Pani Bialko
Mitglied
Kropka, eine Altdänische Vorstehhündin, führt ein ruhiges Leben auf dem Land. Sie bewacht tagtäglich den Bauernhof, auf dem sie wohnt, ärgert sich über die Kätzin Fisia, die ebenfalls dort lebt und spricht gelegentlich mit dem Hund aus der Nachbarschaft. Eines Tages kommt es zu Ereignissen, die ihre bis jetzt ruhige Existenz auf den Kopf stellen. Sowohl Kropka als auch Fisia haben ihre reale Vorbilder, von daher lasse ich ihre echten Namen hier im Text. Eins vorweg: Beide Tiere hatten liebevolle Besitzer, an denen sie sehr hingen und die immer gut zu ihnen waren. Das Frauchen und das Herrchen, dessen Namen ich hier nicht erwähnen möchte, konnten jedoch die Tiere nicht vor jedem Unglück und auch nicht vor ihren eigenen Trieben, denen wir alle unterliegen, schützen. Die Geschichte ist von wahren Ereignissen inspiriert, bleibt jedoch eine literarische Verarbeitung und ist keineswegs als sachliche Beschreibung der Tierwelt zu verstehen.
Kropka guckte gähnend nach links und dann nach rechts Richtung der Pforte, die sich aus unerklärlichen Gründen nicht schließen ließ. Im Gegensatz zu gestern schien die Sonne nicht. Es nieselte sogar ein bisschen. Das war eigentlich das Lieblingswetter der Hündin. Nicht zu warm aber auch nicht zu kalt. Einfach ein ruhiger Tag auf dem Land. Von den Nachbarhäusern kam das Bellen der anderen Hunde. Kropka schloss sich ihnen jedoch nicht an. Sie mochte die Köter aus dem gelben Haus nicht. Blöde Kläffer und darunter da noch dieser gemeine Dackel. Kropka war doch ihnen allen überlegen. Eine stolze Altdänische Vorstehhündin mit glänzendem weißem Fell und braunen Sprenkeln. Sie war demnach viel schöner als die lächerlichen Fellnasen aus der Nachbarschaft und was noch wichtiger war, viel intelligenter. Aus diesem Grund beschränkte sie sich nur auf einen gelegentlichen Smalltalk mit Aldo, dem großen, weißen Hund aus dem blauen Haus. Aber obwohl er kein kleiner Mischlingshund war, war er Kropka immer noch nicht gewachsen.
Auf dem Hof ertönte ein lautes Miauen. Fisia. Natürlich. Wer denn sonst, dachte sich Kropka. Wie eine Königin streifte die schwarz–weiße Kätzin den Rasen. Selbstverständlich. Anders konnte sie sich doch nicht bewegen. Anmutig und bedächtig. Kropka grübelte manchmal darüber nach, ob diese verflixte Samtpfote einfach nicht etwas verschlang, was sie dazu zwang, so verdächtig langsam vor sich hin zu spazieren. Einmal hatte die Hündin versucht, den Hof auch auf diese adelige Art und Weise zu überqueren, aber es gefiel ihr überhaupt nicht. Kropka liebte es einfach, wild herumzutoben, zu laufen und ihre langen Ohren im Wind flattern zu lassen. Bedauerlicherweise war niemand davon begeistert. Alle waren dagegen im siebten Himmel, wenn Fisia sich nur vor ihnen auf ihren Hintern setzte. Diese verdammte Nervensäge musste nicht einmal irgendjemandem ihre Pfote geben oder sich wenigstens auf die Hinterbeine stellen. Es reichte einfach, dass sie da war. Sie und ihre Bengel. Ja, schon wieder gab es im Hof die kleinen Kopien von ihr. Kropka ahnte es längst, dass es zu diesem Unglück kommen wird. Dieser graue Kater fickte doch Fisia schon wieder vor einiger Zeit und die Hündin sah das alles fassungslos mit ihren eigenen Augen. Das heißt, sie erblickte erst das Ende des leidenschaftlichen Treffens. Sobald sie die zwei Katzen, die ihr Schäferstündchen genossen hatten, bemerkte, griff sie natürlich unverzüglich ein. Heulend und fauchend jagte sie den grauen Eindringling bis zur Pforte. Sie wollte doch ihren Job ordentlich machen. Es konnte einfach nicht sein, dass jemand das Gelände ohne ihre Erlaubnis betrat, dachte sie sich. Aber auch wenn sie sich das nicht einmal vor sich selbst eingestanden hätte: Was sie eigentlich am meisten traurig machte, war die Tatsache, dass sie im Gegensatz zu Fisia von niemandem besucht wurde.
Also waren wieder irgendwelche Blagen von Fisia im Hause da. Wiederum gab es kleine Geschöpfe, die herum rannten, alle entzückten und Kropka auf den Geist gingen. Gestern erspähten sie einen großen Frosch im Gras und versuchten ihn zu schnappen. Heute Mittag lieferten sie sich eine wilde Jagd um ihre Hundehütte. Mal waren sie auf der rechten Seite, mal auf der linken. Kopfschüttelnd ging Kropka auf die Kätzchen zu, um ihnen höflich zu erklären, wie sich die Tiere auf dem Hof verhalten sollten. Sie schaffte es aber nicht einmal, zu Wort zu kommen, denn völlig unerwartet näherte sich ihr Fisia von der Seite, und ohne irgendwelche Warnungen auszusprechen, versetzte sie der Hündin eine Ohrfeige.
Und deswegen saß jetzt Kropka stinksauer in ihrer Hundehütte. Mürrisch und zähneknirschend überlegte sie, wie lange die ganze Situation noch zu ertragen war. Schade, dass das Frauchen oder das Herrchen nicht in der Nähe waren. Wenn sie merkten, dass die Hündin nicht in guter Laune war, spielten sie ein paar Minuten mit ihr. Denn die beiden mochten sie eigentlich, auch wenn sie einen Narren an Fisia und nicht an ihr gefressen hatten. Und Kropka mochte sie auch sehr und hing besonders an ihrem Herrchen, der ihr ab und zu einen Snack zuwarf. Kropka hatte leider keinen unbeschränkten Zugang zu den Leckereien, so wie die Kätzin. Regelmäßig spazierte Fisia in das kleine Häuschen mit dem Abstellraum, wo sich der Sack mit Hundefutter befand und schlug unverfroren zu, während Kropka es rot sah. Na ja, aber das Leben auf dem Land ist eben kein Zuckerschlecken, dachte sich die Hündin immer wieder.
Der leichte Nieselregen intensivierte sich. Und vielleicht war es gut so, dachte sich Kropka. Während des Regens ließ sich die ganze Katzenfamilie nicht blicken. Nichts brachte Kropka so auf die Palme wie das Bild der überglücklichen Kätzin, die voller Liebe und Zuneigung die Ärsche ihrer kleinen Bengel ableckte. Und dann diese kleinen Schmarotzer, die sich an ihre Mama schmiegten und sie anschauten, als gäbe es niemanden außer sie auf der Welt. Aber eigentlich, wenn es sich Kropka so gut überlegte, kam sie zu der Schlussfolgerung, dass Fisia alles andere als eine gute Mutter war. Die Hündin war sich dessen sicher, dass sie sich um ihre Kinder um Welten besser kümmern würde. Wenn sie nur irgendwelche hätte.
Und so vor sich hin über angemessene Erziehungsarten grübelnd und dem Regen zuhörend schlief die Hündin in ihrer kleinen Hundehütte ein. Die Nacht war für sie nicht einfach. Ein paarmal weckte sie ein Donner. Den Himmel zerrissen mehrere Blitze, was ihr die Nackenhaare aufstellen ließ. Und auch in den Momenten, wo das Gewitter nachließ, konnte sie keinen ruhigen Schlaf finden. Sie kämpfte mit dem Ungeheuerlichen, das sie in ihren Albträumen heimsuchte, und wälzte sich hin und her. Als wäre da etwas gewesen, was sie in ihrem Inneren quält und was aus ihr rauskommen möchte. Aber was das war, das hätte sich die Hündin nicht erklären können.
Erschöpft stand sie im frühen Morgen auf. Und das erste, was sie zu sehen bekam, war der gute alte Aldo, den sie eigentlich schon seit ein paar Tagen mied. Mit den täglichen Pflichten überfordert hatte die Hündin einfach keine Lust auf langweilige Gespräche. Doch heute schien Aldo, der an der geöffneten Pforte verweilte, vom etwas Besonderen umwoben zu sein und auch er schaute Kropka mit unverhohlenem Interesse an. Die Hündin hatte den Eindruck, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben von jemandem so angesehen wurde. Aldos Blick war liebevoll, sehnsüchtig und auffordernd. Mit dem Schwanz wedelnd kam Kropka vor die Hundehütte, um ihren schönen Körper zu präsentieren. Aldo ließ nicht lange auf sich warten und rückte zu ihr in Windeseile. Blitzschnell stand er vor ihr da. Er berührte langsam mit seiner warmen Nase ihren Maul und begann dann ihren ganzen Körper zu beschnuppern. Kropka wollte im ersten Augenblick etwas sagen, aber ach, da gab es keine Worte, die alles ausdrücken könnten, was sie gerade fühlte. Das Bedürfnis, die Begierde und das Verlangen nach der Erfüllung der tief verborgenen Träume, von deren Existenz sie bis noch vor Kurzem gar nicht wusste. Voller Freude hob sie ihren Schwanz zur Seite und begann in die Hocke zu gehen, um Aldo bestmöglichen Zugang zu ihrem Hintern zu sichern.
Plötzlich durchriss ein schriller Schrei die morgendliche Stille.
»AAAah! Mach, dass du wegkommst, du verdammte Kreatur!«, kreischte da jemand, was das Zeug hielt. »Hau ab!!!!! Hau einfach ab!«
Kropka zuckte erschrocken zusammen und guckte fassungslos zu, wie das Frauchen, das zu ihnen lief, ihren geliebten Aldo verjagte. Mit ein paar Sätzen war die Frau schon vor ihr und erhob drohend den Finger. »Du böses Mädchen!«, tadelte sie die Hündin.
Kropka schaute das aufgebrachte Frauchen verwundert und verletzt an. Sie konnte es sich nicht erklären, womit sie sich so eine dreiste Beleidigung verdiente. Seit dem letzten Mal, wo ihr Frauchen sie so nannte, war schon eine lange Zeit vergangen. Das war ihr zweiter oder dritter Arbeitstag gewesen. Sie konnte einfach noch nicht wissen, dass der Postbote so eine Art Freund des Hauses war und dass er das Gelände betreten durfte. Na ja, mag sein, dass sie damals ein bisschen überstürzt reagierte, aber andererseits war die Tatsache, dass sie bellt oder knurrt, noch lange kein Grund dafür, gleich in Panik zu geraten und wegzulaufen. Und wenn dieser Fettklops nicht so ungeschickt gewesen wäre, wäre er auch nicht in die riesige Pfütze vor der Pforte reingefallen. Und außerdem wusste doch hier jeder, dass das Leben auf dem Land kein Zuckerschlecken ist, dachte sich Kropka, während sie in das kleinere Häuschen, in dem momentan niemand wohnte, gedrängt wurde. Man wollte sie doch hier nicht einsperren? Der löste Besorgnis in ihr aus.
Drinnen in dem Häuschen setzte sich Kropka beunruhigt auf den Teppich, der in der Mitte des Zimmers lag. Was hatte das alles zu bedeuten, fragte sich Kropka entsetzt. Sie wollten sie aber jetzt nicht aus dem Hof vertreiben! Das konnte einfach nicht wahr sein. Kropka hatte immer vorbildlich dem Hause gedient. Ohne ihren Schutz wäre die ganze Bude binnen ein paar Tagen zu Grunde gegangen. Das Frauchen tadelte die Hündin jedoch nicht. Im Gegenteil. Lachend schaute es sie an und dann kräuselte es liebevoll ihren Kopf.
»Ach, mein Pünktchen. Was machst du da?«, fragte das Frauchen und stemmte seine Arme in die Seiten. »Aldo ist doch ein Versager, der so ein tolles Weib, wie dich, gar nicht verdient«, erklärte es voller Überzeugung. »Es gibt da in der Nachbarschaft einen viel besseren Kandidaten für dich und du wirst bald zu ihm gebracht werden.«, versprach das Frauchen. »Er ist so wie du, nur ganz braun und ohne jegliche Punkte.« Ihre Besitzerin machte energisch ein paar Handbewegungen, als hätte sie den Hund in der Luft malen wollen. »Ach, du wirst von ihm wundervolle Welpen kriegen«, fügte die gute Frau grinsend hinzu.
Kropka schaute das Frauchen verdutzt an. Mit solchen Informationen hätte sie überhaupt nicht gerechnet. Sie hatte da schon zwar ein paar Vermutungen bezüglich Aldos Person, aber dass er ein Versager war, nö, darauf wäre sie selber nie gekommen. Und da war noch dieser geheimnisvolle braune Hund. Kropka hatte schon immer so ein inneres Gefühl gehabt, das ihr sagte, dass da draußen in der großen weiten Welt hinter der offen stehenden Pforte jemand besonderer auf sie wartete. Und jetzt bestätigte sich ihre Ahnung. Und dann noch die Ankündigung, dass sie irgendwelche Welpen kriegen würde. Erst jetzt erkannte Kropka die Situation in ihrer ganzen Tragweite und der Ernst der Lage wurde ihr bewusst. Erwartungsvoll guckte sie ihr Frauchen an mit der Hoffnung, dass es noch mehr verrät. Vor allem wäre es für sie wichtig zu wissen, mit wie vielen Welpen sie beschert wird. Fisia hatte pro Wurf zwei oder drei Kitten und da wollte Kropka natürlich nicht schlechter sein. Also drei Welpen waren das mindeste, was sie sich gewünscht hätte. Und vielleicht konnte sie sogar mehr kriegen, schoss ihr durch den Kopf. Zum Beispiel fünf. Warum nicht? Darüber hinaus wollte sie wissen, wie lange sie auf die Kleinen warten musste. Und last but not least war es für sie wichtig zu klären, ob sie jetzt mehr Snacks bekommen würde.
Das Frauchen sagte aber nichts mehr. Es streichelte nur Kropkas Kopf und verließ das Häuschen, die Tür hinter sich schließend. Mit ihren Gedanken alleingelassen und ein bisschen von den Ereignissen überwältigt, setzte sich Kropka auf ihren Hintern und begann die ganze Situation von Grund auf neu zu analysieren. Bald würde sie sich aller Sonderrechte erfreuen, die nur der gesegnete Zustand versichert und den bis jetzt nur Fisia schamlos, das muss man hier erwähnen, ausgenutzt hatte. Ein neues Lebenskapitel eröffnete sich der Hündin.
Draußen ertönte ein intensives Bellen. Voller Neugier kam Kropka ans Fenster und erblickte unten ein paar Hunde aus der Nachbarschaft, deren Namen sie sich nie merken konnte, den Versager Aldo und noch den gemeinen Dackel. Bei dem Gedanken, wie der kleine Kerl ratlos um sie herum hüpft, weil er gar nicht in der Lage ist, sie zu besteigen, musste sie sich ein Lächeln verkneifen. Mit Interesse schaute aber Kropka sich den Rest an, der zwar bei ihr keine Chance hatte, dessen Präsenz ihr dennoch schmeichelte. Sie alle kamen wegen ihr hierher. Kropka war sich dessen sicher und genoss die Tatsache, die Angebetete zu sein. Fisia wurde nur von einem Bewerber besucht und sie dagegen hatte ein paar von Kavalieren vor den Fenstern und noch einen geheimen Verehrer in der Nachbarschaft. Aber am meisten freute sich Kropka auf ihre Fünflinge, die sie bald bekommen würde. In ihrem Inneren sah sie schon die niedlichen Hündchen, die im Hof mit einem kleinen Bällchen spielten oder in ihrer Hundehütte schliefen. Da wird Fisia blöd aus der Wäsche gucken. Schon jetzt war die Kätzin bestimmt aufgrund des Hunderudels verunsichert, dachte sich die Hündin. Triumphierend und voller Freude auf das neue Leben begann Kropka zu bellen und in dem Zimmer herumzulaufen.
Als das Herrchen Kropka besuchte, machte sie gerade ein kleines Nickerchen. Von Hoffnung erfüllt kam sie zu ihm und legte ihren Kopf in seine Hände, in denen sich ein Snack verbarg. Das Herrchen schaute ihr liebevoll zu, wie sie den Leckerbissen verschlang. Plötzlich öffnete sich die Tür und das Frauchen kam herein.
»Ich dachte, du fährst jetzt mit ihr zu unserem Nachbarn«, sagte es verblüfft.
»Nein … Daraus wird leider nichts«, antwortete das Herrchen, und drehte sich zu seiner Frau um. »Unserem Nachbarn gefällt der Gedanke nicht, dass wir die Welpen haben werden«, fügte er hinzu.
»Hatte er gedacht, dass ihm sein Rüde kleine Hunde gebärt?«, fragte das Frauchen irritiert. »Natürlich werden wir und nicht er die Welpen haben. Reicht ihm jetzt das, was wir ihm vorgeschlagen hatten, nicht mehr aus?« Verwundert guckte das Frauchen ihren Mann an. Der streichelte nur die Hündin und schüttelte den Kopf.
Beunruhigt versuchte Kropka, dem Gespräch zu folgen. Für ein paar Sekunden dachte sie, dass sie sich verhört hatte. Wie denn? Sie werden Welpen haben? Nein, das gibt’s doch nicht! Das werden doch Kropkas Welpen sein! Ihre kleinen Lieblinge, die sie zu besten Jagdhunden großziehen wird. Kropka hatte schon ein paarmal in ihren Gedanken den Preis für die Mutter des Jahres erhalten. Sie hatte sich selbst auf dem Podium gesehen, das sie zusammen mit ihren fünf Hündchen belegte. Das alles hatte sie dank ihrer harten Arbeit erreicht und der kleinen Hilfe von dem braunen Hund. Moment mal! Aber was hatte das eigentlich zu bedeuten, dass irgendetwas vorgeschlagen worden war? War sie jetzt eine Kundin, oder was? Das konnte doch nicht wahr sein! Man versprach ihr Liebe und Herr Nachbar stellte sich in die Quere und forderte, dass sie für ihr Glück bezahlt, als wäre sie ein jämmerlicher Köter. Und wenn das alles nur gelogen war, kam Kropka plötzlich ein ziemlich sinnvoller Verdacht in den Sinn. Vielleicht existierte der braune Hund nicht und man hatte ihr nur ein Märchen erzählt, damit sie hier wie ein braves Lämmchen herumsitzt und auf einen Liebhaber aus Wolkenkuckucksheim wartet. Und jetzt wollte man ihr weismachen, dass der Besuch wegen Herrn Nachbarn nicht stattfinden kann.
Aus ihren Kulleraugen das Herrchen und das Frauchen beobachtend, versuchte sie die beiden darauf hinzuweisen, dass sie eigentlich zu niemandem gebracht werden musste. Draußen vor den Fenstern standen noch immer die Interessenten da. Aldo, der zwar ein Versager war, aber Kropka hätte doch ein Auge zudrücken können. Ein paar Hunde, deren Namen der Hündin jetzt entschwanden. Und noch der gemeine Dackel. Sie hätte sich für ihn hinlegen können. Ihr bricht doch kein Zacken aus der Krone, dachte sich Kropka voller Wehmut, ihre Besitzer verzweifelt anschauend. Doch weder das Herrchen noch das Frauchen schienen sich, um die Hündin in diesem Moment zu kümmern. Ohne sie anzugucken, verließen sie das Häuschen.
Mit ihren Gedanken allein gelassen glotzte Kropka das leere Zimmer an. Das war einfach nicht zu fassen! Noch vor Kurzem stand die Welt ihr offen und jetzt saß sie hier allein. Ohne jegliche Hoffnung auf die Hündchen und den geheimnisvollen Verehrer. Aufgeschmissen schaute Kropka auf ihr Spiegelbild in dem Spiegel, der ihr gegenüber an der Wand stand. Warum wollten eigentlich immer alle über ihr Leben entscheiden? Warum durfte Fisia ohne Reue ihre One-Night-Stands genießen, während man Kropka dasselbe untersagte? Und warum, verdammt noch mal, stand der Sack mit den Snacks in dem Abstellraum und nicht in ihrer Hundehütte, fragte sich die Hündin. Und so wie Kropka noch vor einiger Zeit voller Glück in dem Häuschen gejubelt hatte, tobte sie jetzt sauer auf die ganze Welt herum. Ein unbändiger Zorn ergriff ihren ganzen Hundekörper und wilde Phantasien eroberten ihr Gemüt.
Nach ein paar Stunden voller Bellen, Knurren und hoffnungslosem Kläffen legte sich Kropka erschöpft auf den Boden und verfiel in einen wohligen Schlaf. Endlich konnte sie der gemeinen Wirklichkeit entfliehen. Und in ihrem Traum war sie nicht allein, sondern mit einem Hündchen. Obwohl es ihr Kind war, ähnelte es Kropka überhaupt nicht. Das putzige kleine Ding war ganz braun und ohne jegliche Punkte. Wahrscheinlich war es so wegen dem Vater. Aber Kropka war es eigentlich ganz Wurscht, ob ihr Nachwuchs mit Sprenkeln ausgestattet war oder nicht. Das war doch ihr Sohn! Ihr Kind, das sie über alles liebte. Kropka strotze vor Stolz, wenn sie es anschaute. Für das pünktchenlose Schnuckilein würde sie ins Feuer springen! Und zum Glück wurde sie nur mit einem Kind beschert. Denn so toll es auch war, eine Mama zu sein, war es auch, musste man hier sagen, ein anstrengender Job. Und darüber hinaus stand der Sack mit dem Hundefutter noch immer in dem Abstellraum. Na ja, aber das Leben auf dem Land ist kein Zuckerschlecken, dachte sich Kropka in ihrem Traum, während sie mit dem Sohn voller Glück laufend die Felder durchstrich.
Erholt und entspannt wachte die Hündin am nächsten Morgen in ihrer vertrauten Hundehütte auf. Noch ein bisschen von den Träumen benommen, versuchte sie sich daran zu erinnern, wie sie aus dem Häuschen rausgekommen war, aber es gelang ihr nicht. Die letzten vergangenen Tage wurden immer diffuser. Wie der Rauch, der sich langsam in Luft auflöst. Auch an den kleinen Welpen aus ihrem Traum konnte sich Kropka nur mühsam erinnern. Die Hündin steckte ihre Nase aus der Hundehütte raus. Es nieselte ein bisschen und alles versprach einen ruhigen Morgen auf dem Land. Nachdem sie sich vor der Hundehütte ein bisschen gestreckt hatte, entschied sie sich, eine Runde auf dem Hof zu machen, um nach dem Rechten zu schauen. Zuerst wollte sie Richtung der, wie immer geöffneten, Pforte gehen, an der der gute alte Aldo verweilte. Aber obwohl die letzten Ereignisse fast in Vergessenheit geraten waren, schoss Kropka plötzlich eine Sequenz von Bildern durch den Kopf. Szenen ohne jegliche Hemmungen oder Unklarheiten. Einfach ein leidenschaftlicher und tabuloser Film mit ihr und Aldo in den Hauptrollen. Ach Herrje! Nee … Dann doch lieber nicht …, dachte sich Kropka und kehrte um.
Und als sie sich umdrehte, traf sie sich Auge in Auge mit Fisia. Mit eingezogenem Schwanz stand die Kätzin geduckt da. Ihr immer glänzendes Fell schien jetzt irgendwie so ungepflegt. Mit ein bisschen gesenktem Kopf und nach unten hängenden Schnurrhaaren schaute sie sie an mit ihren grünen Augen, die voller bodenloser Trauer waren. Und auf einmal wurde der Hündin klar, warum es hier so ruhig zuging. Die kleinen Kätzchen, die um diese Zeit normalerweise schon herumtobten, waren jetzt nirgendwo zu sehen. Donnerwetter! Konnte es sein, dass ihnen etwas Schlimmes zugestoßen war? Bei dem Gedanken wurde Kropka schwarz vor den Augen. Na bitte schön! Ein paar Tage Urlaub nahm sie und schon kam es zu irgendwelchen Unannehmlichkeiten, dachte sich mit Unglauben die Hündin. Vielleicht wurden die Kitten entführt? Irgendjemand nutzte es aus, dass die Pforte offen war, und schnappte sich die Kleinen. Kropka sah jetzt in ihren Gedanken zwei maskierte Schurken, die die wehrlosen Kätzchen in einen großen Sack einpackten. Aber Quatsch! Wer hätte schon die Kitten entführen sollen? Wozu denn auch? Die kleinen Spitzbuben versteckten sich bestimmt irgendwo hier und lachten sich über die verzweifelte Mama tot, vermutete jetzt die Hündin. Und während Fisia weinend nach ihren Kindern rief, begann Kropka im ganzen Hof herumzulaufen und in jede Ecke ihre Nase zu stecken. Sie guckte in ihre Hundehütte, in die Garage und hinter diese große Gießkanne, die vor dem Abstellraum stand. Vergeblich. Die kleinen Kätzchen waren wie vom Erdboden verschluckt. Vielleicht hatten sie den Bauernhof verlassen, um in der Gegend einen Spaziergang zu machen, fragte sich Kropka. Sie überwand sich und sprach den guten alten Aldo an, mit der Hoffnung, er sah in welche Richtung die Burschen gingen. Aber auch er konnte ihr nicht helfen.
»Gestern Nachmittag waren die Kitten noch da, jetzt sind sie weg«, erklärte er ihr sachlich und trocken, als wäre da zwischen ihnen nie etwas gewesen.
Voller Trauer wandte sich Kropka von Aldo um und kehrte zurück. Fisia, die noch immer wie ein Häufchen Elend aussah, ließ sich gerade von dem Frauchen streicheln, das ihr etwas Leckeres vor dem Abstellraum zum Essen gab. Was auch immer passierte, konnte die Kätzin auf Snacks zählen, dachte sich Kropka verbittert. Die Hündin ließ sich den Kopf von dem Frauchen, das gerade an ihr vorbeiging, kräuseln und schaute der Kätzin zu. Fisia entgegnete ihrem Blick und setzte sich ein bisschen beiseite, als hätte sie Platz für die Hündin machen wollen. Lud man sie da gerade zum Tisch ein, fragte sich Kropka in ihren Gedanken. Mit Unglauben schaute die Hündin die Leckereien an. Schon von weitem konnte man riechen, dass das etwas Besonderes war. Vorsichtig näherte sich Kropka dem Abstellraum und setzte sich neben die Kätzin, die von der Seite zu essen begann. Die Hündin probierte den ersten Bissen und ließ sich in den seligen Zustand versetzen, der sie beim Essen immer heimsuchte. Sie konnte sich nicht an eine Situation erinnern, wo das Futter sie nicht getröstet hätte. Auch wenn es ihr dreckig ging, konnte sie das schon nach erstem Häppchen vergessen.
»Iss Fisia!«, sagte sie voller Freude zu der Kätzin, die besorgt in die Ferne schaute. »Das haben wir uns beide verdient.«, fügte Kropka zu und lächelte sie an.
Doch Fisia antwortete nichts, stand nur auf und verließ den Platz, ohne die Hündin angeschaut zu haben. Jetzt wird sie wahrscheinlich eine Weile so geistesabwesend bleiben, dachte sich Kropka, der erst jetzt einfiel, dass es in der Vergangenheit schon andere Kätzchen gegeben hatte, die so mir nichts, dir nichts einfach abgehaut waren. Das war wirklich bedauernd, denn Fisia hing an ihren Kleinen sehr und solche Situationen waren für sie bestimmt nicht einfach. Eigentlich gab es in dem Verhalten von den Kitten einen gewissen Grad von Unverschämtheit. Sich so ohne Wort aus dem Staub zu machen, war nicht besonders freundlich, dachte sich Kropka. Und außerdem konnte man Fisia vieles vorwerfen, aber bestimmt nicht, dass sie eine schlechte Mutter war. In der ganzen Nachbarschaft gab es doch keine andere Katze, die sich so vorbildlich um ihren Nachwuchs gekümmert hätte. Fisia hatte sich einfach so etwas nicht verdient. Schade, dass ihr so etwas widerfuhr, und schade, dass Kropka bei ihrer Geschichte leer ausgegangen ist. Nicht einmal mit dem gemeinen Dackel hatte es geklappt. Na ja. Aber das Leben ist halt kein Zuckerschlecken, dachte sich Kropka, während sie den letzten schmackhaften Leckerbissen auf ihrer Zunge zergehen ließ.
Kein Zuckerschlecken
Kropka guckte gähnend nach links und dann nach rechts Richtung der Pforte, die sich aus unerklärlichen Gründen nicht schließen ließ. Im Gegensatz zu gestern schien die Sonne nicht. Es nieselte sogar ein bisschen. Das war eigentlich das Lieblingswetter der Hündin. Nicht zu warm aber auch nicht zu kalt. Einfach ein ruhiger Tag auf dem Land. Von den Nachbarhäusern kam das Bellen der anderen Hunde. Kropka schloss sich ihnen jedoch nicht an. Sie mochte die Köter aus dem gelben Haus nicht. Blöde Kläffer und darunter da noch dieser gemeine Dackel. Kropka war doch ihnen allen überlegen. Eine stolze Altdänische Vorstehhündin mit glänzendem weißem Fell und braunen Sprenkeln. Sie war demnach viel schöner als die lächerlichen Fellnasen aus der Nachbarschaft und was noch wichtiger war, viel intelligenter. Aus diesem Grund beschränkte sie sich nur auf einen gelegentlichen Smalltalk mit Aldo, dem großen, weißen Hund aus dem blauen Haus. Aber obwohl er kein kleiner Mischlingshund war, war er Kropka immer noch nicht gewachsen.
Auf dem Hof ertönte ein lautes Miauen. Fisia. Natürlich. Wer denn sonst, dachte sich Kropka. Wie eine Königin streifte die schwarz–weiße Kätzin den Rasen. Selbstverständlich. Anders konnte sie sich doch nicht bewegen. Anmutig und bedächtig. Kropka grübelte manchmal darüber nach, ob diese verflixte Samtpfote einfach nicht etwas verschlang, was sie dazu zwang, so verdächtig langsam vor sich hin zu spazieren. Einmal hatte die Hündin versucht, den Hof auch auf diese adelige Art und Weise zu überqueren, aber es gefiel ihr überhaupt nicht. Kropka liebte es einfach, wild herumzutoben, zu laufen und ihre langen Ohren im Wind flattern zu lassen. Bedauerlicherweise war niemand davon begeistert. Alle waren dagegen im siebten Himmel, wenn Fisia sich nur vor ihnen auf ihren Hintern setzte. Diese verdammte Nervensäge musste nicht einmal irgendjemandem ihre Pfote geben oder sich wenigstens auf die Hinterbeine stellen. Es reichte einfach, dass sie da war. Sie und ihre Bengel. Ja, schon wieder gab es im Hof die kleinen Kopien von ihr. Kropka ahnte es längst, dass es zu diesem Unglück kommen wird. Dieser graue Kater fickte doch Fisia schon wieder vor einiger Zeit und die Hündin sah das alles fassungslos mit ihren eigenen Augen. Das heißt, sie erblickte erst das Ende des leidenschaftlichen Treffens. Sobald sie die zwei Katzen, die ihr Schäferstündchen genossen hatten, bemerkte, griff sie natürlich unverzüglich ein. Heulend und fauchend jagte sie den grauen Eindringling bis zur Pforte. Sie wollte doch ihren Job ordentlich machen. Es konnte einfach nicht sein, dass jemand das Gelände ohne ihre Erlaubnis betrat, dachte sie sich. Aber auch wenn sie sich das nicht einmal vor sich selbst eingestanden hätte: Was sie eigentlich am meisten traurig machte, war die Tatsache, dass sie im Gegensatz zu Fisia von niemandem besucht wurde.
Also waren wieder irgendwelche Blagen von Fisia im Hause da. Wiederum gab es kleine Geschöpfe, die herum rannten, alle entzückten und Kropka auf den Geist gingen. Gestern erspähten sie einen großen Frosch im Gras und versuchten ihn zu schnappen. Heute Mittag lieferten sie sich eine wilde Jagd um ihre Hundehütte. Mal waren sie auf der rechten Seite, mal auf der linken. Kopfschüttelnd ging Kropka auf die Kätzchen zu, um ihnen höflich zu erklären, wie sich die Tiere auf dem Hof verhalten sollten. Sie schaffte es aber nicht einmal, zu Wort zu kommen, denn völlig unerwartet näherte sich ihr Fisia von der Seite, und ohne irgendwelche Warnungen auszusprechen, versetzte sie der Hündin eine Ohrfeige.
Und deswegen saß jetzt Kropka stinksauer in ihrer Hundehütte. Mürrisch und zähneknirschend überlegte sie, wie lange die ganze Situation noch zu ertragen war. Schade, dass das Frauchen oder das Herrchen nicht in der Nähe waren. Wenn sie merkten, dass die Hündin nicht in guter Laune war, spielten sie ein paar Minuten mit ihr. Denn die beiden mochten sie eigentlich, auch wenn sie einen Narren an Fisia und nicht an ihr gefressen hatten. Und Kropka mochte sie auch sehr und hing besonders an ihrem Herrchen, der ihr ab und zu einen Snack zuwarf. Kropka hatte leider keinen unbeschränkten Zugang zu den Leckereien, so wie die Kätzin. Regelmäßig spazierte Fisia in das kleine Häuschen mit dem Abstellraum, wo sich der Sack mit Hundefutter befand und schlug unverfroren zu, während Kropka es rot sah. Na ja, aber das Leben auf dem Land ist eben kein Zuckerschlecken, dachte sich die Hündin immer wieder.
Der leichte Nieselregen intensivierte sich. Und vielleicht war es gut so, dachte sich Kropka. Während des Regens ließ sich die ganze Katzenfamilie nicht blicken. Nichts brachte Kropka so auf die Palme wie das Bild der überglücklichen Kätzin, die voller Liebe und Zuneigung die Ärsche ihrer kleinen Bengel ableckte. Und dann diese kleinen Schmarotzer, die sich an ihre Mama schmiegten und sie anschauten, als gäbe es niemanden außer sie auf der Welt. Aber eigentlich, wenn es sich Kropka so gut überlegte, kam sie zu der Schlussfolgerung, dass Fisia alles andere als eine gute Mutter war. Die Hündin war sich dessen sicher, dass sie sich um ihre Kinder um Welten besser kümmern würde. Wenn sie nur irgendwelche hätte.
Und so vor sich hin über angemessene Erziehungsarten grübelnd und dem Regen zuhörend schlief die Hündin in ihrer kleinen Hundehütte ein. Die Nacht war für sie nicht einfach. Ein paarmal weckte sie ein Donner. Den Himmel zerrissen mehrere Blitze, was ihr die Nackenhaare aufstellen ließ. Und auch in den Momenten, wo das Gewitter nachließ, konnte sie keinen ruhigen Schlaf finden. Sie kämpfte mit dem Ungeheuerlichen, das sie in ihren Albträumen heimsuchte, und wälzte sich hin und her. Als wäre da etwas gewesen, was sie in ihrem Inneren quält und was aus ihr rauskommen möchte. Aber was das war, das hätte sich die Hündin nicht erklären können.
Erschöpft stand sie im frühen Morgen auf. Und das erste, was sie zu sehen bekam, war der gute alte Aldo, den sie eigentlich schon seit ein paar Tagen mied. Mit den täglichen Pflichten überfordert hatte die Hündin einfach keine Lust auf langweilige Gespräche. Doch heute schien Aldo, der an der geöffneten Pforte verweilte, vom etwas Besonderen umwoben zu sein und auch er schaute Kropka mit unverhohlenem Interesse an. Die Hündin hatte den Eindruck, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben von jemandem so angesehen wurde. Aldos Blick war liebevoll, sehnsüchtig und auffordernd. Mit dem Schwanz wedelnd kam Kropka vor die Hundehütte, um ihren schönen Körper zu präsentieren. Aldo ließ nicht lange auf sich warten und rückte zu ihr in Windeseile. Blitzschnell stand er vor ihr da. Er berührte langsam mit seiner warmen Nase ihren Maul und begann dann ihren ganzen Körper zu beschnuppern. Kropka wollte im ersten Augenblick etwas sagen, aber ach, da gab es keine Worte, die alles ausdrücken könnten, was sie gerade fühlte. Das Bedürfnis, die Begierde und das Verlangen nach der Erfüllung der tief verborgenen Träume, von deren Existenz sie bis noch vor Kurzem gar nicht wusste. Voller Freude hob sie ihren Schwanz zur Seite und begann in die Hocke zu gehen, um Aldo bestmöglichen Zugang zu ihrem Hintern zu sichern.
Plötzlich durchriss ein schriller Schrei die morgendliche Stille.
»AAAah! Mach, dass du wegkommst, du verdammte Kreatur!«, kreischte da jemand, was das Zeug hielt. »Hau ab!!!!! Hau einfach ab!«
Kropka zuckte erschrocken zusammen und guckte fassungslos zu, wie das Frauchen, das zu ihnen lief, ihren geliebten Aldo verjagte. Mit ein paar Sätzen war die Frau schon vor ihr und erhob drohend den Finger. »Du böses Mädchen!«, tadelte sie die Hündin.
Kropka schaute das aufgebrachte Frauchen verwundert und verletzt an. Sie konnte es sich nicht erklären, womit sie sich so eine dreiste Beleidigung verdiente. Seit dem letzten Mal, wo ihr Frauchen sie so nannte, war schon eine lange Zeit vergangen. Das war ihr zweiter oder dritter Arbeitstag gewesen. Sie konnte einfach noch nicht wissen, dass der Postbote so eine Art Freund des Hauses war und dass er das Gelände betreten durfte. Na ja, mag sein, dass sie damals ein bisschen überstürzt reagierte, aber andererseits war die Tatsache, dass sie bellt oder knurrt, noch lange kein Grund dafür, gleich in Panik zu geraten und wegzulaufen. Und wenn dieser Fettklops nicht so ungeschickt gewesen wäre, wäre er auch nicht in die riesige Pfütze vor der Pforte reingefallen. Und außerdem wusste doch hier jeder, dass das Leben auf dem Land kein Zuckerschlecken ist, dachte sich Kropka, während sie in das kleinere Häuschen, in dem momentan niemand wohnte, gedrängt wurde. Man wollte sie doch hier nicht einsperren? Der löste Besorgnis in ihr aus.
Drinnen in dem Häuschen setzte sich Kropka beunruhigt auf den Teppich, der in der Mitte des Zimmers lag. Was hatte das alles zu bedeuten, fragte sich Kropka entsetzt. Sie wollten sie aber jetzt nicht aus dem Hof vertreiben! Das konnte einfach nicht wahr sein. Kropka hatte immer vorbildlich dem Hause gedient. Ohne ihren Schutz wäre die ganze Bude binnen ein paar Tagen zu Grunde gegangen. Das Frauchen tadelte die Hündin jedoch nicht. Im Gegenteil. Lachend schaute es sie an und dann kräuselte es liebevoll ihren Kopf.
»Ach, mein Pünktchen. Was machst du da?«, fragte das Frauchen und stemmte seine Arme in die Seiten. »Aldo ist doch ein Versager, der so ein tolles Weib, wie dich, gar nicht verdient«, erklärte es voller Überzeugung. »Es gibt da in der Nachbarschaft einen viel besseren Kandidaten für dich und du wirst bald zu ihm gebracht werden.«, versprach das Frauchen. »Er ist so wie du, nur ganz braun und ohne jegliche Punkte.« Ihre Besitzerin machte energisch ein paar Handbewegungen, als hätte sie den Hund in der Luft malen wollen. »Ach, du wirst von ihm wundervolle Welpen kriegen«, fügte die gute Frau grinsend hinzu.
Kropka schaute das Frauchen verdutzt an. Mit solchen Informationen hätte sie überhaupt nicht gerechnet. Sie hatte da schon zwar ein paar Vermutungen bezüglich Aldos Person, aber dass er ein Versager war, nö, darauf wäre sie selber nie gekommen. Und da war noch dieser geheimnisvolle braune Hund. Kropka hatte schon immer so ein inneres Gefühl gehabt, das ihr sagte, dass da draußen in der großen weiten Welt hinter der offen stehenden Pforte jemand besonderer auf sie wartete. Und jetzt bestätigte sich ihre Ahnung. Und dann noch die Ankündigung, dass sie irgendwelche Welpen kriegen würde. Erst jetzt erkannte Kropka die Situation in ihrer ganzen Tragweite und der Ernst der Lage wurde ihr bewusst. Erwartungsvoll guckte sie ihr Frauchen an mit der Hoffnung, dass es noch mehr verrät. Vor allem wäre es für sie wichtig zu wissen, mit wie vielen Welpen sie beschert wird. Fisia hatte pro Wurf zwei oder drei Kitten und da wollte Kropka natürlich nicht schlechter sein. Also drei Welpen waren das mindeste, was sie sich gewünscht hätte. Und vielleicht konnte sie sogar mehr kriegen, schoss ihr durch den Kopf. Zum Beispiel fünf. Warum nicht? Darüber hinaus wollte sie wissen, wie lange sie auf die Kleinen warten musste. Und last but not least war es für sie wichtig zu klären, ob sie jetzt mehr Snacks bekommen würde.
Das Frauchen sagte aber nichts mehr. Es streichelte nur Kropkas Kopf und verließ das Häuschen, die Tür hinter sich schließend. Mit ihren Gedanken alleingelassen und ein bisschen von den Ereignissen überwältigt, setzte sich Kropka auf ihren Hintern und begann die ganze Situation von Grund auf neu zu analysieren. Bald würde sie sich aller Sonderrechte erfreuen, die nur der gesegnete Zustand versichert und den bis jetzt nur Fisia schamlos, das muss man hier erwähnen, ausgenutzt hatte. Ein neues Lebenskapitel eröffnete sich der Hündin.
Draußen ertönte ein intensives Bellen. Voller Neugier kam Kropka ans Fenster und erblickte unten ein paar Hunde aus der Nachbarschaft, deren Namen sie sich nie merken konnte, den Versager Aldo und noch den gemeinen Dackel. Bei dem Gedanken, wie der kleine Kerl ratlos um sie herum hüpft, weil er gar nicht in der Lage ist, sie zu besteigen, musste sie sich ein Lächeln verkneifen. Mit Interesse schaute aber Kropka sich den Rest an, der zwar bei ihr keine Chance hatte, dessen Präsenz ihr dennoch schmeichelte. Sie alle kamen wegen ihr hierher. Kropka war sich dessen sicher und genoss die Tatsache, die Angebetete zu sein. Fisia wurde nur von einem Bewerber besucht und sie dagegen hatte ein paar von Kavalieren vor den Fenstern und noch einen geheimen Verehrer in der Nachbarschaft. Aber am meisten freute sich Kropka auf ihre Fünflinge, die sie bald bekommen würde. In ihrem Inneren sah sie schon die niedlichen Hündchen, die im Hof mit einem kleinen Bällchen spielten oder in ihrer Hundehütte schliefen. Da wird Fisia blöd aus der Wäsche gucken. Schon jetzt war die Kätzin bestimmt aufgrund des Hunderudels verunsichert, dachte sich die Hündin. Triumphierend und voller Freude auf das neue Leben begann Kropka zu bellen und in dem Zimmer herumzulaufen.
***
Als das Herrchen Kropka besuchte, machte sie gerade ein kleines Nickerchen. Von Hoffnung erfüllt kam sie zu ihm und legte ihren Kopf in seine Hände, in denen sich ein Snack verbarg. Das Herrchen schaute ihr liebevoll zu, wie sie den Leckerbissen verschlang. Plötzlich öffnete sich die Tür und das Frauchen kam herein.
»Ich dachte, du fährst jetzt mit ihr zu unserem Nachbarn«, sagte es verblüfft.
»Nein … Daraus wird leider nichts«, antwortete das Herrchen, und drehte sich zu seiner Frau um. »Unserem Nachbarn gefällt der Gedanke nicht, dass wir die Welpen haben werden«, fügte er hinzu.
»Hatte er gedacht, dass ihm sein Rüde kleine Hunde gebärt?«, fragte das Frauchen irritiert. »Natürlich werden wir und nicht er die Welpen haben. Reicht ihm jetzt das, was wir ihm vorgeschlagen hatten, nicht mehr aus?« Verwundert guckte das Frauchen ihren Mann an. Der streichelte nur die Hündin und schüttelte den Kopf.
Beunruhigt versuchte Kropka, dem Gespräch zu folgen. Für ein paar Sekunden dachte sie, dass sie sich verhört hatte. Wie denn? Sie werden Welpen haben? Nein, das gibt’s doch nicht! Das werden doch Kropkas Welpen sein! Ihre kleinen Lieblinge, die sie zu besten Jagdhunden großziehen wird. Kropka hatte schon ein paarmal in ihren Gedanken den Preis für die Mutter des Jahres erhalten. Sie hatte sich selbst auf dem Podium gesehen, das sie zusammen mit ihren fünf Hündchen belegte. Das alles hatte sie dank ihrer harten Arbeit erreicht und der kleinen Hilfe von dem braunen Hund. Moment mal! Aber was hatte das eigentlich zu bedeuten, dass irgendetwas vorgeschlagen worden war? War sie jetzt eine Kundin, oder was? Das konnte doch nicht wahr sein! Man versprach ihr Liebe und Herr Nachbar stellte sich in die Quere und forderte, dass sie für ihr Glück bezahlt, als wäre sie ein jämmerlicher Köter. Und wenn das alles nur gelogen war, kam Kropka plötzlich ein ziemlich sinnvoller Verdacht in den Sinn. Vielleicht existierte der braune Hund nicht und man hatte ihr nur ein Märchen erzählt, damit sie hier wie ein braves Lämmchen herumsitzt und auf einen Liebhaber aus Wolkenkuckucksheim wartet. Und jetzt wollte man ihr weismachen, dass der Besuch wegen Herrn Nachbarn nicht stattfinden kann.
Aus ihren Kulleraugen das Herrchen und das Frauchen beobachtend, versuchte sie die beiden darauf hinzuweisen, dass sie eigentlich zu niemandem gebracht werden musste. Draußen vor den Fenstern standen noch immer die Interessenten da. Aldo, der zwar ein Versager war, aber Kropka hätte doch ein Auge zudrücken können. Ein paar Hunde, deren Namen der Hündin jetzt entschwanden. Und noch der gemeine Dackel. Sie hätte sich für ihn hinlegen können. Ihr bricht doch kein Zacken aus der Krone, dachte sich Kropka voller Wehmut, ihre Besitzer verzweifelt anschauend. Doch weder das Herrchen noch das Frauchen schienen sich, um die Hündin in diesem Moment zu kümmern. Ohne sie anzugucken, verließen sie das Häuschen.
Mit ihren Gedanken allein gelassen glotzte Kropka das leere Zimmer an. Das war einfach nicht zu fassen! Noch vor Kurzem stand die Welt ihr offen und jetzt saß sie hier allein. Ohne jegliche Hoffnung auf die Hündchen und den geheimnisvollen Verehrer. Aufgeschmissen schaute Kropka auf ihr Spiegelbild in dem Spiegel, der ihr gegenüber an der Wand stand. Warum wollten eigentlich immer alle über ihr Leben entscheiden? Warum durfte Fisia ohne Reue ihre One-Night-Stands genießen, während man Kropka dasselbe untersagte? Und warum, verdammt noch mal, stand der Sack mit den Snacks in dem Abstellraum und nicht in ihrer Hundehütte, fragte sich die Hündin. Und so wie Kropka noch vor einiger Zeit voller Glück in dem Häuschen gejubelt hatte, tobte sie jetzt sauer auf die ganze Welt herum. Ein unbändiger Zorn ergriff ihren ganzen Hundekörper und wilde Phantasien eroberten ihr Gemüt.
Nach ein paar Stunden voller Bellen, Knurren und hoffnungslosem Kläffen legte sich Kropka erschöpft auf den Boden und verfiel in einen wohligen Schlaf. Endlich konnte sie der gemeinen Wirklichkeit entfliehen. Und in ihrem Traum war sie nicht allein, sondern mit einem Hündchen. Obwohl es ihr Kind war, ähnelte es Kropka überhaupt nicht. Das putzige kleine Ding war ganz braun und ohne jegliche Punkte. Wahrscheinlich war es so wegen dem Vater. Aber Kropka war es eigentlich ganz Wurscht, ob ihr Nachwuchs mit Sprenkeln ausgestattet war oder nicht. Das war doch ihr Sohn! Ihr Kind, das sie über alles liebte. Kropka strotze vor Stolz, wenn sie es anschaute. Für das pünktchenlose Schnuckilein würde sie ins Feuer springen! Und zum Glück wurde sie nur mit einem Kind beschert. Denn so toll es auch war, eine Mama zu sein, war es auch, musste man hier sagen, ein anstrengender Job. Und darüber hinaus stand der Sack mit dem Hundefutter noch immer in dem Abstellraum. Na ja, aber das Leben auf dem Land ist kein Zuckerschlecken, dachte sich Kropka in ihrem Traum, während sie mit dem Sohn voller Glück laufend die Felder durchstrich.
Erholt und entspannt wachte die Hündin am nächsten Morgen in ihrer vertrauten Hundehütte auf. Noch ein bisschen von den Träumen benommen, versuchte sie sich daran zu erinnern, wie sie aus dem Häuschen rausgekommen war, aber es gelang ihr nicht. Die letzten vergangenen Tage wurden immer diffuser. Wie der Rauch, der sich langsam in Luft auflöst. Auch an den kleinen Welpen aus ihrem Traum konnte sich Kropka nur mühsam erinnern. Die Hündin steckte ihre Nase aus der Hundehütte raus. Es nieselte ein bisschen und alles versprach einen ruhigen Morgen auf dem Land. Nachdem sie sich vor der Hundehütte ein bisschen gestreckt hatte, entschied sie sich, eine Runde auf dem Hof zu machen, um nach dem Rechten zu schauen. Zuerst wollte sie Richtung der, wie immer geöffneten, Pforte gehen, an der der gute alte Aldo verweilte. Aber obwohl die letzten Ereignisse fast in Vergessenheit geraten waren, schoss Kropka plötzlich eine Sequenz von Bildern durch den Kopf. Szenen ohne jegliche Hemmungen oder Unklarheiten. Einfach ein leidenschaftlicher und tabuloser Film mit ihr und Aldo in den Hauptrollen. Ach Herrje! Nee … Dann doch lieber nicht …, dachte sich Kropka und kehrte um.
Und als sie sich umdrehte, traf sie sich Auge in Auge mit Fisia. Mit eingezogenem Schwanz stand die Kätzin geduckt da. Ihr immer glänzendes Fell schien jetzt irgendwie so ungepflegt. Mit ein bisschen gesenktem Kopf und nach unten hängenden Schnurrhaaren schaute sie sie an mit ihren grünen Augen, die voller bodenloser Trauer waren. Und auf einmal wurde der Hündin klar, warum es hier so ruhig zuging. Die kleinen Kätzchen, die um diese Zeit normalerweise schon herumtobten, waren jetzt nirgendwo zu sehen. Donnerwetter! Konnte es sein, dass ihnen etwas Schlimmes zugestoßen war? Bei dem Gedanken wurde Kropka schwarz vor den Augen. Na bitte schön! Ein paar Tage Urlaub nahm sie und schon kam es zu irgendwelchen Unannehmlichkeiten, dachte sich mit Unglauben die Hündin. Vielleicht wurden die Kitten entführt? Irgendjemand nutzte es aus, dass die Pforte offen war, und schnappte sich die Kleinen. Kropka sah jetzt in ihren Gedanken zwei maskierte Schurken, die die wehrlosen Kätzchen in einen großen Sack einpackten. Aber Quatsch! Wer hätte schon die Kitten entführen sollen? Wozu denn auch? Die kleinen Spitzbuben versteckten sich bestimmt irgendwo hier und lachten sich über die verzweifelte Mama tot, vermutete jetzt die Hündin. Und während Fisia weinend nach ihren Kindern rief, begann Kropka im ganzen Hof herumzulaufen und in jede Ecke ihre Nase zu stecken. Sie guckte in ihre Hundehütte, in die Garage und hinter diese große Gießkanne, die vor dem Abstellraum stand. Vergeblich. Die kleinen Kätzchen waren wie vom Erdboden verschluckt. Vielleicht hatten sie den Bauernhof verlassen, um in der Gegend einen Spaziergang zu machen, fragte sich Kropka. Sie überwand sich und sprach den guten alten Aldo an, mit der Hoffnung, er sah in welche Richtung die Burschen gingen. Aber auch er konnte ihr nicht helfen.
»Gestern Nachmittag waren die Kitten noch da, jetzt sind sie weg«, erklärte er ihr sachlich und trocken, als wäre da zwischen ihnen nie etwas gewesen.
Voller Trauer wandte sich Kropka von Aldo um und kehrte zurück. Fisia, die noch immer wie ein Häufchen Elend aussah, ließ sich gerade von dem Frauchen streicheln, das ihr etwas Leckeres vor dem Abstellraum zum Essen gab. Was auch immer passierte, konnte die Kätzin auf Snacks zählen, dachte sich Kropka verbittert. Die Hündin ließ sich den Kopf von dem Frauchen, das gerade an ihr vorbeiging, kräuseln und schaute der Kätzin zu. Fisia entgegnete ihrem Blick und setzte sich ein bisschen beiseite, als hätte sie Platz für die Hündin machen wollen. Lud man sie da gerade zum Tisch ein, fragte sich Kropka in ihren Gedanken. Mit Unglauben schaute die Hündin die Leckereien an. Schon von weitem konnte man riechen, dass das etwas Besonderes war. Vorsichtig näherte sich Kropka dem Abstellraum und setzte sich neben die Kätzin, die von der Seite zu essen begann. Die Hündin probierte den ersten Bissen und ließ sich in den seligen Zustand versetzen, der sie beim Essen immer heimsuchte. Sie konnte sich nicht an eine Situation erinnern, wo das Futter sie nicht getröstet hätte. Auch wenn es ihr dreckig ging, konnte sie das schon nach erstem Häppchen vergessen.
»Iss Fisia!«, sagte sie voller Freude zu der Kätzin, die besorgt in die Ferne schaute. »Das haben wir uns beide verdient.«, fügte Kropka zu und lächelte sie an.
Doch Fisia antwortete nichts, stand nur auf und verließ den Platz, ohne die Hündin angeschaut zu haben. Jetzt wird sie wahrscheinlich eine Weile so geistesabwesend bleiben, dachte sich Kropka, der erst jetzt einfiel, dass es in der Vergangenheit schon andere Kätzchen gegeben hatte, die so mir nichts, dir nichts einfach abgehaut waren. Das war wirklich bedauernd, denn Fisia hing an ihren Kleinen sehr und solche Situationen waren für sie bestimmt nicht einfach. Eigentlich gab es in dem Verhalten von den Kitten einen gewissen Grad von Unverschämtheit. Sich so ohne Wort aus dem Staub zu machen, war nicht besonders freundlich, dachte sich Kropka. Und außerdem konnte man Fisia vieles vorwerfen, aber bestimmt nicht, dass sie eine schlechte Mutter war. In der ganzen Nachbarschaft gab es doch keine andere Katze, die sich so vorbildlich um ihren Nachwuchs gekümmert hätte. Fisia hatte sich einfach so etwas nicht verdient. Schade, dass ihr so etwas widerfuhr, und schade, dass Kropka bei ihrer Geschichte leer ausgegangen ist. Nicht einmal mit dem gemeinen Dackel hatte es geklappt. Na ja. Aber das Leben ist halt kein Zuckerschlecken, dachte sich Kropka, während sie den letzten schmackhaften Leckerbissen auf ihrer Zunge zergehen ließ.
DAS ENDE
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