„Ralf, du musst kommen.“
„Jetzt? Warum?“
„Du hast längere Arme.“
„Aha“, sagte er. „Ich verstehe gar nichts.“
„Veronikas Huhn ist im Bach.“
„Dann hol es raus.“
„Geht nicht.“
„Wieso nicht?“
„Weil es jetzt in der Mauer steckt.“
„In welcher Mauer?“
„In der am Ufer.“
Kurze Pause.
„Und was genau soll ich tun?“
„Kommen.“
Ralf legte auf.
Ich stand bereits bis zu den Knien im Bach und starrte in das dunkle Loch unter der Ufermauer, in
dem Bärbel verschwunden war. Das Wasser hatte die Erde darunter ausgespült. Erst hatte sie
neugierig hineingeschaut, dann war sie halb hinterher, dann ganz.
Kurz darauf kam Ralf den Hang herunter.
„Wo ist sie?“
„Da drin.“
Er beugte sich vor.
„Ich komm nicht ran.“
„Mist. Veronika bringt mich um.“
„Wir holen einfach ein neues.“
Ich sah ihn an.
„Ein neues Huhn.“
„Das merkt sie nicht. Die sehen doch alle gleich aus.“
Wir wechselten einen verschwörerischen Blick.
„Und wenn doch?“ sagte ich. „Ich hole die Bierbank.“
„Die Bierbank?“
„Nicht für uns. Für Bärbel.“
Ralf sah zur Terrasse.
„Ich dachte schon, du willst dich setzen.“
„Nein. Wir stellen sie vor das Loch. Dann kann sie drüberlaufen und ans Ufer.“
„Ah“, sagte Ralf. „Ein Rettungssteg.“
Gemeinsam schleppten wir die Bierbank zum Bach und wuchteten sie vorsichtig ins Wasser. Sie
verkeilte sich schräg zwischen Ufer und Mauer. Wir traten einen Schritt zurück und sahen unser
Werk an.
Es sah aus wie eine sehr schlechte Idee.
„Und jetzt?“ fragte Ralf.
Als hätte Bärbel auf ihren Einsatz gewartet, erschien erst ihr Kopf im Loch, dann der Hals, dann der
restliche, empörte Körper. Würdevoll, als wäre nichts geschehen, setzte sie einen Fuß auf die
Bierbank, dann den anderen, lief über unseren wackligen Notsteg ans Ufer, schüttelte sich einmal
und marschierte davon.
Kein Dank. Kein Blick zurück.
Ralf sah ihr nach.
„Also“, sagte er, „für ein Huhn war sie erstaunlich kooperativ.“
Ich nickte.
„Und wir sagen Veronika besser nicht, dass wir kurz über Ersatz nachgedacht haben.“
„Jetzt? Warum?“
„Du hast längere Arme.“
„Aha“, sagte er. „Ich verstehe gar nichts.“
„Veronikas Huhn ist im Bach.“
„Dann hol es raus.“
„Geht nicht.“
„Wieso nicht?“
„Weil es jetzt in der Mauer steckt.“
„In welcher Mauer?“
„In der am Ufer.“
Kurze Pause.
„Und was genau soll ich tun?“
„Kommen.“
Ralf legte auf.
Ich stand bereits bis zu den Knien im Bach und starrte in das dunkle Loch unter der Ufermauer, in
dem Bärbel verschwunden war. Das Wasser hatte die Erde darunter ausgespült. Erst hatte sie
neugierig hineingeschaut, dann war sie halb hinterher, dann ganz.
Kurz darauf kam Ralf den Hang herunter.
„Wo ist sie?“
„Da drin.“
Er beugte sich vor.
„Ich komm nicht ran.“
„Mist. Veronika bringt mich um.“
„Wir holen einfach ein neues.“
Ich sah ihn an.
„Ein neues Huhn.“
„Das merkt sie nicht. Die sehen doch alle gleich aus.“
Wir wechselten einen verschwörerischen Blick.
„Und wenn doch?“ sagte ich. „Ich hole die Bierbank.“
„Die Bierbank?“
„Nicht für uns. Für Bärbel.“
Ralf sah zur Terrasse.
„Ich dachte schon, du willst dich setzen.“
„Nein. Wir stellen sie vor das Loch. Dann kann sie drüberlaufen und ans Ufer.“
„Ah“, sagte Ralf. „Ein Rettungssteg.“
Gemeinsam schleppten wir die Bierbank zum Bach und wuchteten sie vorsichtig ins Wasser. Sie
verkeilte sich schräg zwischen Ufer und Mauer. Wir traten einen Schritt zurück und sahen unser
Werk an.
Es sah aus wie eine sehr schlechte Idee.
„Und jetzt?“ fragte Ralf.
Als hätte Bärbel auf ihren Einsatz gewartet, erschien erst ihr Kopf im Loch, dann der Hals, dann der
restliche, empörte Körper. Würdevoll, als wäre nichts geschehen, setzte sie einen Fuß auf die
Bierbank, dann den anderen, lief über unseren wackligen Notsteg ans Ufer, schüttelte sich einmal
und marschierte davon.
Kein Dank. Kein Blick zurück.
Ralf sah ihr nach.
„Also“, sagte er, „für ein Huhn war sie erstaunlich kooperativ.“
Ich nickte.
„Und wir sagen Veronika besser nicht, dass wir kurz über Ersatz nachgedacht haben.“