Friedrichshainerin
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Das Folgende habe ich mal geschrieben, als ein gewisser Herr WWW mich davon in Kenntnis setze, dass man auf einer seiner vielen Seiten händeringend auf Storys wartet, die sich um das Thema „Neue Wege“ drehen. „Da mache ich doch glatt mit“, dachte ich. Leider erhielt ich auf meine Einsendung nie eine Antwort.
Liest das einer?
Diese Frage stelle ich mir öfter. Aber dann schaue ich auf die Aufrufe, die meine Texte in einem Literaturforum im Internet haben, und denke bei mir: „Ein paar Leute müssen es doch sein“. Bei der Schreiberei kommuniziert man so ins Unbekannte hinein. Wer liest das und wo? Im Knast ein Serienkiller? Aber da dürfen sie ja kein Internet. Das lesen auch Menschen, die sich nie mit mir unterhalten würden, weil sie in mich etwas hineinprojizieren, was ihnen nicht passt. Schon merkwürdig.
Es soll ja in den Beiträgen hier um neue Wege gehen, die von den Verfassern eingeschlagen wurden. „Thema schwammig formuliert“, dachte ich. Und dann noch: „Eigentlich habe ich nie neue Wege beschritten. Habe immer das Gleiche gemacht.“
Mit einer Ausnahme
Denn seitdem ich bei einem Projekt vom Kulturring, wo es um´s Texteverfassen ging – Kreuzberg.Mauer.Friedrichshain – mitgemacht habe, schreibe ich auch privat. Ich entdeckte Webseiten, auf denen man seine Texte Veröffentlichen konnte. Wortkrieger und Leselupe. Ich traute mich einfach. Natürlich, man kommt nicht umhin, sich für die Größte zu halten, um den Mut dazu zu finden. Man kriegt ein richtig feierliches Gefühl, wenn man seine Texte ins Internet stellt. Es war schon komisch, seine Sachen im WorldWeiten zu lesen. Zugänglich für jedermann.
Ein bisschen kannte ich das ja auch schon vom Kulturring. Aber da ging es nicht so um persönliche Sachen. Mehr um journalistische Arbeiten, die sich um unser Städtchen drehen. Sozialamt Bersarinplatz, Bahnhof Ostkreuz – Alle aussteigen, Papillon auf Alt-Stralau, mein Text über das ehemalige D-Heim, sind Beispiele, die ich hier mal erwähnen möchte.
In den Geschichten, die ich erst bei Wortkrieger und später auch bei Leselupe veröffentlichte, musste ich mich, um in ein dürres Gerüst aus Worten irgendwie Seele reinzuhauchen, um die Sätze zum Leben zu erwecken, sozusagen nackt machen. Ging nicht anders. Denn wie jeder weiß, kann man nicht ins Wasser gehen, ohne nass zu werden.
Womit ich sagen will: „Man kommt nicht darum, sehr viel über sich preis zu geben“. Und bei mir ist nicht immer alles linear verlaufen. Im Gegenteil. Viele Brüche in meiner Biographie. Zum Glück, dass ich nicht unter meinem Namen laufe, sondern unter Pseudonym. Man muss ehemaligen Klassenkameraden ja nicht die Genugtuung gönnen, die sie befällt, wenn sie lesen, wie bescheiden es mir oft ergangen ist. Auch große Autoren wie Bukowski, Henry Miller, Jack Kerouc mussten mit so was leben.
Ihr fragt euch bestimmt, wie ich auf FriedaKreuz gekommen bin. Soll einfach nur für meinen Stadtbezirk stehen. Ich habe mich dabei von AlexWedding, der Verfasserin von „Ede und Unku“ inspirieren lassen. Auch sie bei der Wahl ihres Künstlernamens heimatverbunden.
Übrigens, die Bronté-Schwestern sind auch zuerst unter Pseudonym erschienen. Unter einem männlichen sogar. Schriftstellerei war ja für Frauen immer günstig, um sich über Wasser zu halten, wenn sie keinen Mann abgekriegt haben. Zettel und Stifte waren überall vorhanden. Jane Austen ging es wohl auch so. Von irgendwas mussten sie ja leben.
Meist fehlte ihnen eine Mitgift, könnte aber auch damit zu tun gehabt haben, dass die Damen zu viel Phantasie hatten, um als geeignete Ehefrau durchzugehen. Gar nicht mal so wenige, die schrieben, waren auch Lesben. Haben sie natürlich damals nicht so an die große Glocke gehängt.
Ich stellte mir auch die Frage: „Wartet die Welt auf meine Storys?“ Bei Proust – Recherche – habe ich mal sinngemäß gelesen: „Der Schriftsteller muss die Illusion haben, dass sein bescheidenes Dasein irgend jemand interessiert“.
Scheinbar traf das zu, denn es kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass biographische Texte, die sich mit meiner Kindheit und Jugend in der DDR beschäftigen, die meisten Leser hatten. Hinter Michael und Michaela, einer Erzählung über meine Schulzeit, es ging um das Thema Mobbing, las ich staunend schon nach wenigen Tagen bei Leselupe 2k, was über zweitausend bedeutet. Ich kam mir vor wie Hemingway.
Bei den Wortkriegern wurde ich heftig kritisiert, weil ich angeblich zu autobiographisch schreibe. Ich antwortete: „Ein Großteil der Weltliteratur ist autobiographisch. Die besten Sachen, die Schriftsteller geschrieben haben, haben sie meist selbst erlebt“.
Auch mit der Zahl der Kritiken unter meinen Sachen sah es mau aus. Zwei, drei meist nur. Ich schnallte, dass solche Foren oft ein enger Freundeskreis sind, wo die Leute sich gegenseitig in den Himmel loben. Neulinge werden oft heftig angegriffen oder ignoriert, wie ich. Schon mehrmals sollte mein Account gelöscht werden. Aber ich trug es mit Fassung. Immerhin eine Möglichkeit, seine Texte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Und dann die Art der Kritiken. In meinen Augen oft ziemlich pseudointellektuelles Geschwafel. Ne ehrliche Meinung wär mir lieber gewesen. Hat mir gefallen oder: Ab damit in die Tonne.
Zu den Texten der anderen Forenmitglieder.
Kamen mir oft so vor wie eine Gleichung mit vielen Unbekannten, so verworren waren sie. Mir ist aber klar, dass meine eigenen Sachen auf Andere wahrscheinlich ganz genau so wirken. Während man schreibt, steht man nicht gleichzeitig darüber. Da fehlt der Abstand. Bei Texten von Fremden ist das ganz was anderes.
Eine andere Sache ist auch, dass ich durch die Schreiberei mein Talent als Humoristin entdeckte. Jemand verlinkte mir ein Video von Helge Schneider, und seitdem fließt mir andauernd Nonsens aus der Feder. Na ja, so gut wie Heinz Strunk, einem norddeutschen – bloß aus Schleswig/Holstein, ich bin aus MeckPom - Landsmann von mir, bin ich noch lange nicht.
Aber eigentlich wollte ich eine ernsthafte Schriftstellerin werden und die großen Themen der Menschheit aufgreifen.
Alle guten Autoren, und wirklich alle, haben mal mit Schreiben angefangen, indem sie Gedichte verfassten. Da muss ich passen. Nie ein einziges geschrieben. Poetische Ader bei mir völlig Fehlanzeige. Hoffnung macht mir, dass ich von Kafka auch noch keines gefunden habe. Gibt´s aber bestimmt.
Es kristallisierte sich auch heraus, dass meine Schreiberei stark von Filmen inspiriert ist, die ich mal gesehen hatte. Kann eventuell daran liegen, dass meine Lieblingsbücher „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath und „Der Fänger im Roggen“ von J.D.Salinger sind. Beide Autoren große Kinofans. In beiden Büchern sind Handlungsstränge aus Filmen locker eingeflochten, werden ganze Plots nacherzählt.
Und genau so ergeht es mir nun auch. Immer, wenn ich vor einem Text sitze, schleicht sich klammheimlich das Bedürfnis ein, den Lesern mal wieder einen Film ans Herz zu legen. Langsam nervt mich das schon. Bei „Husarenherz 2“, ein Text bei Leselupe in der Rubrik Satire, geht es ja kreuz und quer durch die Filmgeschichte. Vielleicht bin ich ein verhinderter Fellini.
Und ich setze noch einen drauf, was das Einschlagen neuer Wege angeht. Bald gehe ich unter die Buchautoren. Nicht so richtig. Nur amazon - book on demand. Kann man sich runterladen auf seinen PC. Für neunundneunzig Cent. Ich habe schon einen Einband entworfen und Tutorials gekuckt, die einem zeigen, wie das funktioniert. Soll angeblich total einfach sein.
Auf die Idee, ein Buch zu veröffentlichen, brachte mich jemand beim Forum Wortkrieger, zwischen dem und mir sich so eine Art Schriftstellerfreundschaft entwickelt hat. „Ich habe mir jetzt die Sachen alle durchgelesen und bin der Meinung, dass du deine Berlin-Geschichten als Band herausbringen musst“, schrieb er mir.
Gerade auf seine Meinung legte ich Wert, denn ich hielt ihn für einen begabten Autoren und freute mich jedes Mal, wenn er wieder etwas veröffentlicht hatte. „Wenn so ein guter Schriftsteller sich meines Zeugs annimmt, dann muss da was drane sein“, dachte ich.
Ich fühle mich auch immer geschmeichelt, wenn ich in seinen Texten und auch bei Anderen aus dem Forum Einsprengsel von Texten von mir finde. Das zeigt mir, dass er und die Anderen sie aufmerksam gelesen haben.
Leider ist er aus dem Forum geflogen. Harte Sitten.
Die meisten meiner Geschichten drehen sich übrigens um ein gewisses B. Nun will ich eine Sammlung davon unter dem Titel: „Ich bin der Mann von nebenan oder Tee bei Rebecca – Berliner Gegenwartserzählungen“ herausgeben. Bei dem obengenannten Internetriesen, den viele schmähen, ich aber liebe.
Ich habe aber meine Zweifel an der Güte der Storys. Habe ich mich übernommen? Wie soll man diese Stadt in Griff kriegen, eine Stadt in der es ständig rumst und kracht. Mit dem Federkiel auf dem Papier kratzen, damit ist es nicht getan. Ich meine natürlich das Laptop. „Die Stadt ist zu hart für mich“, kam mir in den Sinn, als ich vorhin die Straße entlangging. Krach. Bums. Bang. Unfall. Sirenen nähern sich.
„Schon wieder einer vor´s Auto“, dachte ich. An dem Versuch, diese Stadt mit Worten zu fassen zu kriegen, sind schon ganz andere gescheitert.
Ich ignoriere aber die Befürchtungen und springe mit meinen Erzählungen einfach auf den Zug auf, denn Berlin ist im Kommen in der literarischen Welt momentan. „Adlergestell“ von Laura Laabs ist auch gerade erschienen. Die Gegend ist mir vertraut, weil meine Freundin mal am Sterndamm wohnte.
Und Letzens: Lesung bei Radio 1. Ich wurde hellhörig, als die Begriffe Frankfurter Allee und Ringcenter fielen. Ist nur einen Steinwurf von mir entfernt. Die Autorin Sarah Gmuer las aus ihrem Buch „Achzehnter Stock“. Na ja, ich gebe es ja zu. Den Stein müsste ich schon ganz schön weit schleudern, um das Haus ihrer Ich-Erzählerin zu treffen.
Ich wohne dagegen in dem Haus, dass der Verfasser von „Ostkreuz“, Christian Mackrodt, in den Neunzigern, einige Jahre nach Mauerfall, kurz bewohnte. Von der Zeit handelt sein Buch, das er fast zwei Jahrzehnte später schrieb.
Ostkreuz. Eine Gegend, die scheinbar nur aus alleinerziehenden Müttern, Studenten und Touristen besteht, die auch wieder Studenten sind. Dieser Anblick von erfreulicher Jugend wird wieder abgeschwächt durch die Flaschensammler.
Vielleicht hat Else Lasker Schüler in unserm Haus mal gelebt, gefroren und dünne Suppe gelöffelt oder Richard Huelsenbeck, ein DADAist? Hundert Jahre vor uns. Und sie haben etwas von ihrer künstlerischen Aura in den Wänden unsres Hauses hinterlassen, und die ist dann auf mich und Christian übergegangen.
Was gibt mir eigentlich das Recht, Leute mit meinem Kram zu langweilen? Bin ich schlauer als Andere? Das ganz und gar nicht. Aber irgendwie habe ich nicht so viele Vorurteile, rede mit jedem. Keine großen Neidgefühle. Auch keinerlei Ambitionen, Andere niederzumachen. Eher ein Hang zur Mitleidigkeit. Gerade das hat mich schon in gefährliche Situationen gebracht.
Viele Freunde von mir sind so furchtbar negativ gegen ihre Mitmenschen eingestellt. Sehen nur das Schlechte in ihnen. Motto von mir: Leben und Lebenlassen. Aber reicht das schon, um zu schreiben? Bin ich ein freier Geist?
Zukunftspläne
Ich mochte immer Frauen, die sich wehren. Die ihr Schicksal nicht so einfach hinnehmen. Die dem Manne nicht Untertan sind. So eine Frau wollte ich auch immer werden. Ich weiß nicht, ob ich das hingekriegt habe. Deshalb möchte ich, angeregt durch das Buch „Tanz auf dem Vulkan – Widerständige Punkfrauen in der DDR“ etwas über meine Erlebnisse in der Blueseszene schreiben.
Besonders über die merkwürdige Rolle der Frau dabei. War kein Thema bei uns früher. Wenn das jemand liest, der mich kennt, bin ich bei allen unten durch. Besonders bei den Frauen. Einfach so zu behaupten: „Das war meine beste Zeit“, wie viele von meinen Kumpels das machen, fällt mir nun doch schwer. Da gab es neben vielem Guten einfach zu viel Negatives.
Dann habe ich im bei einem bekannten Streamingdienst den Film „Meine liebe Rabenmutter“ entdeckt, wo es um Kindesmisshandlung durch die Mutter geht. Lief schon mal im Fernsehen, als ich vierzehn war. Erinnerte mich beim Wiedersehen sehr an meine Kindheit. Ich will endlich über meine diesbezüglichen Erlebnisse schreiben. Auch das ein Thema, wie das obengenannte, das man gerne verdrängt, und wo man sich in rührselige Erinnerungen flüchtet, die mit der Realität nichts zu tun haben. Übergriffige Mütter sind eigentlich ein Tabuthema. Immer noch.
Woran arbeite ich momentan? Ich kam auf die Idee dazu, als ich mit jemand über Likörnoisetten redete. Eine seit der Wende verschwundene Köstlichkeit. Geschichte geht so. Ich habe eines Nachts Aufenthalt in einer Industriestadt in Sachsen. Delitzsch. Ich laufe durch die Stadt. An einer Brücke entdecke ich einen Mann, der gerade dabei ist, übers Geländer zu klettern. Ich packe ihn am Schlafittchen. Zum Glück hat der Mantelstoff noch DDR-Qualität und ist nicht aus China.
Als er wieder festen Boden unter den Füßen hat, erzählt der Herr mir, dass er vor der Abwicklung des Werkes für Süßwaren dort Leiter war und jetzt völlig durchhängt. Seine Frau hat ihn rausgeschmissen, und er wohnt in der alten Fabrik, jetzt ein Lost Places.
Wir beide beschließen spontan, auf der alten Fertigungsstrecke, oder was davon noch übrig ist, ebendiese Noisetten in Handarbeit herzustellen. Es fehlt uns aber das Originalrezept. Er kennt aber einen Buchhalter, der die alten Unterlagen bei sich aufbewahrt hat. Den Armen hat es schwer erwischt. Er ist Messie geworden.
Wer Interesse an meinen Texten hat: bei den Wortkriegern laufe ich unter Frieda Kreuz, und bei Leselupe bin ich unter Friedrichshainerin zu finden.
Fazit. Nicht so großartig. Erfolge überschaubar. Ich habe aber schon dreimal mit der Schreiberei etwas Gutes bewirkt. Einmal habe ich für meinem Nachbarn, der Diabetiker ist, eine Weihnachtsgeschichte geschrieben. Das Mädchen, das auf dem Dach tanzte. Ich wusste einfach nicht, was ich ihm schenken sollte. Er war vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen und ist damit mein erster Fan. Dann schrieb mir ein Frau auf Wattpad: „Deine „Femina Berlin“ ist das beste was ich seit langem über Feminismus gelesen habe. Mach weiter so.“ Bei Interesse. Gibt's auch bei Wortkrieger.
Last not least: „Nichts mehr zu lachen“. Ein Text, den ich bei Leselupe unter Humor reingestellt hatte. Kommentar einer Leserin: „Du hast mir den Tag gerettet“.
Liest das einer?
Diese Frage stelle ich mir öfter. Aber dann schaue ich auf die Aufrufe, die meine Texte in einem Literaturforum im Internet haben, und denke bei mir: „Ein paar Leute müssen es doch sein“. Bei der Schreiberei kommuniziert man so ins Unbekannte hinein. Wer liest das und wo? Im Knast ein Serienkiller? Aber da dürfen sie ja kein Internet. Das lesen auch Menschen, die sich nie mit mir unterhalten würden, weil sie in mich etwas hineinprojizieren, was ihnen nicht passt. Schon merkwürdig.
Es soll ja in den Beiträgen hier um neue Wege gehen, die von den Verfassern eingeschlagen wurden. „Thema schwammig formuliert“, dachte ich. Und dann noch: „Eigentlich habe ich nie neue Wege beschritten. Habe immer das Gleiche gemacht.“
Mit einer Ausnahme
Denn seitdem ich bei einem Projekt vom Kulturring, wo es um´s Texteverfassen ging – Kreuzberg.Mauer.Friedrichshain – mitgemacht habe, schreibe ich auch privat. Ich entdeckte Webseiten, auf denen man seine Texte Veröffentlichen konnte. Wortkrieger und Leselupe. Ich traute mich einfach. Natürlich, man kommt nicht umhin, sich für die Größte zu halten, um den Mut dazu zu finden. Man kriegt ein richtig feierliches Gefühl, wenn man seine Texte ins Internet stellt. Es war schon komisch, seine Sachen im WorldWeiten zu lesen. Zugänglich für jedermann.
Ein bisschen kannte ich das ja auch schon vom Kulturring. Aber da ging es nicht so um persönliche Sachen. Mehr um journalistische Arbeiten, die sich um unser Städtchen drehen. Sozialamt Bersarinplatz, Bahnhof Ostkreuz – Alle aussteigen, Papillon auf Alt-Stralau, mein Text über das ehemalige D-Heim, sind Beispiele, die ich hier mal erwähnen möchte.
In den Geschichten, die ich erst bei Wortkrieger und später auch bei Leselupe veröffentlichte, musste ich mich, um in ein dürres Gerüst aus Worten irgendwie Seele reinzuhauchen, um die Sätze zum Leben zu erwecken, sozusagen nackt machen. Ging nicht anders. Denn wie jeder weiß, kann man nicht ins Wasser gehen, ohne nass zu werden.
Womit ich sagen will: „Man kommt nicht darum, sehr viel über sich preis zu geben“. Und bei mir ist nicht immer alles linear verlaufen. Im Gegenteil. Viele Brüche in meiner Biographie. Zum Glück, dass ich nicht unter meinem Namen laufe, sondern unter Pseudonym. Man muss ehemaligen Klassenkameraden ja nicht die Genugtuung gönnen, die sie befällt, wenn sie lesen, wie bescheiden es mir oft ergangen ist. Auch große Autoren wie Bukowski, Henry Miller, Jack Kerouc mussten mit so was leben.
Ihr fragt euch bestimmt, wie ich auf FriedaKreuz gekommen bin. Soll einfach nur für meinen Stadtbezirk stehen. Ich habe mich dabei von AlexWedding, der Verfasserin von „Ede und Unku“ inspirieren lassen. Auch sie bei der Wahl ihres Künstlernamens heimatverbunden.
Übrigens, die Bronté-Schwestern sind auch zuerst unter Pseudonym erschienen. Unter einem männlichen sogar. Schriftstellerei war ja für Frauen immer günstig, um sich über Wasser zu halten, wenn sie keinen Mann abgekriegt haben. Zettel und Stifte waren überall vorhanden. Jane Austen ging es wohl auch so. Von irgendwas mussten sie ja leben.
Meist fehlte ihnen eine Mitgift, könnte aber auch damit zu tun gehabt haben, dass die Damen zu viel Phantasie hatten, um als geeignete Ehefrau durchzugehen. Gar nicht mal so wenige, die schrieben, waren auch Lesben. Haben sie natürlich damals nicht so an die große Glocke gehängt.
Ich stellte mir auch die Frage: „Wartet die Welt auf meine Storys?“ Bei Proust – Recherche – habe ich mal sinngemäß gelesen: „Der Schriftsteller muss die Illusion haben, dass sein bescheidenes Dasein irgend jemand interessiert“.
Scheinbar traf das zu, denn es kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass biographische Texte, die sich mit meiner Kindheit und Jugend in der DDR beschäftigen, die meisten Leser hatten. Hinter Michael und Michaela, einer Erzählung über meine Schulzeit, es ging um das Thema Mobbing, las ich staunend schon nach wenigen Tagen bei Leselupe 2k, was über zweitausend bedeutet. Ich kam mir vor wie Hemingway.
Bei den Wortkriegern wurde ich heftig kritisiert, weil ich angeblich zu autobiographisch schreibe. Ich antwortete: „Ein Großteil der Weltliteratur ist autobiographisch. Die besten Sachen, die Schriftsteller geschrieben haben, haben sie meist selbst erlebt“.
Auch mit der Zahl der Kritiken unter meinen Sachen sah es mau aus. Zwei, drei meist nur. Ich schnallte, dass solche Foren oft ein enger Freundeskreis sind, wo die Leute sich gegenseitig in den Himmel loben. Neulinge werden oft heftig angegriffen oder ignoriert, wie ich. Schon mehrmals sollte mein Account gelöscht werden. Aber ich trug es mit Fassung. Immerhin eine Möglichkeit, seine Texte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Und dann die Art der Kritiken. In meinen Augen oft ziemlich pseudointellektuelles Geschwafel. Ne ehrliche Meinung wär mir lieber gewesen. Hat mir gefallen oder: Ab damit in die Tonne.
Zu den Texten der anderen Forenmitglieder.
Kamen mir oft so vor wie eine Gleichung mit vielen Unbekannten, so verworren waren sie. Mir ist aber klar, dass meine eigenen Sachen auf Andere wahrscheinlich ganz genau so wirken. Während man schreibt, steht man nicht gleichzeitig darüber. Da fehlt der Abstand. Bei Texten von Fremden ist das ganz was anderes.
Eine andere Sache ist auch, dass ich durch die Schreiberei mein Talent als Humoristin entdeckte. Jemand verlinkte mir ein Video von Helge Schneider, und seitdem fließt mir andauernd Nonsens aus der Feder. Na ja, so gut wie Heinz Strunk, einem norddeutschen – bloß aus Schleswig/Holstein, ich bin aus MeckPom - Landsmann von mir, bin ich noch lange nicht.
Aber eigentlich wollte ich eine ernsthafte Schriftstellerin werden und die großen Themen der Menschheit aufgreifen.
Alle guten Autoren, und wirklich alle, haben mal mit Schreiben angefangen, indem sie Gedichte verfassten. Da muss ich passen. Nie ein einziges geschrieben. Poetische Ader bei mir völlig Fehlanzeige. Hoffnung macht mir, dass ich von Kafka auch noch keines gefunden habe. Gibt´s aber bestimmt.
Es kristallisierte sich auch heraus, dass meine Schreiberei stark von Filmen inspiriert ist, die ich mal gesehen hatte. Kann eventuell daran liegen, dass meine Lieblingsbücher „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath und „Der Fänger im Roggen“ von J.D.Salinger sind. Beide Autoren große Kinofans. In beiden Büchern sind Handlungsstränge aus Filmen locker eingeflochten, werden ganze Plots nacherzählt.
Und genau so ergeht es mir nun auch. Immer, wenn ich vor einem Text sitze, schleicht sich klammheimlich das Bedürfnis ein, den Lesern mal wieder einen Film ans Herz zu legen. Langsam nervt mich das schon. Bei „Husarenherz 2“, ein Text bei Leselupe in der Rubrik Satire, geht es ja kreuz und quer durch die Filmgeschichte. Vielleicht bin ich ein verhinderter Fellini.
Und ich setze noch einen drauf, was das Einschlagen neuer Wege angeht. Bald gehe ich unter die Buchautoren. Nicht so richtig. Nur amazon - book on demand. Kann man sich runterladen auf seinen PC. Für neunundneunzig Cent. Ich habe schon einen Einband entworfen und Tutorials gekuckt, die einem zeigen, wie das funktioniert. Soll angeblich total einfach sein.
Auf die Idee, ein Buch zu veröffentlichen, brachte mich jemand beim Forum Wortkrieger, zwischen dem und mir sich so eine Art Schriftstellerfreundschaft entwickelt hat. „Ich habe mir jetzt die Sachen alle durchgelesen und bin der Meinung, dass du deine Berlin-Geschichten als Band herausbringen musst“, schrieb er mir.
Gerade auf seine Meinung legte ich Wert, denn ich hielt ihn für einen begabten Autoren und freute mich jedes Mal, wenn er wieder etwas veröffentlicht hatte. „Wenn so ein guter Schriftsteller sich meines Zeugs annimmt, dann muss da was drane sein“, dachte ich.
Ich fühle mich auch immer geschmeichelt, wenn ich in seinen Texten und auch bei Anderen aus dem Forum Einsprengsel von Texten von mir finde. Das zeigt mir, dass er und die Anderen sie aufmerksam gelesen haben.
Leider ist er aus dem Forum geflogen. Harte Sitten.
Die meisten meiner Geschichten drehen sich übrigens um ein gewisses B. Nun will ich eine Sammlung davon unter dem Titel: „Ich bin der Mann von nebenan oder Tee bei Rebecca – Berliner Gegenwartserzählungen“ herausgeben. Bei dem obengenannten Internetriesen, den viele schmähen, ich aber liebe.
Ich habe aber meine Zweifel an der Güte der Storys. Habe ich mich übernommen? Wie soll man diese Stadt in Griff kriegen, eine Stadt in der es ständig rumst und kracht. Mit dem Federkiel auf dem Papier kratzen, damit ist es nicht getan. Ich meine natürlich das Laptop. „Die Stadt ist zu hart für mich“, kam mir in den Sinn, als ich vorhin die Straße entlangging. Krach. Bums. Bang. Unfall. Sirenen nähern sich.
„Schon wieder einer vor´s Auto“, dachte ich. An dem Versuch, diese Stadt mit Worten zu fassen zu kriegen, sind schon ganz andere gescheitert.
Ich ignoriere aber die Befürchtungen und springe mit meinen Erzählungen einfach auf den Zug auf, denn Berlin ist im Kommen in der literarischen Welt momentan. „Adlergestell“ von Laura Laabs ist auch gerade erschienen. Die Gegend ist mir vertraut, weil meine Freundin mal am Sterndamm wohnte.
Und Letzens: Lesung bei Radio 1. Ich wurde hellhörig, als die Begriffe Frankfurter Allee und Ringcenter fielen. Ist nur einen Steinwurf von mir entfernt. Die Autorin Sarah Gmuer las aus ihrem Buch „Achzehnter Stock“. Na ja, ich gebe es ja zu. Den Stein müsste ich schon ganz schön weit schleudern, um das Haus ihrer Ich-Erzählerin zu treffen.
Ich wohne dagegen in dem Haus, dass der Verfasser von „Ostkreuz“, Christian Mackrodt, in den Neunzigern, einige Jahre nach Mauerfall, kurz bewohnte. Von der Zeit handelt sein Buch, das er fast zwei Jahrzehnte später schrieb.
Ostkreuz. Eine Gegend, die scheinbar nur aus alleinerziehenden Müttern, Studenten und Touristen besteht, die auch wieder Studenten sind. Dieser Anblick von erfreulicher Jugend wird wieder abgeschwächt durch die Flaschensammler.
Vielleicht hat Else Lasker Schüler in unserm Haus mal gelebt, gefroren und dünne Suppe gelöffelt oder Richard Huelsenbeck, ein DADAist? Hundert Jahre vor uns. Und sie haben etwas von ihrer künstlerischen Aura in den Wänden unsres Hauses hinterlassen, und die ist dann auf mich und Christian übergegangen.
Was gibt mir eigentlich das Recht, Leute mit meinem Kram zu langweilen? Bin ich schlauer als Andere? Das ganz und gar nicht. Aber irgendwie habe ich nicht so viele Vorurteile, rede mit jedem. Keine großen Neidgefühle. Auch keinerlei Ambitionen, Andere niederzumachen. Eher ein Hang zur Mitleidigkeit. Gerade das hat mich schon in gefährliche Situationen gebracht.
Viele Freunde von mir sind so furchtbar negativ gegen ihre Mitmenschen eingestellt. Sehen nur das Schlechte in ihnen. Motto von mir: Leben und Lebenlassen. Aber reicht das schon, um zu schreiben? Bin ich ein freier Geist?
Zukunftspläne
Ich mochte immer Frauen, die sich wehren. Die ihr Schicksal nicht so einfach hinnehmen. Die dem Manne nicht Untertan sind. So eine Frau wollte ich auch immer werden. Ich weiß nicht, ob ich das hingekriegt habe. Deshalb möchte ich, angeregt durch das Buch „Tanz auf dem Vulkan – Widerständige Punkfrauen in der DDR“ etwas über meine Erlebnisse in der Blueseszene schreiben.
Besonders über die merkwürdige Rolle der Frau dabei. War kein Thema bei uns früher. Wenn das jemand liest, der mich kennt, bin ich bei allen unten durch. Besonders bei den Frauen. Einfach so zu behaupten: „Das war meine beste Zeit“, wie viele von meinen Kumpels das machen, fällt mir nun doch schwer. Da gab es neben vielem Guten einfach zu viel Negatives.
Dann habe ich im bei einem bekannten Streamingdienst den Film „Meine liebe Rabenmutter“ entdeckt, wo es um Kindesmisshandlung durch die Mutter geht. Lief schon mal im Fernsehen, als ich vierzehn war. Erinnerte mich beim Wiedersehen sehr an meine Kindheit. Ich will endlich über meine diesbezüglichen Erlebnisse schreiben. Auch das ein Thema, wie das obengenannte, das man gerne verdrängt, und wo man sich in rührselige Erinnerungen flüchtet, die mit der Realität nichts zu tun haben. Übergriffige Mütter sind eigentlich ein Tabuthema. Immer noch.
Woran arbeite ich momentan? Ich kam auf die Idee dazu, als ich mit jemand über Likörnoisetten redete. Eine seit der Wende verschwundene Köstlichkeit. Geschichte geht so. Ich habe eines Nachts Aufenthalt in einer Industriestadt in Sachsen. Delitzsch. Ich laufe durch die Stadt. An einer Brücke entdecke ich einen Mann, der gerade dabei ist, übers Geländer zu klettern. Ich packe ihn am Schlafittchen. Zum Glück hat der Mantelstoff noch DDR-Qualität und ist nicht aus China.
Als er wieder festen Boden unter den Füßen hat, erzählt der Herr mir, dass er vor der Abwicklung des Werkes für Süßwaren dort Leiter war und jetzt völlig durchhängt. Seine Frau hat ihn rausgeschmissen, und er wohnt in der alten Fabrik, jetzt ein Lost Places.
Wir beide beschließen spontan, auf der alten Fertigungsstrecke, oder was davon noch übrig ist, ebendiese Noisetten in Handarbeit herzustellen. Es fehlt uns aber das Originalrezept. Er kennt aber einen Buchhalter, der die alten Unterlagen bei sich aufbewahrt hat. Den Armen hat es schwer erwischt. Er ist Messie geworden.
Wer Interesse an meinen Texten hat: bei den Wortkriegern laufe ich unter Frieda Kreuz, und bei Leselupe bin ich unter Friedrichshainerin zu finden.
Fazit. Nicht so großartig. Erfolge überschaubar. Ich habe aber schon dreimal mit der Schreiberei etwas Gutes bewirkt. Einmal habe ich für meinem Nachbarn, der Diabetiker ist, eine Weihnachtsgeschichte geschrieben. Das Mädchen, das auf dem Dach tanzte. Ich wusste einfach nicht, was ich ihm schenken sollte. Er war vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen und ist damit mein erster Fan. Dann schrieb mir ein Frau auf Wattpad: „Deine „Femina Berlin“ ist das beste was ich seit langem über Feminismus gelesen habe. Mach weiter so.“ Bei Interesse. Gibt's auch bei Wortkrieger.
Last not least: „Nichts mehr zu lachen“. Ein Text, den ich bei Leselupe unter Humor reingestellt hatte. Kommentar einer Leserin: „Du hast mir den Tag gerettet“.