in's vergessen gesetzte_zumal

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DIE AUF_GERISSENEN MÜNDER_N blank
gezogene
Schrunde des Schrei's

Wie viele Tote
Wie viel Stumme zumal

Es gräbt der Wurm im Dunkeln
Es gräbt
Der Wurm im Herzen, er gräbt nicht ans Licht
und gräbt

Leute, es ist die Sehne, auf die ihr gespannt,
gesammelt zum Absprung. [ 8] Leute, ihr habt

gespielt mit den Toten. [ 8] Leute,

sprecht euren Eid/
[ 8] sprecht euer Dunkles/ streut aus den Samen/

in's Feld/ in's Feld/ wo
[ 8] das wort/

den Toten die Saat_Ernte hält.
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

Interessant auf jeden Fall, am Anfang dachte ich sofort an das Schrei-Gemälde, dann der Wurm, der sich nie ans Licht gräbt (sehr schönes Bild!)

So erlese ich mir hier "kollektive Schuld" was den sinnlosen, vermeidbaren Tod angeht.

Weniger überzeugend für mich sind zwei Dinge:
- dreimal Tote sind mir hier wenigstens einmal zuviel; das trägt unter anderem dazu bei, dass das Gedicht etwas überzogen düster wirkt
- die Verbindung von Sehne und Absprung stimmt irgendwie nicht, eher Sehne (des Bogens) und Abschuss; beim Absprung denke ich an Fallschirmspringer :)

Ein kreatives, experimentelles Gedicht, das ich (mit einem Glas Wein in der Hand :) ) gern gelesen habe

LG
Tula
 
Guten Abend Tula

Die Abgesprungene Sehne ermöglicht weitere Interpretationsräume.

Es ist möglich die Bogensehne als vom Finger (nach vorne schwirrend) zu begreifen, oder aber die Sehne als vom Bogen ab-gesprungen. Wollt mir das offenhalten. Und ich mag den Hintergrund dieses Bildes. Es kommt bei Nietzsche vor, als Sinnbild des Menschen, der über-sich-hinaus schafft, oder lebt, dann hat Rilke das Bild "geklaut" und den Pfeil, von der Sehne, abspringen lassen und ich hab das ganze dann auf die Sehne bezogen, weil mir die Möglichkeit, dass der Mensch, der als Pfeil über sich hinaus will, an der Sehne scheitern könnte gefiel.

Bei dreimal "Toten" hast du recht, obwohl mir gerade aufgefallen ist, dass ich auch dreimal "Leute" mit eingebracht habe. Die daraus entstehende Kongruenz in Be?(oder was)nennung ist schon interessant. Toll, jetzt beginne ich schon über mein eigenes Gedicht nachzudenken :D

"Manchmal bin ich so schlau, ich versteh selbst nicht was ich sage"
Charles Dickens. (Oder war's Gregor Gysi? is ja auch egal)

L.G
Patrick
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

Auf Nietzsche und Rilke wäre ich natürlich nicht gekommen, aber nun hast du es überzeugend erklärt :)

LG
Tula
 

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