Kein Signal

Wir saßen einander gegenüber.

Du hattest ein Hemd an,
das aussah,
als hätte es schon bessere Gespräche erlebt.

Ich hatte Lippenstift aufgelegt
wie eine rote Notfalltaste.

Der Abend begann
mit Menükarte,
mit Kerze,
mit diesem absurden Optimismus
von Menschen,
die einander online
für möglich gehalten haben.

Du lachtest an den falschen Stellen.
Ich nickte in eine Richtung,
in der niemand wohnte.

Die Pasta kam.
Die Stille kam.

Beide zu schwer,
um beiläufig zu wirken.

Ich hatte mir vorgestellt,
dass etwas Funken schlägt
wie eine Steckdose,
die sich an einen Blitz erinnert.

Stattdessen bestellten wir Nachtisch
wie Menschen,
die gemeinsam ein Formular ausfüllen.

Wir teilten die Rechnung,
als teilten wir
einen gefalteten,
sauberen
Abschied.

Nichts war falsch.
Das war das Schlimmste.
 

trivial

Mitglied
Hallo Chandrika,

Mit der letzten Strophe fühlt es sich an, als würdest Du dich dem Scheitern öffnen, dem Werden – plötzlich steht das Unverfügbare quer zum Text und hier fühle ich genau diese innere Notwendigkeit von der ich sprach. Ich glaube, ich teile diese Ansicht, dieses Bedürfnis nicht mit vielen, aber dies hier war es:

"Nichts war falsch.
Das war das Schlimmste."

Vielleicht liegt mein Eindruck auch einfach daran, dass ich nach etwas anderem suche als z.B. Anders oder Scal. Was sie beschreiben, mag alles gut und richtig sein, und trotzdem kann es sich für mich anfühlen, als werde hier etwas verwaltet. In Deiner letzten Strophe aber bricht sich ein Werden Bahn.

Zuvor erscheinen mir die Bilder eher als Möglichkeiten der Beschreibung; hier dagegen zeigt sich, wo die Verfügung endet ....

Das Unverfügbare muss in uns entborgen werden.;)

Verzeih meine unpopuläre, höchst subjektive Meinung, aber von Textarbeit habe ich keine Ahnung und trotzdem wollte ich Dir mitteilen, dass Deine letzte Strophe das ausdrückt, worüber ich zu sprechen versuche.

Liebe Grüße
Rufus.
 
Lieber Rufus,
danke dir für diese sehr eigene und intensive Rückmeldung. Ich freue mich, dass die letzte Strophe für dich so stark hervorgetreten ist- vielleicht gerade, weil sie sich einer allzu glatten Deutung ein wenig entzieht.
Deinen Eindruck nehme ich gern mit. Und keine Sorge: Die unpopulären, höchst subjektiven Meinungen sind für mich oft besonders interessant.
L.G.,
Chandrika W.
 



 
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