Hure der Poesie

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Natur Noch unerschlossen
ist der ekel vor ihr Der anstand
sich die kehle Durchzuschneiden
in so einer welt




Als zweite Version, eine verknappung (nicht notwendig, aber eine interessante Möglichkeit)
 
Zuletzt bearbeitet:

Mondnein

Mitglied
zumal die Natur, lieber Patrick,

nicht verbraucht ist, sondern die Bilder unserer toten Seelen.

Du weißt natürlich, daß die suizidale Drohung, sich die Kehle durchzuschneiden, eine abgegriffene Metapher ist, rührend pathetisch, unkonsequent-selbstwidersprüchlich, beleidigend gemein gegenüber den Krankenpflegern.

"in so einer Welt" - das ist fast schon witzig, Pointe mit beleidigter Miene. Ein Rollenspiel vielleicht;

durchdenkenswert,
grusz hansz
 
G

Gelöschtes Mitglied 21263

Gast
Oder Böcke der Natur, da wir deren Bilder kaputtgeritten haben und nunmehr der Anstand fehlt (auch Mut, denn Feigheit ist unsere Liebe!), das Messer anzusetzen?
Die 1. Fassung böte mehr.

F.
 

Ralf Langer

Mitglied
Hure der Poesie



die natur ist verbraucht Verblichen
sind ihre bilder
Der poet verweigere sich nunmehr
ihrer blutarmen sprache
Noch unerschlossen ist der ekel
vor ihr Der anstand
sich die kehle Durchzuschneiden
in so einer welt



Hallo Patrick,

(folgendes nimmt Bezug auf dein erstes Posting)



ich lasse mich erst einmal von den Begrifflichkeiten leiten:



  1. Poesie – altgr. Poiesis: Erschaffung
  2. moderner Kontext - Dichtung als Kunstgattung



  1. Hure – (feminin) eine Frau die gegen Geld ihren Körper (als Ware?) verkauft
  2. Welt - Alles was ist. Bezeichnung für eine Gesamtheit der Dinge

(da bin ich begrifflich bei Wittgenstein)





Der Titel im Kontext mit dem Wort „Natur“ ist eine Behauptung deren Konsequenzen im Gedicht sprachlich durchdacht werden.

Der Begriff der Natur ist für mich ein Abstraktum. Ich kann ihn hier am besten deuten, wenn ich ihm den Begriff der „Kultur“ gegenüberstelle;

- später wird in diesem Zusammenhang dann noch der Begriff „Welt“ von Bedeutung,

den ich, das schon einmal vorweg, hier nicht gut gewählt finde -

Natur begreife ich als Hypothese: Ein vom Menschen nicht veränderter Raum, also ein Ou topos, ein „nicht Ort“. In diesem Sinne eine Transzendenz, etwas Gedachtes, das dem Kulturraum gegenübersteht. Die Natur in diesem Sinne liegt also in der Ferne einer Vergangenheit die mit dem Menschwerden verschwunden ist.



Natürlich steigen auch Gedanken heraus vom Stadtmensch der am Wochende seinen urbanen Raum verlässt um im Wald ( der auch schon ein Kulturraum ist) sozusagen „natürliche“ Erfahrungen macht.



In der Poesie hat der Begriff Natur eine ebenfalls transzendente Komponente: Es ist der Raum der Schöpfung, ein Ort in dem man zum Beispiel mit einem Gott in „Berührung“ kommen kann.

Ich glaube man kann sagen es ist ein Sakrileg.

Dies erst einmal zu meinem Verständnis der Begriffe.



In deinem Stück erkenne ich einiges an Wertigkeiten die im Expressionismus von Bedeutung waren

Kurt Pinthus und sein Essay „Überfülle des Lebens“ und auch Nietzsche „der tolle Mensch“



Ich spüre bei deinem Gedicht im lyrich etwas wie transzendentale Obdachlosigkeit, der Blick nach höherer Bedeutung ist durchaus ein Blick ins Leere.



Ist also die Natur verbraucht? Hm, in meinem Sinne war sie nie da wo der Mensch ist, also auch noch dort wo der Dichter ist.

Was verbraucht ist ist vielleicht die Natur als Metapher der Sinnstiftung. Die Natur als Erkenntnis Raum.

Wir sind nicht Natur, auch der Dichter macht nur Spaziergänge durch botanische Gärten, und erschaudert beim Anblick genetisch hochgezüchteter Rosen...





Soweit erst einmal.

Später mehr



Lg

Ralf
 
zumal die Natur, lieber Patrick,

nicht verbraucht ist, sondern die Bilder unserer toten Seelen.

Du weißt natürlich, daß die suizidale Drohung, sich die Kehle durchzuschneiden, eine abgegriffene Metapher ist, rührend pathetisch, unkonsequent-selbstwidersprüchlich, beleidigend gemein gegenüber den Krankenpflegern.

"in so einer Welt" - das ist fast schon witzig, Pointe mit beleidigter Miene. Ein Rollenspiel vielleicht;
Hallo Hansz

Es spielt natürlich ein Rollenspiel, ich gebrauche ja auch Naturbilder, die tatsächlich nur dann verbraucht sind, wenn sie niemand mehr wirklich wahrnimmt. Andererseits ging es ja gerade darum, das hier jm. spricht, der nur verblichene Bilder der Natur vor sich her stammeln kann und der auf der Suche nach neuem ist. Und nichts findet, was soll man da auch groß finden, man kann sich in die Rolle begeben, die Sprache als Selbstzweck, oder das schreiben, oder den Menschen in den Vordergrund rückt, lange hält das nie. Der Schluss ist dann eher die konsequenz des alten Satzes: "nichts neues unter der Erde". Pathetisch übertrieben, sodas der Leser schnell merkt, dass es mir nicht allzu ernst damit ist.


L.G
Patrick
 

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