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Ich lege mich zu meinen Träumen

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Walther

Mitglied
Ich lege mich zu meinen Träumen


Ich lege mich zu meinen Träumen:
Sie hingen gestern noch in Bäumen,
Doch heute ist es kalt und nass,
Und Blütenträume hassen das.

Ich liege da und lass sie schweben,
Gedankenvögel, lass sie weben,
Gedankenspinnen, lass sie flügeln,
Schmetterlinge: nicht zu zügeln.

Ich liege, nehm mich in den Arm
Und friere, dass es Gott erbarm,
Und sehne mich nach einem Kuss,
Weil etwas mich doch wärmen muss.
 

Label

Mitglied
Lieber Walther

die erste und die letzte Strophe gefällt mir richtig gut

aber die Spinnen, die flügeln - wollen sich bei aller poetischen Freiheit nicht in meine Assoziationsmöglichkeiten einfügen

wie wäre so etwas:
Gedankenspinnen, lass sie krabbeln
Schmetterlinge: müssen zappeln.

oder für die Schmetterlinge auch - lass sie zappeln

lieber Gruß
Label
 

Walther

Mitglied
Lb Label,

danke vielmals. der bezug ist ein anderer, und das ist der trick der geschichte.

Ich liege da und [blue]lass sie schweben,
Gedankenvögel,[/blue] [red]lass sie weben,
Gedankenspinnen,[/red] lass sie flügeln,
Schmetterlinge:
nicht zu zügeln.

lg W.
 

Label

Mitglied
ok, ok da war ich auf einem ganz anderen Pfad, denn bei "Gedankenvögel, lass sie weben," kam mir der Gedanke an Webervögel und deshalb kam ich gar nicht auf die Idee von Enjambments.
Das geht anderen möglicherweise anderen auch so.....
vielleicht da statt eines trennenden Kommas, einen verbindenden Gedankenstrich?

Ich liege da und lass sie schweben[blue]-[/blue]
Gedankenvögel,

Jetzt, mit deiner Lesehilfe macht das einen ganz andere und ja, einen liebenswerte Lesart.

lieber Gruß
Label
 

Walther

Mitglied
Hi Label,

gute idee, das mit dem gedankenstrich - mach ich gleich mal. danke vielmals!!

lg W.

PS: habs ein bißchen anders umgebaut. so wirds klarer.
 

Walther

Mitglied
Ich lege mich zu meinen Träumen


Ich lege mich zu meinen Träumen:
Sie hingen gestern noch in Bäumen,
Doch heute ist es kalt und nass,
Und Blütenträume hassen das.

Ich liege da und lass sie schweben:
Gedankenvögel, lass sie weben:
Gedankenspinnen, lass sie flügeln:
Schmetterlinge - nicht zu zügeln.

Ich liege, nehm mich in den Arm
Und friere, dass es Gott erbarm,
Und sehne mich nach einem Kuss,
Weil etwas mich doch wärmen muss.
 

Mondnein

Mitglied
Die Doppelpunkte, lieber Walther,

könnten die Versenden betonen, anstatt sie enjambieren zu lassen. Sie sind fast punktwertig, vergleichbar den Semikola, mit denen sie traditionell engstens verwandt sind (war mal dasselbe Zeichen, nämlich der Hochpunkt).
Gedankenspinnen, lass sie flügeln:
Das wollte ich auch erst bewitzeln, mit dem Vorschlag, sie "bügeln" zu lassen. Aber dann verstand ich es erst, nämlich so, daß die flügellosen Spinnen beflügelt werden sollen und dadurch was Schmetterlinghaftes bekommen, Leichtigkeit und breit entfaltete Schönheit.
Und rückwärts neu aufgedröselt sollen die Vögel was Spinnenhaftes bekommen: Weberfleiß oder Ähnliches.

Das ist doch schön ineinandergeschoben, wie es sich für Lyrik gehört. (Brauche ich Dir nicht zu sagen, ist reflektierend gemeint.)

grusz, hansz
 

Walther

Mitglied
Hallo Hansz,

danke für deine hilfestellung. ich hatte es dann so umgesetzt, weil mir das so besser erscheint.

lyrik will in die irre leiten, damit man verweilen und nachlesen muß. diesen kniff setze ich häufig ein, zumal das auch beim vortragen denselben beschleunigt und damit dramatischer macht.

lg W.
 

Mondnein

Mitglied
Es ist, lieber Walther,

nicht nur das Verweilen und Nochmallesen, sondern die Mehrdimensionalität, die die Gedankenräume öffnet.

Es gibt ja im Grunde keinen falschen Sinn, sondern nur verschiedene, gleichzeitig, oder rhythmisch durch die Motive springend, kleine Überraschungen, Befremdungen, Neues.

Wunderbar!

grusz, hansz
 

Walther

Mitglied
Ich lege mich zu meinen Träumen


Ich lege mich zu meinen Träumen:
Sie hingen gestern noch in Bäumen,
Doch heute ist es kalt und nass,
Und Blütenträume hassen das.

Ich liege da und lass sie schweben:
Gedankenvögel, lass sie weben:
Gedankenspinnen, lass sie flügeln:
Die Schmetterlinge - nicht zu zügeln.

Ich liege, nehm mich in den Arm
Und friere, dass es Gott erbarm,
Und sehne mich nach einem Kuss,
Weil etwas mich doch wärmen muss.
 

Walther

Mitglied
Hallo Hansz,

das war das ziel dieser strophe: gedankenräume öffnen. schön, daß das zu funktionieren scheint!

lg W.
 

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