im licht

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Wolken erzählen der erde den regen
wenn ihnen die stimmbänder reißen, fällt schnee.

die knospen junger bäume zerspringen im licht.
und ausgesetzte worte finden zurück

in die stimme, die sie verriet. wie schön sie sind.
im osten schleichen die berge gen himmel

an ihren köpfen streift er die haut ab, die er über
die täler spannt. krähen sammeln sich.

der abgeknickte ast einer pinie ragt über den weiher
der sich in den augen spiegelt. wie leicht,

hast Du gesagt, sind wir am ende des tages,
wenn die vögel in ihre lieder finden, der wind

im winterglas steht, die.knospen
ein zweites mal springen. Ich lasse sie los
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

sehr schöne Bilder. Ich muss gestehen, diese Art von Poesie gefällt mir weitaus mehr als der Stil einiger deiner letzten. D.h. hier "malst" du mit der Sprache Bilder und stellst den Leser nicht vor ein Rätsel, so interessant solche auch sein mögen, sie bringen in der Regel wenig Stimmung herüber und "schwingen nicht", so wie dieses.

LG
Tula
 
S

shoshin

Gast
Wolken erzählen der erde den regen
wenn ihnen die stimmbänder reißen, fällt schnee.

die knospen junger bäume zerspringen im licht.
und ausgesetzte worte finden zurück

in die stimme,
die sie verriet. wie schön sie sind.
im osten schleichen die berge gen himmel

an ihren köpfen streift er die haut ab, die er über
die täler spannt. krähen sammeln sich.

der abgeknickte ast einer pinie ragt über den weiher
der sich in den augen spiegelt. wie leicht,

hast Du gesagt, sind wir am ende des tages,
wenn die vögel in ihre lieder finden, der wind

im winterglas steht, die.knospen
ein zweites mal springen. Ich lasse sie los
Grundsätzlich sehr schöne Bilder, und diese Art zu schreiben gefällt mir persönlich halt einfach besser, als diese kryptische Wortbrockenkürzestprosalyrik, die in der Forenlyrik so in ist.

Hier merkt, dass du einfach wirklich Poesie im Blut hast. Für mein Gefühl willst du nur zu viel, zu viel originelle und vermutlich unverbrauchte Bilder produzieren, einzelne Bilder müssten auch nocht genauer werden und das Ganze stringenter - es wirkt so ein bisschen wie eine unzusammenhängende Aufzählung auf mich - vielleicht würde ein wenig eine lyrische Auflösung des Satzbaus helfen, sodass da nicht einfach aneindandergereihte Prosasätze stehen oder ein bestimmtes Metrum; wie zB die Himmelshaut, da gehört mE "spannte" hin, denn wenn er seine Haut abstreift, dann kann er sie nicht gleichzeitig über die Täler noch dazu Mehrzahl spannen und die Mehrzahl: Täler gefällt mir auch nicht so gut, den da ist ein Beobachter, der überblickt nur ein Tal, deshalb wirkte die direkte Beobachtung überzeugender, dichter, als die bloße Behauptung. Das abstreiften der Haut gefällt mir ausgesprochen gut, wunderbar!

Ein paar Dinge gingen vielleicht noch besser, man kann dich ja ruhig ein bisschen fordern bei deinen poetischen Möglichkeiten :)?:
V4 ist mE eine Leerfloskeln, wo du mich verlierst. Was willst du damit ausdrücken?: "ausgesetzte Worte finden zurück in die Stimme, die sie verriet" Eine Stimme die Worte verriet und sie ausgesetzt hatte? Wessen Stimme? Welche Worte? Man kann den Sprecher verraten, aber nicht die Worte an sich,oder?

Was mir das Ende, ab V10 sagen soll, ich mir nicht ganz klar, warum springen die Knospen am Abend noch einmal - geht es hier um den Tod/Abschied. Das käme nach der frühlingshaften Aufbruchsstimmung ein wenig überraschend?

Ich habe jetzt leider keine Zeit mehr, aber ich komme später noch einmal hierher zurück.

Gern gelesen

LG
shoshin
 

revilo

Mitglied
Menno, wenn ich bedenke, mit was für Gedichtchen Du hier angefangen hast.....Du hast dich kontinuierlich gesteigert, irgendwann Dein Gesellenstück gebastelt....jetzt hast Du schon längst Deinen Master gemacht....Glückwusch,lieber Patrick.....
ich freue mich riesig....

LG revilo
 

Der Andere

Mitglied
das finde ich auch sehr konsequent gearbeitet.
eine gute bildersprache. guter rhythmus, sehr reif.
einzig dies "Du", das sich eingeschlichen hat, wäre für mich verzichtbar. es drängt die natur zurück und spannt sie ein in zwischenmenschliches. dabei wäre sie ohne dies "Du" immer noch darin, aber oszillierend, rätselhafter.
 
S

shoshin

Gast
Hallo Patrick,

Teil 2:

Wolken erzählen der erde den regen
wenn ihnen die stimmbänder reißen, fällt schnee.
Sehr schöne Verse, schade, dass in der Folge diese Bilder nicht wirklich weiter geführt werden.

die knospen junger bäume zerspringen im licht.
Da wird es also wieder Frühling, soweit so gut.

und ausgesetzte worte finden zurück
in die stimme, die sie verriet. wie schön sie sind.
Offenbar versuchst du an die zerrissenen Stimmbänder anzuknüpfen, aber das geht hier schief: Die Stimmbänder sind gerissen, also die Wolken (V1) haben keine Stimme mehr.

Die "ausgesetzten" Worte könnte man auch im Sinne von "Unterbrechen der Erzählung" verstehen: Die Wolken erzählten vom Regen. Also müssen es irgendwelche Worte gewesen sein, die mit Regen zu tun haben.

Im Verhältnis zum Winter ist der Regen wohl positiv besetzt und der Schnee als Ergebnis eines Stimmbandrisses eben negativ.

Nun wird es also Frühling und die Wolken sollen ihre Stimme wieder zurückbekommen, damit sie wieder "schöne Worte" sprechen können.

Aber du zäumst hier leider das Pferd falsch auf. Die Stimme kommt nicht mehr zurück, wenn die Stimmbänder einmal gerissen sind - vielleicht wäre es besser gewesen, sie "frieren" oder einfach "versagen" zu lassen.

... die Stimme, die sie verriet
das "Verraten" ist mE redundant und auch unrichtig.
1. Man kann nur den Sprecher verraten und nicht die Worte und 2. vom "Aussetzen der Worte (der Wolken)" war nie die Rede, sondern fiel Schnee, weil diEe Stimmbänder rissen, es wurde also die Erzählung "ausgesetzt" (=unterbrochen).

Auch wenn man dieses "verriet" als Preisgabe eines Geheimnisses lesen sollte, konnte das gar nicht erfolgen, weil die Simmbänder rissen. Ein Aussetzen in Form eines im Stichlassens ist aus demselben Grund nicht denkabar.

Aud diesen gründen finde ich diesen Teil nicht gelungen.

Das ganz abgesehen von dieser Flucht in diese nichtsagende Kitschbehauptung: "wie schön sie sind. **Seufz!***

im osten schleichen die berge gen himmel
Da bist du jetzt wieder zurück in der gegenständlichen Bilderwelt. Weil du sonst eine moderne Sprache verwendest, würde ich statt des veralteten "gen Himmel" eher "hinauf zum Himmel" verwenden.

"schleichen" ist in diesem Kontext auch nicht wirklich stringent: Dieses Bild beschwört eine Morgenstimmung herauf ("im osten") und da "schleichen die Berge nicht zum Himmel" sondern sie "schleichen" vielmehr vom Himmel in die Täler, denn zuerst sieht man die Gipfel vor dem heller werdenden Himmel abgezeichnet.

an ihren köpfen streift er die haut ab, die er über
die täler spannt. krähen sammeln sich.
Das habe ich schon oben zur Diskussion gestellt - also mE gehörte hier "spannte", also Präteritum. Sonst ein wunderbares Bild, wie ich schon sagte.

der abgeknickte ast einer pinie ragt über den weiher
der sich in den augen spiegelt. wie leicht,
Sehr schön: Immer wenn du poetisch beschreibst ist es schön und wirkt authentisch und berührt mich. Ich würde "in deinen augen" schreiben um 1. einen Übergang von der Naturbeschreibung zum LD zu schaffen und 2. weil es einfach persönlicher ist, näher also.
(Exkurs: Komischer Weise fällt mir das immer wieder auf, wie sehr sich Männer scheuen näher (verbindlicher) an das Objekt heran zu rücken und das ist besonders schade bei Liebesgedichten.)

Was ich auch noch sehr schön finde, ist das "wie leicht" am Ende des zweiten Verses.

hast Du gesagt, sind wir am ende des tages,
wenn die vögel in ihre lieder finden, der wind
im winterglas steht, die.knospen
ein zweites mal springen. Ich lasse sie los
Hier passen die verwendeten Zeitformen mE nicht zusammen; schon beginnend mit den beiden Versen davor: da sind wir doch in der Gegenwart: im Frühling (springende Knospen)und am Morgen (Osten) und am Teich mit dem LD.

Also ich plädiere für Gegenwart "sagst du" und dann direkte Rede mit Zukunft:

"wie leicht", sagst du, "werden wir am ende des tages sein,..."

So wäre es für mich auch logischer: lässt sich das Abendbild ("am ende des tages, wenn die vögel ihre lieder finden" mit dem Endzeit/Winterbild ("der wind im winterglas steht") und dem neuerliche Frühlingsbild ("die knospen ein zweites mal springen") irgendwie vereinbaren, wenn mir persönlich das zu schnell geht.

... die.knospen
ein zweites mal springen. Ich lasse sie los
"ein zweites Mal" warum ein "zweites Mal" und nicht "wieder" iS v wieder Frühlich, und ein LI, dass die Knospen los lässt, hat etwas unfreiwillig Komisches - weil es ich es mir vorher hektisch am baum herumspringend und die Knospen festhaltend vorstelle :) .

Also über diesen Abschnitt könntest du unter Umständen auch nochmal einmal nachdenken. Was willst du mit diesem Abschnitt sagen?

Das alles ist natürlich Jammern auf hohen Niveau und bitte missverstehe mich nicht: Ich möchte dich nicht ärgern, sondern herausfordern, noch besser zu werden. Und ich lasse mir auch gerne erklären, dass meine "Kritik" grundlos ist.


LG
shoshin
 

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