Katzengleich

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Kaetzchen

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Sie schläft. Liegt ganz entspannt in der Sonne und scheint die wohlige Wärme zu genießen. Das grelle Licht formt ihren Körper, schafft beleuchtete Höhen und schattige Tiefen. Sie lächelt in sich hinein, ein Bild perfekter Seligkeit. Gemütlich kuschelt sie auf der harten, glänzenden Oberfläche einer Mauer und verschmilzt mit ihrem Spiegelbild. Blumen umranken sie.
Einige Meter vor ihr steht Hannes und erfreut sich an diesem Anblick. Dann wandern seine Augen kritisch über ihren nackten Körper. Er findet ihre Proportionen gelungen und bewundert ihre unbeschreibliche Weiblichkeit. Das Inkarnat ihrer Haut ist von einem zarten Farbenspiel geprägt. Ihr friedlicher Gesichtsausdruck und ihre katzenhafte Haltung erwecken den Eindruck, als gäbe es diese hektische Welt um sie herum nicht. Hannes kann seinen Blick nicht abwenden.
Plötzlich schaut er wie durch Nebel und alles läuft in Zeitlupe ab. Sie erwacht. Sehr langsam hebt sie den Kopf und sieht ihn mit ihren hellblauen Augen neugierig an. Ihr Blick hält ihn gefangen, er fühlt sich wie ein Schwimmer im tiefen Wasser. Sie erhebt sich und steigt von der Mauer. Mit kleinen Schritten kommt sie auf ihn zu, nein, sie schwebt, als würden ihre Füße den Boden nicht berühren. Jede ihrer Bewegungen ist langsam und doch so grazil, als ob für sie Zeit und Raum nicht existieren. Trotz ihrer Nacktheit lächelt sie unbefangen und kommt immer näher. Hannes steht wie erstarrt und würde gern den Mut aufbringen und sie in seine Arme ziehen. Schweiß läßt seine Stirn glänzen. Gleich ist sie bei ihm und er kann schon ihren wundervollen Geruch wahrnehmen. Sie strahlt die Wärme der Sonne aus. Gerade als Hannes seine Hand nach ihr ausstreckt, gleitet sie an ihm vorbei. Alles in ihm schreit: „warte, lauf nicht weg“, aber es kommt kein Laut über seine Lippen. Verzweifelt schaut er zu der leeren Mauer. Doch halt, die Mauer ist nicht leer. Ihm bietet sich immer noch dieses wundervolle Bild:
Sie liegt ganz entspannt, ihr blondes Haar hängt herab, die Sonne scheint und Blumen ranken. Hannes will nun nichts mehr an diesem Anblick ändern, denn er ist vollendet.
Zufrieden schreibt er seine Initialen und die Jahreszahl in die unterste rechte Ecke und bringt das Bild in die Galerie.
 

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