Hymnus an Pegasus (Schüttelsonett)

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Hymnus an Pegasus

Du warst bereit, mit mir sogleich zu reiten,
du sagtest nur: »Steig auf, fass Zaum und reit.«
Wie schön, mit dir durchs Dichterreich zu gleiten,
ein guter Geist führt uns durch Raum und Zeit.

Du Treuer trägst mich hoch in lichte Weiten,
wo Gottes Auge schaut durch Zeiten weit,
lässt dich von mir, dem armen Wichte, leiten,
zu Zielen in der uns geweihten Zeit.

Die Zeit vergeht, doch schwindet heitre Würde,
wenn sich der Tag aus tiefster Schwärze hebt?
Du überspringst noch jede weitre Hürde
und wieherst froh, dass hoch mein Herze schwebt.

Willst du, mein Lieber, mir den Rücken breiten,
zum Himmel über tausend Brücken reiten?
 

Marker

Mitglied
Lieber Lupenleser,
Sag nicht, dass an deinen Versen kein Interesse von Seiten der LL besteht - es besteht! Diese Pegasus-Hymne ist dir wunderbar gelungen und wirkt erhaben auf mich. Sehr gut gem-8!
LG, Marker
 
Hi Marker, danke fürs Lesen und Liken (Bewerten), mal sehen, wie sich's ausgeht. Ich schreibe allerdings fast ausschließlich Schüttelreime, an denen in einem Lyrikforum nicht unbedingt so großes Interesse besteht.

Liebe Grüße
Friedhelm LL
 

Mondnein

Mitglied
Ich schreibe allerdings fast ausschließlich Schüttelreime, an denen in einem Lyrikforum nicht unbedingt so großes Interesse besteht.
Du weißt, daß das nicht stimmt. Das Interesse an Deinen Schüttelreimen war, wenn ich mich richtig erinnere, immer sehr groß.
Ich habe es spätestens bei (oder von) Jan Wagner gelernt, "Die Eulenhasser in den Hallenhäusern", daß die Versuche, sich in die schwierigsten Formen zu begeben nicht bloß Spielerei ist, sondern die Klangseite der Lyrik besondert. Es kann eine Heidenarbeit sein, und darf dabei doch niemals bemüht wirken. Man beachte das Lebensende von Theodor Vischhaupt.

Warum hast Du Deine Werke alle gelöscht? Noch einmal: Das Interesse ist immer sehr groß, es gibt viele, die mal nachlesen wollen, wie Du Deine Formen gestaltest.

grusz, hansz
 
Hallo Mondnein,

du fragst:

Warum hast Du Deine Werke alle gelöscht?

Zum einen wollte das mein damaliger Verleger des Buches „Die Made an der Linde kaut“, zum andern resultierte es damals aus einer Verstimmung meinerseits, ist auch schon ein paar Jahre her.

Zu der Frage, wie ich meine Gedichte anlege: Generell gibt es bei Schüttelgedichten zwei Möglichkeiten. Entweder man hat den Reim und sucht den Inhalt oder man hat den Inhalt und sucht den Reim. Manchmal ist auch ein Reim vorgegeben, wie alle 14 Tage in meiner Facebook-Gruppe bei einem speziellen Wettbewerb. Zum Beispiel das Wort „Kleid“. Damals entstand ein Shake-Sonett mit dem Titel Lady in Red:

Das täglich Brot soll unser Leben nähren,
ich muss es oft im Leidenstranke schwenken,
und will mich Freude, wenn ich schwanke, tränken,
muss ich den bittern Kelch daneben leeren.

Ich schau zum Himmel nachts, welch Sternenfülle!
Der große Bär und dort der kleine Wagen.
Ich will mein Los, das ich beweine, klagen.
Sie hören nichts, sind in den Fernen stille.

Doch Lichtgesang aus Himmelsweite klingt.
Ich seh auf einem fernen Eiland Frauen,
die fröhlich tanzen in den Freilandauen,
wo eine mir im roten Kleide winkt.

Ich höre sie im roten Kleide singen,
und ihre Stimme fein wie Seide klingen.

Der Hinweis auf Jan Wagner. Ich habe ihn schon mehrfach erlebt bei Lesungen hier in Fellbach; er ist ja der letzte Mörike-Preisträger. In Kürze wird seine Nachfolgerin prämiert, die Lyrikerin Elke Erb.

Liebe Grüße
Friedhelm LL
 

molly

Mitglied
:) Hallo Lupenleser,

ich stimme Mondnein zu,ein wirklich "feines Stück".

Viele Grüße und eine gute Woche wünscht Dir

molly
 

 
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