Keine kleine Nachtmusik - Sonett

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Walther

Mitglied
Keine kleine Nachtmusik

In seiner Linken hält er die Granate,
In seiner Rechten schwingt ein Schießgewehr.
Sein linkes Auge, blau einst, gibt’s nicht mehr.
Was braucht der Mensch für eine Bachkantate?

Zehn ganze Finger. Das sind die Geräte,
Die G?tt, der Herr, dem Menschen wachsen ließ,
Als er noch träumte, nackt, im Paradies.
Jetzt haut er sich Granaten in die Gräte

Und auch woanders hin, in Bauch und Brust.
Das Oratorium singt in ihm in Nächten,
Wenn nichts als Angst ihn frisst und Frust,

Dass er Kollegen tötet in Gefechten,
Die andere befahln aus Machtsuchtlust –
Sein Fuß im Takt beim Lob für den Gerechten.

Gewidmet allen Künstlern, die jetzt in der Ukraine für die Freiheit der Kunst und für ihr Land kämpfen.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das Gedicht wurde von Spam und Off Topic befreit und steht wieder unter Feste Formen.
Bitte bei der Textarbeit bleiben!

Liebe Gr
 

Samoth

Mitglied
die signatur, lieber walther, zeigt es auf. dein sonett ist allen menschen gewidmet, da wir überlebenskünstler sind.
 

Hans Dotterich

Mitglied
...
Zehn ganze Finger. Das sind die Geräte,
Die Gott, der Herr, dem Menschen wachsen ließ,
...
Vielleicht liegt es an mir, dass ich den Begriff nicht verstehe, oder zumindest die Intention dahinter: Gott, der Herr. Worüber Herr? Herr kann doch immer nur sein, der führt!

Bach und Mozart sehe ich in Deinem wundervollen Gedicht als Quelle ungeheuerlicher menschlicher Kraft. Menschen haben etwas geschaffen. Die zehn Finger mögen als zehn Gebote als weltferner, sehr abstrakter Motivationsbeitrag vom Lieben Gott durchgehen. Du sollst nicht töten, sagt eines davon, mit oder ohne Granaten. Pah!

Gott kommt ein zweites Mal nicht vor. Ist das Deine dichterische Absicht? Ich kann Dir leider kein Synonym vorschlagen. Aber ich finde, dass Gott ein bisschen nackt dasteht. Also, es ist nicht so, dass ich mich darüber beklage.

Liebe Grüße

Hans
 

Walther

Mitglied
Das Gedicht wurde von Spam und Off Topic befreit und steht wieder unter Feste Formen.
Bitte bei der Textarbeit bleiben!
danke dir, @Franke, für dies und dein engagement in der moderation! lg W.
die signatur, lieber walther, zeigt es auf. dein sonett ist allen menschen gewidmet, da wir überlebenskünstler sind.
hi @Samoth,
es ist all denen gewidmet, die ein aggressor oder ein diktator angreift, und die um ihr leben kämpfen müssen.
danke fürs lesen!
lg W.
Vielleicht liegt es an mir, dass ich den Begriff nicht verstehe, oder zumindest die Intention dahinter: Gott, der Herr. Worüber Herr? Herr kann doch immer nur sein, der führt!

Bach und Mozart sehe ich in Deinem wundervollen Gedicht als Quelle ungeheuerlicher menschlicher Kraft. Menschen haben etwas geschaffen. Die zehn Finger mögen als zehn Gebote als weltferner, sehr abstrakter Motivationsbeitrag vom Lieben Gott durchgehen. Du sollst nicht töten, sagt eines davon, mit oder ohne Granaten. Pah!

Gott kommt ein zweites Mal nicht vor. Ist das Deine dichterische Absicht? Ich kann Dir leider kein Synonym vorschlagen. Aber ich finde, dass Gott ein bisschen nackt dasteht. Also, es ist nicht so, dass ich mich darüber beklage.

Liebe Grüße

Hans
lb @Hans Dotterich,
die bibel kennt nur eine schöpfungsgeschichte, daher verstehe ich deine frage nicht ganz. warum sollte er explizit ein weiteres mal vorkommen? er tut das implizit, denn wem sind oratorien gewidmet?
G?tt ist nackt und bloß, wie die Bibel selbst berichtet. wenigstens sein sohn ist es. und nachdem er Adam und Eva nach seinem bilde schuf (daher brauchen wir uns ja auch kein bild von ihm zu machen, da es im Du vor uns steht), muss er das zu diesem zeitpunkt logischerweise gewesen sein.
im übrigen hat er immer wieder seinen sohn anmerken lassen, dass er sich nach dem zweiten bund raushält. kurz: wir müssen uns und den ganzen laden aus der scheiße, in die wir ihn und uns gebracht haben, selbst wieder rausholen.
lg W.

der dichter dankt @Franke und @molly für die positive betrachtung und @Samoth fürs leseempfehlen!
 



 
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