kaum

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HerbertH

Mitglied
Zu diesem Gedicht würde mich interessieren, ob die - zumindest vordergründig deutliche - Dialogsituation des lyrIch mit dem lyrDu in Eurer Lesart eher ein Dialog des lyrIch mit sich selbst ist.

In einem anderen Forum wurde dieser Punkt kontrovers diskutiert. Aus meiner Sicht sind beide Lesarten möglich, eine dominierte allerdings beim Schreiben, ziemlich aus dem Bauch heraus übrigens.

Danke im Voraus

Herbert
 
Hallo Herbert

Für mich scheint dass ganze eher an ein Selbstgespräch des LyrIch zu grenzen, wie man, verwundert über sich selbst innehält, einatmet und sich selbst mit Worten eindeckt, die in einer Frage enden.

Liest man das ganze in diesem Sinne, bekerkt LryIch dass von der Vergangenheit kaum mehr als Fetzen geblieben sind, die aber noch wirken, was zur Verwunderung führt.
Wie, als ob es glücklich über etwas sein müsste, ohne wirklich zu begreifen auf was.
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Patrick,

sehr aufschlussreich für mich, danke. Ich stelle immer wieder fest, dass man als Autor bestimmte Ideen im Kopf hat und irgendwann feststellt, dass bei jedem Leser ein anderer Film beim Lesen abläuft. Das macht natürlich auch den Reiz von Lyrik aus. Manchmal führt einen das auf die Spur von unterbewussten Motiven beim Schreiben.

In unserem Fall ist das direkte Motiv bei mir eine Vorstellung eines anderen LyrDu gewesen, bei dem das LyrIch feststellt, dass immer mehr Erinnerungen fehlen. Durch die Diskussion wird mir immer klarer, dass ich mir vielleicht unterbewusste Ängste vor dem eigenen schleichenden Vergessen von der Seele geschrieben habe.

Liebe Grüße

Herbert
 
O

orlando

Gast
Wie auch immer, Herbert,
mir gefällt`s und beide Lesarten sind möglich.
Besonders mundet mir dein Schlussvers, weil ich nun einmal für solche (mehr als) offenen Enden ein Schwäche habe.

Über eine Mangel an Interesse an deinen Texten solltest du dich nicht grämen; es geht den meisten so. - Liegt sicherlich an der Urlaubszeit ...

Grüßle
orlando
 

HerbertH

Mitglied
Liebe orlando,

danke für Deinen Kommentar. Ja, die Schlusszeile, diese reprise des Titels + Vers 1 hat es in sich.

Liebe Grüße

Herbert
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Nach dem erste Lesen war ich geneigt, es als Monolog zu lesen, aber dann kommen die Brüche in Vers 2 und 10.

Die Zuordnung der anderen Verse auf die Stimmen ist unklar, aber 2 und 10 gehören zum Widerpart.

Spannende Frage, Herbert.
 

HerbertH

Mitglied
Das Thema "Wie wird das gelesen, was der Autor schrieb?" treibt mich schon um, solange ich mich selber am Dichten versuche.

Zu diesem Gedicht schrieb ich (als Inkognito-Autor in einem anderen Forum ;)):

Vordergründig entstand das Gedicht ziemlich aus dem Bauch heraus. Die Szenerie empfinde ich als mit einfachen Worten beschrieben und logisch unter der Prämisse, dass es sich um einen lyrischen Dialog mit einem andern LyrDu handelt.

Aber selbst unter der alternativen Betrachtung, dass hier ein LyrIch ein Selbstgespräch führt, ist das logisch, wenn man annimmt, dass das LyrIch sich vorstellt, wie es in einigen Jahren um das LyrIch bestellt sein könnte, es sich also um eine imaginiertes Selbstgespräch mit einem zukünftigen LyrIch handelt, das[strike]s[/strike] dann als LyrDu angeredet wird. (...)

Durch die intensive Diskussion über die verschiedenen Perspektiven ist mir klar geworden, dass dieses Gedicht auch als eine Aufarbeitung der Ängste des LyrIchs vor einem sich ankündigenden Gedächtnisverlust gelesen werden kann.
Wie das aber vom Leser gesehen wird, ist halt eine ganz andere Frage.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Herbert,

für mich stellt sich die Situation folgendermaßen dar:

Das lyr.ich sitzt dem lyr.du gegenüber, aber dieses schweigt auf seine Worte. Nur dieses Lächeln huscht ab und an über das Gesicht. Mir scheint dieses verbindende Lächeln die wichtigste Stelle in deinem Gedicht zu sein.

Liebe Grüße
Manfred
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Manfred,

das Lächeln ist sicherlich ein zentraler Punkt in diesem Gedicht. Da stimme ich Dir zu.

Und wie ich ja schon schrieb, ist Deine Lesart die, die mir beim Schreiben vor Augen stand.

Danke für Deine Gedanken :)

Liebe Grüße

Herbert
 

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