Ich wünscht', ich wär ein Huhn

Willst du wirklich ein Huhn sein? Legtest jeden Tag ein Ei, sonntags auch mal zwei? Stolziertest auf dem Hof herum, picktest im Regen nach Pfützen, schütteltest die Federn? Hättest keinen Verstand außer „picken und scharren“ und „die anderen picken und scharren nach mir“? Schmerz und Fressen und Ruhe ohne Sinn?

Willst du wirklich ein Huhn sein? Du hättest nicht viel zu tun. Aber auch nicht viel zu denken. Vielleicht ist das Leben ohne Denken erträglicher. Womöglich auch nicht. Wer weiß das schon. Hühner reden nicht.

Sind sie glücklich? Eier von glücklichen Hühnern, so heißt es doch. Das Huhn in der Legebatterie hat sicher Stress. Es möchte stolzieren und picken und scharren, aber es kann nicht stolzieren und nur auf einem Fleck picken und scharren, und vielleicht noch das Huhn im Nachbarkäfig anpicken und scharren. Tagein, tagaus: Drang nach Bewegung ohne Ventil.

Weiß das Huhn, dass es Stress hat? Oder erschöpft sich sein Körper bloß schneller, weil das Herz schneller schlägt und die Muskeln übersäuern, weil sie angespannter sind und sich unruhiger bewegen? Stirbt es einfach schneller? Wird es einfach schneller krank, ohne je zu wissen, dass es stirbt?

Der Luchs im Gehege tritt sich einen Pfad aus. Er setzt die Pfoten immer an die gleiche Stelle, dort wächst kein Gras mehr, dort ist nur Erde. Ob wohl auch die Pfote wund wird?

Weiß der Luchs, dass er im Kreis geht?
 



 
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