Im Kreisverkehr zu Darenwede

Hagen

Mitglied
Im Kreisverkehr zu Darenwede

Es gab eine lange Reihe von Verehrerinnen, das Rennen aber machte letztenendes ein Fräulein Sieglinde Liebeneiner aus dem Nachbardorf, weil sie Rolf einfach so ließ wie er war. Rolf war eigentlich ein fleißiger Bursche, nur ab und zu wollte er mal mit seinen Kumpels Feiern. Und wenn er meinte feiern, dann meinte er richtig feiern.
So kam es dann das er es anlässlich der Kirmes zu Darenwede mal so richtig krachen lies. Er fuhr zunächst mit Sieglinde Autoskooter, schaukelte mit ihr in der Schiffsschaukel und schoss seiner Angebeteten gar manche Rose, kaufte ihr ein riesiges Herz mit der Anschrift ‘Mein Herzelchen‘, aß mit ihr eine Wolke Zuckerwatte sowie gebrannte Mandeln und fuhr mit ihr Geisterbahn, Riesenrad und Kettenkarussell. Natürlich waren seine Kumpels dabei, und sie tranken gar manches Bier zusammen.
Schön war’s und als am späten Abend die Schießbude die Bretter hochnahm und verriegelte, die Lichter langsam ausgingen und das Kettenkarussell die Planen niederließ, meinte Fräulein Liebeneiner auch nach Hause gehen zu müssen.
„Das mach man“, meinte Rolf Röhricht, und er gab Fräulein Liebeneiner noch einen dicken Kuss, und noch einen und sagte dann: „Das ist gut. Ich bringe nur noch mal eben schnell meine Kumpels nach Hause und komme dann auch.“
Er gab ihr noch einen Kuss und einen Klaps auf den Po, Fräulein Liebeneiner ging nach Hause ins Bett und wartete klopfenden Herzens auf Rolfs Heimkehr.
Rolf und seine Kumpels fuhren also nachts mit dem Auto durch die Stassen Darenwedes, er war guten Willens, seine Kumpel nach Hause zu bringen und zu Fräulein Liebeneiner ins Bett zu gehen, denn die Liebe war noch neu und frisch.
Aber leider war auf dieser Heimfahrt eine nicht unerhebliche Menge Alkohol dabei, den man in weiser Voraussicht an der Tankstelle, bevor diese auch schloss, beschafft hatte. In dem Kreisverkehr beschlossen sie, noch mal schnell ihrem Übermut freien Lauf zu lassen, bevor Rolf seine Kumpel endgültig nach Hause bringen wollte.
Es war ein schöner Kreisverkehr, ganz neu, und die Darenweder Bürger waren stolz, endlich auch einen Kreisverkehr zu besitzen, wie man ihn in der großen Stadt auch hatte.
Angestachelt durch benebelte Sinne, wurde zunächst die Frage, wie schnell man wohl in diesem Ring fahren könne, praktisch behandelt. Bei ca. 80km/h schien die Grenze des Machbaren erreicht und eine neue Herausforderung ward gesucht und auch gefunden: Gleiche Aufgabenstellung; - allerdings rückwärts.
Es wurde keine Zeit verloren, der Rückwärtsgang eingelegt und der Test begann. Das ging allerdings nicht lange gut, denn nach kurzer Zeit prallt ein teurer Sportwagen von hinten auf ihr Auto.
Noch bevor Rolf und seine Kumpels richtig beratschlagen können, was sie jetzt erzählen sollen, traf die Polizei ein, die anscheinend in der Nähe gewesen war. Hauptwachtmeister Peter Petersen näherte sich gewichtigen Schrittes den Automobilen.
Nachdem dieser kurz mit dem Fahrer des Sportwagens gesprochen hatte, kam er ans Fenster von Rolfs Wagen und seinen Kumpels. Diese rechneten bereits mit dem Schlimmsten, doch da meinte Peter Petersen: „Also Jungs, da habt ihr ja noch mal Glück gehabt! Es war wohl 'n ganz schön heftiger Aufprall. Wir verhaften den Kerl gerade, der hat 2,5 Promille im Blut und behauptet, ihr seid rückwärts durch den Kreisel gefahren.“
Rolf und seine Kumpel guckten verständnislos.
Hauptwachtmeister Peter Petersen salutierte und meinte: „Schönen Abend noch Jungs, und dass ihr mir keinen Alkohol trinkt!“
„Nein“, scholl es aus vier Kehlen, und weil der Wagen noch fuhr, machte man sich schnellstens von dannen. Die nächste Abfahrt aus dem Kreisel führte zu der Kirmes, und da waren alle guten Vorsätze wieder vergessen.
Rolf Röhricht und seine Kumpels wollten noch mal eben schnell Kettenkarussell fahren, so richtig schön, um dem Abend zu einem gelungenen Abschluss zu verhelfen. Nur mal eben eine Runde und dann hatte Rolf ja noch seine Kumpels nach Hause zu bringen. Schließlich hatte er es dem Fräulein Liebeneiner versprochen, - aber eine Runde Kettenkarussell lag schon noch drin.
Also gingen sie mit einigen Flaschen aus dem Proviant zum Rummelplatz, aber da war, wie gesagt, schon alles dicht. Neben dem Kettenkarussell war ein Wohnwagen. Sie klopften dort so lange an die Tür, bis der Besitzer des Karussells schlaftrunken heraus gewankt kam und sie fragte, was sie wollten.
„Kettenkarussell fahren!“, sagten sie und winkten mit ihren Flaschen. Kurz und gut, der Besitzer ließ sich erweichen, trank einen mächtigen Schluck aus der angebotenen Flasche, zog die Planen hoch, stellte das Kettenkarussell an und sprang im letzten Moment selbst noch mit drauf. Am Anfang hatten sie alle fünf noch viel Spaß mit Schwingen und Abstoßen und so, aber plötzlich merkten sie, dass niemand zum Abstellen da war und sie aus ihren hoch schwingenden Sitzen auch nicht abspringen konnten.
Alles Rufen und Schreien war umsonst. In der ganzen Nacht wurde keine Menschenseele auf sie aufmerksam. Erst früh am nächsten Morgen wurden sie befreit. Der Kettenkarussellbesitzer hatte die Nacht noch am besten überstanden, aber Rolf Röhricht und seinen Kumpels war derart schlecht, dass sie beschlossen ihr Leben zu ändern und wahrhaft gute Menschen zu werden. Rolf wollte sich auch mehr um Fräulein Liebeneiner kümmern, ganz bestimmt und derartige Faxen in Zukunft unterlassen.
Trotzdem brachte Rolf seine Mannen nach Hause und überlegte, wie er es anstellen sollte, ein guter Mensch zu werden.
Auf dem Weg nach Hause, noch immer grübelnd, kam er an einem Unfall vorbei. Die Polizei war schon vor Ort und Hauptwachtmeister Peter Petersen, etwas durchnächtigt, schrieb gerade das Protokoll. Trotzdem stieg Rolf aus um seine Hilfe anbieten, denn er wollte, wie gesagt, ein guter Mensch werden und gleich damit anfangen indem er sich hilfsbereit zeigte. Die Polizisten, die nicht merken, oder nicht merken wollten, denn es fing schon an zu tagen und der Feierabend war längst angebrochen, dass der gute Mann etwas betrunken war, schicken ihn nach Hause.
„Mensch Rolf, lass man. Wir sind hier gleich fertig, und du bist auch gleich zuhause. Grüß mir die Sieglinde und sieh‘ zu, das du zu ihr ins Bett kommst!“
War also nichts mit hilfsbereitem, guten Menschen!
Eine halbe Stunde später klingelte es an der Haustür. Fräulein Siglinde öffnete zwei Polizisten.
Ob der Rolf denn zu Hause sei, wollen sie wissen.
„Ja“, antwortet Fräulein Sieglinde Liebeneiner und zog ihr Nachthemd zurecht, „der liegt längst im Bett und schläft. War ja auch eine anstrengende Nacht.“
In der Tat, das war es!
Ob Fräulein Sieglinde denn so nett wäre und ihnen das Auto von Herrn Rolf Röhricht zeigen würde. Sie tat ihnen den Gefallen und öffnete das Garagentor.
Drinnen stand der Polizeiwagen.
 

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