Hors-là (Paris)

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sufnus

Mitglied
Hors-là (Paris)

Die Sonne von Paris
verführt zum Glücklichsein

Ich fand am Montparnasse
ein goldnes Haar aus Zossen
das war im Mai gefärbt
Rapunzel voll der Gnade

Und? Wie gings weiter?
Hast du's in deinem Baedeker verborgen
viel Tagereisen weit zurück gebracht?
Hast du am Strand von Zossen
die heiße Liebe dann genossen?

Paris hat längst ein Bleiberecht
für seine besten Toten
ich fand am Grab von Maupassant
ein Haar aus Z. gefärbt im Mai
das war aus purem Gold

Die Sonne von Paris
 
Zuletzt bearbeitet:

Scal

Mitglied
Hallo Sufnus!

O schönes, ergrabenes Grab-Dokument! Es lebe Paris!
Die Lyrik als ein Baedeker für das Bleiberecht aller Rapunzels voller Gnade.
Dein Gedicht sonnt sich erzählend herab wie ein parisianisch paradiesianisches Geflecht, nähert sich dem Boden und kommt schließlich dort -goldig noch - an.
Du schürst Reiselust.

Ob es das zweite "gefärbt" noch braucht?

Lieben Gruß
Scal
 

sufnus

Mitglied
Vielen Dank allerseits! :) Man fragt sich doch immer irgendwie, warum ein solcher Moloch wie Paris eigentlich ein Sehnsuchtsort sein kann... Touristenabzocke allüberall, die unsägliche Protzerei der Superreichen, echt schlimme Lebensbedingungen für Menschen mit wenig Geld, eine laute, dreckige und arrogante Stadt... und dann verbringt man dort so glückliche Tage... ich liebe Paris sehr... ich weiß nicht warum.
 

sufnus

Mitglied
... ah & sorry, Scal, ich bin nicht auf Deinen Punkt mit dem zweiten "gefärbt" eingegangen... jetzt also...
Stört Dich eher die Wortwiederholung von "gefärbt" oder überhaupt die Wiederholung des ganzen Gedankens?
Der Mai wäre mir schon so wichtig, dass er ruhig zweimal auftauchen soll, beim "gefärbt" müsste ich nochmal nachdenken - da ließe sich ja leicht eine Änderung vollziehen, ich müsste nochmal nachdenken, ob es dadurch dann für mich auch runder wird... *ich spiel mal noch ein bisschen in Gedanken hin & her* :)
LG!
S.
 

Scal

Mitglied
Ich bin auch unschlüssig, ich dachte einen Moment lang daran, dass man in Grabesnähe zumeist etwas wortkarger wird ...
Gefühlssache.
 

lavendula

Mitglied
ich mag an paris ja durchaus nicht nur die gräber. obwohl die großartigen dort sind. vielleicht könnt ich mich dort sogar in ein gefärbtes haar aus zossen verlieben.
wie in das gedicht.
liebe grüße
charlotte
 

Tula

Mitglied
Hallo sufnus
Ausgerechnet Zossen :D
Da hilft mir auch kein Heimatwehn.
Denn wer ihn kennt, erkennt sofort
ein absolut verpennter Ort.
Selbst mit Rapunzel, hätt ich den
auf keinen Fall genossen.

LG
Tula
 

sufnus

Mitglied
Ihr Lieben!

Danke nochmalsvielmals für die Rückmeldungen! :)

Zu Deinem Hinweis, Scal, auf die Grabesnähe: Ja... eine gewisse Wortkargheit dürfte hier schon häufig zu finden sein - in der Lyrik scheint aber die Erinnerung an unwiderruflich Vergangenes Anknüpfungspunkt häufig der Klage die Zunge zu lösen.

Froh bin ich aber, dass das Lamentoelement hier offenbar nicht überwiegt, sondern - siehe Deine Anmerkung, liebe Charlotte - die Verliebtheit gefeiert wird, wenn auch deutlich melancholisch überhaucht (Revilo hatte das in seiner freundlichen Besternung noch außerhalb des Kommentarbereichs herausgehört, was mich besonders freut!

Und, Zossen... tja... offenbar ist dieser Ort Dir, lieber Tula bekannt (und wie ich das raushöre und ja auch irgendwie nahe-liegend ist, auch Dir, Charlotte). Da habt Ihr mir eigentlich etwas voraus - hier verlässt das Gedicht eindeutig den biographischen Bezug - und ich habe Zossen als einen (die Zossener mögen mir verzeihen) zu Paris eher antipodalen Ort eher theoretisch extrapoliert als dass ich da auf praktische Feldstudien-Erfahrungen zurückgreifen konnte.

Immerhin, so hoffe ich, habe ich Zossen auch nicht wirklich denunziert... der Ort mag für französischen Ohren recht teutonisch tönen, aber ein bisschen gibt es doch Klanganlautlichkeiten zwischen Zossen und dem Mont Parnasse, dem Berg der Dichtung.

Und jetzt noch: Dass Du Dich in das Gedicht verliebt hast, Charlotte, darf, soll, muss für jetzt mein Schlusswort sein.
Auf Paris! :)

LG!

S.
 



 
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