriegt er noch in die Tasse, haha. Das Licht in der Küche lässt er an. Dann geht er ins Bett.
In der Nacht piept das Handy. Schlaftrunken tastet er nach dem Laptop, schaltet auf die Kamera-App. Es dauert etwas, bis sich seine Augen an die Grautöne auf dem Bildschirm gewöhnt haben. Wenigstens funktioniert das verdammte Ding. Das linke Bild zeigt undeutlich etwas Kleines vor dem Holzhaufen, ein Licht blitzt auf, vielleicht hat der Junge die Taschenlampe gefunden. Auf dem rechten Bild geht ein Mann in Richtung seines Autos. Das ist kein Junge, dazu ist die Person viel zu groß. Und auch der hat eine Taschenlampe, leuchtet in seinen Wagen. Nun erhebt sich das, was er für einen Jungen gehalten hatte, vor dem Holzhaufen. Ebenfalls ein Mann. Der musste dort gehockt haben, geht zu seinem Begleiter, leuchtet auch in das Auto. Das Gewehr! Er hat das Gewehr auf dem Rücksitz liegen lassen. Einer der Männer öffnet die hintere Tür. Sie ist nicht abgeschlossen.
„Oh, Scheiße!“, entfährt es ihm. Wie gelähmt sitzt er im Bett und starrt auf den Bildschirm. Sieht, wie die Männer das Gewehr herausholen und mit ihren Taschenlampen beleuchten. Einer von ihnen blickt zum Haus.
„Was jetzt, Hilde?“, flüstert er, steigt leise aus dem Bett und zieht sich im Dunkeln an. Im Schlafzimmer gibt es keine Gegenstände, mit denen er sich wehren könnte. Im Wohnzimmer auch nicht, er muss in die Küche. Dort sind Messer. Große Brot- und Fleischmesser.
„Was willst du damit gegen ein Gewehr und zwei Männer ausrichten?“, fragt Hilde.
Er nickt. Viele gute Optionen bleiben nicht. Seine Beine zittern, als er in das Wohnzimmer schleicht. Das Küchenlicht schimmert in den Raum, er fummelt eine Schallplatte aus der Hülle heraus und legt sie auf den Teller, es dauert etwas, bis er sie richtig platziert hat. Den Verstärker dreht er auf volle Lautstärke. Bevor er die Nadel auf die Rille setzt, brüllt er: „Ihr seid spät dran!“ Dann röhrt die Musik los. Seine Finger finden den Lichtschalter im Wohnzimmer, auch das Licht im Bad schaltet er an. In der Aufregung bleibt sein Fuß an einem Stuhl hängen, er schleudert ihn mit voller Wucht gegen das Fenster. Das Splittern übertönt sogar kurz die Musik. Völlig außer Atem, setzt er sich an den Tisch. Einen Moment ausruhen. Erst jetzt erreicht ihn die Musik, die da läuft: „Hound dog“ von Elvis. Sein erster Tanz mit Hilde. Ein irres Lachen entfährt ihm, er bekommt sich gar nicht mehr ein. Nichts scheint ihm passender zu sein.
„Hörst du, Hilde?“. Seine Stimme schreit gegen die Musik an, dann ist es ihm zu laut, er nimmt die Nadel von der Platte. Es gibt ein kratzendes Geräusch, weil seine Hände so zittern. Aber den Tee bekommt er noch in die Tasse, haha. Wenn die Männer jetzt kommen, dann kommen sie eben. Zurück im Schlafzimmer, ruft er die Polizei an.
„Sind die Täter bewaffnet?“, fragt die Stimme am Telefon.
„Ja“, sagt er. „Mindestens ein Gewehr mit fünf Patronen im Magazin.“
„Woher wissen Sie das?“, fragt die Stimme.
Er legt auf. Es gibt ein Krachen, als die Tür eingetreten wird. Splitterndes Holz, ein Knirschen und Knacken, dann noch einmal. Das Schloss hat nicht gereicht.
„Ich komme jetzt, Hilde“, flüstert er.
Am nächsten Abend mäht er den Rasen, beschneidet die wuchernden Ahornbäume und wässert die Hortensien. Den Rasenschnitt und die Zweige bringt er zum Kompost. Auf dem Weg dorthin sieht er es: Das Netz über dem Holzstapel ist aufgeschnitten, in der Mitte fehlen Scheite. Bestimmt zehn, fünfzehn Stück, wenn nicht mehr. Man hat ihn beklaut! Am helllichten Tage! Nein, das kann nicht sein, er war die ganze Zeit da. Es muss in der Nacht passiert sein. Vermutlich ein Mann mit großen Taschen. Wären es zwei gewesen, hätten sie mehr geklaut. Aber jetzt, wo der weiß, wie einfach das ist, kommt der sicher wieder. Und wenn er schon mal da ist, schaut er vielleicht im Haus nach, ob da noch andere Dinge als Brennmaterial sind.
Im Baumarkt hat er zwei Überwachungskameras gekauft. Eine halbe Stunde, hatte der Verkäufer versichert, dann seien sie installiert. Es dauerte drei Stunden. Infrarot-Nachtsicht bis zu zwanzig Meter. Bewegungsmelder ohne Alarmton, er wird auf dem Handy informiert. Vorausgesetzt die App funktioniert, seine Fähigkeiten sind da begrenzt. Er geht auf den Dachboden. Für die Repetierbüchse hat er keine Waffenbesitzkarte. Aber ein Magazin mit fünf Patronen. Nur für den Notfall. So weit wird es ja wohl nicht kommen. Wenn doch, ist er vorbereitet. Das Riegelschloss lässt sich mit ein paar Schrauben an die Tür montieren, aber er ist erschöpft, seine Hände zittern. Das ist manchmal so, kein Grund zur Sorge, den Tee bekommt er noch in die Tasse, haha. Er redet mit sich, seit Hilde nicht mehr da ist. Gibt nun wirklich Schlimmeres.
„An seiner Stelle würde ich nicht kommen“, sagt er.
Das Schloss funktioniert.
In der Nacht schläft er schlecht. Zweimal steht er auf und schaut aus dem Fenster. Beim ersten Mal ist nichts zu sehen. Beim zweiten Mal bemerkt er eine Bewegung zwischen den Bäumen. Er bleibt regungslos hinter dem Vorhang stehen und starrt hinaus. Da ist etwas. Er kann es spüren. „Bist du doch gekommen“, flüstert er und fixiert die Stelle in der Dunkelheit. Das Gewehr lehnt neben ihm an der Wand. Nach einer halben Stunde tränen ihm die Augen, die Beine tun weh. Er geht im Dunkeln zur Toilette, stolpert beinahe über den Schemel. Klappt den Laptop auf. Die Kameras funktionieren. Nichts zu sehen. Auf dem Handy gibt es keine Benachrichtigung. Vielleicht funktioniert die App doch nicht richtig. Da war etwas zwischen den Bäumen, er weiß es. Als der Schlaf ihn übermannt, wird es draußen schon hell.
Am nächsten Morgen ist der Holzstapel unverändert. Kein weiterer Scheit fehlt. Auch die Gartengeräte sind alle an ihrem Platz. Gießkannen, Eimer, Rechen. Die Heckenschere liegt noch auf der Bank. „Was denkst du, Hilde?“, fragt er und nickt dann. „Der Kerl wartet auf einen günstigen Moment!“ Die Dusche vertreibt seine Müdigkeit kaum, obwohl er zum Schluss auf kalt stellt. Heute brüht er sich einen Kaffee. Mit viel Pulver. Zum Frühstück gibt es Eier mit Speck. Das hätte Hilde nicht gefallen. Er trinkt und isst schweigend. Der Kühlschrank ist leer, er wird einkaufen fahren müssen. Drei Kilometer ist der Supermarkt entfernt. „Ich fahr dann mal kurz“, sagt er laut. Verriegelt die Tür. Der Laptop landet auf dem Beifahrersitz, das Gewehr kommt nach hinten. Eine halbe Stunde wird es sicher dauern.
Im Supermarkt beeilt er sich, legt die Einkäufe auf das Band, sein Portemonnaie hält er in der Hand.
„Kein Bier heute?“, fragt die Kassiererin.
Er schüttelt den Kopf: „Schon lange nicht mehr! Verträgt sich nicht mit meinen Tabletten und wenn ich eins trinke, bleibt es nicht dabei.“
Die Frau runzelt die Stirn. „Hast du von Hermann gehört?“
Wieder Kopfschütteln.
„Die Kinder sind weg.“
„Welche Kinder?“
„Na, seine. Sind abgehauen. Seit vorgestern. Die Polizei sucht nach ihnen.“
„Ist nicht wahr!“
„Wenn ich´s dir sage! Der hat die verdroschen, war bestimmt voll wie ein Eimer. Ist ja nicht das erste Mal.“
„Scheiße“, sagt er und packt seine Sachen in die Tüte.
„Hab ich auch gedacht. Macht 14,97“, kommt von ihr.
Vor dem Auto bleibt er stehen, geht nochmal zurück.
„Was vergessen?“, fragt die Kassiererin. Er nickt.
Zuhause ist alles unverändert an seinem Platz. „Fast hättest du auf Kinder geschossen!“, würde Hilde ihm vorwerfen. „Hätte ich natürlich nicht!“, sagt er laut. Außerdem waren sie es vielleicht gar nicht, die das Holz geklaut haben. Es gibt einen Haufen Irrer in der Welt, kann man jeden Tag in der Zeitung lesen. Wie alt die Kinder wohl sein mögen? Hilde wüsste das, aber die kann er nicht fragen.
„Der Ältere wurde vor drei Jahren eingeschult“, sagt sie. Na bitte, jedenfalls zu jung, um im Wald Feuer zu machen; die fackeln dann alles ab bei der Trockenheit. Lange werden sie sowieso nicht aushalten. Hunger und Durst wird sie nach Hause treiben, egal wie groß die Angst vor ihrem Vater sein mag.
„Sie müssen irgendwo in der Nähe sein“, kommt es von Hilde. „Vielleicht unten am Fluss. Lass Licht brennen!“
Gegen Abend schließt er den Geräteschuppen auf und lässt die Tür weit offen. Die kümmerliche Glühbirne spendet nicht viel Licht, wird aber im Dunkeln zu sehen sein. Er stellt einen Korb mit Äpfeln in den Eingang, eine Flasche Wasser auch. Dasselbe macht er auf dem Holzhaufen. Legt die Schokolade aus dem Supermarkt dazu. Und eine Taschenlampe. Seine Beine schmerzen, die Hände zittern, als er den Abwasch macht. Aber den Tee kriegt er noch in die Tasse, haha. Das Licht in der Küche lässt er an. Dann geht er ins Bett.
In der Nacht piept das Handy. Schlaftrunken tastet er nach dem Laptop, schaltet auf die Kamera-App. Es dauert etwas, bis sich seine Augen an die Grautöne auf dem Bildschirm gewöhnt haben. Wenigstens funktioniert das verdammte Ding. Das linke Bild zeigt undeutlich etwas Kleines vor dem Holzhaufen, ein Licht blitzt auf, vielleicht hat der Junge die Taschenlampe gefunden. Auf dem rechten Bild geht ein Mann in Richtung seines Autos. Das ist kein Junge, dazu ist die Person viel zu groß. Und auch der hat eine Taschenlampe, leuchtet in seinen Wagen. Nun erhebt sich das, was er für einen Jungen gehalten hatte, vor dem Holzhaufen. Ebenfalls ein Mann. Der musste dort gehockt haben, geht zu seinem Begleiter, leuchtet auch in das Auto. Das Gewehr! Er hat das Gewehr auf dem Rücksitz liegen lassen. Einer der Männer öffnet die hintere Tür. Sie ist nicht abgeschlossen.
„Oh, Scheiße!“, entfährt es ihm. Wie gelähmt sitzt er im Bett und starrt auf den Bildschirm. Sieht, wie die Männer das Gewehr herausholen und mit ihren Taschenlampen beleuchten. Einer von ihnen blickt zum Haus.
„Was jetzt, Hilde?“, flüstert er, steigt leise aus dem Bett und zieht sich im Dunkeln an. Im Schlafzimmer gibt es keine Gegenstände, mit denen er sich wehren könnte. Im Wohnzimmer auch nicht, er muss in die Küche. Dort sind Messer. Große Brot- und Fleischmesser.
„Was willst du damit gegen ein Gewehr und zwei Männer ausrichten?“, fragt Hilde.
Er nickt. Viele gute Optionen bleiben nicht. Seine Beine zittern, als er in das Wohnzimmer schleicht. Das Küchenlicht schimmert in den Raum, er fummelt eine Schallplatte aus der Hülle heraus und legt sie auf den Teller, es dauert etwas, bis er sie richtig platziert hat. Den Verstärker dreht er auf volle Lautstärke. Bevor er die Nadel auf die Rille setzt, brüllt er: „Ihr seid spät dran!“ Dann röhrt die Musik los. Seine Finger finden den Lichtschalter im Wohnzimmer, auch das Licht im Bad schaltet er an. In der Aufregung bleibt sein Fuß an einem Stuhl hängen, er schleudert ihn mit voller Wucht gegen das Fenster. Das Splittern übertönt sogar kurz die Musik. Völlig außer Atem, setzt er sich an den Tisch. Einen Moment ausruhen. Erst jetzt erreicht ihn die Musik, die da läuft: „Hound dog“ von Elvis. Sein erster Tanz mit Hilde. Ein irres Lachen entfährt ihm, er bekommt sich gar nicht mehr ein. Nichts scheint ihm passender zu sein.
„Hörst du, Hilde?“. Seine Stimme schreit gegen die Musik an, dann ist es ihm zu laut, er nimmt die Nadel von der Platte. Es gibt ein kratzendes Geräusch, weil seine Hände so zittern. Aber den Tee bekommt er noch in die Tasse, haha. Wenn die Männer jetzt kommen, dann kommen sie eben. Zurück im Schlafzimmer, ruft er die Polizei an.
„Sind die Täter bewaffnet?“, fragt die Stimme am Telefon.
„Ja“, sagt er. „Mindestens ein Gewehr mit fünf Patronen im Magazin.“
„Woher wissen Sie das?“, fragt die Stimme.
Er legt auf. Es gibt ein Krachen, als die Tür eingetreten wird. Splitterndes Holz, ein Knirschen und Knacken, dann noch einmal. Das Schloss hat nicht gereicht.
„Ich komme jetzt, Hilde“, flüstert er.
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