Ich bin die Patina

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Ich bin die Patina

Rolf-Peter Wille

Ich bin die Patina, die schmierig graue.
Zu grau, zu alt; ich weiss, Du liebst mich nicht.
Ich klebe dreist als widerliche Schicht
Auf Deinem Leben, bis ich Dich versaue.

Ich lege mich wie Staub auf Deine Lenden,
Zerfresse Dir Dein süsses Angesicht.
Im Traume noch da lecket meine Gicht
An Deinen Füssen und an Deinen Händen.

Jedoch die Poesie in Deinem Geist
Die ist abstrakt. Wie kann ich sie verderben?
Die kämpft noch kühn mit starkem Regiment.

Ach warte nur. Bald ist auch sie vergreist.
Denn stärker ist die Poesie vom Sterben,
Die Poesie im Staub…, im Sediment…
 

Walther

Mitglied
Lieber Herr Wille,

zuerst mein großes Kompliment: Ein schönes Sonett. Es freut mich, dies in diesem Forum lesen zu dürfen. Wenn es gestattet ist, und ich habe mir die Freiheit genommen, gäbe es ein paar kleine Unebenheiten, die es zu glätten gelten könnte.

Meine Vorschläge:

Ursprünglich veröffentlicht von Rolf-Peter Wille

Ich lege mich wie Staub auf Deine Lenden,
Zerfresse Dir Dein süsses Angesicht.
Im Traum noch leckt Dich meine Gicht
An Deinen Füssen noch und Deinen Händen.
Die letzten beiden Verse haben so mehr Schwung und passen auch besser in die Sprache des Gedichts. Die letzte Zeile hat nun keine Unebenheit mehr und kann in einem Zug gelesen werden.

Ursprünglich veröffentlicht von Rolf-Peter Wille

Ach warte nur. Bald ist auch sie vergreist.
Denn stärker als die Poesie vom Sterben
Ist die im Staub noch und im Sediment…
Auch hier habe ich den Rhythmik in den beiden letzten Versen etwas geglättet, dabei allerdings, der Füllwörter wegen auch das Bild etwas in die Richtung verändert, die mir schlüssiger erschien. Ich hoffe, Sie sehen mir diese Freiheiten nach.

Ich würde mich freuen, Ihnen geholfen zu haben, und darf Sie Ihrerseits bitten, mir auch bei meinen Sonetten gelegentlich zu Hilfe zu kommen.

Liebe Grüße und eine schöne Weihnachtszeit wünscht

W.
 
Lieber Herr Walther (Sonett?),

es freut mich, dass Ihnen meine Patina gefaellt. Vielen Dank auch fuer die Vorschlaege. Den ersten finde ich gut, nur das doppelte "noch" (Vers2 und Vers3) wuerde mich stoeren. Eventuell koennte ich Ihren Vers2 mit meinem Vers3 kombinieren: Im Traum noch leckt Dich meine Gicht / An Deinen Füssen noch und Deinen Händen. Meinen urspruenglichen Vers2 finde ich eigentlich rhetorisch nicht uninteressant, aber er hat vielleicht zuviel "Pathos".

Die Unebenheit der letzten Terzine (Die Poesie im Staub…, im Sediment…) war beabsichtigt. Ich wollte das "Sterben" (bzw. die Poesie im Sterben) auch im Tempo durch ein Stocken, ein "Ritardando", einen "Antiklimax" ausdruecken. Aber dies ist ein sehr frisches Sonett. Ich muss warten, bis es etwas Patina ansetzt und dann kann ich es, hoffe ich, objektiver lesen.

Vielen Dank und Frohe Weihnacht,
Rolf-Peter
 

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