Klosterkirche über Frangocastello, Kreta

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Walther

Mitglied
Klosterkirche über Frangocastello, Kreta


Ein Gottseibeiuns gerufen
als sich das dach der
basilka schloss:

Den kopf un bedeckt der
Dreifaltigkeit aus gesetzt –
das Allerheiligste bleibt zu

Rosenkranz häkelnde mönche
auf halber höhe rechts: der esel
schreit & der pfau schlägt rad

Man könnte gesegnet werden
& die reliquie küssen oder ein
fach glauben was sie verspricht

Wäre man noch unschuldig &
hoffte auf erlösung: Ich bin das
Wort! spricht der Herr –

Wir verloren es
 

anbas

Mitglied
Lieber Walther,

grundsätzlich boykotiere ich ja inzwischen alle Gedichte/Texte - unabhängig von den Autoren - die bestimmte Stilelemente enthalten (wie. z.B. das kaufmännische Und ( & ) oder "inflationäres" Auseinanderschreiben von Worten die normalerweise zusammengeschrieben werden (in Ausnahmen finde ich dies durchaus passend, aber als "breit angelegtes" Stilmittel mag ich es nicht)). Für mein Empfinden werden viele dieser Texte durch solche Stilmittel zu künstlich und wirken auf mich von der Form überfrachtet, so dass Inhalt und Stimmung darunter leiden. Aber ich billige natürlich zu, dass dies eine Frage des Geschmacks ist.

Doch ich kann diese Form nun mal nicht leiden, ärgere mich und habe keine Lust, mich weiter mit dem Text zu befassen (andere mögen dafür keine Limericks :D). Allerdings werte ich dann auch nicht, da ich finde, dass ich nur dort werten sollte, wo ich das Stilmittel mag oder mich zumindest drauf einlassen kann und mich nicht davon in meiner Wertung beeinflussen lasse (ansonsten würde ich solche Texte vermutlich durch die Bank weg irgendwo mit 3-6 Punkten bewerten ;)).

Hier ist es anders. Auf dieses Gedicht habe ich mich mal eingelassen (oder einlassen können), und es hat sich gelohnt - auch, wenn ich die erwähnten Stilmittel weiterhin nicht mag (aber sie treten ja auch nicht so extrem "inflationär" auf :D), ebenso wie die "Spielerei" mit der Groß- und Kleinschreibung.

Ich war vor über 20 Jahren mal auf Kreta und auch in Frangokastello (bei einem deutschsprachigen Gedicht, würde ich übrigens die deutsche Schreibweise - also mit "k" - bevorzugen (wir schreiben ja i.d.R. auch Peking und nicht Beijing ;) - und die Suchmaschine meines Vertrauens hat mir auch die Schreibweise mit "k" vorgeschlagen)). Viele Erinnerungen habe ich nicht - war zu kaputt von der Wanderung durch die Imbros-Schlucht. Da der Bus auf uns wartete, hatten wir auch nicht mehr so viel Zeit, um uns umzusehen (und dann ist auch noch genau der Film kaputt gegangen...). Trotzdem ist mein Interesse geweckt und Erinnerungen hervorgerufen worden.

Ich mag die Athmosphäre, die beim Lesen dieses Gedichtes entsteht. Für mich ist es fast schon großes Kino! Klar, besser würde es mir gefallen, wenn ... aber ich will mich nicht wiederholen :D. Doch werten möchte ich aus besagten Gründen auch hier nicht (wäre aber sonst eine 6-7 (statt 8 oder sogar 9)).

Liebe Grüße

Andreas
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Walther,

abgesehen von "basilka" gefällt mir das Gedicht sehr. Für mich sind & und Klein- und Getrenntschreibung durchaus sinnvoll und gut einsetzbafe Stilmittel.

Liebe Grüße

Herbert
 

Walther

Mitglied
Klosterkirche über Frangocastello, Kreta


Ein Gottseibeiuns gerufen
als sich das dach der
basilika schloss:

Den kopf un bedeckt der
Dreifaltigkeit aus gesetzt –
das Allerheiligste bleibt zu

Rosenkranz häkelnde mönche
auf halber höhe rechts: der esel
schreit & der pfau schlägt rad

Man könnte gesegnet werden
& die reliquie küssen oder ein
fach glauben was sie verspricht

Wäre man noch unschuldig &
hoffte auf erlösung: Ich bin das
Wort! spricht der Herr –

Wir verloren es
 

Walther

Mitglied
Hi Anbas,

danke für deine ausführliche stellungnahme.

in der tat kann man über die von mir in dieser art lyrik verwandte schreibung streiten. es gibt von mir dazu eine ausgearbeitete poetik, die ich immer weiterentwickle. daher bitte ich sehr um verständnis, daß ich diese schreibung weiterhin einsetzen werde und daher damit leben mu0, daß es leserinnen und leser gibt, die das für ausgemachten blödsinn und inakzeptabel halten. diese gratwanderung ist billigend in kauf genommen, absturz inklusive.

der text spielt mit der verknüpfung von außen- und innenwelt: der urlauber und der fremdling ist für solche poesie besonders geeignet, weil er sozusagen seine einhegung verlassen hat und nun mit allen sinnen präsent ist. diese disposition ist für manche fragestellungen durchaus kreativitätsfördernd.:)

was mich sehr freut ist, daß du dir dennoch zeit für diesen kleinen streifzug durch die denkungsart glaubensfreier zeiten genommen hast!

lg W.
 

Walther

Mitglied
Hi Herbert,

danke für deine unterstützung und den wertvollen tip, den ich gleich umgesetzt habe. es ist schön zu hören, daß ich dich mit meinem text erreichen konnte.

es kommen noch ein paar, nach und nach ...

lg W.
 

revilo

Mitglied
Moin, mir geht es so wie Anbas....ich stehe auch nicht so auf diesen lyrischen Firlefanz...zumindest wenn er so dicht ist, dass es die lesbarkei des Gedichtes stark beeinträchtigt...hier aber bist du den goldenen Mittelweg gegangen...und das tut dem gedicht verdammt gut......starke, gleichzeitig sensible und intime Bilder, die eine schon fast sakrale Stimmung erzeugen....
aber dennoch ist dieses Gedicht schlicht und geht - zumindest mir - zu Herzen....Lg revilo
 
Hallo Walther

Die Stilelemente, wie. z.B. das kaufmännische Und ( & ) oder das Auseinanderschreiben von Worten die man normalerweise zusammenschreibt, werden mir nie gefallen.
Ich würde so gern deine Gedichte lesen, doch sehe ich das oben Genannte, wende ich mich ab und verzichte auf das Weiterlesen.

Trotzdem grüße ich dich herzlich,
Marie-Luise
 
Sehr schlimm finde ich das [red]&.[/red] Das habe ich Walther aber schon oft kund getan. Doch ihr habt ja sicher seinen Kommentar über seine sogenannten Stilmittel gelesen.
 

Walther

Mitglied
Hi revilo,

man kann sich, wie du ausführst und ich bestätigt habe, über die verwendete schreibung streiten; ihr liegt ein plan mit einer absicht zugrunde.

ich freue mich sehr, daß du dich für diese text erwärmen konntest.

das mit der "lesbarkeit" gehört übrigens zum plan: der leser soll langsam lesen, um sich mit dem text auseinanderzusetzen.

danke für kommentare und begutachtung!

lg W.
 

Walther

Mitglied
lb Marie-Luise,

deine ansicht ist verständlich und ehrenhaft. wir werden hier nicht zusammenkommen. aber ich schreibe ja auch andere gedichte, für die sich aber kaum einer interessiert (in der lupe, woanders ist das anders). auch das ist in ordnung, jeder soll so lesen und besprechen, wie er mag.

danke für deine immer hilfreiche begleitung!

lg W.
 

Franke

Mitglied
Hallo Walther,

ich habe kein Problem mit "ungewöhnlichen" Stilelementen. Für mich zählt einzig und allein der Inhalt und damit hast du mich an einen Urlaub von vor 30 Jahren erinnert.

Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße
Manfred
 
Lieber Walther,
da ich Griechenland-Fan bin und bereits viele orthodoxe Kirchen besucht habe, hat mich die Atmosphäre deines Textes sofort nach Kreta mitgenommen.
Ein sehr gelungenes Gedicht, das auch in seiner etwas verschlüsselten Schreibweise "Schriftgelehrte" erfordert...
Herzliche Grüße
Karl
 

Walther

Mitglied
Hi Franke,
danke fürs kurzkommentieren und freundlich begutachten! die erinnerung war hoffentlich eine schöne ...
lg W.
 

Walther

Mitglied
lieber Karl,

bin ich auch. wir waren schon öfter in griechenland - meine frau zieht es nach Saloniki aufs festland - mal sehen.

danke fürs reinschauen und für gut befinden!

lg W.
 
Hallo Walther,
auch das griechische Festland mit seinen sehr unterschiedlichen charakteristischen Landschaften hat (für mich) einen unglaublichen Reiz. Bin gespannt, wie es Euch in und um Thessaloniki gehen wird. In jedem Fall viel Spaß...
Karl
 

Walther

Mitglied
Lb Karl,

wenn wir das gemacht haben, irgendwann in der zukunft, werde ich mich melden. :) danke für die tips!

lg W.
 

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