Hilfe

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Anni_

Mitglied
„HILFE“

(Wahre Begebenheit)

Hinter’m Sichtschutz brüllte sie;
ein Psychiatriezugang.
Sie hatte Durst. Deswegen schrie
die Frau schon stundenlang!
Da offensichtlich dehydriert,
war sie nicht klar im Kopf
und ziemlich desorientiert.
Deshalb hing sie am Tropf.
So lag sie schwach danieder
und alle stöhnten schon!
Doch sie rief immer wieder:
„Helft mir!“, im höchsten Ton.
Weil mir, hier als Patientin,
die Zeit zu lange war,
ging ich zu jener Greisin hin.
Es war ganz sonderbar:
Sie wollte Wasser haben!
Wir stimmten überein,
von Gottes guten Gaben
muß dies die Beste sein.
„Ein ‚kühles Nass‘ am besten schmeckt,
hat Vater auch gemeint!“,
während sie sich die Lippen leckt,
das spricht und plötzlich weint,
weil ihr die Angst vor‘m nahen Tod
so schwer zu schaffen macht,
wurd‘ ich vor Scham ganz still und rot;
hab an Papa gedacht,
der über 30 Jahre schon
als Fachmann tätig ist
und für einen geringen Lohn
das Trinkwasser anschließt.
Im Halse spürt’ ich einen Kloß:
Seit viel zu vielen Tagen
hatte ich meinen Eltern bloß
das Nötigste zu sagen...
Mein Herz war so voll Bitterkeit,
dass der Kontakt abbrach.
Nun dachte ich voll Traurigkeit
über die Beiden nach.
Die schwache Frau, verwirrt und alt,
die laut um Hilfe flehte,
entpuppte sich für uns alsbald
zur Antwort der Gebete,
die meine Eltern täglich Gott
für mich, die Tochter, brachten:
Sie mahnte mich ob dem Gebot,
die Beiden stets zu achten!
So schieb ich aus dem Krankenhaus,
wenngleich auch zögerlich.
Ich sprach mich mit den Eltern aus,
und sie besuchten mich.
Bis heute bin ich heil froh,
selbst wenn’s den Alltag stört,
wenn jemand „Hilfe“ irgendwo
laut ruft, weil Gott das hört!
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Oscarchen

Mitglied
Wieder so ein Bandwurm. Warum keine Absätze?
Inhalt mag berühren, Persönliches ist aber nicht zwingend etwas für diese Plattform.
 

Anni_

Mitglied
Hallo Oscarchen, danke für die Hinweise.

Hier kommt eine überarbeitete Fassung ;)

„HILFE“

Psychiatrieflur: Frau (dement)
und ein weiterer Patient.

Frau ruft: „Hilfe“. Dann wir‘s nasser:
Frau hat Durst, Patient gibt Wasser.

Frau weint los. Patient denkt nach
über das, was Greisin sprach.

Denkt an Eltern und an Streit.
Das tut dem Patient jetzt leid.

Dann Versöhnung - Gott sei Dank!
Kurz gefasster Dichterschwank...
 

Saerdna

Mitglied
Die lange Version finde ich toll.
Zum Schluss hin holpert es ein bisschen. Hat mich aber sofort reingezogen...
Ich finde es am Ende flüssiger so:
Bis heute bin ich froh
....
 

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