Kann Lachen töten? - Eine Kriminal-Humoreske

rotkehlchen

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1
Dröhnendes Gelächter erfüllte das Vereinslokal. Monika hatte gerade einen Witz erzählt.
„Mann!“, keuchte Gisela, „wo hast du denn den her?“ Ihr mächtiger Busen wackelte wie Sülze bei einem Erdbeben.
Auch Karin war begeistert. Sie schlug sich auf die fetten Schenkel. „Ich glaub, mein Bär fusselt! Das ist ja zum Totlachen! Ne Frau mit zwei Holzbeinen im –“
„Das möchte ich gerne mal wissen!“
Peters kratziger Bass zersägte die Heiterkeit.
„Was möchtest du mal wissen?“, fragte Gisela ernüchtert.
„Ob Lachen wirklich töten kann.“
„Wie kommst du denn da drauf?“
„Na Karin sagte doch gerade: Das ist doch zum Totlachen. Oder zitiere ich das falsch?“
„Mensch Pererle, du alter Schwerenöter? Nun lass mal“, säuselte Karin. „War doch nur son Spruch. Man sagt doch auch: Hals- und Beinbruch, ohne dass man jemanden einen Beinbruch an den Hals wünscht!“
„Aber es haben sich nachweislich schon mehrere Leute den Hals und die Beine gebrochen“, insistierte Peterle, „doch dass sich jemand wirklich tot gelacht hat, davon hab ich noch nie gehört.“
Eines war klar: Die Stimmung war versaut.
Ein Weilchen herrschte mürrisches Schweigen. Dann sagte Willi: „Meine Frau hat sich an Silvester einmal fast totgelacht, weil jemand beim Karpfenessen einen kräftigen Witz gerissen hat. Eine Gräte war ihr dabei in die falsche Kehle geraten.“
„Das gilt nicht“, wand Gisela sofort ein, „erstens ist fast tot nicht ganz tot, und zweitens, wenn sie wirklich gestorben wäre, was glücklicherweise nicht eingetreten ist, dann wäre das wegen der Gräte und nicht wegen ihres Lachens geschehen.“
„Und es wäre auch höchstens Selbstmord gewesen“, ergänzte Karin.
„Nein! Es wäre ein Unfall Gewesen“, entschied Peterle. „Mir geht es um Folgendes. Der Ausspruch: 'Das ist doch zum totlachen' kann auf zweierlei Weise verstanden werden, einmal, ich lache mich tot, zum anderen, ich lache jemanden tot.“
„Na ja“, meinte Willi, „wenn sich noch niemand nachweislich totgelacht hat, dann ist letzteres wohl noch weniger wahrscheinlich.“
„Wenn es nicht wahrscheinlich ist“, meinte Moni, „dann muss das nicht unbedingt heißen, dass es unmöglich ist.“
„Heinrich, du bist doch bei der Kripo“, sagte Gisela, „hat es schon einmal so etwas wie einen Lachmord gegeben?“
Heinrich wischte sich mit dem Handrücken den Bierschaum vom Mund. „Hmm... Nicht dass ich wüsste. Es gibt allerdings etliche Tötungsdelikte, bei denen wir völlig im Dunkeln tappen. Weder ein Tatmotiv noch eine Tatwaffe ist bekannt. Die Opfer waren körperlich unversehrt und in den besten Jahren. Bisher gingen wir von einem unbekannten Nervengift aus. Aber deine Idee, Gila, eröffnet völlig neue Perspektiven.“
„Gelächter als Tatwaffe“, kicherte Moni, „ich glaub´s nicht!“
„Heinrich, gesetzt den Fall, ich könnte mich tatsächlich totlachen“, sagte Gisela, „dann wäre das doch höchstens Selbstmord. Du suchst doch aber einen Mörder.“
„Selbstmord wäre es nur, wenn du dich aus freien Stücken totlachst. Nehmen wir aber an, jemand bringt dich in seine Gewalt und erzählt dir solange Witze, bis du dich totgelacht hast, dann war es eindeutig Mord, weil eine Tötungsabsicht vorlag.“
„Hmmm...“, brummte Holger, „mich würde jetzt mal brennend interessieren, ob Lachen wirklich gesund ist, wie immer wieder behauptet wird. Seit heute Nacht kratzt es mich im Hals. Ich fürchte, da ist mal wieder was im Anzug. Könnte nicht Gisela ein paar Witze erzählen, und ich –“
„Nee, mein Lieber!“, rief Heinrich fast ärgerlich, „dazu ist die Sache zu ernst. Deine Erkältung kurier mal schön zuhause aus. Außerdem wartet meine Frau mit dem Essen. Ich habe da eine Idee und mache folgenden Vorschlag. Morgen ist Sonntag, da haben wir alle Zeit der Welt. Ihr kommt zu mir aufs Präsidium, und da machen wir die Probe aufs Exempel, und zwar unter Standartbedingungen, mit Tonaufzeichnung und so. Dann können wir die Ergebnisse sogar evaluieren. Ansonsten wären die Befunde ohne jeden ermittlungstechnischen Wert.“
Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen und die Bedienung zum Zwecke des Kassierens heran gewinkt.
2

„Wir wenden uns zunächst der Frage zu, ob Lachen wirklich gesund ist“, sagte Kriminalhauptkommissar Heinrich Heiland anderntags gegen elf. „Dabei wollen wir am Anfang nicht zu viel erwarten. Eine leichte Verbesserung in der Befindlichkeit der Versuchsperson sollte uns schon reichen, um als positives Ergebnis im Sinne der Fragestellung zu gelten. So, Moni, nun zeig mal, was du drauf hast!“
Am runden Tisch saßen außer Monika der Kriminalkommissarsanwärter Jürgen Weichbrodt, die Versuchsperson, sowie Kriminalobermeister Volker Hauschild als Beisitzer. Heiland sowie der Rest der geselligen Runde hatten auf Stühlen längs der Wand Platz genommen, von wo aus sie das Geschehen beobachten wollten.
„Herr Weichbrodt, sind Sie bereit?“, fragte Heiland. Der lange Kriminalkommissarsanwärter nickte. Auf ein Zeichen hin stellte der Kriminalobermeister das Tonbandgerät an.
„Wir beginnen zunächst mit leichter Kost“, sagte Monika und lehnte sich zurück. „Herr Weichbrodt! Was sagt ein Mann, wenn er bis zum Bauchnabel im Wasser steht?“
Weichbrodt betrachtete mit leicht wässernden Augen einen Brandfleck auf der Tischplatte.
„Na was schon“, antwortete er nach einiger Überlegung lahm, „er sagt: Ich hab nasse Füße.“
Monika hieb mit der Faust auf den Tisch. „Nein! Er sagt: Das geht über meinen Verstand!“, rief sie laut lachend.
Der Kriminalkommissarsanwärter blickte auf. „Muss ich jetzt auch lachen?“
„Erzähl ihm den Witz mit der Schubkarre!“, rief Willi, „vielleicht versteht er den ja.“
Monika erzählte den Witz mit der Schubkarre.
Weichbrodt, nachdem Monika geendet hatte, glotzte sie verständnislos an und machte: „Ha – ha.“
„Nicht aufgeben, Moni!“, rief Willi, „erzähl ihm den mit dem Mann in der Sauna, aber nicht lachen!“
Monika erzählte den Witz mit dem Mann in der Sauna und lachte nicht.
Der Kriminalkommissarsanwärter knirschte mit den Zähnen.
„Einen letzten Versuch noch“, sagte Heiland, „sollte er dann nicht erwartungsgemäß reagieren, brechen wir ab.“
„Moni! Erzähl ihm den Witz mit der Hutnadel!“, krähte Willi, „aber ernst bleiben!“
Monika erzählte den Witz mit der Hutnadel und blieb ernst.
Der Kriminalkommissarsanwärter blickte sich hilfesuchend nach Heiland um. „Herr Hauptkommissar“, greinte er mit weinerlicher Stimme, „ich kann nicht mehr!“
„Gut, wir brechen ab“, entschied Heiland. „Eine Frage noch, Herr Weichbrodt, bitte. Wie fühlen Sie sich?“
Weichbrodt richtete die leicht Augen verstört auf seinen Chef. „Wenn ich ehrlich bin: Beschissen!“

3

Trotz des enttäuschenden Ergebnisses – nicht nur, dass der Proband nach eigenem Bekunden keinerlei Verbesserung seines Wohlbefindens verspürt hatte, er hatte noch nicht einmal ansatzweise gelacht – gab Heiland nicht auf. Die Erfolglosigkeit des ersten Versuchs erklärte er damit, dass Monika den nötigen Ernst beim Vortrag der Witze habe vermissen lassen. Um eine Pointe zu lancieren, dozierte er, dürfe eine Witzeerzählerin nicht schon vorher in Gelächter ausbrechen und dürfe erst lachen, wenn auch die Zielperson lache. Ein Witz, der wirken solle, müsse mit todernstem Gesicht vorgetragen werden.
Man kam überein, den zweiten Versuch ganz anders aufzubauen. Die Witze sollten jetzt nicht mehr frei vorgetragen, sondern, sozusagen um die Dosis zu erhöhen, mit monotoner Stimme aus einem Witzebuch hintereinander weg vorgelesen werden, und die Versuchsperson sollte Witzen gegenüber etwas aufgeschlossener sein als der Kriminalkommissarsanwärter Weichbrodt.
Als neuer Vorleser wurde ein Mitglied des Sicherheitsdienstes gewonnen, das auf dem Hof stand und, auf seine Ablösung wartend, eine Zigarette rauchte. Der Mann galt als dröge und völlig humorlos, willigte aber gegen Heilands Zusicherung, der Versuch diene der Wahrheitsfindung und somit auch der Schonung der Staatskasse und dauere auch nicht lange, schließlich ein.
Die Suche nach einer geeigneten Versuchsperson gestaltete sich etwas schwieriger. Wegen des Sonntags war das Haus nur schwach besetzt, und die notorische Ulknudel, die in jeder Behörde zu finden ist, war nicht am Platze.
Inzwischen traf Willi mit dem Buch '999 Witze für Erwachsene' aus dem heimischen Bücherregal ein.
Da man keine witze-affine Versuchsperson finden konnte, erklärte sich der Obermeister Hauschild nach kurzem Zögern bereit, diese Rolle zu übernehmen. Als Begründung gab er an, er lache manchmal ganz gerne und sei einem kräftigen Männerwitz nie abgeneigt. Außerdem diene es der Wahrheitsfindung. Zum Beisitzer bestimmte Heiland den Kriminalkommissarsanwärter Weichbrodt, damit dieser 'endlich das Lachen lerne'.
Die Plätze wurden eingenommen, und die Sitzung begann.
Der Wachmann verlas die Witze auftragsgemäß mit monotoner Stimme und dem unbewegten Gesicht eines Ölgötzen, der Obermeister hörte aufmerksam zu. Nach einiger Zeit – es mochten vielleicht zehn oder zwölf Witze unbelacht vergangen sein – kam Bewegung in Hauschilds massigen Körper. Zunächst zuckten seine Mundwinkel, dann zitterte der ganze Mann, schließlich klopfte er sich auf die Schenkel und brach in ein unbändiges Gelächter aus.
Heiland klatschte vergnügt in die Hände und rief: „Danke, das reicht! Meine Herren, Sie haben hervorragende Arbeit geleistet!“ Er komplimentierte den Wachmann zur Tür hinaus und wandte sich dem Obermeister zu. „Herr Hauschild“, sagte er, „selten habe ich einen Menschen gesehen, der so herzhaft über Witze lachen kann wie Sie. Ich ahnte ja gar nicht, welchen geistreichen Mitarbeiter ich habe und beglückwünsche Sie zu Ihrer heiteren Lebensart. Wenn es mehr von Leuten wie Sie gäbe, sähe die Welt mit Sicherheit besser aus. Sagen Sie, Verehrtester, welcher Witz hat Ihnen denn am besten gefallen?“
Der Obermeister vernahm diese Lobrede mit sichtlichem Erstaunen. „Wie kommen Sie auf Witz?“, fragte er und wischte sich die Schweißperlen von der Stirn, „ich habe doch nicht über irgendwelche dämlichen Witze gelacht! Ich habe über den Mann gelacht! Der war einfach umwerfend! Liest zehn Minuten diesen Schwachsinn vor, ohne auch nur einmal eine Miene zu verziehen. Einfach köstlich, der Mann!“
„Frag ihn, wie er sich fühlt!“, rief Monika unfreundlich von hinten. Anscheinend hatte sie immer noch nicht Heilands Anschiss verdaut. „Immerhin hat er ja gelacht.“
Der Obermeister meinte, er fühle sich nicht wesentlich besser als vor dem Versuch, wenn er genau in sich hineinhorche müsse er sagen: Eher schlechter.

4

Zunächst wurde, um endlich Licht in das Dunkel dieser vertrackten Angelegenheit zu bringen, eine Untersuchungskommission gebildet, bestehend aus drei Beamten, die die Unvorsichtigkeit begangen hatten, zur falschen Zeit an der Tür von Heilands Büro vorbei zu gehen, ferner Gisela als Protokollantin sowie dem Kriminalobermeister Hauschild als Versuchsleiter.
Zunächst versuchten die drei Beamte ein Kaninchen totzulachen, das Willi mit der Bemerkung: „Es ist sowieso schlachtreif“ freundlicherweise aus seinem Stall zur Verfügung gestellt hatte. Um dem Tier eine angenehme Atmosphäre zu bereiten, wurde eine Schublade aus Heilands Schreibtisch mit Salatblättern ausgelegt und das Tier dort hineingesetzt.
Das Kaninchen erwies sich als völlig unempfänglich für menschliche Heiterkeit und mümmelte mit blöden Augen ungerührt weiter, ohne mit der Wimper zu zucken oder auch nur das geringste Zeichen einer Befindlichkeitsveränderung erkennen zu lassen.
Inzwischen hatte sich unten auf der Straße eine Menschenmenge angesammelt, die aufs höchste verwundert zum Fenster der Polizeipräsidiums hoch starrte, aus dem seit einiger Zeit brüllendes Gelächter erklang. Mutmaßungen im Hinblick auf neuartige Verhörmethoden wurden geäußert; jemand meinte sogar, neuerdings würden Verbrecher einer Lachfolter unterzogen.
Der Versuch musste nach etwa zwanzig Minuten abgebrochen werden, denn die drei Beamten hingen heiser und nach Luft ringend in ihren Stühlen.
Die Untersuchungskommission indes schlussfolgerte, dass Tiere keinen Spaß verstünden uns als Versuchsobjekte in Sachen Lachen noch ungeeigneter seien als der Kriminalkommissarsanwärter Weichbrodt.
Wer nun dachte, Heiland würde aufgeben, der kannte ihn nicht. Jetzt erwachte der Terrier in ihm. Die Vokabel 'Aufgeben' kam in seinem Wortschatz nicht vor, und die Aussicht, als Entdecker der Tötungsart 'Lachmord' ganz groß herauszukommen und möglicherweise in die Kriminalgeschichte einzugehen, spornte seinen Eifer zusätzlich an.
Man beriet erneut, zum Teil in hitziger Debatte.
Zum Schluss der Beratung griff der Hauptkommissar zum Telefon und rief die benachbarte JVA an zwecks Gewährung von Amtshilfe.

5

Man schrieb Sonnabend, den ersten April.
Der Mann, ein wegen schwerer Steuerhinterziehung verurteilter Geschäftsmann, wurde von zwei kräftigen Beamtinnen der JVA in den Kleinen Verhörraum, in dem der Versuch stattfinden sollte, hereingeführt. Heiland bat, Platz zu nehmen und bot ihm Kaffee an. Dann erläuterte er ihm den Sachverhalt, allerdings, um den Mann nicht zu verschrecken, in abgemilderter Form. Er, Heiland, wolle herausfinden, ob andauerndes Eigengelächter gesundheitliche Folgen haben könne. Der Versuch sei nicht ungefährlich, diene aber der Wahrheitsfindung und sei dadurch moralisch gerechtfertigt und könne überdies jederzeit abgebrochen werden. Als Gegenleistung stellte er die Unterbringung in einer Einzelzelle in Aussicht.
„Was soll ich machen?“, fragte der Mann ohne nachzudenken.
Er solle sich, sagte der Hauptkommissar, von den beiden Strafvollzugsbeamtinnen längere Zeit gründlich durchkitzeln lassen.
Der Steuersünder überlegte nicht lange. Seine beiden Zellengenossen, ein Vergewaltiger und ein Raubmörder, machten ihm das Leben zur Hölle. Er sagte zu, und die beiden Strafvollzugsbeamtinnen stürzten sich sofort auf ihn.
Der Mann ließ die Behandlung, in Unterwäsche und in Strümpfen auf einer Pritsche liegend, mit stoischer Ruhe über sich ergehen. Zunächst schien es, als sei er überhaupt nicht kitzlig. Die beiden Beamtinnen verstärkten ihre Bemühungen, gerieten in Hitze und legten Pistolenkoppel und Jacken ab. Jetzt endlich war bei dem Mann eine Reaktion zu beobachten: Er grinste. Das Grinsen verstärkte sich noch, als die beiden Beamtinnen nach einiger Zeit die oberen Knöpfe ihrer Dienstblusen öffneten, um freier atmen zu können. Als die Damen weitere Knöpfe öffneten, befürchtete Heiland, dass es beim Aufknöpfen nicht bleiben würde und ordnete eine zehnminütige Pause an.
Jetzt geschah etwas, mit dem niemand gerechnet hatte, und das eine überraschende Wende im Projekt 'Lachmord' einleitete. Monika platzte mit der Bemerkung herein, sie habe gerade auf Twitter gelesen, die Regierung bringe endlich eine umfassende Steuerreform auf den Weg. Sie gab später an, sie habe diese Nachricht, die sie für einen Aprilscherz gehalten habe (was es auch war), mitgeteilt, um den Mann weiter zu motivieren und ihm das Lachen zu erleichtern.
Damit lag sie nicht ganz falsch.
Aus dem Munde des Steuersünders, der sich inzwischen aufgesetzt hatte, kamen jetzt eigenartige Laute, die sich zunächst wie ein gepresstes Kich – Kich – Kich anhörten. Allmählich wurde dieses Gekichere zu einem wiehernden Gelächter, das immer weiter anschwoll, bis der Mann nur noch keuchte und sich ans Herz griff. Schließlich sank er stöhnend auf die Pritsche zurück.
Heiland erkannte sofort zweierlei, erstens, dass Monika den Witz des Jahrhunderts gerissen hatte und zweitens, dass der Mann gerade eine Herzattacke erlitt. Willi, von Beruf Sanitäter beim ASB-Rettungsdienst, sprang hinzu und leitete sofort eine Herzdruckmassage ein, wodurch Schlimmeres verhindert werden konnte.
Heiland rieb sich vergnügt die Hände. Er schickte die Mitglieder der geselligen Runde nachhause und den Steuerhinterzieher zurück in die JVA. Dann ließ sich die Akten mit den ungelösten Tötungsdelikten kommen. Es ist also doch möglich, dachte er. Er schlug den ersten Akt auf und vertiefte sich.
 

ThomasQu

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Hallo rotkehlchen,

hast du dir schon mal überlegt, den Text ins Präsens zu setzen?
Ich glaube, das würde ihn etwas aufwerten.

Grüße, Th.
 

rotkehlchen

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1
Dröhnendes Gelächter erfüllt das Vereinslokal. Monika hat gerade einen Witz erzählt.
„Mann!“, keucht Gisela, „wo hast du denn den her?“ Ihr mächtiger Busen wackelt wie Sülze bei einem Erdbeben.
Auch Karin ist begeistert. Sie schlägt sich auf die fetten Schenkel. „Ich glaub, mein Bär fusselt! Das ist ja zum Totlachen! Ne Frau mit zwei Holzbeinen im –“
„Das möchte ich gerne mal wissen!“
Peters kratziger Bass zersägt die Heiterkeit.
„Was möchtest du mal wissen?“, fragt Gisela ernüchtert.
„Ob Lachen wirklich töten kann.“
„Wie kommst du denn da drauf?“
„Na Karin sagte doch gerade: Das ist doch zum Totlachen. Oder zitiere ich das falsch?“
„Mensch Pererle, du alter Schwerenöter? Nun lass mal“, säuselt Karin. „War doch nur son Spruch. Man sagt doch auch: Hals- und Beinbruch, ohne dass man jemanden einen Beinbruch an den Hals wünscht!“
„Aber es haben sich nachweislich schon mehrere Leute den Hals und die Beine gebrochen“, insistiert Peterle, „doch dass sich jemand wirklich tot gelacht hat, davon hab ich noch nie gehört.“
Eines ist klar: Die Stimmung ist versaut.
Ein Weilchen herrscht mürrisches Schweigen. Dann sagt Willi: „Meine Frau hat sich an Silvester einmal fast totgelacht, weil jemand beim Karpfenessen einen kräftigen Witz gerissen hat. Eine Gräte war ihr dabei in die falsche Kehle geraten.“
„Das gilt nicht“, widerspricht Gisela sofort, „erstens ist fast tot nicht tot, und zweitens, wenn sie wirklich gestorben wäre, was glücklicherweise nicht eingetreten ist, dann wäre das wegen der Gräte und nicht wegen ihres Lachens geschehen.“
„Und es wäre auch höchstens Selbstmord gewesen“, ergänzt Karin.
„Nein! Es wäre ein Unfall Gewesen!“, röhrt Peterles Bass. „Mädels, mir geht es um Folgendes. Der Ausspruch: 'Das ist doch zum totlachen' kann auf zweierlei Weise verstanden werden, einmal, ich lache mich tot, zum anderen, ich lache jemanden tot.“
„Na ja“, meint Willi, „wenn sich noch niemand nachweislich totgelacht hat, dann ist letzteres wohl noch weniger wahrscheinlich.“
„Wenn es nicht wahrscheinlich ist!“, ruft Moni und haut mit der Faust auf den Tisch, „dann muss das nicht unbedingt heißen, dass es unmöglich ist.“
„Heinrich, du bist doch bei der Kripo.“ Gisela sieht Heinrich aufmunternd an. „Hat es schon einmal so etwas wie einen Lachmord gegeben?“
Heinrich wischt sich mit dem Handrücken den Bierschaum vom Mund. „Hmm... Nicht dass ich wüsste. Es gibt allerdings etliche Tötungsdelikte, bei denen wir völlig im Dunkeln tappen. Weder ein Tatmotiv noch eine Tatwaffe ist bekannt. Die Opfer waren körperlich unversehrt und in den besten Jahren. Bisher gingen wir von einem unbekannten Nervengift aus. Aber deine Idee, Gila, eröffnet völlig neue Perspektiven.“
„Gelächter als Tatwaffe“, kichert Monika, „ich glaub´s nicht!“
„Heinrich, gesetzt den Fall, ich könnte mich tatsächlich totlachen, dann wäre das doch höchstens Selbstmord. Du suchst doch aber einen Mörder.“
„Selbstmord wäre es nur, Gisela wenn du dich aus freien Stücken totlachst. Nehmen wir aber an, jemand bringt dich in seine Gewalt und erzählt dir solange Witze, bis du dich totgelacht hast, dann war es eindeutig Mord, weil eine Tötungsabsicht vorlag.“
„Hmmm...“, brummt Holger, „mich würde jetzt mal brennend interessieren, ob Lachen wirklich gesund ist, wie immer wieder behauptet wird. Seit heute Nacht kratzt es mich im Hals. Ich fürchte, da ist mal wieder was im Anzug. Könnte nicht Gisela ein paar Witze erzählen, und ich –“
„Nee, mein Lieber!“ Heinrich schüttelt ärgerlich den Kopf, „dazu ist die Sache zu ernst. Deine Erkältung kurier mal schön zuhause aus. Außerdem wartet meine Frau mit dem Essen. Ich habe da eine Idee und mache folgenden Vorschlag. Morgen ist Sonntag, da haben wir alle Zeit der Welt. Ihr kommt zu mir aufs Präsidium, und da machen wir die Probe aufs Exempel, und zwar unter Standartbedingungen, mit Tonaufzeichnung und so. Dann können wir die Ergebnisse sogar evaluieren. Ansonsten wären die Befunde ohne jeden ermittlungstechnischen Wert.“
Dieser Vorschlag wird einstimmig angenommen und die Bedienung zum Zwecke des Kassierens heran gewinkt.
2

„Wir wenden uns zunächst Holgers Frage zu, ob Lachen wirklich gesund ist“, sagt Kriminalhauptkommissar Heinrich Heiland anderntags gegen elf. „Dabei wollen wir am Anfang nicht zu viel erwarten. Eine leichte Verbesserung in der Befindlichkeit der Versuchsperson sollte uns schon reichen, um als positives Ergebnis im Sinne der Fragestellung zu gelten. So, Moni, nun zeig mal, was du drauf hast!“
Am runden Tisch sitzen außer Monika der Kriminalkommissarsanwärter Jürgen Weichbrodt, die Versuchsperson, sowie Kriminalobermeister Volker Hauschild als Beisitzer. Heiland sowie der Rest der geselligen Runde haben auf Stühlen längs der Wand Platz genommen, von wo aus sie das Geschehen beobachten wollen.
„Herr Weichbrodt, sind Sie bereit?“, fragt Heiland. Der lange Kriminalkommissarsanwärter nickt. Auf ein Zeichen hin stellt der Kriminalobermeister das Tonbandgerät an.
„Wir beginnen zunächst mit leichter Kost." Monika lehnt sich zurück. „Herr Weichbrodt! Was sagt ein Mann, wenn er bis zum Bauchnabel im Wasser steht?“
Weichbrodt betrachtet mit leicht wässernden Augen einen Brandfleck auf der Tischplatte.
„Na was schon“, murmelt er nach einiger Überlegung lahm, „er sagt: Ich hab nasse Füße.“
Monika klatscht lachend mit der flachen Hand auf den Tisch, Weichbrodt erschrickt. „Nein! Er sagt: Das geht über meinen Verstand!“
Der Kriminalkommissarsanwärter blickt auf. „M-muss ich jetzt auch l-lachen?“, stottert er.
„Erzähl ihm den Witz mit der Schubkarre!“, ruft Willi von hinten, „vielleicht versteht er den ja.“
Monika erzählt den Witz mit der Schubkarre.
Weichbrodt glotzte sie verständnislos an und macht: „Ha – ha.“
„Nicht aufgeben, Moni!“, ruft der Hauptkommissar, „erzähl ihm den mit dem Mann in der Sauna, aber nicht lachen!“
Monika erzählt den Witz mit dem Mann in der Sauna und lacht nicht.
Der Kriminalkommissarsanwärter knirscht mit den Zähnen.
„Einen letzten Versuch noch“, ordnet Heiland an, „sollte er dann nicht erwartungsgemäß reagieren, brechen wir ab.“
„Moni! Erzähl ihm den Witz mit der Hutnadel!“, kräht Willi, „aber ernst bleiben!“
Monika erzählt den Witz mit der Hutnadel und bleibt ernst.
Der Kriminalkommissarsanwärter blickt sich hilfesuchend nach Heiland um. „Herr Hauptkommissar“, greint er mit weinerlicher Stimme, „ich kann nicht mehr!“
„Gut, wir brechen ab“, entscheidet Heiland. „Eine Frage noch, Herr Weichbrodt, bitte. Wie fühlen Sie sich?“
Weichbrodt richtet die Augen verstört auf seinen Chef. „Wenn ich ehrlich bin: Beschissen!“

3

Trotz des enttäuschenden Ergebnisses – nicht nur, dass der Proband nach eigenem Bekunden keinerlei Verbesserung seines Wohlbefindens verspürt hat, er hat noch nicht einmal ansatzweise gelacht – gibt Heiland, der alte Terrier, nicht auf. Die Erfolglosigkeit des ersten Versuchs erklärt er damit, dass Monika den nötigen Ernst beim Vortrag der Witze habe vermissen lassen. Um eine Pointe zu lancieren, doziert er, dürfe eine Witzeerzählerin nicht schon vorher in Gelächter ausbrechen, sie dürfe erst lachen, wenn auch die Zielperson lache. Ein Witz, der wirken solle, müsse mit todernstem Gesicht vorgetragen werden.
Man kommt überein, den zweiten Versuch ganz anders aufzubauen. Die Witze sollen jetzt nicht mehr frei vorgetragen, sondern, sozusagen um die Dosis zu erhöhen, mit monotoner Stimme aus einem Witzebuch hintereinander weg vorgelesen werden, und die Versuchsperson solle Witzen gegenüber etwas aufgeschlossener sein als der Kriminalkommissarsanwärter Weichbrodt.
Als neuer Vorleser wird ein Mitglied des Sicherheitsdienstes gewonnen, das rauchend auf dem Hof stand und auf seine Ablösung wartete. Der Mann, von Natur aus knüppel-dröge und völlig humorlos, willigt gegen Heilands Zusicherung, der Versuch diene der Wahrheitsfindung und somit auch der Schonung der Staatskasse und dauere auch nicht lange, schließlich ein.
Die Suche nach einer geeigneten Versuchsperson gestaltet sich allerdings etwas schwieriger. Wegen des Sonntags ist das Haus nur schwach besetzt, und die notorische Ulknudel, die in jeder Behörde zu finden ist, nicht am Platze.
Inzwischen trifft Willi mit dem Buch '999 Witze für Erwachsene' aus dem heimischen Bücherregal ein.
Da man keine witze-affine Versuchsperson finden kann, erklärt sich der Obermeister Hauschild nach kurzem Zögern bereit, diese Rolle zu übernehmen. Als Begründung gibt er an, er lache manchmal ganz gerne und sei einem kräftigen Männerwitz nie abgeneigt. Außerdem diene es der Wahrheitsfindung. Zum Beisitzer bestimmt Heiland den Kriminalkommissarsanwärter Weichbrodt, damit dieser 'endlich das Lachen lerne'.
Die Plätze werden eingenommen, und die Sitzung beginnt.
Der Wachmann verliest die Witze auftragsgemäß mit monotoner Stimme und dem unbewegten Gesicht einer ägyptischen Kolossalstatue, der Obermeister hört aufmerksam zu. Nach einiger Zeit – es mögen vielleicht zehn oder zwölf Witze unbelacht vergangen sein – kommt Bewegung in Hauschilds massigen Körper. Zunächst zucken seine Mundwinkel, dann zittert der ganze Mann, schließlich klopft er sich auf die Schenkel und bricht in ein unbändiges Gelächter aus.
Heiland klatscht vergnügt in die Hände. „Danke, das reicht! Meine Herren, Sie haben hervorragende Arbeit geleistet!“ Er komplimentiert den Wachmann zur Tür hinaus und wendet sich dem Obermeister zu. „Herr Hauschild“, flötet er, „selten habe ich einen Menschen gesehen, der so herzhaft über Witze lachen kann wie Sie. Ich ahnte ja gar nicht, welchen geistreichen Mitarbeiter ich habe und beglückwünsche Sie zu Ihrer heiteren Lebensart. Wenn es mehr von Leuten wie Sie gäbe, sähe die Welt mit Sicherheit besser aus. Sagen Sie, Verehrtester, welcher Witz hat Ihnen denn am besten gefallen?“
Der Obermeister vernimmt diese Lobrede mit sichtlichem Erstaunen. „Herr Heiland, wie kommen Sie auf Witz?“, fragt er und wischt sich die Stirn, „ich habe doch nicht über irgendwelche dämlichen Witze gelacht! Ich habe über diesen Mann gelacht! Der Kerl war einfach umwerfend! Liest zehn Minuten diesen Schwachsinn vor, ohne auch nur einmal eine Miene zu verziehen. Einfach köstlich, der Mann!“
„Frag ihn, wie er sich fühlt!“, koddert Monika unfreundlich von hinten. Anscheinend hat sie immer noch nicht Heilands Anschiss verdaut. „Immerhin hat er ja gelacht.“
Der Obermeister meint, er fühle sich nicht wesentlich besser als vor dem Versuch, wenn er genau in sich hineinhorche müsse er sagen: Eher schlechter.

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Zunächst wird, um endlich Licht in das Dunkel dieser vertrackten Angelegenheit zu bringen, eine Untersuchungskommission gebildet, bestehend aus drei Beamten, die die Unvorsichtigkeit begingen, zur falschen Zeit an der Tür von Heilands Büro vorbei zu gehen, ferner aus Gisela als Protokollantin sowie aus dem Kriminalobermeister Hauschild als Versuchsleiter.
Zunächst versuchen die drei Beamte ein Kaninchen totzulachen, das Willi mit der Bemerkung: „Es ist sowieso schlachtreif“ freundlicherweise aus seinem Stall zur Verfügung gestellt hat. Um dem Tier eine angenehme Atmosphäre zu bereiten, wurde zuvor eine Schublade aus Heilands Schreibtisch mit Salatblättern ausgelegt und das Tier dort hineingesetzt.
Das Kaninchen erweist sich als völlig unempfänglich für menschliche Zweideutigkeiten und mümmelt mit blöden Augen ungerührt weiter, ohne mit der Wimper zu zucken oder auch nur das geringste Zeichen einer Befindlichkeitsveränderung erkennen zu lassen.
Inzwischen hat sich unten auf der Straße eine Menschenmenge angesammelt, die aufs höchste verwundert zum Fenster der Polizeipräsidiums hoch starrt, aus dem seit einiger Zeit brüllendes Gelächter erklingt. Mutmaßungen im Hinblick auf neuartige Verhörmethoden werden geäußert; ein Schlaumeier meint sogar, neuerdings würden nicht geständige Verbrecher einer Lachfolter unterzogen.
Der Versuch muss nach etwa zwanzig Minuten abgebrochen werden, denn die drei Beamten hängen heiser und nach Luft ringend in ihren Stühlen.
Die Untersuchungskommission schlussfolgert, dass Tiere keinen Spaß verstehen uns als Versuchsobjekte in Sachen Lachen noch ungeeigneter seien als der Kriminalkommissarsanwärter Weichbrodt.
Wer nun denkt, Heiland werde aufgeben, der kennt ihn nicht. Die Vokabel 'Aufgeben' kommt in seinem Wortschatz nicht vor, und die Aussicht, als Entdecker des Strafbestandes 'Lachmord' ganz groß herauszukommen und möglicherweise in die Kriminalgeschichte einzugehen, spornt seinen Eifer zusätzlich an.
Man berät erneut, zum Teil in hitziger Debatte.
Zum Schluss der Beratung greift der Hauptkommissar zum Telefon und bittet die benachbarte JVA um Gewährung von Amtshilfe.

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Man schreibt Sonnabend, den ersten April.
Der Gefangene, ein wegen schwerer Steuerhinterziehung verurteilter Geschäftsmann, wird von zwei kräftigen Beamtinnen der JVA in den Kleinen Verhörraum geführt, in dem der Versuch stattfinden soll.
Heiland bittet den Mann, Platz zu nehmen und bietet ihm Kaffee an. Dann erläuterte er ihm den Sachverhalt, allerdings, um den Mann nicht zu verschrecken, in abgemilderter Form. Er, Heiland, wolle herausfinden, ob andauerndes Eigengelächter gesundheitliche Folgen haben könne, erklärt er. Der Versuch sei nicht ungefährlich, diene aber der Wahrheitsfindung und sei dadurch moralisch gerechtfertigt. Überdies könne er jederzeit abgebrochen werden. Als Gegenleistung stellt er die Unterbringung in einer Einzelzelle in Aussicht.
„Was soll ich machen?“, fragt der Mann ohne nachzudenken.
Er soll sich, sagt der Hauptkommissar, von den beiden Strafvollzugsbeamtinnen längere Zeit gründlich durchkitzeln lassen.
Der Steuersünder überlegt nicht lange. Seine beiden Zellengenossen, ein Vergewaltiger und ein Raubmörder, machen ihm das Leben zur Hölle. Er sagt ja, und die beiden Strafvollzugsbeamtinnen stürzen sich sofort auf ihn.
Der Steuersünder lässt die Behandlung, in Unterwäsche und Strümpfen auf einer Pritsche liegend, mit stoischer Ruhe über sich ergehen. Zunächst scheint es, als sei er überhaupt nicht kitzlig. Die beiden Beamtinnen verstärken ihre Bemühungen, geraten in Hitze und legen Pistolenkoppel und Jacken ab. Jetzt endlich ist bei dem Mann eine Reaktion zu beobachten: Er grinst. Das Grinsen verstärkt sich noch, denn die beiden Beamtinnen öffnen nach einiger Zeit die oberen Knöpfe ihrer Dienstblusen, um freier atmen zu können. Als die Damen weitere Knöpfe öffnen wollen, befürchtet Heiland, dass es beim Aufknöpfen nicht bleiben werde und ordnet eine zehnminütige Pause an.
Jetzt geschieht etwas, mit dem niemand gerechnet hat, und das eine überraschende Wende im Projekt 'Lachmord' einleitet. Monika platzt mit der Bemerkung herein, sie habe gerade auf Twitter gelesen, die Regierung bringe endlich eine umfassende Steuerreform auf den Weg. Sie gibt später an, sie habe diese Nachricht, die sie für einen Aprilscherz gehalten habe (was es auch war), lanciert, um den Mann weiter zu motivieren und ihm das Lachen zu erleichtern.
Damit lag sie nicht ganz falsch.
Aus dem Munde des Steuersünders, der sich inzwischen aufgesetzt hat, kommen jetzt eigenartige Laute, die sich zunächst wie ein gepresstes Kich – Kich – Kich anhören. Allmählich wird dieses Gekichere zu einem wiehernden Gelächter, das immer weiter anschwillt, bis der Mann nur noch keucht und sich plötzlich ans Herz greift. Schließlich sinkt er stöhnend auf die Pritsche zurück.
Heiland erkenn sofort zweierlei, erstens, dass Monika den Witz des Jahrhunderts gerissen hat und zweitens, dass der Mann gerade eine Herzattacke erleidet. Willi, von Beruf Sanitäter beim ASB-Rettungsdienst, springt hinzu und beginnt eine Herzdruckmassage, wodurch Schlimmeres verhindert werden kann.
Der Hauptkommossar reibt sich vergnügt die Hände. Er schickt die Mitglieder der geselligen Runde nachhause und den Steuerhinterzieher auf die Krankenstation der JVA. Dann lässt er sich die Akten mit den ungelösten Tötungsdelikten kommen.
"Es ist also doch möglich", murmelt er.
 

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