Jungfrau aus Gohrisch (Limerick)

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Sidgrani

Mitglied
Hallo Bernd,

Dein Lim hat Humor, erscheint mir aber ein klein wenig unlogisch zu sein. Wieso sollte es illusorisch sein, wenn sie ihn rannimmt?

So in etwa würde es mir besser gefallen:

Eine ältliche Jungfrau aus Gohrisch
erklärte emanzipatorisch:
„Erscheint hier ein Mann,
dann lass ich ihn ran!"
Ihr Ansinnen war illusorisch.

Liebe Grüße
Sidgrani
 
T

Trainee

Gast
Hallo Sidgrani,

ich lese im Lim von Männern, die sich gar nicht erst blicken lassen.
Ein Verhalten, das gegenüber selbstbewussten, sexuell fordernden Frauen wohl nicht allzu selten ist. Nä? :D

Oft, gern auch in Literaturforen, lässt sich die Umkehrung beobachten: Scheinbar hilflose Damen können sich vor Zuspruch kaum retten und sind bei männlichen Usern sehr beliebt. Selbst bei den Verhaltensauffälligsten.

Grinsende Grüße
Trainee
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Vielen Dank für die Kritiken.
Ich könnte „hier" gegen „je" ersetzen. Das würde es eindeutiger machen.
Aber es würde "sehr viele Männer" ausschließen.

Entscheiden musste ich mich zwischen „illusorisch" und „zu euphorisch".
 

Sidgrani

Mitglied
Trainee: ich lese im Lim von Männern, die sich gar nicht erst blicken lassen.
Ein Verhalten, das gegenüber selbstbewussten, sexuell fordernden Frauen wohl nicht allzu selten ist.
Und trotzdem finden sie Männer! Also ist es nicht nur illusorisch.

L.G. Sidgrani
 

James Blond

Mitglied
Die Pointe passt so oder so nicht:

Ein Ansinnen mag überflüssig sein, sofern seine Voraussetzung nie eintritt.

Bei Bernd's Limerick ist nicht das Ansinnen, sondern die Annahme seiner Voraussetzung illusorisch: Es erscheint kein Mann.

Merkwürdig, dass dieser Lapsus ausgerechnet unserem Sprachlogiker unterläuft. Und dass er dann noch verschlimmbessert wird, spricht nicht gerade für seine Leser. ;)

Grüße
JB
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das Gedicht sagt nichts über die Anzahl der Männer. Man kann nur rückwärts aus dem Ergebnis darauf schließen.
Es kam keiner -- oder es kamen viel zu viele.
Keine -- das hast Du logisch ausgeschlossen.
 

James Blond

Mitglied
Ich habe nichts ausgeschlossen.

Entweder: Es kamen Männer, aber die ließen sich nicht "rannehmen".
Zwar möglich, aber nicht witzig, weil ohne Pointe. Entweder waren es zu viele oder sie wollten sich nicht rannehmen lassen.

Oder: Es kamen erst gar keine Männer, daher ließ sich auch nichts rannehmen. Das wäre eine denkbare Pointe, weil es implizit ausdrückt, dass die Lady nicht gerade begehrenswert erschien. Dann aber gilt, was ich zuvor schrieb: Nicht das Ansinnen ist illusorisch, sondern die Annahme der eigenen Attraktivität als Voraussetzung.

Grüße
JB
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich sehe, der einfache Gedanke, dass sie es nicht schaffte, scheint blockiert zu sein.

Viele Grüße von Bernd.
 

James Blond

Mitglied
Keineswegs.

Vielleicht liegt es auch am mangelnden Lesevermögen. Ich schrieb:

Entweder waren es zu viele oder sie wollten sich nicht rannehmen lassen.
Wenn es so gemeint war, dass sie es nicht schaffte, worin liegt dann der Witz? Ich sehe da keinen.

Gruß
JB
 
T

Trainee

Gast
Und trotzdem finden sie Männer! Also ist es nicht nur illusorisch.

L.G. Sidgrani
Um zu finden, muss zuvor gesucht werden. Dies machen emanzipierte Frauen in der Regel nicht. Und haben es auch nicht nötig, werden ohnehin (von Weitem!) begehrt.
Und eben dies weiß die Limerick-Schöne ganz genau. Und darin liegt der Witz des Ganzen: Es wird ein Mangel beschrieben, der eigentlich keiner ist oder nur einem Mann als solcher erscheinen kann.

Ein ausgesprochen feinsinniger Humor, der von Menschenkenntnis zeugt. :)

Feministische Grüße
Trainee
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Vielen Dank für die Diskussion und die Hinweise.

Kurz einiges zur Entstehung des Limericks.

Zuerst war da der Ort Gohrisch, in dem ich bis heute in Urlaub war.
Bei einer Wanderung zum Pabststein fiel mir dann die Pointe ein:

"zu euphorisch."

Da war die Frage, wer oder was war zu euphorisch. In Fage kamen ein Mann oder eine Frau, am besten eine Jungfrau.
Die Pointe sollte im Gegensatz stehen, also eine kräftige, blühende, forsche Jungfrau, eine wackere Jungfrau.

Natürlich eine Liebesgeschichte.

Eine wackere Jungfrau in Gohrisch
...
...
...
... zu euphorisch.

Da brauchen wir eine Fortsetzung mit einem Reim.

Zunächst fiel mir ein: "metaphorisch" und "kategorisch". Das zweite passte vom Reim nicht, wegen "g" am Beginn des Reimes.

Irgendwann kam "Emanzipatorisch", so entwickelte es sich weiter.
An dem Tag hatte ich dann:


Eine wackere Jungfrau in Gohrisch
... emanzipatorisch.
...
...
... zu euphorisch.


Es fehlten die Überleitungen.
Auf jeden Fall musste ein Mann im Spiel sein. Ritter, Jüngling, Bursche, das kam alles in Frage, aber als Gegensatz zu Jungfrau ist der Mann geeignet.
der Mann, ihr Mann, ein Mann
kann, ran, dann, ...

Am stärksten war "ran".
"Sie ließ ihn ran ... "? Nein, eher das Gegenteil: "Sie nahm ihn ran."

Eine wackere Jungfrau in Gohrisch
... emanzipatorisch.
... Mann
... nahm ... ran
... zu euphorisch.


Jetz kam, was sie eigentlich machte:

Eine wackere Jungfrau aus Gohrisch
erklärte emanzipatorisch:
„Erscheint hier/mir ein Mann,
dann nehm ich ihn ran!"
... zu euphorisch.


Im zweiten Vers muss es noch erzählend sein, ich darf die Pointe nicht vorwegnehmen. "Erklärte" passt da gut. Es führt hin, ohne zu verraten.
"Mir" passt nicht, da könnte es ein Geist sein, das passt schlecht zu Emanzipation, würde aber wohl zu "euphorisch" passen.
Die Zeile mit "rannehmen" ergibt sich ganz natürlich, auch im Rollentausch.


Eine wackere Jungfrau aus Gohrisch
erklärte emanzipatorisch:
„Erscheint hier ein Mann,
dann nehm ich ihn ran!"
... zu euphorisch.


Nun musste ich die Pointe fertigstellen.

Doch das war dann doch zu euphorisch.

Es funktioniert, aber irgendwie erschien es mir schwach. Ich wollte der positiven Aussage der ersten Verse eine Antithese entgegenstellen und kam nach einigen Versuchen auf "Ansinnen".

Eine wackere Jungfrau aus Gohrisch
erklärte emanzipatorisch:
„Erscheint hier ein Mann,
dann nehm ich ihn ran!"
Ihr Ansinnen war zu euphorisch.


Das ging, aber es passte nur, wenn kein Mann kam. - Oder wenn nichts klappte.

Im Reimwörterbuch fand ich Reime.
http://www.2rhyme.ch/Reimt-auf/orisch

"Emanzipatorisch" war nicht drin, aber "illusorisch".

So kam mir dann am nächsten Tag bei der nächsten Wanderung in den Sinn: "illusorisch".
Es war eine Illusion, dass sie alle Männer, die kommen würden, rannehmen könnte. Und die Deutung war versteckt hinter der Deutung, das keine käme, die aber auch funktioniert, wenn auch andersrum. Ein Ansinnen an niemand - ist illusorisch.

Und wenn nur einer kommt? Das passt auch.

Damit war es fertig:

Eine wackere Jungfrau aus Gohrisch
erklärte emanzipatorisch:
„Erscheint hier ein Mann,
dann nehm ich ihn ran!"
Ihr Ansinnen war Illusorisch.


Das klingt viel lakonischer, als "euphorisch".

In einem anderen Limerick würde "euphorisch" aber gut passen.
 

James Blond

Mitglied
Ein letztes Mal

Hmm,

Bernd's Story erklärt zwar die Entstehung des Textes und die Ansichten seiner Leser zur Emanzipation sind hochinteressant - nur ändert dies nichts am Fehler der Sprachlogik, dass ein Ansinnen unter nicht eintretenden Voraussetzungen sich weder als zu illusorisch (noch als zu euphorisch) erweisen kann.

Die Lady sagte "erscheint hier ein Mann, dann nehm ich ihn ran". Das könnte nur dann illusorisch sein, sofern der Fall überhaupt eintritt, also genau "ein Mann" erscheint. Dann wäre es allerdings nicht sonderlich komisch. (Jedenfalls nicht für mich. :) )

Erscheinen für ihr Ansinnen zu viele Männer, ist es auch nicht komisch, denn es deckt sich mit den üblichen Erwartungen. Illusorisch wäre zwar die Überschätzung der eigenen Kräfte. Aber was wäre daran komisch? Bitte um Erklärung. ;)

Erscheint erst gar kein Mann, weist dies implizit auf die Überschätzung der eigenen Attraktivität hin, das wäre zwar (üblicherweise) komisch, aber illusorisch wäre dann nicht das Vorhaben ("Ansinnen"), sondern die Selbsteinschätzung.


"Ich gehe jetzt in Badelatschen zum Nordpol!" ist ein illusorisches (oder euphorisches) Ansinnen.

"Wenn die Schildkröte den Marathonlauf gewinnt, bekommen alle Freibier!" ist kein illusorisches Ansinnen, sondern ein Versprechen, dass nie eingelöst wird. Das Ansinnen ist hier an eine Bedingung geknüpft, die zwar nie eintritt, aber es ist selbst nicht illusorisch: Freibier liegt im Rahmen des Möglichen, nicht aber die Bedingung eines Schildkrötensieges. Soviel zur Sprachlogik.

Ich denke, man spürt es auch intuitiv beim Lesen, dass der Limerick nicht funktioniert und die ersten Kommentare ließen dies auch durchblicken. Humor funktioniert allerdings nur vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Erfahrungs- und Denkweise und da habe ich inzwischen erhebliche Zweifel, ob die hier noch existiert. Insbesondere bei Bernd's Humor scheinen die Späßchen mehr und mehr ins Formale abzudriften. Dann sollte zumindest die Sprachlogik hinhauen. :p

Grüße
JB

P.S.
Ich werde dazu nichts mehr schreiben. :rolleyes
 

Willibald

Mitglied
Probleme bei der Konstruktion und dem Verstehen des Gags, Ratlosigkeit:

Ein "Ansinnen" ist lexikalisch-semantisch nicht soviel wie "Plan", auch wenn jemand eine Handlung "andenkt" und daher auf ein Ziel "sinnt". Wohl aber ist ein "Ansinnen" eine mehr oder weniger passende, mehr oder weniger angemessene und plausible Forderung an jemand.

Setzt man diese Bedeutung voraus, so bleibt zu fragen, worin die Forderung in welcher Situation bestand:

* Erotische, intensive Hingabe des Mannes eventuell bis zur Erschöpfung des Mannes ("rangenommen werden"), initiiert durch ein forderndes erotisches Verhalten der Jungfrau ("rannehmen")?

* Eine Entjungferungsszenerie, in der die Jungfrau den intensiven Part übernimmt, sei es durch direkte Angebote, sei es nach einer weiblichen Werbung, sei es nach dem üblichen Flirtverhalten, dann aber heftiges "Zugangegehen"? Eher unwahrscheinlich.

* Wenn dieses Verhalten geplant ist und in der Ausführung scheitert, ist dieses Scheitern an entsprechend fehlende Voraussetzungen gebunden. Dass keine Männer kommen, ist als Gagunterlage eher unwahrscheinlich.

* Dass Männer sich nicht bedrängen lassen, sondern traditionell eine Eroberungsrolle spielen wollen und daher das Vorhaben scheitert, ist auch nicht so recht lustig.

* Dass die Jungfrau als "mannstoll" (sit venia verbo) implizit gezeichnet ist, gar mehr als einen Mann erotisch in Dienst nehmen will, lässt sich nur schwer annehmen.

* Dass die Jungfrau nicht attraktiv genug ist, um erotische Raserei auszulösen, verlangt nach einem klitzekleinen Hinweis, dass das so ist. Also so etwas wie "Eine alte Jungfer aus..." (ja, so arbeiten Witze). Der Hinweis fehlt aber.

* Dass "Gohrisch" ein Kaff ist, das Männer meiden, hm?

Komisch. Oder?
 

James Blond

Mitglied
Eine wackere Jungfrau aus Gohrisch
erklärte emanzipatorisch:
[blue]„Erscheint hier ein Mann,
dann nehm ich ihn ran!"[/blue]
Ihr Ansinnen war illusorisch.
Ein "Ansinnen" ist lexikalisch-semantisch nicht soviel wie "Plan", auch wenn jemand eine Handlung "andenkt" und daher auf ein Ziel "sinnt". Wohl aber ist ein "Ansinnen" eine mehr oder weniger passende, mehr oder weniger angemessene und plausible Forderung an jemand.
Vollkommen richtig. Gemeint ist hier vermutlich die Absicht, die sich allerdings aus metrischen Gründen sträubt. :)

Geht man jedoch aufgrund der wörtlichen Rede davon aus, dass hier tatsächlich ein Ansinnen jemandem vorgetragen wird, möglicherweise einem bereits erschienenen Mann, der auf diese Weise mit der "Hausordnung" vertraut gemacht wird, so erhebt sich die Frage, worin das Illusorische des Ansinnens liegen könnte.

* Dass die Jungfrau nicht attraktiv genug ist, um erotische Raserei auszulösen, verlangt nach einem klitzekleinen Hinweis, dass das so ist. Also so etwas wie "Eine alte Jungfer aus..." (ja, so arbeiten Witze). Der Hinweis fehlt aber.
Das war meine erste Vermutung, ich habe dazu das "wacker" als euphemistische Umschreibung für Korpulenz gedeutet; also ein nicht gerade zimperlicher Typus, der zu resoluten Lösungen neigt, sofern die sexuelle Frustation ein tolerables Maß übersteigt.

Bernd schrieb dazu erklärend:
Die Pointe sollte im Gegensatz stehen, also eine kräftige, blühende, forsche Jungfrau, eine wackere Jungfrau.

Gruß
JB
 

Willibald

Mitglied
Ja mir scheint, der Texter geht bei Ansinnen irgendwie auch davon aus, die Wackere denke eine megaerotische Session an.
Dass überhaupt niemand Männlicher in G erscheint ist auch komisch, weil Ansinnen ein Gegenüber ein reales impliziert.
 

Label

Mitglied
Wäre
Ihr [blue]Vorhaben[/blue] war illusorisch.
als Splisskur geeignet?

Hallo Bernd

Mir gefällt dein Lim - nicht zum lauthals Lachen - aber zum vergnügt schmunzeln.

MfG
Label
 


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