jede silbe

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Tula

Mitglied
Hallo Hansz
Sehr schön. Einziger Ansatzpunkt für mögliche Verbesserung wäre mMn das letzte Wörtchen 'biegt'. Hat assoziativ etwas Gequältes, einem äußeren Zwang (negativ) nachgebend. Geht es doch in Wirklichkeit um einen Prozess freier Entfaltung, zumindest aller Silben-Noten im Ensemble.
Ginge vielleicht 'streckt', 'spreizt' oder ähnliches, Synonyme von 'entfalten' im weiteren Sinne.

Gruß
Tula
 
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Mondnein

Mitglied
Danke Tula,
danke Keram!

das Bild, das mir bei dem Vers vor Augen stand, zeigt eine Biegung, eine Beugung, eine Krümmung, einen Bogen. Als ob - oder besser: daß und weil - es in der Sprache mindestens eine Dimension gibt, die senkrecht zu der Zeitlinie steht, wie die Raumdimensionen senkrecht zu den jeweils anderen Raumdimensionen stehen. Zunächst einmal, bevor man die Sinndimension der Sprache dazu "senkrecht" sieht, die Dimension des sprachlichen Klangs, der in Silben gekammert erscheint wie die Luftkammern von Seifenblasen durch die flüssigen Häute begrenzt werden. Die Vokale in etwa der Zeitlinie entsprechend gestreckt, die Konsonanten aber als Begrenzungen der Vokaldauer eher senkrecht zu der Dauer, wie Wände auf dem Boden stehen oder der Schlagzeugerschlag die tönende Strecke gliedert.

Bei Hendrix werden die Töne oft wie Silben "gekammert", sprachlich geformt wie durch Konsonanten. Die Vokale in den meisten Sprachen ziehen sich auch nicht bloß zeitlich-gestreckt in der Dauerdimension in die Länge, sondern neigen sich in Nasalen und Stauungen der Strom-Schlag-Unterbrechung zu, bereiten sie spannend vor, und von der konsonantischen Unterbrechung, besonders von den Explosivlauten, unmittelbar nach ihnen, geradezu aus ihnen hervor - springt die Lösung ins Freie, sprengt die zeitpunktuelle Stauung in die vokalische Offenheit.

Das geschieht in Sekundenbruchteilen.

grusz, hansz
 
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