Codecdiva
Mitglied
Ich liege zu Hause am Sofa und kann nicht aufhören, über meine Katzengeschichte nachzudenken. Ich habe zu viele "er sagte", "sie gurrte", "sie seufzte" in der Prosa. Außerdem wäre es besser, wenn der Ich-Erzähler mit dem Protagonisten per Sie ist. So geht das seit fast vierundzwanzig Stunden. Ich muss auf andere Gedanken kommen. Heute ist Sonntag Nackt bei meinen geliebten Bikern im Verein.
Ich nehme die Überkniestrümpfe vom Wäschetrockner und putze die Armeestiefel mit Stahlkappen. Rasiert bin ich schon, aber ich trimme Härchen von den Ohren. A propos. Gibt es noch mehr zu enthaaren? Mit Creme? Überflüssig, wie ich an den paar kaum sichtbaren Pinselchen an den Oberschenkeln feststelle. Außerdem wäre es dafür zu spät, weil sich meine Follikel von der Creme für mehrere Stunden röten. Das Licht bei den Bikern ist sehr gut zu mir, wenngleich für sonst nichts. Der schwarze Mini-Overall mit kurzen Ärmeln und ohne Beine ist noch etwas klamm, hat jedoch den Metallring noch durch den Reißverschluss, der bis über den hochgeschlossenen Hals zieht. Waschmaschinchen war schonend im Schleudergang.
Ich bin fast so elegant wie in meiner Katzengeschichte. Tatsächlich ist egal, was ich anziehe, weil ich bei den Bikern nicht lang bekleidet sein werde. Sonntags ist die Kleiderordnung Nackt. Ich zurre mich in die Armeestiefel, ziehe die antike Jacke aus gekämmter Wolle an. Ein schwarzer Zweireiher. Ohne Pullover wird mich der Winter ein bisserle erzittern, aber ich habe nicht weit. Kopfhörer zurecht rücken. Marschmusik, während ich die Schlüssel suche. Lipstick K-Pop. Meine Feuerzeuge sind ebenfalls verschwunden. Ich toggle in der Musikliste zu "Pump Up The Volume", weil ich mich vergewissern will, dass die Nummer kriegerisch genug für meine Katzengeschichte ist. Nach wenigen Minuten Suche kann ich mich auf den Weg machen. Inzwischen ist "Pump Up The Volume" vorbei und "Porno Loco" beginnt. Marschmusik.
In der Rundumdieuhr-Bäckerei beim Biker-Vereinslokal wechsle ich einen Fünfer in Münzen und trinke zur Zigarette auf der Straße einen Espresso vom Automaten. Bei meinen geliebten Bikern gibt es keine Kaffeemaschine. Dem Mann am anderen Fensterbrett, einem Mohammedaner, biete ich auch eine Zigarette an, weil ich ihn in der Woche zuvor angeschnorrt habe. Stolz auf mich, weil ich sein Gesicht wiedererkenne. Auch mein Defekt mit der Gesichtererkennung kommt in meiner Katzengeschichte vor, trägt jedoch nichts zur Handlung bei. Ersatzlos streichen. Der Mohammedaner und ich grüßen einander unter zarter Verbeugung mit der flachen Hand vor der Brust, wie ich es mir in der Woche zuvor abgeguckt habe. In der Woche zuvor war ich nicht angezogen wie für Party, sondern wie für Porno. Hat der Mohammedaner nicht einmal bemerkt. Das war sehr wichtig zur Sicherstellung von Plausibilität in meiner Katzengeschichte. Ich liebe Plausibilität, dabei ist die Erzählung ein Science-Fiction-Märchen.
Bei den Bikern ist der Flur vor der Garderobe mit drei Männern belebt, welche allerdings am Gehen sind. Die Nackedeis wollen ihre Sachen vom Garderobier.
"Heute ist Dresscode Naked", ruft mir Alexus von hinter dem Tresen der Garderobe zu. Vermutlich hält er mich wegen Ring am Zipp und wegen eingefassten Knien für eine andere Kleiderordnung im Kalender verkleidet. Das ist natürlich meine Absicht. Ich bin im Gerede für was ich an der Garderobe ausziehe. Wie sich jeder denken kann, ist es unter Fetischbikern schwierig, mit seinem Outfit ins Gerede zu kommen, weil alle eher exzentrisch anmuten, aber meine Erfindungsgabe ist unermesslich.
Ich weiß, wie man sich heute kleiden soll. Daher: "Ich weiß."
Als die Jacke am Sitzbrett liegt, stehe ich auf, mit Metallring am Hals, in kurzen Ärmeln und in zum langen schwarzen Strümpfen.
"Wie findet ihr mich?"
"So kommst du nicht rein." Ein nackter Streber mit ungarischem Akzent. "Du musst dich an den Dresscode halten." Einem Jüngling ist so langweilig in der Warteschlange, dass er seinem ungarischen Freund einen seiner behaarten Oberschenkel ableckt. Soll ich mich um den anderen Oberschenkel kümmern? Zeitverschwendung. Auch scheinheilig ist nicht langweilig.
"Soll ich noch mehr ausziehen?"
"Bitte."
Das Schenkelpärchen ist dran an der Garderobe. Dann kleiden sich ringherum Männer an, die durch ihre Anmutung auf der Straße nicht auffallen wollen. Stützen der Gesellschaft. Damit habe ich nichts zu tun als Autor. Neben Alexus erscheint Schichtleiter Chris in der Garderobe, der für ehrenamtliche Tätigkeit im Verein auch schon mein Chef war. Vermutlich löst er Alexus ab. Ich erhalte einen Kleiderbügel mit der Nummer 81 und ein Armband mit der Nummer 81. Das bringt mich auf eine Idee für die Katzengeschichte. Ein literarisches Problem ist besser gelöst, wenn der Einfall mit 81 funktioniert. Das lässt sich testen. Gleich hier im Verein. Auf andere Gedanken kann ich ja nachher kommen.
Trotz Adventmampfens wieder zu dünn für den Overall. Größe "S" wäre besser gewesen, dabei ist das Teil für Damen. Groß genug, dass ich nicht die Schuhe ausziehen und wieder anziehen muss, um mich zu entkleiden. Mal sehen, ob ich nackt genug bin für den Abend. Der Vereinsvorstand hat die Kleiderordnung für nackt festgelegt mit: Nichts als Schuhe und Socken, aber vermutlich nicht Socken, die bis über die Knie reichen. Allerings ist dieser Grenzfall noch nicht hereingekommen bei der Tür. Ich experimentiere gern mit Grenzfällen. So lernt der Mensch. Mich auszuhalten. Der Mini-Overall, MP3-Player und Kopfhörer landen im Sack am Kleiderbügel.
"Was meinst du: Bin ich nackt genug für Dresscode?"
Alexus hinter dem Tresen nimmt meine Sachen entgegen. Er trägt seinen grauen Schottenminirock, weil die Männer in der Schicht wenigstens ein bisschen bekleidet sein müssen, auch für Nackt. Barfuß geht nicht, weil es das Unions-Regime in Lokalen jeglicher Art verboten hat, wegen möglicher Scherben am Boden. Die Kette von Alexus' Monokel ist am Ring durch seine linke Brustwarze befestigt. Auch Alexus verfügt über unermessliche Erfindungsgabe.
"Nackt genug", nickt er. "Gehen wir eine rauchen."
Er klettert über den Tresen der Garderobe.
Die Bar ist gleich neben dem Eingang zum eigentlichen Vereinslokal. Hinter die Bar führt ein weiteres Loch in der Wand, heraus aus der Garderobe, durch das Schichtleiter Chris geeilt kommt. Die Musik ist ausnahmsweise nicht schlecht, ausnahmsweise nicht Techno. Den ehrenamtlichen Barmann kenne ich nicht. Er trägt eine rotweiße Weihnachtsmannzipfelmütze und eine Art Pferdegeschirr um den Oberkörper, sowie... ich stelle mich auf die Zehenspitzen... schwarze Boxershorts und weiße Sneakers mit Sportsocken. Chris trägt heute Netzleibchen. Und Boxerbriefs, damit es was zu sehen gibt. Naja. Nichts für mich. Bin wehleidig.
"Ho, ho, ho, Sparefroh!" Ich rede ohne zu denken. Das ändert sich, wenn ich besoffen bin. Dann muss ich überlegen, was ich sage.
Der Barmann guckt vergnügt. "Was darf ich tun für dich, Spatzi?"
"Du musst arbeiten, daher beschränke ich mich auf einen doppelten Hauptstädtischen Wodka und ein Cola Zorro." Ich zeige die Nummer 81 am Handgelenk her.
"Machma."
Chris reicht mir von hinter der Bar einen Eiswürfel. "Alexus, man kraxelt nicht über den Tresen der Garderobe!" Und zu mir: "Steck ihm zur Strafe Eis in den Arsch. Damit er sichs merkt!"
"Alexus, du hast es gehört. On The Rocks!"
Die Idee gefällt mir. Wohin damit in der Katzengeschichte? Ich wollte nichts mehr ändern, bloß noch maniküren. Wir sind komplett und stabil. Alexus beugt sich - Hände am Tresen - vor. Der Schottenminirock ist heute durch rote Spitze verlängert. Neu? Selbst genäht?
Der Eiswürfel will nicht so richtig hinein in den... Alexus, dabei ist der Eiswürfel von der abgerundeten Sorte.
"Alexus, stell dich nicht so an. Strafe muss sein. Oder brauchst du Poppers? Für so ein Würfelchen?"
"Sssshhhhzz..." Alexus, wirklich so schlimm?
Schriftsteller müssen so etwas wissen. Ich lasse ab vom Garderobier des Abends und verwende den Eiswürfel selbst. Wirklich sehr kalt, aber nicht weiter furchtbar. Wäre sogar angenehm im Sommer. Muss ich mir merken. In meiner Katzengeschichte ist Sommer, allerdings kühl und regnerisch.
Inzwischen habe ich einen Pfiff Wodka erhalten, sowie eine eiskalte Flasche Zorro. Das sollen 4 Centiliter sein? Ein Pfiff, ein Achterl, sind 12 Centiliter. Vielleicht eine Zubuße, weil ich am Freitag dem Verein geholfen habe, die Sofas zu entsorgen. Zigaretten in der Jacke vergessen, so wie immer. Alexus hat seine Industrieziese schon im Mund und hält mir die Packung hin.
"Wie geht es der Katzengeschichte? Prost."
Ich trinke den Wodka aus und brauche sofort eine halbe Flasche Zorro.
"Wir sind endlich komplett und stabil. Jetzt geht das Maniküren los, und das kann dauern. Aber reden wir über etwas anderes. Hier will ich weg von der Katzengeschichte."
"Verstehe. Dienstfrei."
"Genau. Danke."
Der Eiswürfel schmilzt, wie ich an Wasser an den Beinen bemerke. Zum Glück bin ich tiefengereinigt für Vorhaben heute Abend, die mich auf andere Gedanken bringen sollen. Diese Form des Grübelabbruchs funktioniert immer. Ich wäre zur Ablenkung lieber Skateboardfahren gegangen, auch sehr zuverlässig, aber zum Stümpern mit dem Skateboard bin ich in der falschen Gegend. Außerdem ist die Skateboarder-Jacke verschwunden. Das Gras ist seit zwei Wochen alle. Ohne Kiffen fühle ich mich nicht wohl auf Rollen.
Der Rauchsalon ist sehr bevölkert. Aromata von Poppers und Marijuana trotz exzellenter Entlüftung. Am Freitag haben wir die Sofas rausgeschleppt, weil der Rauchsalon dem Vereinsvorstand immer zu voll war, und nicht nur mit Rauchern. Daher haben wir durch schmale Holzbänke ersetzt. Der Rauchsalon sei nicht für Orgien gedacht, wie der despotische Vorstand in einer E-mail an alle bemängelte, dafür sei der Barbereich und vor allem der erste Stock vorgesehen. Die Sofa-Entfernung war vergebens, wie man deutlich sehen kann. Mehr Platz für Leiber. Ich finde geschmacklos, dass so viele rauchen dabei. Vielleicht ist es ein Rollenspiel zur Entwürdigung.
"Hast du Feuer?", fragt Alexus mit Ziese zwischen den Lippen. Wir müssen stehen.
"Billige Anmache. Ich habe gar nichts. Ich bin nackig."
Alexus nimmt die Zigarette in seine Hand. "Hey, hat wer Feuer?", ruft er in die beschuhte Meute, in der alle beschäftigt sind und sonst nichts anhaben. Hätte ich mich nie getraut, Liebespärchenmänner zu belästigen. Ich habe Benehmen. Wenngleich nur hier. Wir erhalten ein rotes Feuerzeug von einem Sitzenden, der gerade von dem Vietnamesen versorgt wird, an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann. Einer der wenigen hier, die sich mit Elektronik auskennen wie ich.
"Alexus, kann man sich anstecken, wenn man einen Eiswürfel von wem anderen verwendet? Ist das wie bei einem Schnupfröhrchen oder einer Fixe?"
"Bei mir nicht. Ich war neulich Nuttenbingo. Alles negativ."
"War mehr theoretisch gemeint."
"Glaub nicht. Vielleicht bei den Stadtwerken anrufen und die fragen."
Den Stadtwerken jagt eine Heidenangst ein, was wir hier tun. Lebensgefahr. Das einzige, das sie noch hysterischer und hilfsbereiter macht als Zuwendung unter einander wildfremden Männern, ist Chem, Chemsex -- die Infonetz-Chiffren für Männerorgien auf seriösen Drogen. Ständig Ambulanzwagen wegen seriösen Drogen. Daher betuliche Aufklärung und Ermahnungen online und offline. Und Gratis-Nuttenbingo für alle gängigen Nutteninfektionen. Verbieten können sie nichts von unseren geschätzten Entartungen. Es wäre zu homophobisch und zu bigotisch für 2025.
Alexus raucht. Ich auch. "Codec", sagt er, "ich muss doch nochmal anfangen wegen der Katzengeschichte. Ich komme ja nicht darin vor, oder doch?"
"Nein."
"Monique würde gern vorkommen."
"Alexus, was? Dein Ernst? Wie soll ich das machen? Das Schiff hat abgelegt. Wir sind komplett und stabil."
Mooohment... Mir kommt eine glänzende Idee. Eine Serbin. Würde vielleicht passen.
"Wie wärs mit Monique als krimineller Schlampe?"
"Ziemlich extrem, aber könnte ihr schon gefallen. Kennst sie ja."
"Kann nix versprechen, aber ich schicke ihr eine Nachricht."
Monique... als die serbische Nutte... Hm. Eine Leserin hätte ich dann schon mal. Ist die Katzengeschichte für Frauen überhaupt interessant?
Und schon bin ich besoffen. Von einem Achterl Wodka. Und schon wieder eingesponnen in meine Katzengeschichte. Ist das schrecklich.
Alexus hält seine halb abgearbeitete Zigarette in die Höhe.
"Mmmkay... muss wieder..."
Ich reiche Alexus den stählernen Aschenbecher. Alexus dämpft ab und geht ab. Er ist ja nicht zum Spaß hier. So wie ich.
Neben mir steht Henri und reicht mir einen Joint. "Come hit that shit, bitch!"
Ich grüße zurück, nehme und ziehe. Schmeckt nach gar nichts, aber ich bin seit Wochen unstoned, daher wirksam. Dauernd pleite wegen meines Literatur-Coach. Zahlen für Herumgezicke per E-mail. Mein zweiter Lektor. Der andere wollte mit mir nichts mehr zu tun haben nach den ersten zehn Normseiten Katzengeschichte.
"Alles gut?", fragt Henri. "Ist die Katzengeschichte schon fertig?"
"Bitte reden wir von etwas anderem."
"Gern. Ich habe dir die Unterlagen geschickt."
"Schon überflogen. Ich komme zu nichts, aber ich könnte vermutlich etwas tun für uns."
Es geht um den quelloffenen Fickroboter vom Infonetz für den Verein. Henri ist mit der Schrittmotorensteuerung überfordert. Er will mehr Einfühlungsvermögen in die Maschine bringen, mit Hall-Sensoren. Er hasst den Texas-Chip, der zur Steuerung vorgesehen ist. Und schon bin ich stoned. Und besoffen.
"Henri, wie viele Newtonmeter schafft dein Motor? Wenn die Software versagt, wirds gefährlich für den unten."
"Das ist hier die Frage... Die Version ist zu neu und kommt mir nicht gerade praxisorientiert vor. Sicher cool für Damen, aber für hier... Deswegen will ich ja Hall-Sensoren. Muss erst schauen, was es so gibt und zu welchem Preis."
Joint geht zurück an Henri.
"Für meine ersten Tests bastle ich einen Drehregler für Härte", scherze ich. "Vier Stufen: Henri - Julius - Chris - der auf der Fähre nach Korneuburg." Pause für einen Lacher.
"Du traust dich? Du würdest dich opfern für erste Tests? Weiß das der Vorstand schon?"
Ich rolle die Augen nach oben und seufze. Henri hat keinen Humor. Die Idee mit dem Roboter finde ich behämmert. Womöglich bin ICH haftbar, wenn die Software von mir ist und den Benutzer körperlich überfordert, obwohl "den BenutzteN" nach der Vorstellung der Massenmenschen da draußen treffender wäre.
A propos Testen. Henri ist der Extremtest für meine literarische Idee mit der Nummer 81. Henri ist ein knochentrockener Typ.
Gut erholte Männer streben zurück zur Musik. Plätze sind freigeworden. Setzen wir uns doch hin. Ich bin dran mit Kiffen.
"Meine Nummer 81 ist ein schlechtes Omen." Ich zeige Henri die Nummer an meinem Handgelenk.
"Schlecht? Schwer was los heute."
"Der Achter sind zwei Ringerl, zwei 'O's. Hab auch zwei 'O's."
"Und?"
"Aber da ist nur ein Einser, nur ein Spitz."
"Und?"
Schade, schade, schade.
"Ich hätte lieber zwei Einser für meine zwei Ringerl im, äh, Achter."
"Davon träumt jeder Mann. Scheiß auf das Omen. Geh rauf in den ersten Stock. Dort sind Männer. Ich segne dich."
Henri findet mich nicht im Mindesten geistreich. Bei ihm ist mein literarischer Einfall durchgefallen, aber Henri war der Extremtest. Meine imaginären Leser haben mehr Humor als Henri.
Der knochentrockene Typ erhebt sich. "Ich gehe rauf. Wünsche mir Glück." Henri ab.
Irgendetwas ist klebrig auf der Bank, aber wegen des Eiswürfels bin ich im Augenblick auch nicht gerade der Hygienischste.
"Viel Glück, Dicker. Ich segne dich zurück!"
So finde ich mich in Gesellschaft eines unbekannten Mannes wieder, der zwei Plätze entfernt auf der schmalen Holzbank sitzt und mich anstarrt. Kennt er mich? Habe ich schon wieder ein Gesicht vergessen?
Der Mann beginnt, sich mit sich zu befassen. Anscheinend, um mir die Frage "Darf ich was helfen?" abzuknöpfen. Bin zu besoffen. Davon hat keiner etwas. Danke, Bar-Weihnachtsmann. Ich zeige dem Solisten meine Nummer am Handgelenk.
"Ich arbeite an einer Katzengeschichte."
"Hat man mir erzählt."
Ich bin im Gerede, aber nicht so, wie ich das wünsche. Ich hätte woanders hingehen sollen. Leider bin ich zu pleite für seriöse Drogen.
Ich nehme die Überkniestrümpfe vom Wäschetrockner und putze die Armeestiefel mit Stahlkappen. Rasiert bin ich schon, aber ich trimme Härchen von den Ohren. A propos. Gibt es noch mehr zu enthaaren? Mit Creme? Überflüssig, wie ich an den paar kaum sichtbaren Pinselchen an den Oberschenkeln feststelle. Außerdem wäre es dafür zu spät, weil sich meine Follikel von der Creme für mehrere Stunden röten. Das Licht bei den Bikern ist sehr gut zu mir, wenngleich für sonst nichts. Der schwarze Mini-Overall mit kurzen Ärmeln und ohne Beine ist noch etwas klamm, hat jedoch den Metallring noch durch den Reißverschluss, der bis über den hochgeschlossenen Hals zieht. Waschmaschinchen war schonend im Schleudergang.
Ich bin fast so elegant wie in meiner Katzengeschichte. Tatsächlich ist egal, was ich anziehe, weil ich bei den Bikern nicht lang bekleidet sein werde. Sonntags ist die Kleiderordnung Nackt. Ich zurre mich in die Armeestiefel, ziehe die antike Jacke aus gekämmter Wolle an. Ein schwarzer Zweireiher. Ohne Pullover wird mich der Winter ein bisserle erzittern, aber ich habe nicht weit. Kopfhörer zurecht rücken. Marschmusik, während ich die Schlüssel suche. Lipstick K-Pop. Meine Feuerzeuge sind ebenfalls verschwunden. Ich toggle in der Musikliste zu "Pump Up The Volume", weil ich mich vergewissern will, dass die Nummer kriegerisch genug für meine Katzengeschichte ist. Nach wenigen Minuten Suche kann ich mich auf den Weg machen. Inzwischen ist "Pump Up The Volume" vorbei und "Porno Loco" beginnt. Marschmusik.
In der Rundumdieuhr-Bäckerei beim Biker-Vereinslokal wechsle ich einen Fünfer in Münzen und trinke zur Zigarette auf der Straße einen Espresso vom Automaten. Bei meinen geliebten Bikern gibt es keine Kaffeemaschine. Dem Mann am anderen Fensterbrett, einem Mohammedaner, biete ich auch eine Zigarette an, weil ich ihn in der Woche zuvor angeschnorrt habe. Stolz auf mich, weil ich sein Gesicht wiedererkenne. Auch mein Defekt mit der Gesichtererkennung kommt in meiner Katzengeschichte vor, trägt jedoch nichts zur Handlung bei. Ersatzlos streichen. Der Mohammedaner und ich grüßen einander unter zarter Verbeugung mit der flachen Hand vor der Brust, wie ich es mir in der Woche zuvor abgeguckt habe. In der Woche zuvor war ich nicht angezogen wie für Party, sondern wie für Porno. Hat der Mohammedaner nicht einmal bemerkt. Das war sehr wichtig zur Sicherstellung von Plausibilität in meiner Katzengeschichte. Ich liebe Plausibilität, dabei ist die Erzählung ein Science-Fiction-Märchen.
Bei den Bikern ist der Flur vor der Garderobe mit drei Männern belebt, welche allerdings am Gehen sind. Die Nackedeis wollen ihre Sachen vom Garderobier.
"Heute ist Dresscode Naked", ruft mir Alexus von hinter dem Tresen der Garderobe zu. Vermutlich hält er mich wegen Ring am Zipp und wegen eingefassten Knien für eine andere Kleiderordnung im Kalender verkleidet. Das ist natürlich meine Absicht. Ich bin im Gerede für was ich an der Garderobe ausziehe. Wie sich jeder denken kann, ist es unter Fetischbikern schwierig, mit seinem Outfit ins Gerede zu kommen, weil alle eher exzentrisch anmuten, aber meine Erfindungsgabe ist unermesslich.
Ich weiß, wie man sich heute kleiden soll. Daher: "Ich weiß."
Als die Jacke am Sitzbrett liegt, stehe ich auf, mit Metallring am Hals, in kurzen Ärmeln und in zum langen schwarzen Strümpfen.
"Wie findet ihr mich?"
"So kommst du nicht rein." Ein nackter Streber mit ungarischem Akzent. "Du musst dich an den Dresscode halten." Einem Jüngling ist so langweilig in der Warteschlange, dass er seinem ungarischen Freund einen seiner behaarten Oberschenkel ableckt. Soll ich mich um den anderen Oberschenkel kümmern? Zeitverschwendung. Auch scheinheilig ist nicht langweilig.
"Soll ich noch mehr ausziehen?"
"Bitte."
Das Schenkelpärchen ist dran an der Garderobe. Dann kleiden sich ringherum Männer an, die durch ihre Anmutung auf der Straße nicht auffallen wollen. Stützen der Gesellschaft. Damit habe ich nichts zu tun als Autor. Neben Alexus erscheint Schichtleiter Chris in der Garderobe, der für ehrenamtliche Tätigkeit im Verein auch schon mein Chef war. Vermutlich löst er Alexus ab. Ich erhalte einen Kleiderbügel mit der Nummer 81 und ein Armband mit der Nummer 81. Das bringt mich auf eine Idee für die Katzengeschichte. Ein literarisches Problem ist besser gelöst, wenn der Einfall mit 81 funktioniert. Das lässt sich testen. Gleich hier im Verein. Auf andere Gedanken kann ich ja nachher kommen.
Trotz Adventmampfens wieder zu dünn für den Overall. Größe "S" wäre besser gewesen, dabei ist das Teil für Damen. Groß genug, dass ich nicht die Schuhe ausziehen und wieder anziehen muss, um mich zu entkleiden. Mal sehen, ob ich nackt genug bin für den Abend. Der Vereinsvorstand hat die Kleiderordnung für nackt festgelegt mit: Nichts als Schuhe und Socken, aber vermutlich nicht Socken, die bis über die Knie reichen. Allerings ist dieser Grenzfall noch nicht hereingekommen bei der Tür. Ich experimentiere gern mit Grenzfällen. So lernt der Mensch. Mich auszuhalten. Der Mini-Overall, MP3-Player und Kopfhörer landen im Sack am Kleiderbügel.
"Was meinst du: Bin ich nackt genug für Dresscode?"
Alexus hinter dem Tresen nimmt meine Sachen entgegen. Er trägt seinen grauen Schottenminirock, weil die Männer in der Schicht wenigstens ein bisschen bekleidet sein müssen, auch für Nackt. Barfuß geht nicht, weil es das Unions-Regime in Lokalen jeglicher Art verboten hat, wegen möglicher Scherben am Boden. Die Kette von Alexus' Monokel ist am Ring durch seine linke Brustwarze befestigt. Auch Alexus verfügt über unermessliche Erfindungsgabe.
"Nackt genug", nickt er. "Gehen wir eine rauchen."
Er klettert über den Tresen der Garderobe.
Die Bar ist gleich neben dem Eingang zum eigentlichen Vereinslokal. Hinter die Bar führt ein weiteres Loch in der Wand, heraus aus der Garderobe, durch das Schichtleiter Chris geeilt kommt. Die Musik ist ausnahmsweise nicht schlecht, ausnahmsweise nicht Techno. Den ehrenamtlichen Barmann kenne ich nicht. Er trägt eine rotweiße Weihnachtsmannzipfelmütze und eine Art Pferdegeschirr um den Oberkörper, sowie... ich stelle mich auf die Zehenspitzen... schwarze Boxershorts und weiße Sneakers mit Sportsocken. Chris trägt heute Netzleibchen. Und Boxerbriefs, damit es was zu sehen gibt. Naja. Nichts für mich. Bin wehleidig.
"Ho, ho, ho, Sparefroh!" Ich rede ohne zu denken. Das ändert sich, wenn ich besoffen bin. Dann muss ich überlegen, was ich sage.
Der Barmann guckt vergnügt. "Was darf ich tun für dich, Spatzi?"
"Du musst arbeiten, daher beschränke ich mich auf einen doppelten Hauptstädtischen Wodka und ein Cola Zorro." Ich zeige die Nummer 81 am Handgelenk her.
"Machma."
Chris reicht mir von hinter der Bar einen Eiswürfel. "Alexus, man kraxelt nicht über den Tresen der Garderobe!" Und zu mir: "Steck ihm zur Strafe Eis in den Arsch. Damit er sichs merkt!"
"Alexus, du hast es gehört. On The Rocks!"
Die Idee gefällt mir. Wohin damit in der Katzengeschichte? Ich wollte nichts mehr ändern, bloß noch maniküren. Wir sind komplett und stabil. Alexus beugt sich - Hände am Tresen - vor. Der Schottenminirock ist heute durch rote Spitze verlängert. Neu? Selbst genäht?
Der Eiswürfel will nicht so richtig hinein in den... Alexus, dabei ist der Eiswürfel von der abgerundeten Sorte.
"Alexus, stell dich nicht so an. Strafe muss sein. Oder brauchst du Poppers? Für so ein Würfelchen?"
"Sssshhhhzz..." Alexus, wirklich so schlimm?
Schriftsteller müssen so etwas wissen. Ich lasse ab vom Garderobier des Abends und verwende den Eiswürfel selbst. Wirklich sehr kalt, aber nicht weiter furchtbar. Wäre sogar angenehm im Sommer. Muss ich mir merken. In meiner Katzengeschichte ist Sommer, allerdings kühl und regnerisch.
Inzwischen habe ich einen Pfiff Wodka erhalten, sowie eine eiskalte Flasche Zorro. Das sollen 4 Centiliter sein? Ein Pfiff, ein Achterl, sind 12 Centiliter. Vielleicht eine Zubuße, weil ich am Freitag dem Verein geholfen habe, die Sofas zu entsorgen. Zigaretten in der Jacke vergessen, so wie immer. Alexus hat seine Industrieziese schon im Mund und hält mir die Packung hin.
"Wie geht es der Katzengeschichte? Prost."
Ich trinke den Wodka aus und brauche sofort eine halbe Flasche Zorro.
"Wir sind endlich komplett und stabil. Jetzt geht das Maniküren los, und das kann dauern. Aber reden wir über etwas anderes. Hier will ich weg von der Katzengeschichte."
"Verstehe. Dienstfrei."
"Genau. Danke."
Der Eiswürfel schmilzt, wie ich an Wasser an den Beinen bemerke. Zum Glück bin ich tiefengereinigt für Vorhaben heute Abend, die mich auf andere Gedanken bringen sollen. Diese Form des Grübelabbruchs funktioniert immer. Ich wäre zur Ablenkung lieber Skateboardfahren gegangen, auch sehr zuverlässig, aber zum Stümpern mit dem Skateboard bin ich in der falschen Gegend. Außerdem ist die Skateboarder-Jacke verschwunden. Das Gras ist seit zwei Wochen alle. Ohne Kiffen fühle ich mich nicht wohl auf Rollen.
Der Rauchsalon ist sehr bevölkert. Aromata von Poppers und Marijuana trotz exzellenter Entlüftung. Am Freitag haben wir die Sofas rausgeschleppt, weil der Rauchsalon dem Vereinsvorstand immer zu voll war, und nicht nur mit Rauchern. Daher haben wir durch schmale Holzbänke ersetzt. Der Rauchsalon sei nicht für Orgien gedacht, wie der despotische Vorstand in einer E-mail an alle bemängelte, dafür sei der Barbereich und vor allem der erste Stock vorgesehen. Die Sofa-Entfernung war vergebens, wie man deutlich sehen kann. Mehr Platz für Leiber. Ich finde geschmacklos, dass so viele rauchen dabei. Vielleicht ist es ein Rollenspiel zur Entwürdigung.
"Hast du Feuer?", fragt Alexus mit Ziese zwischen den Lippen. Wir müssen stehen.
"Billige Anmache. Ich habe gar nichts. Ich bin nackig."
Alexus nimmt die Zigarette in seine Hand. "Hey, hat wer Feuer?", ruft er in die beschuhte Meute, in der alle beschäftigt sind und sonst nichts anhaben. Hätte ich mich nie getraut, Liebespärchenmänner zu belästigen. Ich habe Benehmen. Wenngleich nur hier. Wir erhalten ein rotes Feuerzeug von einem Sitzenden, der gerade von dem Vietnamesen versorgt wird, an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann. Einer der wenigen hier, die sich mit Elektronik auskennen wie ich.
"Alexus, kann man sich anstecken, wenn man einen Eiswürfel von wem anderen verwendet? Ist das wie bei einem Schnupfröhrchen oder einer Fixe?"
"Bei mir nicht. Ich war neulich Nuttenbingo. Alles negativ."
"War mehr theoretisch gemeint."
"Glaub nicht. Vielleicht bei den Stadtwerken anrufen und die fragen."
Den Stadtwerken jagt eine Heidenangst ein, was wir hier tun. Lebensgefahr. Das einzige, das sie noch hysterischer und hilfsbereiter macht als Zuwendung unter einander wildfremden Männern, ist Chem, Chemsex -- die Infonetz-Chiffren für Männerorgien auf seriösen Drogen. Ständig Ambulanzwagen wegen seriösen Drogen. Daher betuliche Aufklärung und Ermahnungen online und offline. Und Gratis-Nuttenbingo für alle gängigen Nutteninfektionen. Verbieten können sie nichts von unseren geschätzten Entartungen. Es wäre zu homophobisch und zu bigotisch für 2025.
Alexus raucht. Ich auch. "Codec", sagt er, "ich muss doch nochmal anfangen wegen der Katzengeschichte. Ich komme ja nicht darin vor, oder doch?"
"Nein."
"Monique würde gern vorkommen."
"Alexus, was? Dein Ernst? Wie soll ich das machen? Das Schiff hat abgelegt. Wir sind komplett und stabil."
Mooohment... Mir kommt eine glänzende Idee. Eine Serbin. Würde vielleicht passen.
"Wie wärs mit Monique als krimineller Schlampe?"
"Ziemlich extrem, aber könnte ihr schon gefallen. Kennst sie ja."
"Kann nix versprechen, aber ich schicke ihr eine Nachricht."
Monique... als die serbische Nutte... Hm. Eine Leserin hätte ich dann schon mal. Ist die Katzengeschichte für Frauen überhaupt interessant?
Und schon bin ich besoffen. Von einem Achterl Wodka. Und schon wieder eingesponnen in meine Katzengeschichte. Ist das schrecklich.
Alexus hält seine halb abgearbeitete Zigarette in die Höhe.
"Mmmkay... muss wieder..."
Ich reiche Alexus den stählernen Aschenbecher. Alexus dämpft ab und geht ab. Er ist ja nicht zum Spaß hier. So wie ich.
Neben mir steht Henri und reicht mir einen Joint. "Come hit that shit, bitch!"
Ich grüße zurück, nehme und ziehe. Schmeckt nach gar nichts, aber ich bin seit Wochen unstoned, daher wirksam. Dauernd pleite wegen meines Literatur-Coach. Zahlen für Herumgezicke per E-mail. Mein zweiter Lektor. Der andere wollte mit mir nichts mehr zu tun haben nach den ersten zehn Normseiten Katzengeschichte.
"Alles gut?", fragt Henri. "Ist die Katzengeschichte schon fertig?"
"Bitte reden wir von etwas anderem."
"Gern. Ich habe dir die Unterlagen geschickt."
"Schon überflogen. Ich komme zu nichts, aber ich könnte vermutlich etwas tun für uns."
Es geht um den quelloffenen Fickroboter vom Infonetz für den Verein. Henri ist mit der Schrittmotorensteuerung überfordert. Er will mehr Einfühlungsvermögen in die Maschine bringen, mit Hall-Sensoren. Er hasst den Texas-Chip, der zur Steuerung vorgesehen ist. Und schon bin ich stoned. Und besoffen.
"Henri, wie viele Newtonmeter schafft dein Motor? Wenn die Software versagt, wirds gefährlich für den unten."
"Das ist hier die Frage... Die Version ist zu neu und kommt mir nicht gerade praxisorientiert vor. Sicher cool für Damen, aber für hier... Deswegen will ich ja Hall-Sensoren. Muss erst schauen, was es so gibt und zu welchem Preis."
Joint geht zurück an Henri.
"Für meine ersten Tests bastle ich einen Drehregler für Härte", scherze ich. "Vier Stufen: Henri - Julius - Chris - der auf der Fähre nach Korneuburg." Pause für einen Lacher.
"Du traust dich? Du würdest dich opfern für erste Tests? Weiß das der Vorstand schon?"
Ich rolle die Augen nach oben und seufze. Henri hat keinen Humor. Die Idee mit dem Roboter finde ich behämmert. Womöglich bin ICH haftbar, wenn die Software von mir ist und den Benutzer körperlich überfordert, obwohl "den BenutzteN" nach der Vorstellung der Massenmenschen da draußen treffender wäre.
A propos Testen. Henri ist der Extremtest für meine literarische Idee mit der Nummer 81. Henri ist ein knochentrockener Typ.
Gut erholte Männer streben zurück zur Musik. Plätze sind freigeworden. Setzen wir uns doch hin. Ich bin dran mit Kiffen.
"Meine Nummer 81 ist ein schlechtes Omen." Ich zeige Henri die Nummer an meinem Handgelenk.
"Schlecht? Schwer was los heute."
"Der Achter sind zwei Ringerl, zwei 'O's. Hab auch zwei 'O's."
"Und?"
"Aber da ist nur ein Einser, nur ein Spitz."
"Und?"
Schade, schade, schade.
"Ich hätte lieber zwei Einser für meine zwei Ringerl im, äh, Achter."
"Davon träumt jeder Mann. Scheiß auf das Omen. Geh rauf in den ersten Stock. Dort sind Männer. Ich segne dich."
Henri findet mich nicht im Mindesten geistreich. Bei ihm ist mein literarischer Einfall durchgefallen, aber Henri war der Extremtest. Meine imaginären Leser haben mehr Humor als Henri.
Der knochentrockene Typ erhebt sich. "Ich gehe rauf. Wünsche mir Glück." Henri ab.
Irgendetwas ist klebrig auf der Bank, aber wegen des Eiswürfels bin ich im Augenblick auch nicht gerade der Hygienischste.
"Viel Glück, Dicker. Ich segne dich zurück!"
So finde ich mich in Gesellschaft eines unbekannten Mannes wieder, der zwei Plätze entfernt auf der schmalen Holzbank sitzt und mich anstarrt. Kennt er mich? Habe ich schon wieder ein Gesicht vergessen?
Der Mann beginnt, sich mit sich zu befassen. Anscheinend, um mir die Frage "Darf ich was helfen?" abzuknöpfen. Bin zu besoffen. Davon hat keiner etwas. Danke, Bar-Weihnachtsmann. Ich zeige dem Solisten meine Nummer am Handgelenk.
"Ich arbeite an einer Katzengeschichte."
"Hat man mir erzählt."
Ich bin im Gerede, aber nicht so, wie ich das wünsche. Ich hätte woanders hingehen sollen. Leider bin ich zu pleite für seriöse Drogen.