In einer fremden Stadt

Omar Chajjam

Mitglied
In einer fremden Stadt

Durch einen Nachmittag getrennt,
Fahr ich in eine fremde Stadt.
Am Weg verwandelt sich mein Leben
Zur Sehnsucht nach der Fremden
Und sucht dort seine Leidenschaft.

Ich brenne dem Abend entgegen
Wo sich Türen öffnen zu Herzen
Wenn die Hektik den Tag verläßt.
Komm zu mir in der fremden Stadt.
Nach Dir hab ich im Park gesucht.

Die Kneipen öffnen sich den Fremden,
In den Opernhäusern duftet Parfum
Nach den Frauen der fremden Stadt.
Blonde Haare vor mir in dem Sessel
Laden mich zum Spiel der Fragen ein.

Abends in der fremden, fernen Stadt
Öffnen sich mir grüne Augensterne,
Fragen nach dem Bleiben.
Führe mich zu deiner Wärme
Daß ich mich in dir zu hause fühlen.

Ich hab deinen Atem auf meiner Zunge
Gefühlt, als ich deinen Mund küßte.
Auf deinen Wegen hielt ich deine Hand.
Dann als ich Dich doch verlassen mußte,
Fremde Stadt, bliebst du mir im Herzen nah.
 
Y

Yamiko

Gast
was ich dich schon seit einer weile fragen wollte, es gibt einen dichter der genau so heisst wie du dich nennst, steckt da eine besondere absicht dahinter?
 

Omar Chajjam

Mitglied
Ja, den Dichter gibt es und seine Rubajjat sind meine Lebensregeln. Ich habe auch viele übersetzt und stelle sie ins Forum.

Omar Chajjam wurde 1048 in Nischapur geboren und starb dort 1131. Omar war ein hervorragender Mathematiker, Astronom, Physiker und Philosoph. In seiner Schrift über die Algebra ist Omar zu Ergebnissen gelangt, welche die abendländische Wissenschaft erst im sechzehnten Jahrhundert erreicht hat.

Seinen eigentlichen Ruhm erlangte er jedoch als Verfasser der Rubaijat, einer Sammlung von Sinnsprüchen, die er meisterhaft beherrschte. Er war ein ungewöhnlich origineller Dichter, der seine skeptisch-mystische Lebensphilosophie, mit einfachen Epigrammen zu vermitteln wusste.

Das Ruba'i, pl. Rubaijat besteht nur aus vier Zeilen. Jedes Rubai ist ein eigenes, selbständiges Gedicht. Sein Charakteristikum ist das Reimspiel: Die erste, zweite und vierte Zeile enden im selben Reimklang, während die dritte reimlos bleibt.

Omar wurde in Europa und Amerika zum berühmtesten aller östlichen Dichter. Das Buch 'Rubáiyát of Omar Khayyám' sei, so die Literatur über FitzGerald, das nach der Bibel im angelsächsischen Sprachraum meist verbreitete Buch.

"Die meisten von denen, welche heutzutage für Gelehrte gelten, verbergen die Wahrheit durch die Lüge und kommen nicht über die Schranken eines bloßen Scheingelehrtentums hinaus, indem sie das, was sie an Kenntnissen besitzen, lediglich materiellen und niedrigen Zwecken dienlich machen. Und wenn sie einem Mann begegnen, der sich wirklich durch sein Streben nach der Wahrheit und durch seine Liebe zur Wahrhaftigkeit auszeichnet, der Eitelkeit und Lüge von sich weist und den falschen Schein und die Augenverblendung meidet, dann machen sie ihn zum Gegenstande ihrer Verachtung."

Der Wein als Metapher hat in der sufischen Symbolik die Bedeutung einer ekstatischen Erhebung zu Gott. Omar hatte wohl mit Sufismus nicht im geringsten zu tun. Er dichtete vielmehr u.a. gegen diesen. Eine Gemeinsamkeit zwischen Sufis und Omars Mystik zu suchen, wäre m.E. zwecklos. Die Freiheit des Denkens und des Forschens war für Omar von großer Bedeutung. Sein Weintrunk galt deshalb in erster Linie als Sinnbild für freies Denken.

Hier einige Rubajjat (nicht von mir übersetzt):

Da Gottes Willen nicht mein Willen,
Wie kann, was ich will, sich zu Recht erfüllen?
Wenn alles recht ist, was er wollte,
Muß ja doch Unrecht sein mein eigner Willen.

O komm, Geliebte, komm, es sinkt die Nacht,
Verscheuche mir durch deiner Schönheit Pracht
Des Zweifels Dunkel! Nimm den Krug und trink,
Eh man aus unserm Staube Krüge macht.

Um Dogmen und Satzungen streiten die einen,
die anderen um Glauben oder Verneinen.
Wer sind nun die, denen die Wahrheit sich zeigt?
Die Antwort ertönt: sie zeigt sich keinem.

Gestern zerschlug ich meinen Krug mit Wein
In meiner Trunkenheit an einem Stein.
Da sprach des Kruges Scherbe: "Wie du bist,
War ich, und wie ich bin, wirst du einst sein."

O starrer Rechtsgelehrter, unsere Arbeit ist besser als deine,
trotz unserer Trunkenheit sind wir nüchterner als du:
Du trinkst Menschenblut, wir das des Weins,
gib's zu - wer von uns ist blutdürstiger?

Da nun einmal das Glück den meidet, der Verstand hat,
Und da man Toren nur im Glücke stets gekannt hat,
So trink, was den Verstand benimmt, ob dann
Das Glück nicht Sympathie mit deinem Unverstand hat.

Die ihre Lust nur stets gesucht im Wein
Und die gegrübelt nur nach Schein und Sein,
Sie alle fanden der Wahrheit Faden nicht,
Redeten wirr und schliefen schließlich ein.

Was hab ich denn von all des Lebens Plagen? - Nichts!
Von aller meiner Müh davongetragen? - Nichts!
Was nützt mir, das ein Licht ich war, wenn ich verbrannt?
Was nützt das Glas Dschemschids, wenn doch zerschlagen? - Nichts!

Heute nacht werde ich ein Weinfaß aufstellen,
mich mit zwei Weinbechern versorgen:
Zuerst werde ich mich von Verstand und Glaubensbekenntnis scheiden,
dann vermähle ich mich mit der Tochter der Rebe.

Heiter zu sein und Wein zu trinken, ist meine Regel,
frei zu sein von Glauben und Unglauben meine Religion:
Ich fragte die Braut des Schicksals, was ihre Mitgift sei,
'Dein frohes Herz', antwortete sie.
 

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