jeu de teste

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Mondnein

Mitglied
[ 4]jeu de test


nach anerkennung - ja ein bißchen auch danach
verlangt dein herz und ja nach schmeichelei vielleicht
mit zittern und mit zagen ach nach grausamkeit
verletzung und dann wieder zärtlichkeit die weich

und heimlich dich beschleicht in tiefer nacht wenn du
nostalgen suchst im algenpark des ozeans
und schwebst durch purpur schnecken blut korallen wein
umschlingt dich oktopus in seinem liebeswahn

saugt sich an deiner brust mit napfen-knöpfen fest
saugt dich in seinen darm ins zapfen köpfe nest
verdaut dich tausend jahre lang und schleimt den rest
von deinem leben mir aufs blatt c‘est je deteste
 

Tula

Mitglied
Hallo Mondnein

Ja, die Sache mit der Anerkennung des Künstlers hat es in sich. Wahrscheinlich schauen wir alle zu oft auf den grünen Balken als Maßstab für den vermeintlichen Erfolg eines Werkes, als uns die Zeit zu nehmen, ausführlich auf die Texte einzugehen und die Bewertung auch zu begründen. Denn da steckt Aufwand und Zeit dahinter, manchmal ist es auch so etwas wie ein freundschaftlicher Respekt, der einen daran hindert, auch mal ehrlich zu schreiben - "dieses gefällt mir gar nicht". Und nicht wenige reagieren auf Kritik überraschend sensibel.

Ist bei diesem ja ganz und gar nicht der Fall, d.h. das Gedicht beschreibt die zwiespältigen Gedanken und Gefühle des nach Anerkennung strebenden Dichters auf eine sprachlich reiche, humoristische und phantasievolle Weise, der allegorische Kampf mit dem Oktopus sehr erquickend. Und da es wie Moluskenschleim gleitet, fällt auch die Verwendung von leichten Unreimen (vielleicht - weich usw.) kaum auf :)

Nun liest sich mein Kommi aber auch wie geschleimtes Lob, also verspreche ich, mich auch zu melden, wenn ich beim Lesen mal die Nase rümpfe, wahrscheinlich weil ich wieder einmal mehr als dreimal googeln musste und dann immer noch im Dunkeln stand :)

LG
Tula
 

Mondnein

Mitglied
Prüfungs-Spiel

Ja, Tula, das wird wohl die Sicht vieler Leser hier sein, da die meisten selbst dichten.
Genau betrachtet wird aber das "du", die angesprochene Person, vom "ich" am Ende unterschieden. Zumindest durch diese Perspektive ist es eher die allgemeine Zärtlichkeitssehnsucht, die sich in Feldern wie unglücklicher Liebe oder in dem Wunsch des Kranken nach Wohlergehen oder eines traurigen Menschen nach Trost genauso zeigen kann.

Und auch in der Sehnsucht, die dem Leben zugrundeliegt, das seine Erfahrungen und Verwandlungen durchmacht, das "Verdautwerden" - und was landet da auf "meinem" Blatt? Kann genauso gut der Brief eines alten Freundes sein, oder das Testament der fremden Großtante, oder persönliche Erinnerung von Wemauchimmer. Nicht unbedingt the rest (is silence) eines Poeten.

Kann auch eine bloße Verwandlungsgeschichte, eine Metamorphose, sein, ein Stück Sprachmusik. Für eine Nabelschau zu komisch.
Kann noch manches sein. Vor allem all das, woran wir Narzissen nicht denken, z.B. Echos jeu-de-test-Haufenreime auf die Abscheu-Klausel des Blattempfängers (Narziß?) ...
 

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